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Freies Blatt · 1894-09-02 · 126 (2.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
126 (2.9.1894)
Date
1894-09-02
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Freies Blatt. Arbeitern nichts vorwcrfcn, um sic;» beherrschen. Ueber Dr. Gcßinaiili sagte Schumcier: Gcßmann redete von den Schandthatcn der Socialistenführer: das ist eine — Unwahrheit, die nicht genug angenagelt werden kann. Dr. Lueger erklärte, daß nian die Social- Dcmokratie mit Geld, Bajonncten und Kerker bekämpfen kann. Das Erste ist eine bewußte — UnwahrheitDr. Lueger möge sich darüber nicht wundern, wie er in Arbcitcrversammlllngcn tractirt wird. Schunicicr schloß mit der Erklärung, daß jc$ den Christlich-Socialen nie gelingen werde, einen Social Demokraten auf ihre Seite;u bringen, wohl aber umgekehrt. Da sich Niemand! — nnd trotz wiederholter Aufforderung auch kein Christlich-Socialer ';nm Worte meldete, wurde die Bcrsammlnng geschlosicn. Unter Absing^ing des Arbeiterliedes verließen die Zubörer, unter denen sich auch viele Frliucn befunden hatten, das Local. out „Hotel Union" in der 9k u ßd o rferstraße sprach Frau A. Dworzat -Popp in einer Franenversamullung, der auch zahlreiche Arbeiter anwohnrcn. Hier waren auch die Christlich-Socialen, die in diesem Bezirke, dem Stammsitze sdcsi Agitationsvereines „Christliche Familie" und dem Wahlbc;irke des antiscmitisch-christlich-socialen CKmeiuderathcs IT La kschk a, eine Rolle spielen, ansehnlich vertreten. Auch einen geistlichen Herrn bemerkte nian in ihren Reihen. Den Vorsitz halte der Arbeiterführer Fei gl. Die Redncrin erklärte, sic werde nicht (Gleiches mit Gleichem Mergelten und nicht in jener Weise über die Christlich Socialen hcrfallen, wie diese cs gegenüber den Social Dcinokraie» gelhan. Die Thcilnahnic, welche die clcricalc Partei so urvloplict, für die Arbeiter an den Dag lege, sei nach mehr als einer Richtung bedenklich. Rufe: So ist's!) Die Theorien, die im „socialen CnrsuS" entwickelt wurden, seien grau und fadenscheinig nnd nicht geeignet, im Lager der Social-Demokraten Prosclytcn zu »lachen. Die Redncrin erwähnt darauf, daß der Papst seine Capitalien bei den Rothschild 's vlacirt habe, erörtert die Enciiklica über die Arbeiterfrage und fährt fori: Das Um und Auf allen Heils, welches die Christlich-Socialen der Arbeiterpartei bringen wollen, fei Buße nnd lieber Selbstder vom reinsten MenschlichkeitSgcfüble dictirlcn Forderung, daß Weiber und Kinder nicht in den Fabriken verkümmern mögen, stehen die Christlich-Socialen kalt gegenüber. Sie wollen nicht etwa, daß der Lohn des Mannes hinrciche, um Weib und Kind zu ernähren, sondern — sondern daß die Geschlechter in den Fabriken getrennt werden, damit die Unsiltlichkcit nicht tunehme. (Heiterkeit.) Sie und io großniülhig, uns das Paradies im Jenseits zu überlasten. .Rufe: Sie aber haben cs hier!» Rcdncrin kam dann auf Dr. Gcßmann und seine Rede in der Leo-Gesellschaft zu sprechen. Sic müsse es ableknen, sich mit Gcßmann, der sich als Feind der Wahrheit bewiesen, naher zu befasten. Den Mann könne man beim besten Willen nicht ernst nehmen. Allein auch Dr. Lueger, der so gcsinnungstüchiige, der niemals ''eine Uebcrzcngnilg gewechselt hat (Stürmischer Beifall. Rufe: 9>a, io was! , habe plövlich sein Her; lRufe:, Sein Beuschel!) für die Arbeiter entdeckt. Er habe die Frauen der Arbeiter anfgesordcrt, tu seiner Fahne;it schwören, und gesagt, wenn er einmal die Frauen gewonnen habe, io habe er auch die Männer" in der Tasche. Die Frauen der Arbeiter jedoch werde er niemals gewinnen und wenn er ihnen auch zehniual in einem Athem predige, cs sei eine Forderung der Social-Demokraten, daß jeder Mann so viel Weiber habe, als er null. Tic Frauen der Arbeiter wissen, wo dieses Verlangen thatiächlich herrscht nnd auch befriedigt wird — bei den Arbeitern nie. «Rufe: So ist s! Mirder Ermahnung, den föcial-dcanokratischcn Principien treu;u bleiben und den Lockungen der! Christlich-Socialen nicht aus den Leim;u geben, schloß die Reduerizi unter großem Beifalle. Cs meldete «ich hierauf der Christlich Sociale Krampusch zum Worte, linier allgemeiner Perblüünng der Bcrfammlnng erklärte er, alle AnSfnbrnngen der vonngtichen Redncrin un« Genossin zu theilen. Allein darin habe sie Unrecht, daß sic so heftig gegen den kleinen Geistlichen ausgetreten. „Meine Herren und . Damen," rief Herr Krampusch, ..der kleine Geistliche ist Bln n n d F leis ch von unter e m F l e l> r o l e t a ri er, 'o wie wir: auch . i 1 e 11 eine n .:.l-l. : m in e r m von » II s e r e m 'Blute s ch c! Auch e r - i st ein er bekommt für seine kärglichen, aristscligcn Lohn und ist : t den r e i ch e n B i >' ch ö f e n eines Sinnes: :! .::: s mit uns! Sollen mir] ihn dafür verachten?" .'lrar.:::->.!> kam dann aur die sociale Devolution zu sprechen, aus Ban.:::'.', nnd Cornelius Her;. — Fra» D w o r z a k - P o p p, die dem Redner erwtde-.te. 'agie, >'o ganz genau ientfprcchc seine' Aussührnng nicht d.r' Waiubei:. Der kleine >>'eistliche fei das Sprachrohr des großen : man babe ilm für die Bekehrung der Arbeiterschaft mobilisirt, allein, was er wolle, wiste man genau. J— Die Bersammlung wurde hierauf unter Absingung des Liedes der Arbeit geschlossen. In der Bersqmmlnng beim Dreher auf der Landstraße war Brod der Referent. Er bezeichnete die] Christlich-Socialen als das Weihwaffer, mit welchem man die Herrsch« — In den „Drei Engel"--Sälen auf sainmlung tschechischer Arbeiter 9? einte sprach. Wenn Prinz Liechtensteii: k impft und gegen die niedrigen Löhne, nimmt, so verschweige er die elenden Lhöne die der Großgrundbesitz zahlt. — Die in Rosensälkn stattgefnndene Bersammlung soncn besucht. Arbeiter F e r a n d i theilte lung in Körnen bürg, in welcher er g Socialen faustgroße Steine du der Rednertribüne geschlendert k Partei verdiene den 9k a m e n eine mische Zustimmung.) — Arbeiter Wani Beispielen nach, wie die Christlich-Social thum in den Fabriken züchten und auf corrumpiren. — Im „Chinesischen Salon" sich etwa 1000 tschechische Arbeit Kampf gegen die Christlich-Socialen in kündigt. Denket, rief ein Arbeiter aus, a, Berg, an die Bartholomäusnacht, an btt die Jnguisikion — das sind die Spiegel- Auch auf dem flachen Lande hat der Ferment auf die Massen gewirkt, und a Bersammlungen bereits zu scharfen AuSjä Socialen gekommen: so warf eine am 10 von etwa 1000 Menschen besuchte 2 Socialen den Fehdehandschuh hin. Roch am gleichen Tage zu U n t e r - S i c v e ri statt'gefundenc Bersammkung sein, welche Prinzen Liechtenstein'wendete, und welcher a u S S"i e v c r i n g und U mgeb ii n g, Kcrutruppcn der Antisemiten, bei ft der Aristokratie einweiht. Wreden fand eine Bcrt, in welcher der Arbeiter das mobile Capital bc die dasselbe zahlt, Stellung von 2;") bis!10 kr. täglich, Favoriten in Rappel's war von circa 1500 Perisiit, daß in einer Bersanun elprochcn, die Christlichrch das Fen-ster nach ättcn. Eine derartige Buben Partei. (Stürk wies an der Hand von :n nur das Denunciantcn dicsc Art die Arbeiterschaft in Hernals versammelten r. Auch hier wurde der dcr schärfsten Form angedie Schlacht vom Weißen Indianer in Amerika, an christlichen SocialisinnS. „Sociale CnrsuS" wie ein hier ist cs in nichrercn allen gegen die Christlich August in Floridsdorf ersammlung den Christlichculsamcr dürfte jedoch eine ng unter freiem Himmel sich entschieden gegen den zahlreiche Weinbauer wie bekannt früher itvohntcn. a i l cs uch btd dl i! der schw (?r. Z Freiherr v. Mund«.) Bcr — wie er selbst sagte — die Furcht vor drohenden Gespcnstc des Wahnsinns haben den: RetiungSgcsellschaft" Baron Mnndy gedrückt, ihn durch freie Wahl ein fast zur lassen, das nur der reinsten, wcrklhätigstcn Mund«'S Pcxson war - in Wien der po gegenwärtigen, überall helfenden Samaritan cS für alle Zeiten bleiben, lichtnmmobcji wahrsten, wcrkthütigsten Humanität. Wie Her; berührt haben, als er in den letzten Schöpfung, dies sein Schmerzenskind, von Raccn- und Glaubenshasses, als er das st kcit und Menschcnbrüderlichkcit, das sein brandendcn Meerepolitischer, socialer, Leidenschaften hervorgezaubert, von den Haders bedroht sehen mußte. Möge er Todes dafür Trost und Gciiugthuung in haben, daß der Tempel, -den er erbaut, reinigt, daß sein Werk nach dieser Gewal denn je. Dieser Wunsch mag wohl seinen dem Chefarzt der Retlnngsgcscllschaft Dr haben, als er an Mundii's Bahre das G solle bleiben, wozu cS Mnndy schuf, „e Herzigkeit und der r e i n c N M e n s ch e Grab sich drängende Menschenmasse, die fp tiefgefühlten DankeS, die an seinem Sarge an in unserem leider irregcführten Piolke noch dem wahren Werthe der Humanität wurzell in Mund« nur den Selbstmörder und vl lebcns nichts auf Acußcrlichkeitcn hielt — Prunk in den letzten rituellen Handlung^' erwies. Die Antisemiten gesielcn sich, was braucht, darin, der Leiche Mundy's Koth während ein Theil von ihnen die Lächerlich l der Ihren, als einen Kryptoantisemitcn hi daö „Bolksblatt" so schön ausdrückt — Herzen apathisch (sie!) gesinnt war", jetzt „apathisch" gegen derlei einen jeden a päthischc" Beruliglilnpfungcn eines Todten (Ein antiscmitischer Armcnrath.) Art antisemitisches Eldorado, in welchem Bl k Nr. 12,!. fl lguiigswahn, taeJium vituo n ihn marternden und bc Begründer der „ Freiwilligen i Revolver in die Hai!d 9ceige gehendes Leben enden Nächstenliebe geweiht mar. p^iläre TypuS eines überall rS geworden, und sic wird von einer Legende der icrzlich mußte cs Mundn'S Wochen feines Lebens seine dem unlauteren Geist dcS llc Eiland der Barmherzigchöpferwille mitten in dein nationaler und religiöser chmutzfluthcn deS Partciasigcsichts des selbstgcrufcncn dem Bewußtsein gefunden von seinen Schändern gcprobe fester gegründet sei Schüler und Nachfolger, C h a r r a s vorgeschwebt löbniß abtegte, sein Werk in Hä u s der Barmn l i c b e". Die an Mundy's oatancn oft naiven Beweise ij traten, zeigten, wie tief auch immer die Erkenntniß von Die Kirche freilich sah ctweigerte ihm — d.er zeiteden kirchlichen Pomp und i, die man seiner Leiche licht erst gesagt zu werden die Gruft nachzuwcrfen, eit beging, ihn als einen uzuftellen, der — wie sich nt Judenthum im innersten Äaron Mnndy ist gottlob t ständigen Menschen „anti- 11 änntlich ist Währing eine der sattsam bekannte Bau-

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