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Freies Blatt · 1894-09-02 · 126 (2.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
126 (2.9.1894)
Date
1894-09-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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’Tr. 12*1 .freies Blatt. ~ rite ’i beigelegte Schreiben lautet: (Sopie eines Lchrribrns au einen Milantisemiie». lieber Freuub! > In tutjeu und großen Zügen hat meine 'Jlb’fdjtveufatig non Per anti■ leinilischeii Bewegung folgende Gründe: l. tiallo viojo y;i uo entr.i inns o» i , j.cloo (tSin aller Halm tritt »ich! mehr auf den Kaivplplatzl lagt der Spanier, und ich bin bald 75» Fahre alt nnd lörpetlich meine Anfloniug täglich etlbarieud lliik erlebnend; 2. ich lann keine tzonkedräler i» aufdringlicher polizei-c-upful!» lxmo- >>I,-uliuk Weise (sic) anhurrahen und beichmeicheln (dar haben nicht einmal Pie alten Egypter gethan, als König Pharao feine famosen Krougeietze ei» iiiUite! >; H. ich kann alS Freidenker und Verehrer von Arthur Schopenhauer mchl mehr mit dem lLhristenlhnni und der christlichen Küche kokeltiren. wie es tie modernen Anlisemilen ihn»: t. mir widerstrebt die „Teuiomanie" der '.'lniiieiiiite», welche nuferem deul'che» Volte Eigen,chasie» und Tugenden an dutileu, die es — generell — nie befessen hat, und statt ihm die Walrrheit zu sagen, die Rolle der Volkshöflinge und Volksschmeichler agiren, ich baffe den innervenden Vuzanlinismns nach »men »nd mach bben;f>. somit bin ich feit einer Reihe von Jahren vollständig ans den Standpunkt zuritckgekehn, de» ich in meiner Schrift: „Ter Lieg de« JudenthumS über da» Gernioneulhuin" inani iulirt habe. Und' ich mache es mir z»»> Vorwurf, daß ich mich »ach ircr Äanif.station noch verleite» ließ, lheilznuehlne» an einer Vewegung,;n deren -Verlauf ich immer vornehmer die Achtel zneke» »inßle- Verlasse Tich daraus! Meine» AutisemiliSni»- wird die Rachwelt ganz . .oerS beliriheilen alS die antisemitische» und jüdische» Lchreier der Gegene-an! ^Vorausgesetzt, daß mein litcrarttefjer Nachlaß durch meine Erben an die ■; .mmlicbfeit gelangt.) Voilu tont! Ich fuge nur noch hinzu, daß ich bereits feit I' Jahre»!>iue Zeile habe mehr dructe» lasse»: ipeder in der Jude, frage. »och in andere,-. -..Kitnchen Fragen. ’ . üia r* sol»|ire ( Tein W. ä'i a r r. Hamburg, 16. Februar lKllt. ^in <£rfo!ot dos „Socialen sEurfus*". Der „Sociale EnrsnS", de» die Heo-Gesellschaft augeblich .zur Klärung brr Stimmung unter den Arbeitern veranstaltete, - hat eine merkwürdige, nnenvartetc Wirkung hervorgebracht, und wenn in der nächsten Zeit die Wogen der socialen Heid'enschas't unter den arbeitenden Elasten wieder höher und stürmischer gehen, dann werden wir;u den hemmen Herren mit den picksnßen (Gesichtern nnd gaUbiltere» Herzen gehen und ihnen sür dieses brave Stück Hetzarbeit danken. Die während der „Socialer EnrsnS" genannten antisemitischen Bersamm langen gegen die »icht-anlisemitische Arbeiterschaft ans sicherem Bersteck geschlenderten Giftpfeile will man dort, wie begreiflich, glicht sitzen lassen. Man forderte die Redner des „Socialen EnrsnS". ans, ihre bämischen. Angriffe in social-demokratischen Kreisen zu wiederholen, nnd weil diese mit der Tapferkeit Sir John 'Follstass'S ablehnten, so verfuhr man nnnmehr gegen die christlich-sociale (ilique tut (ioutuma\ivrgc Am 27. August fanden in Wien zugleich nicht weniger als acht Volksversammlungen statt, in welchen die Stellung der Arbeiterschaft zu den Christlich Socialen-" zu energischem und oft drastischem Ausdruck kam. In Hernals erbffnctc der Borsitzende Mautner die von mehr als 5SUOO Menschen besuchte Bersammlnug mit dem Bemerke», daß der mittelst recommandirten Briefes eingeladene Prinz Liechtenstein nicht erschienen sei und auch kein Entschuldigungsschreiben gesandt habe. Hohnrnfe ans der Mitte der Bersammlnng.) Der- Vorsitzende fügte der Mittheilung die Versicherung hinzu, daß jeder in der Bersammlnitg etwa anwesende Ehristlich-Sociale ruhig die Tribüne besteigen dürfe; in social-demokratischen Bersammlnngen werde die Redefreiheit geachtet. .Beifall.) Als Erster bestieg Arbeiterführer Schram ml die Tribüne, das „Paterland" in der Hand -„Wir haben es nicht für der Mühe werth gefltnden," sagte er, „den Kampf mit den Ehristlich Socialen zu erösinen — sie selber haben eS gewünscht. Sie haben ihren .So nalen EnrsnS' abgehalten und dort in BolkSwohl gemacht, und da »lüssen wir antworten, waS wir sonst einem so schwachen und :— niedrigen Gegner gegenüber (Stürmischer Beifall, Rufe: - Einem so dliiiliiern Gegner gegenüber) nicht gethan hätten. Eine Partei darf nicht Fußtritte mit Kriecherei quittiren; es darf keine Feigheit geben, ans deren Rücken nur eine so niedrige und reactionäre Partei wie die christlich-sociale sich erhebt. (Stürmischer Beifall.) . Die Elericalen und Ehristlich-Socialen weiden ihre Bundesgenossen nun anS, so daß von denselben nur »och die Haut übrig bleibt. - Entente Heiterkeit i In den Borträgen der Heo Gesellschaft hat sich-Professor We is; den Eapilall'atz geleistet, daß die llugleichlieii des Besitzes-'Lottes Anotd nnng sei. Wenn wir gegen dielen Latz >al'cmi|iv:n, so 'lassen wir selbstverständlich die tKcligion ans dem Spiele Aber wir fragen: Das soll Golk gewollt haben »nd das sollte ewig io bleiben minien? Ties-: V eilte muß den Millionären freilich gefalle»!- Rech ein zweiter und dritter .Socialer Enrsusnii t>" bte Ebri st bi df - S o c i a l e» sind b c i d e » A > heit e r u a b g e t b a u. Tie reichen Inden greise» die Herren qn, ans den Schwarzenberg, der!!.<> Schlösser hat, aut den ^äri'ch, den Falkenb.ui.n haben die Herten vergehen. Sie schreien: Sdfant's dort bin, dort beulet man afis! nttd inzwt'chen der stcedner macht eine oinnstvatt'einzwischen, im Gedränge . - beuten sie ans tStürmische Heiterleit - äi.ich Herrn 'lörosel'wr Weis; sprach dann »och. Tr. l»'eg nt an» nicht wie Wtndlborn, die Perle von Meppen, sondern die/ Perle der T . , Er. q.th den ven'am mellen Pfarrern Ratb'chläge zu nn'cr.r Belämpsung: er nantne den Beichtsinbl die Eolvotlage und Aebnliches. .Er warf uns l lr >>.-> — er uns! (Beifall.- Wären'wir es. wie R.-chl. batten ivtr.^ denn j..was verdienen diese Ehristlich Socialen, di. uns belügen »ub betnige»! | Aber sie Ihn» es in verschiedene» i'uv.t'cn, n--d T. - "',-s:n: -na 1:i das vor de» Anderen voraus, daß er sie nbertriitt taut.,' B.-i'a.! Wir haben aber für alfbab nur El» Won: Uni-re S lellnng z»m A ii I i se »i il isni n s wird nie eine andere v.-tdeit. W i r w e r d e ii i in in e r d i e i e & e r t r a ch t b e f ä m p f u, w-d r m -,u . i i i e sieht" lStürniischer Beifall.) Arbeiter Krnmp wendete sich gegen- Dr. »ege r unb'iagt :^Als ich ihn fragte, was er ui.i seinen Ttaten ttnnv forbevte er bic Seinigeu peibliimt ans, n»s zn prügeln, nnd Treibt,nd.-n fielen über nnS her »nd lhalen wie er befahl — das i si :>r o li h'e i t, d a S ist chr'isilich social! 'ch'nn. wir haben bat hIutjuiut - Unheil.: Ist Einer ein Vnmp, so in er auch als Elirisilich Socialer ein Vnmp — wer immer er sei. 'Juitbüenliebe predigen und zugleich : rufen: „Freßt'S die Inden ans!" das ist Schnrterei Arbeiter H e n,k e l ruft: Wo ist die Sittlichkeit der Ehristlich-Socialen? Im- Franzis I fanevfloftev zn Billach? In der Theobaldgasse bet Tnschl? Sltit \ mische Heiterkeit. > Tarans. meldete sich der christlich sociale Arbeiler Schote» znnt Wort. Er sagte: 'Weder Vneger noch Hiechienstei» seien - das Ideal seiner Partei. Diele wolle .die Ehiistianisintng -d s ge sammien öffentlichen Hebens. Er selb» wnse üreligion »nd El.rus wohl zn trennen und sei der entschiedenste (''egner bes leotereu. D..raus erwidert Schramm lt Die gemäßigte 'Itgfce des Barredners werde die Beisaminl»»^ nicht täuschen, die Herren verstehen es tresslich, sich der Sliilluinng anznpassen: das ivird »ns aber nicht tänschen, wir kennen und erkennen unsere Feinde. -. Sttirmisch-.-r Beifall.) Damit war diese Bersammlniig zn Ende. In einer, in '.st'en lercheirse ld stattqefnndenen n»d .zlesit'salls Überreich besuchten Bersainmlnng betonte der Arbeiterführer Schn nieier, der Zweck der heutigen Bersammlnngen sei es. den el.-tiealen Knttenträgerii zu beweisen, daß die Arbeiter ihnen leine n-'.-ssch'.-lfast leisten werden. Er erinnecte an die kläglich gescheitorte» Bersnche der Ehristlich Socialen, die Söcial Demokraten an sich lieranznziehen. Tie Arbeiter seien eben für das Freibier dieser Herren nicht zu haben. lStniiiischer Beifall.) Durch den socialen Enrins der Heo ('•V-fcllidiaft sollte ein Vcitfahen gegeben werden zur Belämpsnug des Soeialisiiins: in Wahrheit >v a r e S ab c r ein E r i a tz s n r d n a t b o li feit tag, . ben die Elerical e» nicht äbhal ton wollien, weil sie fürchteten, m i tei u a u.b.er in STtreit tu ge rat ben. Ans bfii Präsenzlisten ergibt sich, daß an dem Enrins kein einziger Arbeiter, sondern nur l^eistlickie und Heizeapläne ans der Provinz theilgenomme» habe», sowie die T urchlancht besucht ifl lichen Volkes" — einfach Tnrchlancht gemlgt den Elericalen nicht mehr -- Prinz Hiechl eilst ein zstruse: Der Hoisl! , der bald schwarz, bald roth, bald wieder schwarz und roih zugleich ist. Er bat nicht versäumt, ansznzählen. wie viele reiche Juden es in Amerika gibt. Bon dm aristokratischen Beillionären hat er aber nielfts gesprochen, deren es ebenso viele und vielleicht noch reichere gibt. Prinz Voivl habe and) ben Pferdefuß des socialen Enrsns gezeigt dnrdf seine Klagen über die irdisdfe M'adftentkleidnng des Papstes. Bo» I'. Bie derlacksagte er: Er sprackf gegen dzK Maschinen: aber die ,Social- Demokraten finden, daß je besser die Masdsinen, um so besser snr die Pkensdfheit. Die Arbeiter,/sagte dieser Pater Biederlack, sollten litttich /besser werde», wie meinte er das? Solle» wir etwa io werde», wie der Franziskaner in Billa ckf? (Stlinnisdfe Heiterkeit i Er sprach von der Religio» als Biiltei gegen die Social Temokratie: .aber die Kirche hat in Frankreidf die Republik bekämpft »nd sidf ihr dann doch angeschmiegt und wird sie gegebenenfalls and) den Berl'iidi machen, sich dem social-demokratisdfen Staat anziischntiegen' und den

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