Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 125 (26.8.1894)
- Date
- 1894-08-26
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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rette t>. Freies Blatt. Nr. V2h. scheu Eutbruches in bic politischen und publicistischen Iagdgründe des Eentrnnis nicht vorlag. Jetzt beginnt aler die Ahlwardtserei diesseits und jenseits der schwarz-gelben Grenzpfühlen den frommen Herren selbst auf die Finger zu brennen, und nun ziigen sie sich begreiflicherweise .inv'indlich ^Tcr „Sabbllkb drs Trostes". Man schreibt UNS: Im israelitischen Tempel tu PoKrlitz in Mähren hat am Samstag den I>. August, als des Kaisers Geburtstag, eine erhebende Feier stattgesunden. Es war dieser Samstag dfr sogenannte „Sabbakh des Trostes", der auf die LI Trauertage folgt, welche der Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems geweiht sitfd. Ter Rabbiner Tr. Iosua Weiß nahm des Kaisers Geburtstag znstt Anlaß zu einer geist- und gebailvoUen Predigt, in welcher er den Gedanken durchsührte, daß die Nudelt in Sesterreich den Trostsabbath sticht nur in Beziehung auf die geschichtliche Bergangenheit des jüdischen Volkes, sondern auch in Beziehung aut die «Gegenwart tu feiern! Ursache haben, da für sie unter der glorreichen Regierung des Kaisers Franz Josef l. die finstere stacht früherer Jahrhunderte geschwunden und ein neues, belebendes Vicht für sie angebrochen sei. „Und wenn auch" — so fügte er mit einer unverkennbaren Anspielung auf den Antisemitismus hinzu — „noch manche äi'olfc.. den Himmel verdeckt und das Vicht verdunkelt, so müsse doch im Heizen die Hoffnung lebendig bleiben, daß unter der gerechten Herrschaft und dem milden Seevter des Kaisers die Sonne siegreich durchbrechen und alle die drohenden schwarzen Gewitterwolken verscheuchen und in N chts zerstieben werde." «Tas Programm Vrr freisinnigen Äolkspartci.l Tie freisinnige Volkspailei in Teutichland bat soeben den Entwurf eines Parteivrogrammes veröffentlicht, welches auch Mit Bezug auf den confessioneilen Hader des Tages entschieden Stellung nimmt. Ter Entwurf fordert inner den ,,unerläßlichen Voraussetzungen der Volkswohlfahrt" u. A auch ,,G l e i ch b e i t vor dem Gesetze ohne Ansehen de? Stande-, der Partei und des! Glaubens, keine Zurücksetzungen wegen religiöser oder politischer lleberzeugnngen, volle Gewissens und Religionsfreiheit, gleiches Recht für alle Bekenntnisse, keine Begünstigung bestipnnter Kirchen". Das Programm widmet außerdem der Bolksbildusig wie den wirthschaftlicheu Interesse» des Volkes ausgiebige Theilnahäte. -Tic Einigkeit vcr deutschen Antisemiten. Tie österreichischen Antisemiten ge»ies»n nicht allein die besondere"Schicksalsgnade, daß sie sich gegenseitig tüchtig in den Haaren, liegen und dieselben gründlich zerraufen und zerzan'en, als Kütten sie btd Ringellocken der von ihnen unmenschlich gehaßten Cuibctt in Händen Deutschland, du hast es nicht besser: auch dort gibt es so viele Fractionen des Judenhasses, als es Jünger desselben gibt, und der 7-ti'iiuuI>-. c>1 lilu im antisemitischen Eonenrrenzkampfe wirst dort die schmutzigsten, ekeligsten Blasen ans. - Zwar fehlt es dort wie bei uns an zeitweisen Appellen zur Einigung der verschiedenen antisemitischen Fractionen nicht, allein dieselben haben bisher alle nicht der fortschreitenden Atomisirnng der deutschen Jndäopbagen Einhalt thnn können. Augenblicklich dnrch» schir«.!nen ähnliche Gerüchte, wie die einer nnmittelbar bevorstehenden Einigung, aller Richtungen des deutschen AittissntitiSmns, wieder die' Vllfr. Es sollen bereits private Vorbesprechungen zwischen Führern der Reformpartei und der dentsch-soeialeu Antisemiken stattgefnnden und zu dem Ergebinß geführt habe»,»daß zunächst den Parteivorständen, betcehnn'gsweise Vertranensmäitnerii der genannten Richtungen ein bezüglicher Entwurf zur Vorberathnng unterbreitet werden soll In einer spätestens Anfangs Sctober «jinznberufeudeu gemeinsamen Sitzung soll daun ein endgiltiger Beschluß gefaßt werden, so daß schon bei Beginn der neuen Tagung des deutschen Reichstages die anti- 'emi'i'chcn Abgeordneten als Fraction eiitcr geeinten deutsch-socialen Retornivartei ihre Thätigkeit beginnen werden. Tr. Ä ö n i g-Witten, der an diesem Einiguiigsmerk hervorragend betheiligt sein soll, hak auf den d. M. nach Hamm einen dgnisch socialen Parteitag für WestvKalen berufen, auf dem als erster Punkt die „Verschmelzung der '.uiis.initischen Parteien" zur Verhandlung kommt. Wir wünschen Herrn König-Witten viel Glück zu seiner .Verschmelzung". Es wird .: sanveres Stuck Arbeit sein, denn einstnseilen -liegen sich die Herren .-.'ch ,:är nin'anft in den .Httären. Wir haben erst neulich gezeigt, : n.'r..!!itlich die in Ahlwardtserei machekide neue „Volksrundschau" l su :dr V.raett antisemitischen Schwestefn empfangen wurde, und wir ie.r. :n in de, Vage, die in der letzten Rümmer aus antiseiintischen Blattern .ertedneirie Reihe von Anschuldigungen schwerster' Art neuerdings mit einer erklecklichen Anzahl vion Eitaten ans ebensolchen Zeitungen zu vermehren. Auch Böckel, 'der unglückliche, aber rastlose <peci:lant, wnd von den anderen Geschästsantisemiien mit scheelem Ecneurr iitneid verfolgt, und die Tivoli-Antisemiten fahren fort die Morgenstern- und Trc'chtlegei-Taktik Ahlwardt's zu bekämpfen. Aber Herr Tr. König braucht gar nicht so weit zu gehen, um sich von der inneren Zerfahrenheit seiner Partei recht gründlich zu überzeugen. 2hm ist nämlich erst neulich das Unglück widerfahren, daß von stramm antiseniitischer Seite, von der „Wcstp hä lisch en W arte", mit der er itzt Kriege liegt, sein Benehmen als „recht" 'jüdisch bezeichnet wurde. Das sind schlechte Aspecteu für sein Verschmelzungswerk. (Ein gefährlicher Jrrthum.) Zn Berlin sprach vorige Woche in einer Versammlung deS Vereines „W aldeck" Lchuldirector Schmidt aus Dresden „Ueber Antisemitismus, seine Führer und sein Programm". Der Redner berichtete namentlich über die Parteiverhältnisie Sachsens und meinte, daß die antisemitische Bewegung dort ihre» Höhepunkt überschritten habe und, daß es keinem ihrer jetzigen Leiter gelingen werde, bei den nächsten Wahlen wieder in den Landtag zu kommen. Betreffs des antisemitischen Programms äußerte er sich dahin, daß das VolkSthümliche in diesem alte liberale, vornehmlich dem Programm der freisinnigen Volkspartei entnommene Forderungen seien, mit denen man die reaetionären Bestrebungen zu verdecken suche, flu der an diese Ausführungen sich anschließenden Besprechung forderte ein Tr. Moses die Redner der freisinnigen Volkspartei zum Besuch der antisemitischen Versammlungen und zur Bekämpfung der Angriffe auf das Zudenlhnm auf; er wurde aber vom Vorstandskische aus darauf aufmerksam gemacht, daß der Verein „Waldeck" und die genannte Partei nur allgemein politische Interessen zu vertreten habe und die Vertretung der rein jüdischen Jnbereffen auch den Juden allein überlassen müffe. Von den Inden müffe aber erwartet werden, daß sie über ihre Sonderinteressen nicht d e allgemeine» politischen Pflichten der Staatsbürger vergeffen und sick an politischen Versamntlnngen und Vereinen nicht nur dann betheiligten', wenn speciell die Zndenfrage auf der Tagesordnung stehe. S b cS überhaupt gerathen sei, gegnerische Bersammlnngen zu besuchen, darüber waren, die Mei nnngen, je nach den Erfahrungen, die der Einzelne in dieser Beziehungschon gemacht hatte, verschieden. Bezeichnend teien in Deutschland wie in Sesterreich ist efc von de» Inden ParteidiSciplin und Parteibegeisternng bis zur „Bewußt losigkeit" verlangt, die gehässigen Angriffe unter dem Prätext „Vertretung rein jüdi Juden allein überlaffe". Uns scheint dies dem sich freisinnige Politiker hingeben. tnf das Indenthum aber cher Interesse» auch den ein gefährlicher Irrthum, Aus antisemitischen Oereinen und Versammlungen. lAiederösterrrichischer ttatbolifcntag.) Nach Folge des zwiicke» Cleriealen »nd Antisemiten ei» augemeiner .Katholikentag nninöglich geworde Christlich Socialen im Sväiberbsi in Wien ans österreichischen Ratholikeiiiag" veranstalte». „Tie eines der eriremsten Blauer dieser Richtung, „ kennen die Roth der Jeit als groß und dringe,i> voran mit dein Rufe: ,Es lebe die Thai!'" Ta zu schließe», die Reiiicleriealen diesem Rnt'e »ich Propagandisten der Thal ionach auf ihren, „.Hotl bleibet, was den Riß zwischen den beiden hadernde it schwinden machen wird. lVund der Deutschen.) Ter uengegtüiidelc al der Tentschen in Böhmen" hatte es durch SrgancS versucht, bei den Arbeitern seine höfliche machen. Ten ingeniösen Gründern des „Bundes eine deutsche Omladina mit eonsns national - sogeschwebt haben. Tie Arbeiter sind aber keine danken sich hösltchst, indem sie den Herren zun,fest daß dieses Gefühl der 'Rationalität nicht auSartei bürger mit allen Nachtheile», die ein solcher Ranis f daS Proletariat mit sich bringt'-" „So wird es „ich! geist" dio Herren Schütter und Probe. „Ter Bv, für da« .Kleingewerbe und den Besähignngsnachwei - politischen Fähigkeiten abzulege» hätte, scheinbar bei ff. Bieren halte». Feste feiern," aber helfen w Richtung des Proletariats wird der Bund der erweitern. Er muß schon bei Gevatter Schneider (Ein tinkerbiiebenes Fest.» Für den 4., 5 semitische Studentenschaft, die sich in dem „Perei aus Nordmähren" ralliirt, in Slmütz ein F eine Temonstration gegen das während der Psingsnii gehabte Fest des liberal-nationalen Schutzvereines de-. Rlci 1! nd un für die freisinnigen Paraber, daß man zwar!dem in cieient Jahre in chisgebt scheue» Bruderkrieges > ist, werde» die radicale» eigene Faust einen „nieder- Thristlich Socialen," schreibt! vollen keinen Ausschub: sie und deswegen schreiten sie h all dem Boraiigegangenen folgen dürfe», werde» die olikentage" ganz unter sich Brüdern geiviß nicht veriftisenlitisch-nationale „Bu » d PkNnd eines Reichenberger Einladung zum Beitritte zu ' mag dabei so etwas wie cialistischei» Programm vorngewerbetreibenden und be- „Wer bürgt »nS dafür, in Haß gegen feine Mitunter dem Proletariat für gehen," mahnt der „Freich der Tentschen wird sich den er freilich für seine ühen »nd begeisterte Reden rd er ihm nicht." In der eutscheit kaum sein Gebiet Handschuhmacher bleiben.!>d «>. Angust hatte die antideutscher Studenten ialfest projeetirt, welches ge in derselben Stadt staltdarstellen sollte. Tie pocr