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Freies Blatt · 1894-08-26 · 125 (26.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
125 (26.8.1894)
Date
1894-08-26
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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.freies Blatt. Seite- 0. Nr. 12 r>. glücklich feilt" das Heft niebcvlcgte und mit dem Leuszer: „Ka, ja! ein Kind kann glücklich sein," den Blick ans MoieS warf,' sagte er.: „PaS versteh ich nicht!" „Wohl dir," sagte die Mutter/ „dag du eö noch nicht verstehst: wollte der Himmel, du möchtest eS nie verstellen!" „Man» man denn, wenn inan älter wird, nicht glücklich sein?" fragte MoseS. „Mönnkn!" sagte'die Mutier, „inan kan» wohl: aber die Meiste» und eS nicht." . „Und ich?" fragte MoseS. ' „WaS meinst du?" fragte die Mutier. „Kch bin doch ein Kind," sagte MöfeS, „und l>in ich glücklich?" „(^ewist bist du eS," sagte die Mutter, indem sie ihm mit der tHand saust über die L kirne fuhr, „was tollte dir fehlen? Pn hall ja Alles, was dn brauchst und mehr als das " ,,'Jfeiit, Mittler," sagte MoseS mit eitw ihr »nbegreisliche» Ans wallnng, „eS fehlt mir schon etwas, und ich Hab' nicht Alles, was ich brauch'." „Was?" tagte die Mittler in rügende», e o»e, „das ist vo» dir ia der reine Uebermulh! Andere .Minder möchten sich ja gliicklick, schäyen, wenn sie nur die Hälfte hätten vo» dein, was dn hast „3a," sagte Moses, „*,n essen! PaS glaube ich, n»d schöne- Kleider habe ich auch genng: aber wie kan» ich glücklich lein, wenn ich nicht einmal weist, weshalb die Erde ausgebancht ist!" Pie Mutter brach in helles Aachen ans über diese patlietische Enlrüstnng deS Mnaben: innerlich aber empfand sie eine groste E'eniigthnting über diese verwunderliche Pssenbarnng seines WinenS drangeS. „Hat der P»kel daS gewnstt?" fragte Mot'es, nacktden, tie;n lachen aiisgebörl „ P er ^nkel hat Alles gewnstt," sagte die Mutter, „er bat ja so viel ftiidirt " „Vernt man denn solche Lachen, wenn man stndiren lbnl?" iragte der -Miiabe weiter. „Lolche Lachen!" iviederholie die Bsniler und lachte abermals, „noch ganz andere Pinge lernt man! Aber," fügte sie hin;», „wie koiiinist du denn daraus?" „liönnt' ich denn nicht auch stndiren, wie der Pntel Pinnt»?" iragte: MoseS, anstatt aus die ,trage der Mittler eine Antivort zu geben. „Wenn eS dem Baker recht sein w rd," sagtedie. Mutter, „ich werde nichts dagegen haben." „vlntagte MoseS, „stndiren will ich! Pas Verneu hier im .Ebederfreut uiich nicht. Was nicht im Palnind steht, daS weist der Vehrer nicht, und ich brauch' Eine», der mir sagt, warnni die Erde ansgl-bancht ist." „Was hast du nur immer mit. diesem .ausgebancht-?" fragte die Mutter nnd lachte wieder. „Pa, i» dem Buch von dem Pnkel, steht eS." sagte Moses und nahm das Buch und las die Ltelle ans Leite 75t: „deshalb ist auch die Erde in der Aegnalorgegend ansgebauchl und 'an den beiden Bolen abgeplattet." Pie Mutter »ahm den .Mnaben, umarmte ihn, nnd mit einem Ausdruck, der die tiefgehende Bewegung ihres Herzens 'verrieth, sagte fie: „Oetu Hab' ich de» Proeest gewonnen!" „Was für einen Procxst?" fragte MoseS. „Nicht», nichts!" sagte die Bliitter. „BcS dn älter sein wirst, werd' ich dir. die Lache schon erzählen!" lind voll Ungeduld schritt sie nun im Zimmer aus und ab, harrend des (Balten, dem sie mit zntheilen hatte, was sich soeben ereignet habe. Ul. Wenn Einannel Mohn des Abends nach vollbrachtem Pagewerk lein GeschüstSlocal verliest nnd sich in die 'Wohnzimmer seines Hauses begab, war sei» erster Weg ins Zimmer feiner «trau. Es war so behaglich da, eS ließ sich so gemükhlich da plaudern, und auch daS Bergungen einer dnstenden Havannah war ihm da nicht verwehrt, denn Jetti war nicht zimperlich und war an das Rauchen voni elterlich?» Hanse her; gewöhnt. Enianuel erzählte da von deil geschäftliche» Ereignissen deS PageS/ lnitunler kleine Renigkeilen aus der „krasse", daneben siel manches Lcherzwort, hie und da ein Wiv, hie nnd da eine Anekdote, und so verging die Heit bis zum Nachtmahl, welches in still begnügter Heiterkeit eingenomnien wurde, ivie eS bei Menschen der- -Kall ist, welche, von der Natur nnd den Umstände» begünstigt, die Lvrge uin die gemeine Nothdnrst deS 1'ebenS nicht kennen. Als die Krau nun so ii» Zimmer aus und ab ging, ihren Mann erwartend, überlegte sie, ob sie ihm die Mittheilnng von dein <Aeschehene» gleich bei seinem Eintritt »löslich und ohne jede Einleiiiliig machen solle, oder ob es nick» vielleickit kluger wäre, nicht-sogleich inil der Phüre in» Han»;n sahen und ihm die Munde von dein Bor salle dnrch allerlei Borbereilungeu »nd Ansvielnngen nach nnd nach beiznbiiugen. Penn, wie fiegesgewist sie vorbin in der ersten-Ans wallnng auch anSgernsen hatte, daß' ne den Proeest gewönnen habe, das innstle tie sich doch tagen, daß Emanuel von der Lache,.wenn' er auch versprochen, derselbeit nnier der nnn erfüllte» Bedingung keinen Widerstand entgegeiiznsepen, doch in leinem Kalle sreudig oder anch nnr angenehm berührt sein werde Pas Peinliche ihrer Vage trat ihr nun erst ganz ins Vicht. Einerseits galt es die Ersüllnng ihres heisteiteu .»?erzenSlruintches, und Vieberes halte ihr ja nicht wider sahren können, als die An nnd Weise, wie sich ihr das O'emiitli de» M indes. geottenbari: andererseits lieble ne ihren (»'allen zu ansrichlig, nni ihm wehe zn thnn »nd Mnininer zu bereiten, das beistl also: „Waich mir den Pelz lind^mach ihn nicht, nast!" Pie nbcrdachle die Borilieile deS einen und des airderen Weges Psienbar halte sie, wenn sie gleich inil der Lprache heransaiickle und ihm die Lache . gleich einem abgesenertest >iano»en>üu>>; niitlheille, den Borthnl, ''sofort zu erkennen, welchen Eindruck diese Mittheilnng auf den ganz unvo'rbereileteu Ehegatte» macht und ob sie sich lrop seines gegebenen Bersprechens ans einen ernenerten Manivf gesagt machen müsse: andererseits konnte aber gerade das 'Berblnssende. ihrer Mittheilnng verlesend auf den OMtten ivirken und sein Widerstand hiedurch ' in schärferer Weise hervorlrelen, als wenn sie. kleine Hniaüigkeiren, wie tie der Augenblick ergibt, benüpend, gleichsam wie von serne aus die.- Möglichkeit lnndentend, daß dasjenige, was inner, ihnen als Be dingung vereinbart worden ivar, eintrelen tonnte, nach längerem (sie daulenauslantch die Mitlheilung machte, die vereinbarte Bedingniig fei in Wahrheit erfüllt. Nocli hatte sie sich für keine der beiden Methoden entschieden, als Einannel ins Ziininer trat. „Baker!" sagte Moies, bevor man sich noch gegenseitig begrüstl haue, „kann ich nicht stndiren? Wenn es dir recht ist, die Mittler bat nichts dagegen." „WaS?" fragte der Baker und warf der Mutter einen sinsteren Blick zu' « Pie Mutter wußte sich diese» Blick zu deuten: denn in diesem Blicke lag, wenn eS der Baker auch nicht mit dürren Worten ans gesprochen, für sie erkenilbar genug der. Borwurs: Also hast du ihn doch angesllstet? / . Pa nun durch die Raschheit des Mnaben die Litnation mit einem male gänzlich verändert und der Mutter jede Wahl über den Weg, den sie .gehensollte, abgeschnille» war, sagte sie zu ihrem «hatten nicht» asS die wenigen 'Worte: „Pi, bist sehr im Krrthnm". Pie fand seinen Borwnrs, den sie auch »nanSgei'procheu fühlte, beleidigend und es war ihr iit diesem Augenblick mehr zu thnn um die-Aus Hebung des MistverständnisseSj als uiii die Ersüllung ihre» Herzen» wunscheS. „Vast uns jeyt allein!" sagte die Mlillcr zn MoseS, ni,id der' Mnabe ging hinaus., „Biannisagte fie (e» ist dies der abgekürsie '.siaisie für Enia iinel), „wie lange leben ivir mit einander?" „Was willst-du damit sagen?" fragte Einannel. _ „Manni!" wiederholte sie, „kennst du nuch seit dreizehn Kahre» so schlecht, daß-du mich für -fähig hältst, mein Wort zu brechen Und . ein gegebene» Bersprechen nicht zu Italien?" „Rein, Ketti, nein!“ sagte Einannel, „ich.kenn' dich schon gut genug! 3d| bin überzeugt, daß dir dein Won gehalten —" „Ebenso wie ich von dir überzeugt bin," unterbrach ihn die Krau, „und-ich wülde mich vor mir selber-'chämen, wenn ich dir auch nnr in tNdanken die Beleidigung znsügen sollte,' dir zilzuinulhen, daß du dein gegebene» Bersprechen nicht halten solltest" - „Pu bist." sagte der (siaile, „wie ich sehe, in großer Änsregnng! Beruhige dich und rege dich nicht ans! lieber daS, was du gesagt hast, haben wir' nock, Heit zn sprechen. Pu Haft mich aber vorhin nicht auSroden lanen. sich wollte dir sage», ich bin .überzeugt, daß du dein 'Wort gehalten nnd daß du so gerade heraus ihm nicht» eilige flüstert hast: alleines könnte doch immerhin, ohne daß du daran Lchnld wärst, aus eine andere Ärt geschehen sein; beim, darin wirst, dn mir beistiminen, wd»n ich sage, an» seinem Mops'heraus hat es MoseS nicht: irgend wer steckt da dahinter!" „ES steckt auch Einer dahinter," sagte die Krau. „Nn, siehst du," sagte Emanuel, „daS^ Hab' ich gewußt. Wie sollte eS denn auch anders möglich sei»? Wer ist eS?" „Ein todte'r Mann!" sagte Ketti, „mein verstorbener Bruder Pavid i>l eS, der ihm die Augen geöffnet hat," nnd nun erzählte sie dem Manne Alles haarklein, was sich diesen Abend zugetragen hatte.

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