Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 126 (2.9.1894)
- Date
- 1894-09-02
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 12«:. Freies 5? 1 a 11. Seite i. antiscmilischen Angriffen zu leiden Halle. So schrieb ein Rccensent: „Erscheint eS schon auffällig, die deutschen Festspiele durch erneu jüdischen Dirigenten;u eröffnen, so Noch vielmehr wohl unpassend, gerade den Parsifal von ihm immer wieder dirigircn zu lassen." V,m hat noch unter Wagncr'ö Augen die erste Aufführung im Fahre 1882 geleitet, er hütet die Ilcbcrliefernngen desselben und ist deshalb Bielen unbequem: auch hat er unter der frömmelnden Eon verlirungSsucht mancher Parsifalschwänner zu leiden — doch bleibt er bis auf weiteres noch Jude und — Dirigent der deutschen Festspiele. (Allliscm im (yonflictc 'mit Den «trofntfCBClI.i Ununterbrochen Ijabcit sich die Berichte mit den anliscminschrn Siornpliäcn zu be" «chäftigcn. In E g g e n st c i n wurde neulich wider den Führer der reinen Raccnanliscmiten, Huber, die Anklage wegen B erb rechtens gegen die Sittlichkeit crbobcn. Der vormalige Redactenr der inzwischen eingegangcncn antisemitischen „Neuen deutschen Heilung", A. Schroot, wurde jüngst wegen schwerer Beleidigung des ifracli m'chen Atztes Dr. Solomon in E' er in g sw a l d e zu vier onatcn Gefängnis; verurthcilt, welche Strafe nunmehr vom .rlonige von Sachsen zu einer dreiwöchentlichen Haft im (Gnadenwege berabgesepl wurde. . 'liOfl) ctlvas von Herrn "cns;.) Nachträglich wird »och allerlei Fnleresiantcs ans dem Streite zwischen' dem antisemiiiichen rlieichsiags abgcordnetc» Venß und , seinein (^efinnnngs und ('iebesgenonen ir. S et) n » p bekannt. Fm Bcrlaufe dieses Streikes, der bekanntlich wegen der Beziehungen von Venß zu Frau Dr. Schnitt! entstanden war, Kglte V'cnß seinen früheren Freund bei der Staaic-aizivallichatt wegen Unterschlag u ii g v o » m e h r e re» b u n d e > t Bl a r l B a r t c i g e l d c r n dennneirt. 2, ach Angabe des „Hannoverischen Botts blancs" war aber diese Dcnnneialion eine falsche, da Dr. Scbnup (war Barlcigeldcr verwendet bat, aber nur zur lbeiliveiien Begleichung von. Ausgaben des vorjäbrigen bannoverschen antiseniitisclien Paneilages 'Auch die von ('eng ausgestellte Bebanptnng einer Unterichlagnng vo» - l^eldcrn a»S einer Samuilung für die Wahl von Deus; in Schmal kalbe».Eschivcgc fei. eine wissentlich falsche, da die belrenende Snminc ausdrücklich Dp. Schnup als Bergürung für feine llnkotten als Agi lalor für die Wahl von ('eng zugcsianden worden sei. Schließlichaber wird Venß feil»ft c ige n in ach t ig c Bcr w c n d n ng v o n P a ric i ge Id er» -für ''eine besonderen Zwecke vorgctoorfen, und zwar soll er alle auf dem hannoverschen Parteitag vereinnalimien (Rüder obne Wissen und Erlaubniß der Partei für sich behalten und für seine Wablinterefse» in Schmalkalden verwendet baben. Nun erlagt Herr Venß in der „Nemscheidcr Zeitung" eine Erklärung, in'der behauptet wird, daß die bei der Hauptwahl 1 für Ve n ß ab gegebene» Sliinincn zu einem sehr großen Dbeile aus dem freisinnigen Vager stauimcn, wie denn auch die Hälfte der Mitglieder des antisemitischen WahlconiiloS noch 1S{>0 für den Freisinn agilin liabe. Nur um den guten Ruf deS R reifes Schmalkalden zu wahren, der leider mit den antisemitisch verseuchten Streifen Eschwegc und W i p c n h a n s e n zu einem ReichstagSwal,lkr:isc vereinigt ist, stellt der .. T h ü ringer H a n S f r c u n d" der Vcuß'fchcn Erklärung nachstehende Lbatiaclwn ..fest: Fm Streife Schmalkalden fielen bei der Hauptwabl aus de» freisinnige» Eandidaten Wiclisch 1332 Stimmen und auf den von den National Eonservativcn empfohlenen Antisemiten Venß 4-'* Stimmen. Man verwahrt sich hier ganz entschieden -dagegen, daß a n ch nur ein wirklich Freisinniger seine Stimme dem Venß ge geben habe, wohl aber steht, fest, daß national eonservalive -Herren, und zwar sogar Mitglieder des Wablcomitcis öffentlich für den Antisemiten Venß agitirt haben. sPolitisirtlldt Priestcr.) Auch Ftalicn hat jene sattsam bekannte „Eaplanokralie", welche' sich unter dem Mäntelchen der „christlichen Vielte" und der „kirchlichen Fntcrenen" dem wüsteste» Partcigetriebc in die Arme wirst, offenbar in der Hoffnung, sich dadurch eine raschere Earriöre zu sichern, dabei aber cS mit den (R'undfäpe» der Rechtlichkeit selbst sehr wenig genau nimmt. Dieser Tage stand in Rom der Priestcr Montreuil, Redactenr des „Moniteur de Rome", vor einem Drei-Richter-Eollegiuni unter der Anklage der Agiotage, begangen durch einen auf den ^turz der Slaaisrenle berechneten Schmähartikcl. Der Staatsanwalt anerkannte, daß der Artikel auf die Rente keine» Einfluß haben konnte, zog die Anklage zurück und bat den Gerichtshof, den Angeklagten freiz»sprechen, umlomchr, als man füglich die Haltung dickes Fremden, der größere Rechte genieße als ein Staatsbürger, und dennoch die E'efcye FtalieizS io schnöde verletzte, mit Berächtnng übcrgeben dürfe. Auf die Frage deS Präsidenten, ob er etwas cinzuwcnden habe, erwiderte Montreuil: „Nichts, als daß ich diesem Herrn die Berachrung vom ganzen Herzen znrückgcbe." — P räsideni: „Fhre Verachtung dürfen Sie mit sich nehmen. Sic sind frei." — Die Blätter be wundern die Vangmutb des' l^erichistioieS. Montreuil nennt jetzt im „Moniteur" de» Staatsanwalt einen Epilevliker, den (^enchishof einen Fahrmarkt, in welchem manche Bain'eljäireiber dem Pnblieiun aui die Urlbeile Bezug badende Vollonnmmern'anbieten 2lus antiscmitlschr'n IVivimMi und l\'r famntluiuvu. «("ewerbenörnilg Böie wir bereu miigeltiein. gedci-kei: deiiinadm die Böiener Ailti-enillen uuier Schneid er'-> Fubnmg eine» -Ntaiseilansiing midi Oira;. wa!:r-d enuid,;m lirol’-.-vun-i fi-m-i rtast uiv de» ^.idiealen Ldnisigeid ainiicmiiisnms zu unrernebinen. Bte-.kivnrdigerii'eiii- -eine diel.-s Proieei »ad, vor leincr Ltlissilt.rlmg ee» gtul-enden Berebree eee- B'-'.i!'ignii-isnadilvei«eS und der;iii,'ll>-ri'd»p, Em'-1-ranti,iig. der g.-werbiidieii sZ-reil,e,l einer .'i.age iv.-gen id--'iverbe«i,". ung anS'-ven. Ernil ^.inieider bi::.- »»midi m de» .in-i'eminidien Zeit»».,e» 'den Ami-e.liiilenans'iiig 'naa, ,» li-direieri-.i-e-. LS,-inan geküiidlgl und zng:e,äi nadi An' ee-. z>ie>-ebl,»-.,»-. d:e Bermiitii-.ng de-.. Fabrlane» übernommen. i'iu i«,hiera-.i' »'-.»de in»-, di.-'.-r k.zge' der nieder ünerreidii-dien Simb.itle-.el eine Eingabe nder-.eidii. ,» iv.-id-e-- eiiiü S.lineieer der'n,ieo»ee'ttoll>rie» Ausübung der B -»n e Ne-, el-urean-.- (.-."d'-.n'igr wird. Furer- Eingabe w»e g.-l>elen, daß der Mir. :,,»-,; m,- iv«'.,-!-.- des Aei-e bnrcans. >nr den der '»leti-amler Sdinewe: ivolil tamu. einen' L!e>.r.ii,:.in.fs " uadiiveis, uodi eine c>ri-.erü'>oil deiim. von der'Sk.nlliiMerei-in dii-.zeii-. -z>.!,-ge l-iiigeiieU! werken »löge. F» die-ei aeliig.id- I-es nurcr Aneeien!: ..Sei; Faliren veraiinalkel der Alediamter. Ld i;e;d,-i zu-,?o,,i»rer;e!l' Sev>nal verginigungszüge zum Fivede v.'ini'd'd: Rgitatn-n. LV.iede kec-etbe d.ii -> e,»en eorreeien Borgang eiubalten, e d. die veuu-die sZnbniiig deraniger. Ausllüge fidi vorbebalien, dagegen den ge-dianlidN-n aliei: e.u '»r -onbe Rebearrange- Niems berukenen eonee'noninen i'>ei.bg'!S>»li.ic-ern liveidassen. dm» tief;.' f.di gegen dag Borge! en Sdnieiker's a»' 'ö'cni-.d des >'>eiep.-s >n.v:s ei-.iiveiidri,' AU.-!» Herr Sg-neider beibaligt bei dicien Arrangeinems die vollnändigc Ans iil'ili-.g der Beingilisse vo» Akei-el-ure.mr. -er lag: vrovi-oii-d'.- ,v.il'rt.ir!eii erncten, verlaust kieie-znnadisl, n i i» n, > Mir e; e - e ->i ei' e » u c>eid ivcik in e t: r ein. a t S cd d e r B a I: n te z a l> I i .' reid.d! die'.- :>Aet»,-:„i,al»„e lur Ber'aninUnllgS've'eii. Trnd-orle>i dcdl »d, »n Bocliiiiein gegen all i'ältige Aeekaniaiioiien daniil, das, er vel-anolei.' -Ut'äNige ll>derti;:ihirll,-» B-ineiZivedeii ziigesiiliri iverden. und v e r ' di afft i i dl m - e I dl e r A , I i » völlig illegaler LS e z > c ee I e ni i l r e l m i i ll in g e I, n n g des c - iv e r v e g e > e p e s lind in v o l i e in i'-t-inn a » r; » , e » e r ■», i j fl erialver o r d n n n g , w e l >1, e die E r : d e, l » » .> d .- > o o » e r i - i o n f ii r «.S e ■ d> a > i s a g e n i n r e » .g a n z de i o n d e r s c i iZ d> r -i » 11 » » d » » r i ii r g a n z d e > o n d e r S - l> e r ii-d -1 >1,1 , g e n s iv e r 11, e ,Z ä 11 e a n g a n; le i o n d e r -:- v e r i r a n e n s >v ii r d i g e te r > o » ,- n » o r in i r i. ZS e I d in i 11 e >, die er g a u>Z; iv e i f e I l o s i n. r ' , di und i e i n e a g i t a t o r i > di e n 3 »' e cle v e r iv e n sei. 'Es in kal-ci ii'o.l, Kervoiziibel'e», das; l'ei'vielsweise der iiingne Sevarairng nad: i'>raz inii einein'Avvaraie von eirea llnierverlaiiiSneUeii, die biez» gieidiralis keine Berednigiing befiven, in Scene geievt worden ist." Bian d-ir' geiv-iiiiii dein, ivas die Slaltliatterei. z» dieier Eingabe lagen wird. iVncgcr-Feier, i Die Bei euer Aniiieinilett vl-men ans Anlaß des 5-0 (Kr buristages -deS Dr. Lueger eine „großartige" Fe;e:i,dikei:. die von einem AnSidiune, an denen Spitze der belannie vieiidiinensionale Sdileiinger ii^bt, am 21. Sciober veianiialiet werden loU. Die Feniid tellen sollen an-S cineni in einer der. großen .'ludu-r. LLienS abnilialieirden Ho-baime. cineni Auszüge der Dbeiinclinier znm B-r'aiiinitiingsorie und eili.-i» -D'ninierS - mit Festreden besteben. Das Fen -oll in Böeigi'S Diederv-irl in Meidling abgeballen werden, da man dein FeiiaiiS'dnin'e die Sinrämniiilg der urivriingti-dz ins Auge gelainen -liot-.inde, l'ezielnlngsivei'e des AliiüIvereinS-aales anS naheliegenden (Trünken verweigerte. ' iTic Einigung Der Daitiilini Antisemiten.« Am 2t>. Angusl sand zu Ha in m in L'öeiivliaien ein alili-eiiiiii-d'er Detegirtcinag trut^r kein Borsipe?r. .'tonigs Beinen nail. ivetdier, ipie bercilS gcnieldei, die Berich,netznng der anli«e>nili'd>en Barieie» Denlicht-mdS anbalinen sollte. Der Borsivcndc König, ker.sldi letbii liir einen lleberläii'er ans der eon'crvanven Partei ansgab, con- Naiirie die zablreidien Beriilirnngsvnnlie zwischen den Anlisemite,:. und' Eonservallven, beiome aber, daß die Aiilileniiten weder ein AnKäng-el der eoniervativen Partei bilde» wollten, no.1i jemals eine gonverncinenlale Parte: bilden könnten und daber selbslsländig anslrelen nnisne». König theinc mit. daß er sid, mit 3inlinerman» über ein geinei,i-a:neS Borgehen in einer „dcnischsociale» Resornipartei", die berenS bei Beginn der neue» AeidiskagS-.-lioil alS Fraciion der vereinigten Anlisemite» in-; Leben -treten roll, verständigt bade, lieber die 'Bereinigung -otl im Cctebor eine geinein-diasilid,-- Sivnng der Eeiainnnvorslände beider Parteien beratken, wo ein einlieiilidi r Prograniiiieillivui' vorgelegt werden «oll. Bis z»r endgiliigen Regelung bleiben die bisherige»