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Freies Blatt · 1894-09-02 · 126 (2.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
126 (2.9.1894)
Date
1894-09-02
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Freies Blatt. können, wenn ein so undeutscher, den Ts» hechen und Clericalen Liebesdienste leistender Mann, der seine politische Ueberzeugung unzähligemalegeändert chat und sich zum sürstlich Lirchtenstein'schen politischen Agenten erniedrigte, wenn dieser Mann — sagen wir — von der Steinwender-Partei sich so ange;ogen fü >lt, daß er sür deren Eandidaten eintritt, also die Wahl eines lnhangerS dieser Partei int Interesie derjenigen gelegen findet, derer notorischer politischer Zutreiber er ist. Lueger und Steinwendei — weiter geht'S nimmer! Man muß aus die Hilfe solcher Gegnet im politischen Leben ver zichten lernen, wenn mgil den Ehrgeiz h, t, ein anständiger, achtung heischender BolkSvertreter tu sein. Ehrenvo ler wäre es sür die Teutsche Nationalpartei entschieden gewesen, in Slrucf selbst eine Niederlage, die übrigens niemals ernstlich zu befürcht n war, zu erleiden, alS mit Hilfe deS Liechtenstein Trabanten zu fiesen. Wenn der Grundsatz ..daS Gute zu nebntrn, woher eS auch konnte', etwa dahin gedeutet werden soll, daß Wahlstimmen gerne aeee itirt werden, wenn sie auch der Gönnerschaft Luegers zu verdanken sind, dann träte wirklich zwischen dein obigen Parteigrundsatze und der prächtigen Moral, daß der Zweck die Beutel heilige, eine recht bedenkliche Ideenübereiustim innng;n Tage." Gin llrtbctl ans Galizien. Zn lern Sck,eidnngsprocesie, der sich iiugenl'lufltdi zwischen dein conservatitten und dein euil.isemili-cheii «Flügel der eleriealen Partei vollzieht und durch die Wahlbewegnng in den Alpenländern gezeitigt wird, ist die Stimme eines polnischen , eleriealei: Plattes über daS Perbältniß zwischen den beide» genannten Nichitingen von anioriiarem Interesse. Tr clericakr „Przeglond" schrieb jüngst: „Es ist noch immer dnr ir'ige Ansicht verbreitet, daß die Wiener christlich ioeiale, geineinhin »lS aniisemiiisch bezeichnete ^rraelion gleichiani die Porlnit deS katdolishen Lagers bilde und' sür die Inierenen desselben wirke. Diese irrige Meinung stützt sich aus die Tliatiache, daß die erwähnte «Fraction der deutsch-liberalen Partei eine gelvi''e Anzahl Wiener NeichSratKsnlandate abgenonimen habe. Nun wäre aber vom katholisch eoniervatlven Standpunkte die Per drängung der liberalen Abgeordnete» nur sin dem «Falle ein Gewinn, wenn an deren Stelle die Wahl roniervasiver Abgeordneter ersolgen würde: wenn aber ein Reichsratli-imandat aus liberalen in radicalere Hände gelangt, io bedeutet dies sür die ketholische Partei keinen Gewinn, sondern einen Perlnü, denn eS bl ndelt sich da um eine Bewegung, welche den parlaiiieiitarischen Schwerpunkt noch weiter nach links in die '.Tt’.eme Richtung verschiebt. Tie parlamentarische Wirk jamkeit der an stelle der srükeren lidera en Abgeordneten gewählten Alitiseniiten Prinz Liechtenstein, Geßmann, Lueger :e . hat dargethan, daß die eonservatlve »ud katholische Sache durch die Perdrüngung der srnheren liberalen Abgeordneten absolut »ilt is profitiri habe. lleberdies in es eine allgemein bekannte Tbatsache, daß die demagogische AgliationsmetKode dieser Herren in den i neuer Pprorten eine solche Situation geichassen hat, daß bei fiinftigei: iVeutvableit, zumal wenn dieselben aus (Grundlage eines erweitert! n Wahlrechtes stanfinden sollten, alle diele Wahlbezirke Social T mokraten wühlen 'werden. •Statt dem Liberalismus wird also etwas ,iel Schlimmerem, nämlich dein SoeialiSinuS, der Weg gebahnt. Dix Herren Lueger und Konsorten kennen vorzüglich diese PerKültnisie, Und sie wiffen, daß eS mit dem Mgndatssang in Wien vorbei ist: . »eswegen treiben sie sich so geschä'tlg .in' den Provinzbezirken itmlterj allein in den deutschen Provinzbezirken in die christlich ,'ociale Strömung nur in sehr geringem Maße vorhanden, und in «Folge denen verlegt sich die Lneger'sche Eoinpagnie aus die Unterstützung der deutsch nationalen «Fraction gegen die deutsch liberale Partei. Tie jüngste, ipit unsinnigen Phrasen ge spickle Hetzrede Z'ueger'S in Mariazell hälfe ebensalls diesen Zweck: die katholisch.covierrative Parket m Sleiertnark weiß aber, daß die deutsch nationale «Fraction sür die eonierv rtiven und Reick,Sinteresicn gefährlicher ist als die liberale Partei, deshalb, bekämpft ne auch nicht iin Leohener Wahlbezirke die Kandidatur porber's. Dagegen unter stützt die christlich sociale «Fraction mit Zen deutsch'naiionaleu Walz Zn Wien pstegen t^nnoss'en zntreilen mtt ihrem eiteiretdii'dui: Sckm ai zgelbibum zu drariren, in der Prov die San didaten einer «Fraction, für welche tismu-:- ein, .tlberwundener Standpunkf it't 'chnfeit..! Artikel »chrctor „P.zeglond", es der Evrlst'.ick' Se.ialen zur Unke:Nützung des ratl's.and'dc.i.» ui Lieiermark bet den pontilten diatholiken wirkungslos verlituen werde .lisch .Änndit dieses Blattes sei vom Standpunkte der tlietcliSivieresseu sowie der Erhaltung »er iocialen Trdttung und der norinalen Gnt'viiliung die Bekämpirng der deutsch nationalen Zraetion tan eben'o noklnr.id'.g und ersprießlich wse die Bekäinpsung der coctal L etnokratte vUN c dentichen Bol! weiter die Kandidatur deS ick, die Herren Lueger und Patriotismus und ihrem n; dagegen unterstützen'sie der österreichische Patrio " Zn einem später er >'ei ncher, daß der Appell deutsch nationalen Reichssitatuiite prävglire seit ur denklichen Zeiten der Individualismus, we eher sich auf Wissenschaft' sichern Gebiete in einer überaus glänzend!» Weise bemerkbar macht, nicht so aber auf politischem Gebiete, wo d e Bildung von unzähligen Parteien, Fraetionen und Fractiönchen kein Ende nimmt. " Indeß debefinden sich die Deutschen in einer so günstigen Lage, daß sie sich den LuxuS derartiger Abzweigungen, intmerl in gestatten können. Was namentlich die Deutsch-Nationalen betrisst, welche unter dem Prütext der Schärfung des deutschen Nationalbewußseins seit zwanzig Jahren durch ihre Secession und ihre Manöver einzig und allein das deutsche Lager schwächen, so verdienen dieselben als abschreckendes Beispiel für die numerisch schwächeren nichtdeutschen Par eien besondere Beachtung, l Eine Parteizerbröckelung unter derartigen Behältnissen wäre beispiels-! weise für die Polen verhängnißvoll und wü de einen politischen Selbstmord bedeuten. Die Polen haben, ja alle iin? Errungenschaften ihrer musterhaften Solidarität zu verdanken. Wü den aber die Polen überhaupt irgend welche Erfolge erzielt haben, »venu etwa solche polnische Steinwender, Bareuther :c. unter dem Deckmantel eifrigerer nationaler . Gefühle die «Führer Sniolka, Grocholski, >.nblikiewicz, Ziemialkowski,; IaworSki, Graf Alfred Potocki u. A. des Mangels an nationaler Ueberzeugung beschuldigt und eine selbstständige, angeblich,noch polnischere Partei als den Polenclub gebildet kälten? Eigentlich könnten die Polen mit einer gewisie» Sdiadenfreude auf diesen KiuIkums >Ia rii-ln-ss«* der deutschen Parteien herabblicken. Da aber die Polen gegenwärtig in den österreichischen Deutschen eine principielle» Gegner sehen, vielmehr mit denselben zahlreiche prii cipielle Berührungspunkte haben, so drücken sie ihnen aus Anlaß 'der herostratischeu Agitation der deutsch-nationalen Partei ihr Beileid ane. >'lUorit; WiggrtS.) In Berlin ist dieser Tage, der mecklenburgische ,Freiheitskämpfer Moritz Wiggers als nüder Greis zur Ruhe eingegangen, gerade ein Bierkeljahrhundert, se idem des neuen Deutschlands -Gesetzdstat'el mit jener mit dem Narren Moritz WiggerS eng verknüpften Bestimmung geschmückt ivrrrd welche die .Gleich berechtigung der religiösen Bekenntnisse in bürgerl ick) er und staatsbürgerlicher Bezieming .aussprach Sdion im Jahre II»>7 hatte der rkceichstag des > orddentichen Bundes sickr für dieses' Princip erklärt. Aus Anlaß eine' Petition aus Mecklenburg forderte der Reichstag - den Reick,Skai»zler auf, eine» .Gesetzentwurf vorzulegen „behufs Beseitigung all r nock, vorhandenen Beschränkungen der bürgerlickien und staatsbürg'rlichen Rechte ans Grund der. Berschiedenheit deS religiösen Bekenntnisses". Liiemand im Reichstage wagte es, die hehre Lehre von de' Gleichbered,tigung der Menschen, welchen (Glaubens sie auch seien, auzutasteu. AlS fast ein und ein halbes Jahr seit diesem Beschlüsse e ergangen waren und das erbetene Gesetz sick, nock, nickit eingestellt hatte da brachte im'Sommer lsi>‘.t Beoritz Wiggers den Entwurf eines LceichsgesetzeS ein mit solgendent einzigen Paragraphen: „Alle noch bestehenden ailS der Berschiedenheit des religiösen Bekenntnisses lie geleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlid,en Reck te werden hiedurch aus gehoben. Insbesondere soll die Befähigung zur Theilnahme an der Gemeinde- und Landesvertretung und zur Bekleidung öffentlicher Aemter vom religiösen Bekenntniß nnabhänzig sein." Am ’J. Juni 1 Stilt fand die erste Berathung des Geseke ttwnrfcö statt: nur ein Abgeordneter, der conservative Graf Bassewitz aus Mecklenburg, bekämpfte den Antrag vom Standpunkte de>: „christlichen Staates". Tr. Windthorst Meppen sprach und stiinn te aus formalen RechtSgründeu gegen den Gesetzentwurf: er beür tt die Zuständigkeit des Reiches. Zur Sache selbst hat der verstorbene Eentrumsführcr damals die denkwürdige» Worte gesprochen: „Ick, bin der Ansicht, daß bei dem Stande per Berhältnisse in Deuischlan > es unzulässig ist. daß das religiöse Bekenntniß irgend welchen Eins uß auf die öffentlichen bürgerlickien oder staatsbürgerlichen Berhältni se hat." Weiter sprach sich dann Windthorst sür unbedingte religiöse Toleranz ans. Der Antrag WiggerSwurde denn auch nahezu einstimmig angenommen und erlangte am Juli 166!« (>tesetzesk, ast. Alle sFreunde der Rechtsgleichheit werden dem edlen Manne :in pietätvolles Andenken bewahren. Bo»l (savtsillltistcr Lcvi.) Zu den I> gredientien eines wasch ockiten Wagnerianers gehört bekanntlich aivl, eine gehörige Dosis „Antisemitismus", da ja der „göttliche Meister', nachdem er der freund sichen Nack,Hilfe Beenerbeer'S nick,t mehr bedurfte als bahnbrechender Geist auch dem Antisemitismus eine Straße schuf. Nun will es aber die Ironie des Schickseris, daß gerade der Dirigent des Banreuther BühnenweihfestspieleS ein Jude, der Sohn eines Ra >biners, der Eigner des alttestamentarisch priesterlichen Namens L ev i ein muß. Wir wunderten uns lange schon, daß Herr Levi so u»angesoe,te» in Banreuth seinen Taktstock schwingen sollte. Leun, da daS die, jährige «Festspiel vorüber ist hören wir, -daß der Generalniusikdireclor tliatsächlich viel unter Nr. 126.

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