Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 125 (26.8.1894)
- Date
- 1894-08-26
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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dieses betrügerischen BorgcbenS hatten sich nun die Eheleute Haller vor dem Dtrafrichler in Dtt'akring zu verantworten. AgneS Haller erklärte sich nichtschuldig, schuld sei nur Herr Blau selbst. „Denn," sagte die wackere ffrau, „hätte er nicht in zudringlicher Beeise incinem Manne daS Hol; zuin St'aufe angcbote», batten wir cS gar nicht gekauft, denn wir haben cS nicht gebraucht. Der Angeklagte Johann Haller gab an, daß er beim GcschäflSverkaufe nicht zugegen war, da er zu dieser Zeit eine dreitägige A r r e st si r a f c a b s i v e n mußte. Diese Angabe crmicS sich als wahr und wurde tzabcr Johann Haller von der Anklage der ExeeutioiiSvercitlung rreigeiproche»: bin gegen wurde Agnes Haller schuldig erkannt und mit Rücksicht aus die Hobe DchadciiSsummc zu l 4 D a g c n verschärften A r r c si S und zur Zahlung von -t.'» fl. an Herrn Blau verurtheilt. irrau Haller ist nun, wie ihr Ehcgcmabl schon früher, ein Dvser deS römischey Rechtes geworden. (WaldporsicilZ Eine irrenndiu unserer Dache il^räsin B f schreibt auS de» .steirischen Bergen: „Dies, lies im Walde, an einem sehr ichönen idnllischcn Plav, stellt hier eine Bretterbülte, die ..'Wald Donche" genannt. Ein eisig kaltcS, klares Wan er ist eingefangen und stürzt von der Höhe zwischen irarrenkrant herab. DaS Rauschen, die Waldes liible, die Einsamkeit laden znin AuSrubcn auf den Bänkchen ckn. Da -and ich unlängst die Berte: ■i ..Wand rer baue zu die Hai', Hier liegt ein alles ,>nden Aas: Doäi vergib' cs dem Hall,»,len. Er Kat im Veden >ä>o>i gennnlen." Do dichten kann ich auch wie der eklige Antikeinil dachte ich: nur' bätke ich leider tcinen Bleistift bei mir. Wie ich wieder bliitoinme, schreibe ich aber drunter: „Dogar bis in tieieS idiillilche Ren Ergießt sich die aiiliseliiüi'che Pen! ■ * Be'udclt den Wald, der gewamien doch in gut für den sin den wie ii'ir de» Ebrin. Darum, wer'den Hast >o sttner ans Erden. Verdient, bald selber ein Aas zu wilden!" Ei» Bestich mit der .Hlinvsvcilscht. Ei» Reneontre. das jüngst zwischen zwei Dlsieiercn und einein aniisemilischeii Redaeienr stall gefunden, macht gegenwärtig in Vinz peinliches Annelien. Das in z'inz erscheinende deutsch' nationale Antiseinitenblalt, die „Vinzer MonlagSpost". deren verantwortlicher elsedaeienr Dr. M. Reninüller ist, veröffentlichte vor einiger Zeit eine 'Rotiz. ip ivelcher niitgelbeilr irurde, daß „ein jüdischer ViciiieiiaiilManienS Dpitzer" einen Tribal rzasikautc» mit dem Dabei bedroht habe, und es würfe die ,vrage anfgcworsen, „ob dieser nnerhörte Borgang die entsprechende Bestrasnng finden würde". Dbwobl nun der antisemitische ,vulharker über Witter vention deS bet'.ossencn Bfsieiers mit Hanfschlag zugcsagl halte, eine vereinbarte Erklärung, die unrichtige Rotiz „Exeeß eines Dtsieiers" betresfend, zu veröffentlichen, brach er nicht nur unter Berufung aus eine Entscheidung deS Redaekioilseomil'-S dieses Bersvrechen, sondern brachte in einer später erschienenen 'R'nmmer der „Montagsvost" eine zweite Rotiz unter dem Titel „^ägerdrefsnr". in welcher auf hhitiiti' /einer Zuschrift von zehn Reservisten deS Tiroler ÄaisersägerregimenteS, ivclche bei dem Infanlerieregimente eingetheilt gewesen waren, ein Dberlientenant dieses RegimcnicS beschuldigt wurde, diese Reservisten während der Wafsenübnng mit Dchiinvfworlen überhäuft zu haben. v»!i ,rolge diei'cS BorgcbenS begaben sich dieser Tage der Dbcrliciiteiiant 3. B o /. i > - nnd der dem Infanterieregimente zugetheiltc Reservelieilrenant E. Dpi her in die Wohnung deS antisemitischen Ealumniaiiicn, um ihn zur Rede z» stellen, '.st'ach einem kurzen Worttvcchscl versetzten die Dssiricre Dr. Reninüller zwei Hiebe ipit dem Reilstockc und ließen, als er bei dem Bersuchc, eine Wafsc zu holen, stürzte, weitere Hiebe folgen. Wie nnscr Vinzer Eorrcspondcnl beifügt, behaupten die beiden Dfsicicre, von Dr. ^kenntüllcr zuvor provocirk worden zu sein und ihm nur leichte Hiebe versetzt zu haben. Biclleicht trägt dieser Borgang, den wir natürlich ini Interesse der freien Brcsie nicht scharf genug verurlhcilcn fönnett, dazu bei, in antisemitischen streifen ein richtigeres Urtheil über den gewisse» Besuch Dchönerer'S. im Dtehrerbof zu verbreiten. (Zur Wahlbewcgung in den Alptilliindcril. > Der stampf u», das Vcobcner Mandat, um welches ein freisinniger nnd ein national aniisemitischcr Eandidat sich bewerben, nimink nun größere Dimensionen an und entfacht, wie begreiflich, die Bartcilcidcnichasl zur vollen .riainme, so daß cS fast täglich zu häßlichen Demonstrationen der Antisemiten gegen den Liberalismus komnit. Dieser Tage entstand vlövlich daS nachher authentisch richtiggcstelltc (Gerücht, daß in - de» Weltbewerb^noch ein neuer-Eandidat, Eder als BertraucnSmann der Eonfervativ Elericalcn getreten fei Ter Wäener Aniise»iiien-Monlkeur war sehr unwirsch über diese vermeintliche Dvalmng i:n antiliberalen Vager, da die Anfstcllillig eines elerieal eonserr.it,ren Eandidaten '.»»den Dieg dcr libcralen Mandatswerber zur,vo!ge haben iönne, ,n drS Blair gieng so weit, zu behanvlen, die Ansstellunq eines solchen Eandidaten könne nur,diesen Zweck haben ..Taß eine eventuelle Eandidainr Eder'S gänzlich aussichtslos ist" — meinte Berg.-.i» — ..darüber dürsten >>ch' die Elerieal Eanservasiven selbst ganz klar 'ei», ebenso dainbcr. daß cS ihnen nicht gelingen wird, liberale Wähler zu Estinnen Ed er's um zustininien dhr Eingreisen in die Wablbe'wegniig :n deni angedcnleten Dlilne kann al>'o unr Herrn Walz Dliiiimcn entziehe«: Das ist so klar, wie zweimal zwei vier ist. und damit ist auch der energische Protest gerechtfertigt, der ivo,, antisemitischer Teste von veriiebcreln gegen das Projeer eines elerieal eoüservaliveil Eandidaten in .Bruck Roben erhoben werden muß. Eine solche Eandidalnr wäre ein hinier listigcr Angri» ans die Antiliberalen;ir «Estinnen der dndeuliberale» Bon tistaz an ei .hat man allerdings schon vor einigen agen erll.iri, Herr 'Walz iei Deniichnationaler, der sogar in eine Tneliaiigelegeiiheii verwickelt geweie» sein >eil*.! Allein man v ergebe n-än daß der'-elbe Herr Walz auch Eandidat der i^ewerbetr.-ihenben., nn,, Bel t r a n e n S m a n n aller A n i i >'e in i t e » des Bruck Ve oben er Bezirkes ist." Tie Eandidalnr Eder's .bar'sich, wie ge'a.z-.. 'etilie: alS ein bloßes E'.riichi heransgesteli:. k:e'eS "'erlicht ba: iins aber intireci die Angen darnber geöffnet, daß 'ich jlv in Clvr’t-.lu keineswegs bloß ein B,'.ln oder '.'Rinder von Raiioiiastsmns geae» Übersicht Es ist der nack ie> A n l i s e m i r i s in n s, der hier nnie. falscher Maske sein Hanoi erhebt und mit der Wahl W a lz' sich' einen Dip in, ReichSralbe erobern würde. -- Auch - in .st ärnlen ivi.rk der vol:::'che Dommerl'riede durch..eine äußerst rege Wablbeivegiliig »m zwei Mandate nnierbrochen. die bisher im Betil-e der liberalen Partei geweien. von denen aber wenigstens eines, nach den bisherigen Wabliiiünnerwahlen zu schließen, leider in den Besip der vereinigten Eleriealen und Dlovenu, übergeben diirstL. Angesichts dieser'traurigen Tbanache gegenüber sindei das 'Tigan dee 'aeuliaiiven Anlisciflilcn, in .Rlagen'nri, die „si-reien Diiinnien" den Humor, zur Wiederherstellung deS werl^'renen Einflussesans das randvoll Eonoeifio» an den eleriealen -sinn durch .,milde Handball»»; des Dchulg'esepes" inid einen „v e r n >i n f t i g e n und l h a r t r aii > g e n A nlij e in i;i s >» n S" zu empfehlen.. 'Abgesehen darwn. daß der Anriieniiiisnins in .stärnlen dieselbe Berechtigung bar wie etwa der AnlibnddhiSiiinS und daß uns von einem „vernünftige» Anti'emiiisnins" bisher noch nichts bekannt - geworden ist, wurde festgesiellt, daß das Eingreifen der denkschnalionaleii 'Bereinigung in die. Walilbewcgnng dem ,roriichreiie» deS eleriealen Erfolges nicht um -leinen Tamm zu i'even vermochte, sondern eher die airati der deutschen und lsiierale» Agitation wesentlich schwächte. ein Billacher Blau streng national antisemitischer Dbservanz macht den —Tentschnalionalen' sogar den blutigen Borwiirs,-daß mancherorts, io iu r ind im Traiitbale, einige von ihnen''„im letzten Momente die traurige elrvlle von Hebe r l ä n s e r n >' v i i 11 e n". Wir glauben, das ist schon zu viel des „vernünfiigeil und lhatkräftigen 'Aiiiiseiinlisnnls" vom U'eschmacke des sittenstrenge» D t e i n w c n d e r. ünd.die .rolgen davon nrerken iveder in der Richtung des DenlschlhnmS »och des .vonschritics, dem Dteinwender angeblich kroh der Borfälle in Dbersteier huldigt, besonders erfreuliche fein. (Sic Hiltliolifc» nnd DlC Rlllwürdkitici. Auch i» Denktchland nimmt die katholische Presse immeiz enlschieKen.-re Dlelliing gegen den AilliseiniliSmnS. AnS Anlaß einer in D-l'eri-chlesten versnchlcn Aüiliation für die in Berlin geplante neue aniiieznitische Leitung wendet 'sich die »ltramonranc „ D b e r i ch len i ch e .4 e i t n n g " scharf gegen den Anti - semiliSmuS. Die schreibt: „HinanS mir dii-st-ii Prospeeien nnd AboiincuientSeinladniige», die zu halben Tntzcnden »i ledem Eonvert in zahl reiche Häuser geschickt werden. ' Ein wahrer .Eatbolik kann niemals Anzisemil 'ein, den» EliristnS hat es das h ochste <'' ,c b ot gen a n tt i: Vi e b i> e i»e n •>{ ä ch st c n >v i e dich selbst! Und der Räch sie ist -auch der Hude. ,rörderung ihres Unternehmens erwarten die Berliner Herren sonderbaver we'lfe in erster. Vinte von den Herren Vehrern, von denen' viele zu je In biS > Bestellzettel zur Unterbringung mit. dem Hinweise erhalten habe», daß der Haupkredaekenr "höhne Zweifel Ablwardt) auch ans dem Bolksichiillchrerstande hervorgegangen iei. ,Die laihvli'chen Vehrei Dberschlesiens lache» über den Dvaß, thn die 'Berliner Zndeiifresser mit dein katholischen Dberschlesien versuchen" Es ist ja sehr schön von dem ultramonianen Drgan, daß cS sich io fduVrf gegen die '.(hl wardljerei ausspricht. Aber leider lut k:e E.AiNnmsv-resse' leineswegs immer und überall so entschieden gegen den An:istniiusiniis Drellnng genommen, namentlich dann nichl, wenn die "st'abr eines anii'cutiti