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Freies Blatt · 1894-08-26 · 125 (26.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
125 (26.8.1894)
Date
1894-08-26
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. #= Freies Start. Jeeubenbetm, da« Mädchen durch Schläge chillelst eine« Schlüssel« gegen den 8op> mißhandelt zu bade». Leide Angeklagte behaupteten, daß kein wahre« Wort au der Geschichte fei. Tie Zeugin Hillmer hable geflissentlich die ihr obliegende» Pflichten nicht erfüllt. Um sie zu verhindern, unnöthige Gänge zu machen und um die Zeit zu überwachen, habe man ihr am 2. Juni den Schlüssel zur Hintertreppe abgefordert, wobei e-? nur zu.ein> m leichten Wortwechsel gekommen iet. Tie Hillmer habe dann bei der Polizei Ä tzeige erstattet und sich auch nach der Redaesion de« Ablwardt-Moniteur« , begeben, wo sie eine wahrheitwidrige und aufgebauschte Tarstellung de« Sachverhalt« gegeben bade, die dann unter der Svitzniarke „Ehri stenmädchen in I»de»häui'ern" in dem Ahlwardl-Moniteur verössentlicht worden >ei. | Ein Ausschnitt sei ihnen ohne Unterschrift zngegangen, der Absenker habe a! schrieben: „Euer Sch-andchranger. füdis Hillmer bedauptete, daß ibre bei der Polizei g, -vreche. In dem ärztlichen Atteste wurde ihr schwollene Lacke gehabt,/ und daß sie über „ in den Lchren" geklagt habe. ES könnten dieise Erscheinungen recht woh'. die Folgen einer rvitßbandltiitg fein. Ter Pertheipiger Tr. Grünfeld hatte einen tiin'angreicheu EnilaslungSbeweiS für die Unglchtbwürdigkeit der Zeugin Hillmer angetreten. Ihr srüderer Tienftherr stellte ihr ein höchst ungünstiges Zeugniß au«. Er schildert^ sie al« >ehr verlogen und unzuverlässig. Außerdem trat ein ' 'rubere« Tieiistinädchen der Angeklagten aus, welches die Stellung anderthalb Jahre bekleidet hatte und die ihr zutdeil gewordene Behandlung lobte. Schließlich wurde noch eiwiesen, daß die Zeugin HiUmer an evileptitchen, .Nränivfen gelitten hatte. Ter Gerichtshof erklärte dann auch die AuSiagcht der Hillmer 'für u«glaub ivürkig und -prach beide Angeklagte frei. —| TaS bindert natürlich die ami' 'einitische Presse nicht, dekfTitnftigen „Fall" deS Weiteren für ihre Zwecke and z:>schroten. j an den Rand des PapiereS ge- ^eS TiebSgefindel!" — Tie nachte Anzeige der Wahrheit ent hur bescheinigt, dqß sie eine ge- Irnmmen im Xopfe und Sausen Nr. 125. en," sagte er auf daS Heft „ oom Propheten Eliah. Blätter umgewendet hatte, »gelten Scene aufgestanden iS daS Gedicht. Ihre Züge weiter sie laS. Hatte der war nicht in dent Crte hatte auS einer anderen, Feuillcroii. Die Eept'ei IFPeiläe. Erzählung von etzduard Hulke. i. ckorneining. liefen Eindruck gemacht:!ti C itcvabeitb hatte, tiefe/ Tiefe« Gedicht hätte auf Bioses einen 'eine eigenen Empfindungen, wie er sie a Gefühl einer be'eligenden Angst und eine^ schauerlichen Entzückens. wenn er auf Geheiß des Paters bingegat Eiiah die alutre zu offnen, und das Gef»HI der Enttäufchnng, wenn wieder nicht erfchienen war mußte —- das Alles fand einen Roman Füßen und blickte schweigend der Prophet trotz zuversichtlichen (fstiUibens und er sich wieder auf ein Jahr vertrösten er .in dem (Gedichte treu und lebendig wiedergegeben TeS Abends war er hei feiner Mutteq. Tie laS von Walter Seott, und MofeS faß zu ihren zu ihr empor. ..Mutter!" begann MofeS plötzljch, ..hat der CitFel das gewußt, was in den Büchern sieht'?" „Zn welchen Büchern?" fragte die Mutter. . „Sben in der Riste, auf dem Tachbolen," gab Mofes;»r Aut wort gen war, dem Propheten „Es steht etwas sehr Schönes dc^ drinn deutend, und die Mutter fragte: / „Hast du es denn gelesen?" „Etwas sehr Schönes," sagte MoseS, Ich werd' eS dir aufblättern." „Da ist eS." rief er, nachdem er einige und die Mutter, die während der vorausgeg rngenen Scene aufgestanden war, setzte sich wieder auf ihren Sitz und as daS Gedicht. Ihre Züge -verklärten sich beim Lesen immer mehr, je Dichter ja doch in den schlichten Versen eit c Kinderzeit besungen, die sie, die nur'um wenig Jahre ältere Schwester, mit ihm im Eltern hause gemeinschaftlich verlebt hatte. Jetti Kohn, wie man sie jetzt nannti geboren, welcher jetzt ihre Heimat war: sie und zwar aus einer bei weitem mehr fortgeschrittenen Gemeinde hieher geheiratet. Sie hatte, chic ihr Bruder David eine sorgfältige Erziehung genossen, hatte in ihrer Jugend waS gelern, in späteren Jahren sehr viel gelesen und war an Bildung allen Frc neu und Mädchen ihres jetzigen HeimatSorteS weit überlegen. BesonierS Schiller kannte sie sehr genau: ihn verehrte sie abgöttisch. Sie wc r an Bildung auch ihrem Manne voraus, und man hat sie hiehcr verhei tatet, weil Emanuel Kohn, ihr jetziger Gatte, schon als junger Mann in ganz Mähren und über Mähren hinaus eines guten Rufes sich zu Erfreuen hatte und als der einzige Sohn eines reichen Mannes eine sehe gute Partie war. In Sckiller'S Gedichten, vost'denen sie die meisicn auswendig wußte, hatte sie den S-uell gefunden, der ihr Erguickurg bot in allen Lagen des Lebens. Ihr Gatte, Emanuel Kohn, war ganz anderer Art. Sei» Sinn war vorzugsweise auf das Praktische gerichtet, und für den Schwung ihre« Herzens hatte er nicht das i >oIic Berstündniß: aber er ehrte und schätzte die „Phantasiererei", wie r den Idealismus nannte, von dem sie erfüllt war, um so höher, als :r wahrnahm, wie sie in allen wichtigen Fragen, welche die Energi des Mannes und die Lebensklugheit in vollem Maße heranSfordern, sich seinen Anschauungen fügte und seiner Einsicht unterordnete. Aus solche Art und bei so rücksichtsvoller Behandlung mußte daS gegensütige Vertrauen der beiden Ehegatten nur immer mehr gestärkt weich n, so daß, wenn eine Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen sich r'gete, dieselbe nicht, wie es häusig der Fall ist, zu einem häuslichen Eonfliete führte, sondern mit Ruhe, Verstand und mit Rachgiebigke t von beiden T heilen be feitigt wurde. Eine solche MeinungSverfchiediiiheit hatte sich offenbart, als die Eltern einmal vor längerer Zeit übe' die Zukunft des einzigen Sohnes mit einander gesprochen hatten. Der Pater hätte den Knaben am liebsten, in seine eigene Bahn gelenkt, Er war ein tüchtiger Ge schafismann, und dies sollte nach seiner Absicht auch MoseS werden: savid Alles V „Diele Kiste mußt du stell'» lasten," alten Bücher find mir ein Heiligthum, die rühren." Mofes erfchrak und wurde bleich Tie fragte: „Hast du vielleicht etwas IieranSgen nnnien?" j Mojes gab keine Antwort „Hast du aus der Kiste etwas herousgenominen?" ^fragte die; Mutter zum zweitenmale in etwas streng,rem Tone, und statt aller j Antwort begann der Knabe, zu weinen.! „Was hast du herausgenommen?". fragte die Mutter, und MofeS das zerrissene Buch, roeldje« seine Mitfmüle: im „Eheder"^ beute schon \ v neugierig beguckt hattest, abermals auS der Rocktasche hervorziehend,! b.-rz richte es der Mutter. . .! Hast du fönst nichts herausgenommen i Wahrheit lagen!";; Mojes fluch daS Heft herauf, 'i>t welchem er aus dem .*’c:i batte.- Tie Mutter nahm e ch fte Schrirlzüge des verstorlienen Bruders -"ft::!» und küßte es. :ß in Ehren ballen,' lagt si Tand > : die dürfen nicht per balle 'ich tuzwuchen, nachdem ihn war-n. von dem Sil» ecken erbeit, er batte wieder Mutli gewonn-.ü. » IN >!! . e >K- : cm Cnf.'i Bl'o'es die Bintter hingegen Hütte eS gerne gesehen, wistenfchaftlichen Laufbahn zugeführt worden von Berlin alö Doetor znrückgekommeu war, geliebt, und in den Träumen ihrer Phantast dereinst von der Fremde heimkehren als einest Mann der Wissenschaft, oder gar alö einen Schiller'S wandelt und mit feinem Ruhme d schone Traum sollte durch die Absichten deS fließen. TaS war eine Meinungsverschiedenheit, die nicht so einfach dürch Nachgiebigkeit und Unterordnung zu be eiligen war: denn gerade ili diesem Punkte ivollte keiner von Beiden sich unterordnen und keiner nachgeben. Daß sie Beide daS Glück de« Pater als die Mutter, das stand für' Beide sie sich klar; nur worin dieses ('stück bestehe i, und über die Mittel, durch welche dieses Glück begründet werden sollte, darüber gingen ihre Meinungen auseinander und gerade über dies n allerwichtigsten Punkt konnten sie zu. keiner Einigung gelangen. Aber gerade die Art und Weife, wie si, nach langem Hin- und Herreden auSfocht, n Beispiel für ihre Gesittung und für die Reit heit ihrer Gesinnungen, und so waren sie zu der Pereinbarung gelangt, daß man den Knaben vorläusig in nichts beirren solle. Die Mutter mußte daS Versprechen fragte die Mutter, „du! leisten, die Lust zum Studiren bei dem Knoben nicht in künstlicher sagte die Mutter, „diese darfst du mir nicht an- Mutter bemerkte es und Jeifc aufzuregen, wogegen der Vater vers; rach, in die Sache zu warf einen Blick hinein, sie führte diese Sachen rübren chlenderi werden." diese Schütze abgenommen zu weinen ausgehört und willigen und jeden- Widerstand aufzngeben, studiren bei dem Knaben ohne jede Beeinflrsfung in unmittelbarer Weife hervortreten sollte. An diese vor langer Zeit getroffene Ilebtreinkunft erinnerte sich nun die Mutter, als sie. das Manuscript d, in Händen haltend, das Gedicht vom Propheieu Eliah las. Unwill kürlich singen beim Leien die Lippen an, sich in dem gewohnten Flüstertöne, wie sie jchoi oft die Gedichte von Schiller geflüstert hatte. Als sie mit dem Lene: „Ein Kind kann wenn der Kzrabe einer väre. Ihren Bruder, der hatte sie außerordentlich sah sie auch den Sohn Gelehrten, als eiuen Dichter, der die Bahnen - Welt erfüllt. Dieser Vaters in Nichts zer opneS wollten, sowohl der fest und darüber waren diesen Meinungskampf liefert daS schönste wenn die Neigung zu i S verstorbenen Bruders zu öffnen, und itc las

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