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Freies Blatt · 1894-09-02 · 126 (2.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
126 (2.9.1894)
Date
1894-09-02
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Sfitc 10. Freies Blatt. Nr. 126. sein soll? Und ist es da ein Unrecht von mir, wen» ich. den Wunsch linde, daß er dasselbe werden soll, wal ich bin?" „deinen Wunsch finde ich ja nicht unberechtigt," sagt: die Frau, ,,du siidlst dich glücklich und willst, t : soll cS auch sein. Tein Irrtbum besteht nur darin, daß du meinst, er müstc cs auch auf dieselbe ilxt sein, wie du cS bist und müsse, i in glücklich zu sein, genau denselben Weg gehen, den du gegangen bist. Er hat aber nicht deine Natur, und cs ist eine Unmöglichkeit, einem Kinde eine andere Gemülhsart einzupflanzen als die, die cs hat. Ich glaube, es ist dies meine teste moralische Ueberzeugunq, er könnte sich einmal bei all dem Reichthum, den wir ihm zurücklasicn werden, innerlich sehr unglücklich fühlen und uiis, wenn wir nicht mehr sind, noch bemitleiden, daß wir so kurzsichtig gewesen, seine Natur nicht zu erkenn:»." „Eine moralische Ucberzcugung fanp ein Grund sein," sa.kc der t^alle, „für den, der sie bat, nicht aber für den, der sic nicht hat." „Sie kann-ein Grund werden auch für den, der sic nicht hat," cntgegncle die Frau, „wenn derjenige, her sie hat, zeigen kann, worauf sic sich gründet." - „Sas ist eine andere Sache," sagtf Emanucl. Sie. Frau aber fuhr fort: „Meine! Ucbcrzeugung gründet sich auf die Heftigkeit, mit welcher bei dem Kinde der Wissensdrang oder Wisienichattsciscr dcrvorgebrochcn. Er fift ja ganz außer sich, und ich fürchte, er könnte, Gott behüte, krank werde», wenn man ihm seinen Wunsch nicht erfüllt." Sicse lepten Worte machten eine liefe Wirkung aus Emanucl: sic waren cur Appell an sein Paterherz, und nicht ganz vergeblich balle die Mutter an diese Instanz sich gewendet. Er sagte: „Ich bin zwar nicht so überzeugt, wie du es fein willst, den» ich habe ja die Heftigkeit dieses Ausbruches nicht gesehen. Soch du tagst, cs ist so, und ich glaubt dir. Also folgt daraus: Man muß dem Kinde seinen' Willen tdun: allein, das ist nur die eine Seite der Sache. Sic Sache hat aber noch eine andere Seite." ..Welche andere Seile?" fragte die Frau mit innerer Genugthuung, da sie leinen Widerwillen besiegt und nur noch mit Einwendungen, wie sic anö dem Beistände komme», zu tdun zu haben meinte. „Wir können ihn doch nicht so ins Blaue hinein stndircn lassen," sagte er. „man muß doch bei Allem einen Zweck und ei» Ziel vor Augen haben. Man muß sich doch fragen, was er werde» soll!" „Saran zu denken," sagte sie, „ist noch Zeit genug." , Man kann das nicht früh genug bedenken," cntgcgnetc er, „ge wöhnl sich ein junger Mensch Jahre hindurch daran, au ein Ziel, das er erreichen soll und will, nicht zu denken" so erreicht ‘ er auch keines." „Mein Bruder Savid," sagte sic. „har, wie er zu studiren angefangcn, auch kein bestimmtes Ziel vor Angen gehabt." , Er har auch keines erreicht," sagte Emanucl, und. nach einer kleinen Bause subr er fort: ,,Su mußt mir, ehe ich weiter rede, jetzt im Borhinein versprechen, mir zu verzeihen, was ich sagen werde." „Ich werde dir gar nichts übel nehmen," sagte sic, und er fuhr fort: „Ich wollte deinen Bruder-Savid nicht in diese Besprechung hereinziehen: er ist todr, sind ich wollte-ihn ruhen lasien. Sa aber du selbst von ihm zu reden 'angesaugen hast, so kann ich--der Sache nicht mehr answeichen. Sn magst mir es glauben, ich ehre sein Andenken, und nicht allein darum, weil er mein Schwager gewesen ist, sondern weil ich ihn wirklich sehr gern gehabt hah'. Er war ein guter und braver Mensch: mau sindel seinesgleichen nicht >'o leicht. Er ist gewiß auch ein großer (belehrter gewesen, darüber Hab' ich kein Unheil, das versteh' ich nicht: aber eines weiß ich uild das versteh' ich: ein „Hicl hat er nicht erreicht Es bat ihm etwas Wichtiges gefehlt: jede Beziehung zu der Welt. Sas ist ungesund für de» Körper und für den Geist. SicseS ewige Aussichherausgribcln und Insichhineiubrülen langt nichts, und ich meiiie, das hat ihn io frühzeitig hingcrafft. Ser Mensch, er mag sein, was er will, muß zur Welk, zu feinen Mit mewchen Beziehungen haben, er muß Pflichten haben, er muß sich Sag sagen: das und das Hab' ich henk' zu lhu», und uiiiß daS, a zu ibu» hat, es mag sein, was es will, gcwisicnhaft erfüllen. S as tu > ü den Ebarakler und macht de» Mann. Savid war ein Men'ch. aber kein Plan», er war auch een Eharaktcr, ein edler, aber kcju uichraer. und wie sehr ich das Andenken an ihn in Ehren halte, du iriiU ulll schon verzeihe», wenn ich das Bestreben habe, Moics :» eine solche, dem Körper wie dem Geist! gleich gefährliche b'age nicht koiiiincli zu lasten lind darum mimen wch bedenken, was er werden soll " - Ans dieic Auseinandersetzung ihres M'hnnes batte die Iran nicht geantwortet. Sic Erinnerung au ihrcu Bfudcr sliinmtc sie wchmüthig. Ser Gatte bemerkte dies und sagte: „I^ch wollte dich nicht kränken mit dem, was ich gesprochen habe; ich chußtc dir aber zeigen, wie die Sache steht. Auch habe ich deinem Bruder ja nichts Schlechtes nachgefagt, und du brauchst dich seiner nicht ju schämen!' „Schämen!" sagte die Frau mit einem tiefen Sensor; er aber fuhr fort: „Ich wollte, cS möchte feine schlechteren Menschen geben auf der Welt wie's war. Man köiinch geleistet werdciz möchte wenig." ' „Er hat geleistet!" „Was?" „Er hat geschrieben." „Für die Welt? Für sich vielleicht drucken lassen?" „Er war zu bescheiden dazu!" „SaS ist cS ja, was ich sage Bescheidckiheil ist gewiß eine sehr schöne Sache; aber auch die Bescheidenheit muß eine Anmaßung, sich in unberechtigter W Anderen den Play wegzunchmen: aber da. dabei zufrieden sein; aber Hat er jemals eine Zeile eine Grenze haben. Es ist ise vorzndrüngcn und ciucm wo man auftreten soll, wo man sich verpflichtet fühlen sollte aufzuticten, sich zurückziehen und anstatt in der Well an dem Allgemciiw zukämpsen, philosophische Betrachtungen Welt, das geht über die Grenze einer erlaubten Bescheidenheit hinaus. Ucbrigens," fügte Emauuel hinzu, „wollfn wir ja nicht von Savid reden, sonder» von MoseS." Sie Frau aber fühlte in diesem Augenblicke ganz als und in dem Eifer die Anklage gegen den sic: „Savid konnte daS nicht leisten für seinen Fähigkeiten nach hätte lcisten könnci in sich selbst zurückziehen, nach außen' h Shor verschlosicn." „ Su berührst da einen sehr wichtigen „und gerade diese Rücksicht ist eS ja, wcchalb cS mir vernünftiger und zweckmäßiger erscheint, daß Moses der l Geschäfte gewidmet werde, alS den Studien. Glaub' mir Ietti! Für am besten." „Safür nennt man nnS auch Schache Indiguatjon, „und ich glaube; man muß Jude auch zu etwas Anderem taugt, als daS selber znqestchc», daß für den Juden dann habe» sie ja „Nein, Ietti," n thcilzunehmcn und mit- »»stellen über den b!auf der chwcstcr Sodtcn zurückzuwciscn, sagte wirkliche b'eben, waS er Als Jude mußte er sich n war ihm ja Thür und Punkt," sagte Emanucl, uns Jude» ist das Geschäft juden," sagte, die Frau mit der Welt zeigen, daß der zum Schacher. Wenn wir 'as Geschäft das Beste ist. Recht, wenn sie uns ^chacherjuden nennen.' sagte Emanucl, „sic haben nicht Recht; wir gestehe» gar nichts zu, und der Borwurs ist durchaus unberechtigt. Wen» sic uns nicht, wie sie tdun, seit Ja irhundenen Thür und Thor verschlossen hätten, wenn sic uns jede lkiufbahn frei ließen, wie cS von rechtswegen sein sollte, wenn wir zu allen Acufteril und Stellungen, die sic für sich behalten, Zutritt hatte», Profcsior, kur; Alles das werden könnte, nicht werde» kann, und wir Juden möchnin u»S troydcm einzig und allein dem Handel ergeben; wenn die Freit eit für die Juden, in alle möglichen Aenitcr cinzutreten, nur einige ständen hätte, und wir trotzdem nicht davoi schließlich dem Geschästslcben widmeten Sch'l hin, diele Juden! Alle Wege stehen Alles werden, so gut wie wir, sie wollen bringt Gewinn und der ist ihnen mehr könnten sie uns vorwerfen, daß wir voch Schachcrgcist erfüllt sind und daß es uns im Blut liegt. Aber so n ie die Sachen stehe», was können wir denn werden, wozu können wir wir da eine Wahl? Bleibt uns etwas Andcies übrig als das Geschäft? Wenn wir nun auf diesen Weg angewiesen betrete» können, wen» wir uns nun mit allen Penn der Jude Beamter, waS er heute »och immer Generationen hindurch bcablicßen, und uns aus danu könnten sic sagen: ihnen vssen: sie können aber nicht. Sas Geschäft verth als Alles! San» in uns liegt, dem Geschäfte widmen, und ei der da zu etwas bringt, dann weite» sie mit FiH uns Schacherjudcn? Nein, Ietti, sic haben judcn zu heißen, denn sie sind cs, die uns iiki Z?aufc von Jahrhunderte» sind und keinen anderen Eifer und aller Kraft, die Eine oder Andere gern aus uns und heißen ein Recht, uns Schachcrdazu gemacht haben, und >ic sind cS, die daß wir aushören cS zu sein. Nein! stricht Inden dazu treibt, nicht darum, weil er hat, ist daS Geschäft für ihn daS Beste, jo ihn;» nichts Anderem zuläßk, und weil Laufbahn ergreifen iwöchte, von alle» Scilei nach tausenderlei Scmnihignngcn aller Art larüber belehrt wird, daß sein llebcn ein verfehltes gewesen ist. Sann l leibt ihm, wenn er etwas wcrdcn will, freilich nur ein Ausweg übrig einige Jude» Professoren geworden; ich Hab' ich das vorigcmal in Wien gewesen bi». E n gewisser Pick, scheint mir, aus Eibenschily, ein gewisier Beer auS Proßniy, ein gewisser Grün aus Prcrau, ein gewisier PiSko auS lrausniy, und mir zcheint, cS heute noch verhindern, weil seine 'Natur de»!ür nichts Anderes Sinn idcrii darum, weil man ii Jude, der eine andere zurückgcstoßcn wird und Es sind in jüngster Zeit davon reden gehört, wie

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