Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 126 (2.9.1894)
- Date
- 1894-09-02
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/4886575-5439163-5441551--1477-4887927- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. r reite freies mann als Allgewaltiger herrscht. Man wird sich mm etwa einbilde», in Währing müßten sociale...und wirthschaftliche Mnilerziistände sein, , ino keine (Korruption herrscht nnb wo der kleine Mann, die Armen, ' Witwen nnd Waisen, für die ja die Antisemiten ausschließlich;u | arbeiten vorgebcn, ein beneideiiSwcrthcö Pascin snhrcn. Vknn eine \ fleinc Probe dieser äntiseniitischen Mnstettvirthschasl haben wir soeben ' erhalten, allerdings fiel sic nicht besonders;u Gunsten der antij semitische» Gesellschastsretter ans. Zn Anfang des Monates August . machten mehrere Währinger Armenrätbe. bei der Revision des dem a n t if e nt 11 i i 4 e u Armenrathe- Frau; H olzbaner Angewiesenen j rtianonS die Wahrnehmung, daß daselbst nach den bei den Hausbesorgern erliegenden Auszeichnungen in der Zeit vom 23. 'Jlngiift r. 0. dis znm 18. April d. 0. den Armenbüchien Sammelgelder im Be trage von etwa 2l)>> st. entnommen worden waren, während Holz baner mir bei 1Ü0 fl. abgeführt hatte, selbstverständlich wurde diese Angelegenheit sofort dem magisiratischen Arniendepartemenr gemeldet und die Untersiichiing eingeleitet. Hol',baner deponirte beim Cbntann Stellvertreter des Wahringer ArmenratheS den fehlenden Betrag von tE st. 13 kr. nnd erklärte sich bereit, auch weitere eve» tuell noch an den Tag khinmende Abgänge;u beefen. Biittlerweile hat MagistratSrath T ra b a »er als Ql,es des städtischen k ArinendepartementS Herrn Holzhauer zu sich berufen und das Resultat der llnterrediing war ein Protokoll, in welchem Hol',baner der Be l ordeseinen Ber; i ch l ans daS A rmen r at HS dep a r I e nt e n t bekannt gibt. Holzbaner'S segensreiche Wirksamkeit im Interesse der Aerinfte» der Armen hat in deut Bezirke keineswegs überrascht, da man ihn daiel.bsi stets als das Gegentheil von einenr Eato kannte nnd sich von ihm noch allerlei andere Geschichlchen erzählt, die ',war vollkommen mit unseren Borskellnngc» von einem rechten Antisemiten, nicht aber mit denen von einem Armenrathe und Waisciivormnnd nbereiiifliiiimen s^lllll fViltl 3dltr,cr.t Während sich die antisemitische Presse be müht, den wegen Beriuilrcnnng verhafteten Pfarrer Scherzet ab, znidiütleln und gegen die „Indenprefse" wettert, „welche den Deiran danken durchaus der christlich socialen Partei anfbeftcn mochte", schreibt die „(Konservative (Korrespondenz", al'o gewiß kein sogenanntes Zndenblalt, Über den .„unglücklichen Prieftev", der sich jetzt in Korncnbnrg in Haft besindel: „Was il,n so tief fall eit ließ, war seine ,d) r i ft 11 d,-j o eia l c‘ Agitation. Tie .(Konjervative (Korrespondenz' hat bereits ant -0. Angnst 181*2 die warnenden Worte an seine Adresie gerichtet: .Eooperator Sdierzer in Wien hat die weltbewegende Entdeckung gemacht, daß .ein Ehristlich socialer ein ganz guter Katholik sein' kann, daß aber daS .Baker . laufe* anfgehört habe, »Interpret der katholischen Interessen zu sein'.! In Deutschland würde der hoch würdige Herr, in welcher Diöcese immer, für fein d e »i a g o g i s ch e S Treib eit > in d dS P riest crco rrect i on Shaus e i n g'e la de».' Der jetzige Iall zeigt, wie die .chrtstlich-fociale' Partei Einen Ihresgleichen, der »nbeqncm wurde, abstreift, damit nid)t, »wenn sid> Jemand hcrbcigelasien hätte, dem Pfarrer Scherzet mit Geld beiznspringen und seine Malversationen zu vertnschen', derselbe »einfach znm Mitsdinl digen gestempelt' werde. Die Mitschuld einer Bernntrennng trifft jedoch nur denjenigen, »der eine veruntreute Sache verhehlt, an sich bringt oder verhandelt', nnd davon kann;wisd,cn Pfarrer Scherzet und seiner Partei nicht wohl die Rede sei». Wenn man aber de» Pfarrer Scherzet frühzeitig in die Vage versetzt hätte, .den ganze» anS feiner Dhat entspringenden Schaden wieder gut' zu machen, so hätte seine Bernntrennng anfgchört, strafbar zu .jein; die Priestcrwürdc wäre vor der öffentlichen Schmach dcS Kerkers bewährt geblieben." (Tie Reform in Atzgcrsdorf.) Die Gcmeiiidcwahlcit in 'Riederösterreich sind größtentheils vorüber nnd haben, wenn auch die liberalen Majoritäten, wo solche bestanden, nicht untergraben wurden, doch immerhin so manches Mandat in die Hände der Anlisemiten geliefert. Zn welcher Weise aber"anch die letzteren die Wahlagitation triebe» und zu welchen Mitteln sie griffen, möge nur ein Iactum, .daS sich in Atzgcrsdorf abspiclte, illnstriren. Daselbst lebt eine Witfrau 'Rameiis Kuschel, welche einen Frisenrladcn besitzt, von dessen Erträgniß sie ihre bescheidenen Vcbcnsbcdürfnifsc bestreitet. Bor den Gemcindewahlcn erschien nun bei dieser Frau eine Deputation der sogenannten „Reformpartei", d. h. der Antisemiten, um von der Geschäftsfrau die Vollmacht für 'ihre Eandidaten zn verlangen. Fra» Kuschel aber, eine red)tfd)affcne Fran, erklärte, ihre Gesiiinnng durchaus nicht ändern zu wollen, da sie, nachdem die fortschrittliche Partei so Vieles geleistet, nur für diese Partei ihre Vollmacht gibt. Diese stricte Erklärung wurde von den sauberen „ViebeSwerbern" nidjt erwartet, sie glaubten aber den»od> die Frau für ihre Partei ui»;nstii»»ien nnd singen mit Drohungen an. Die antisemitische Deputation versprach der Frau, falls sie di: Bollmacht ihnen zur Berfügnug stelle, daß sie Blatt. burd) einen zahlreiche» Beincki in ihrem ('V'd)üne unterstützt werde» würde, falls aber nid», i'o würde ihr ('vidnift boneotti.rt n»d. der Iran ein Eonciirrent in dem gegenüber lieaend.n Hanfe etablirr. •"eiagt, gelha». Die i''eid)äite-tiän blieb ftaubkaft, die „^iefiuinei" aber hielten ansnahmsivei'e einmal ilite P 'r'vred>»iigen, de»» idimv ttad) einigen Tagen war der Eonciirrent da, und ei» riesiges Sdiild mit aniiallenden '.'eitern zeigte folgende öuirtni»t: .,! A tz g er s dorfei Ref o rin :)ia ' t > und Irifi r>'?. l u » " Der „Reform raienr", der es mit seiner Ehre vereinbare» k"»»ie, gegen einen ge idientten HallnäHrigeli ^i»S und ein antrallendcs >''cschatts'd>tld die iSeiuiiiiiiig nmziitan'die». soll a»d, . sonst der „Re'orm" in Atzgers dorf würdig 'ein. . Tiefe aber blieb bei der „reformirien Rafirfuibe" iiiei» sieben '.'ltzgersdorf besitzt »nn aud> einen „feuumiiten" diaud) . fangkehrer, welcher ferne idnuar.e Arbeit mir ritt feie Bauet des , Terrorismus zn verrichte» habe» wird, '.'ltzgersdorf -bat bisher feine ■ Schnintzeviieiirreiiz gekannt, und war die Zeit der bemigen Wollte» i erst dazu anser'ebeii, einer ioldien dort Eingang zn veii<ha>>en. - Das i hat Dr. Brzobohain mit der »»seren '.'eiern idw» '■.'taiintcn amt I iemitiidini Egeria znstaiide g.bradit. Es 'dienit aber da 'ehr vlan-! mäßig vorgegangen worden zn fein, da die beide» .refarinirten" <''e i werbe sogeiiaiinie „ Re i ni g » ng sge' ch r' le" st n d Ti.n-dein aber;n:t'\'ln wir sehr stark, daß die „''btfo'.iii’.iteu" imstande iein w»de", jenen Sdniliitz, de» die Biacliinalionui der Reformpartei I» l Jett int eigenen Vager aiisamin,liest - grstndlidr zn reinigen'. , Alllisrinitischc Sillr. Ver'Ioi'ene» Toi,»tag "lbends war II, ' Wallnet's stiestanraiionsgari. il i» Preßbanni eine größere 'Anzahl! von tfsiiste» veriaminell, welche b'.'i nad, dem sdnonlen Tage Er! hokniig snditen und üd) bei einem ('Maie Bier gütlich ibaie». I» einer l Ecke des' (Sariens haue a» einet» T tidie eine größere, ihrer Mleidnng ' na di aii'dleinend der besseren Elaste angehörende ('vieüietian Platz; geiioniineii. Aber nnr anidieinend. Den» vlötzlidi erbobe» lidi 5ie '-Mitglieder dieser (''esellfdiaft von ihre» Plätze» und rieten wiederholt: „Ei» Percai de» Juden!" Der Wirdb »nd die Kellner emtduen die Vännmadiei-, sid>—anständig •,» benehmen, diele erwiderten diese Anssorderniig jedoch nur mit nod> kräftigeren Rusen. 'Die übrigen anwesende» Gäste, in ihrer überwiegenden Mehrzahl Ehristc», waren über dieses Beiiehinen der Scandalmadier höd>st entrüstet Da an dl nenerlidie Beschwidilignnge»' sidl als frndltlos trwiefe», wurden die HanSknedite herbeigernfen. Mit ihrer Hilfe wurde» die Slöresriedc entfernt, und »n» erst trat wieder stciilie ei». . (c>»r B.'tlhlbcwtsillllsi.'s Dem niiciilwegle» Einschreiten der dcntsd,- »alionalcn Anlisemiten für Dentschlhnm und „,rctrikct>ritl" ist cS zn danken, daß das nad) dem Tode R'itdielwitzer's erledigte ober kärntnerifdic Äiandak in die Hände der vereinigte»' Slovenen nnd Elcricalen gelangt ist, nnd daß Kärnten, früher das einzige Vaud, welches keine clericalen Mandatsträger im Rcichsrathe befaß, nunmehr einen solchen dorthin in der Person'. deS iiengewählteit Abgeordneten P eitler entsendet. WaS aber'„Die um Steinwender" ist Cbcr käriiten direct crrcid)!, strebe» sie in Dbcrstcicr nur auf Hinwege» an. Wenn sic dort »ä»ilid> als einziges Mittel, Käiiiien dem Dentjdithn»! zn erhalten, Eoncesfionen a» die Elericale» i» Sdrulsragen nnd einen „vernnnfligen" AntiseiiiitismnS empfehlen, io gehe» sie hier in der Dosirnng dieser Erfordernisse geradezu versdiivendcri'di »nt. Was, bic antisemitische Catalification ihres Eandidaten W a l z betrifft, so ist dieselbe schon durch die warme Protection des Wiener „BolksblaiteS", wie dnrd) eine Agitationsreise hinreidiend baigetlutn, die Vit cg er in persona nach Mariazell unternahm, tun allda bic Eandidaliir Walz' zn befürworten. Aber auch mit der -Eonee'sion bcuiglid) der Schule ist cS Herrn Walz blutiger Ernst, und erst vor einigen Tagen erklärte er bei einer Wählerversaiiimliing i» B o r d e r irb e r g, er sei für d i e i o b l i g a t o r i s d, c H e r a b s e y u n g der S d> n l v f l i ch t ans sed>s Jahre in den Vandgemeinden- In Dbersteier habcn's die Elericale» also gar nid>t nöihig, eine» cigenrn Eandidaten anfznstellen, da^ der q»iifemitisd,e Mandaiswerber so brav ihre Geschäfte besorgt. Wie man übrigens selbst in denki'di national-antisemitischen Kreisen über die inerkwnrdigen Mimieri der Steinwender Partei denkt, beweist eine 'Warnung der antiiemitiidjen Villacher „Denisdien Allges meinen Zeitniig" an die Vkationalpartei, die gebotene Vorsicht in der ' Wahl der Msttel nid>t außer Ad,t zn lasten. Das Blatt prophezeit der Partei: „Sie wird sich Gegner unter de» besten Männern ihres i eigenen Vagen? schassen, wenn sie diesfalls zni» leitenden ('Mniidiatz der Iefniten sich bekennt. Die Sreinwender-Partei hak nämlich zum i Zwecke dieser Agitation fid) den in politischer Beziehung elerical nnd s rückschrittlich uind überdies flauciifreuufeltd) gefilmte» Abgeordneten i Dr. Vucgec nadj Cbcrftciennaff kominei» laiien, feer nun mit Eifer 1 für die Wahl des Herrn Wal; cintritt. .Wie soll das denlsd>e Volk in Zukunft. auf die Dentfd>e 'R'aiionalpartei ihr Berlranen setzen