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Freies Blatt · 1894-09-02 · 126 (2.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
126 (2.9.1894)
Date
1894-09-02
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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ircittf 2 \i» Pas 2lntt der predigt. freier Blatt. ,Balerland" publicirt cin Rundschreiben, welches die ConiTii'fliitioit der Bischöfe und Regularen in Folge Auftrages des Papstes Leo XIII. au die Ordinarien |in Italien und an die Generalober» der religiösen Ciiieii und Eonjregationen gerichtet hat. TaS Sdirifistück betont in seinem Eingänge, der Papst habe nicht ohne grossen Seelenschmerz erfahren, daß }Eit einiger Zeit sich in der Art und Weise, daS Wort Gottes;n verkündigen, einige s di w e r c Mißbräuche c i u g e s ch l i ch c n haben, welche die heutige Predigt oft vcrä n u s r u cli i b a r und erfolglos machen. Der Papst habe deshalb und Regularen ausgctragen, und au die Geueralobcru der auilcik und Eifer lebhaft ander heiligen - (Kongregation der Bischö i;di an die italienischen Ordinarien T rdeu zu wenden, um deren Wach zii'vorucu, dauiik ste, soweit au ibnc» liegt, diesen. Unordnungen einen Tamm iepen und trachten, dieselben gc nz und gar zu beseitigen. Xic heilige Eongrcgalivn erließ mm in dies:m Sinne Rorinc», die zugleich leige», daß inan über die Art und Weise, i» welcher die Kanzel oft niistbiauelik wird, an der eopupetcutesten kirchlichen Stelle wohl unlcrrichiet ist und daran gerechten Anstdß niiniut. Tic Bischöfe und rdensobein werden crinabnl, daS zuveiiiaueu, die mit wahrer christlicher Ticie den Predigern so nolbwcndige ch in iliiem äußeren Betrage» ersichtlich VeIllen sich UN Gegensätze btsindc», ch t l i ch oder wenigstens eredigeraint nur Personen a» Fröinniigkcit ausgerüstet sind, nstlichc Fröininigkcit soll auch fein, das nicmals mit ihren >och etwas Weltliches an sich labe» tan'. Sodann muß mit der Frö nmigkcit und Tugend auch die Wisstliictiast verbunden fein, da cs flau und von der bcstündigc» Er- 'abning bestätigt ist, daß eine wahrhaft solide, geordnete und frnchtbringende Predigt vergebens von Jenen zu erwarten ist, dir nicht turcli liichlige, naincullich tbeologifchc Studien auSgcbildct sind und, ani eine gcwiiie uatürlichc Rcdcfcitigkcit vertrauend, verwegener Weise mit geringer oder keiner Boi bercilune Buel'o'e nrrd Trdeiisbäupter mögen dar stell an j ne Materien balle, die wirklich solelie weiden genannt: das Snmboliim, Kiidie, die Saeiamente, die Tugenden der ver'chiedeuen Elast'en von Personell, l und dcrgleiciien einige Wahrlicilen, die Predigt bilden inristen. Allein dies Hände, beiß cs in dem Rundschreiben, >r> ü r d i g c r w eile von vielen P r die „i l; re, nicht Je s u E b r r st i Sa :r i r > e » d, daß dies nicht die pass ui i b n e u d.i c B o l k S g u n st, z u h a i di c ii, dieselben vollständig b in den Fustenprcdiglcn und b e l c g c ii b e i le n, und indem sie den R a in c n vertausche», setzen die Kanzel besteigen. Tlc rbcr wachen, daß der Prediger zur Predigt gehören. AlS der Tckalog, die Gebote der nd Laster, die Siandcspflichlcn ic letzten Tinge des Menschen den gewöhnlichen Stoff d'cr hochwichtigen Gegen werden h e u l; u I a g c n nd i g e r n vernachlässigt, che suchend" und wohl c n d st c ii M aIcrien s i u d, Erwerben, nach der sic iscitc lassicn, besonders i anderen feierlichen sin i t der Sache zugleich sic an die Stelle der > r » >' e i c ii Predigte n eine ii b e l v c r st a u d c u c Art von Eonkereuzen, Pie darauf gerichtet sind, Geist und Phantasie zu ködern, nie aber den Willen zu bewegen und die Sitte» zu verbessern. Bon der Kanzel sollen d ii i di iv eg s verbannt sein jene p o ui p haften Redereien, die in e> r ' v e e u! a 11 v c als praktische, mehr weltliche als i c I, g : v > e. mehr Aufsehen erregende alS fr licht reiche >" e g e i. >: ä n d c b c b a n d c l n-, die darum vielleicht kür den i v » i uali st i i di e » V a in p r p I a tz u n d f ü r a k a d c in t f cl> c' V c h r > >> l e r allen inög-eu, ui mm er IN ehr aber zu de»! heiligen Lite itinime» Zum Sdilust'e werden die Kirchciiobcrn neuerlich criiial.iii. in der Wahl der Prediger »cbr sorgfältig vorzngchcn, und angewiesen, nenn >te beineikeu, daß der znm Prediger amte Berufene von den in diei.iu Sdireiben g.gebencn dst'orimn und Mahnungen abwcidic, ihn iiiittel'i äi.geiiiei'encr Ziipedilweiiniig sdilcunig zur Pflidzt zuiückzurufeiiz genügt aber das nicht, so mögen sic ihn ohncivciierS von diesem Amte > i.t'eriiev, au di mit Anwendung Per eauonischcn Strafen, wenn die B.'chä" »heil des Falles cs verlangt. :>k zu eiulciidiiend, daß dieses Schriftstück zum größten Thcilc ,bdie Tbciliiahme des Lstericichiichen und ungarische» ElciuS bei..:', be'oudeis aber an den anriscuiilisdien Agiialionc» . glaubt man dodi auS dem Eouicrtc der Ber- .stinwei'e auf >orale Bcrhälknisse, wie die Fastcnt:e 'ogcnannicn Eonfercnzrcden Tcckert's u. dgl. ' wäre also red)t schön und löblich, wenn man ■>t de ui Mißbraudz der Kanzel zu Trgicn der Par teil, iteusdia'leu ein cnergiseches Belo entgegensetzen wollte. Wir sind leider r.idjt viiimileu genug, um an die beabsichtigten Erfolge ,eä- I^e.vrv. ivai im 'en vredigtei: I'. A beiausznl oieu von der Enrie aber Wa eines solchen SäircibenS zu glauben, wesen wäre und unsäglichen Zwicspick jetzt eine ganz cnlgcgcngcsctzte Wirkung Priester, welche sich der wiederholten widcrscytcn, aud) wider die Compctenz deren Autorität bestreiten, und dann wür> dazu beigetragen haben, die niedere Geist! sorialen Propaganda in die Arme zu wer' S vor Jahren geboten ge t verhindert f hätte, dürfte haben. Heute dürften die Verwarnungen ihrer Söifdjöfc der Euric auflchncn und e das obige Schriftstück nur ichkeit vollends der djristlid, eil; t» Inte! IPanMmiden Blatt".) it die ihre Zeit dauert und JulcS Siniöii. Sic hat ihre tZuschrift an dar „irren „Der Antisemitismus ist eine Ärankhi mit Geduld ertragen zverdcn muß," sagte Zeit bei zweien der eifrigsten Antiscinilcuführcr bereits überdauert, Rr. I bei dem rühnilichst bekaniitc» Ahli lardt-Pionnier Walter, der in Bcrhctzung das denkbar Möglichste leistete und jetzt, nachdem er er sich mit einer Jüdin verlobt, bcabsichticc» soll, das sich hinter den Eousiffcn abspielrnde Thun und Treiben ler Antisemiten der Tesfcnl lid)fcit prciszugeben, und Rr. 2 bei Wil)clm Marr, dem Berfasser dcS JudcnspiegelS, der feit 1877 jahrelang Sckirift den AiitisciiiiliSiuuS förderte, als Marr war zweimal verheiratet, beidemal mit Jüdinnen. Nachdem ihm seine erste Frau gestorben, vcrösscnllick eine längere Novelle unter dein Titel sd>ildcrtc, waS ihm feine Frau gewesen. 3 Nr. IS6 ii Tcutschland in Wort und l essen treuester Apostel galt. tc er in der „Gartenlaube" „Zn. glücklick)", in der er eine zweite Gattin war eine geborene, Kornik aits Eheinnitz: zur Zeit, als Marr in den Sieb zigcrjahrcn Mitarbeiter der „Gartenlaube" war, wüßte er noch nid>IS vom AntifcniiliSniuS, verkehrte viel in jüdischen Familien, ließ cS sich angelegen sein, hervorzuhcben, daß alle feine Freundschaften im Juden thum wurzeln. Rach der erfolgten Säzlidung von seiner zweiten Gattin tiat die Rcaction ein. Immer reliez la feimiii*" : Walter, der Borkämpfcr Ahlwardt's im ArnSwaldir Kreis, tritt einer Jüdin zuliebe aus den Reihen der Antisemiten >nS, Wilhelm Marr ging, uad)dem feine Ehe gelöst, inS antifemitife fc Lager über. Mehr als 15 Jahre hat er in den Reihen der Slöckr, Ahlwardt und Genossen gekämpft, jetzt, cin lebensmüder Greis, bcieunt er, daß er es nid)t mit seiner Uebcrzcngung verantworten könne weiter in die anliscmitische Posaune zu 'stoßen. Wir cnlnchmeu einem Schreiben, daS c: an eine in Wien lebende Tarne, in deren Hause er veikchrte, che er Antisemit war, richtete, folgende Stellen: Hamburg Paruibeck), 28. Juli ix<t4. Gcehrlc Frau! •Jlciit Tage lang ivar ich wieder einmal durch mein rheimiaiischeS Leiden zu „Blairavengrusl" veruildeill' und kann — wi'ter einmal — nicht sprechen. „I.;i nionta^iif (ist passee!* Einliegend Eopie > iucS Schreibens an einen ii» Auslände l Italien) lebenden Freund Und ioniil l abe ich einem „Ehristeu" und einer „Jüdin" reinen Wein, cingeicheiikt. Dem gro ie» Hansen gegenüber schweige ich mich ausi Sie werden vielleicht einiger maß Pikanieiieii erwarten. Meinen sehr imisaiigreich n literarischen Nachlaß nebst Original Eorreipontenzeii kann erstehen wer will Er enthält des Scnialionclleu und Pikanten ans allen Gebieten des Lebens in Hi Uc und Fülle, und zwar vob und' hinter den Eonlissen der Geschichte des Teftaiiientsvollstrecker ist Herr W. Scherinkau, Nr ist Jeit, daß auch ich einmal vraktiich weide.*) E^ ichaft Jbr Jahi er *) Bezeiäniend iiii Marr ist die Art und Wei erwähuien lueiarischen Nachlaß an Mann zu einen Proipcel — in Wien 'brachten ihn vor I — in welchem rr diese seine Memolreiis in ma und alle seine Perbintungeii, Beziedungen, Erlebn der „Geschälter" geradezu prosulnirt. In diciem der inipnliaioriich hervorragenden Nolle, welche ich scheu Bewegung geipiclt habe, verstand es sich voi frage in meinen Memoiren ebenfalls behandelte und Anliskuuien gleichcrniaßen überra'cht sein, zu am Ende meines Leben» in ' dieser Frage, die, hauvi. ein .Sphiurräihsel' ist, gelangt bin. Ich au» einem begclsleriei, Philoseinilen zu einem wie r» gekoniiiikii ist, daß ich heule keinen abstrlfci Judensrage mehr ciunebinen kann, und sch gebe bei Semilkil und Anliseinilen. welche daS culturell loren haben, mein heutiger Siandpunkt der moder gegenüber gereäst und billig gewürdigt werden wi lagt der ehrenwerlhe Mann: „Am liebsten wär Negierung oder eine Bibliothek als Siäu Ami s n enliäuichl sein, fall» Sic XIX. Jahrhuuderir. Mein 17 Juiigfernstieg, hier. Es glüßl Sic in aller Freund W i l h e l i» Mar r. wie er seinen des Tefleren bringen sucht. Er versendete i einige Anlisenliienblättchcn ikischreierischer Weise anpreist sie und Dhaten zum Zwecke Prospect heißt cs u. A.: „Bei in der modernen anliseiniiiselbst, daß ich die Jude» Bielleichl weiden Semilcu vclcheu Endanschauungeii ich viei die sociale Frage über- Ijrge aussnhrlich dar, wie ich emitcn geworden bin, und len Parleistautpünkt in der irich der Hosinuiig hin, daß Nachdeilken noch nicht veriseii anliseinitischen Bewegung An einer anderen Stelle e4 »iir, wtun ich eine er in sä» de." ■ Aiim d. Red.

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