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Freies Blatt · 1894-08-19 · 124 (19.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
124 (19.8.1894)
Date
1894-08-19
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Freie» Blatt. - Nr. 124. die Socialdcmokratie bezwecken will. Wie die Debatte gezeigt, wollen als solcher acceptirt worden. Nun veröffentlichen die Brücker Antidie Christlich-Socialen auf dem Fundamente der Arbeiterkammern dem Volke das Wahlrecht verleihen. Der gtifhpicfyt $r. Geßmann habe erklärt, daß in der „Arbeiter-Zeitung" beim TalleSweberstrike gegen die jüdischen ÄuSbeuter nicht so Stellung genommen wurde, wie dies dei christlichen Ausbeutern der Fall gewesen wäre. Das sei nicht die erste und nicht die letzte Lüge des Dr. Geßmann, denn aus jeder Nummer der „Arbeiter-Zeitung" könne bewiesen werden, daß das Treiben der jüdischen Ausbeuter nicht weniger als das der christlichen an den Pranger gestellt werde. Tr. Ellenbogen besprach daS Treiben der Cbristlich-Socialen, die eS nicht wagen, in einer focialdcmokratischcn Vttffammlung aufzutreten. Dr. Lueger und Consorten wüßten eben, wie, wann und zu wem sie zu sprechen haben. Vucger und Geßmann hätten mehr alS einmal schon AnnäherungSrersnche an die socialdemokratische Partei gemacht, und die stete Abweisung von dieser Seite laste ihre Wuth auf die Socialdcmokratcn begreifen. Dir Wahlen in Preßbaum.) Grcgorig's und Psenncr s Mission in Prcßbanm ist mißglückt. Bei den ani st. August stattgefundcnen 'Nineindewahlen errang die fortschrittliche.Partei einen vollständigen Sieg, trotz der gcwistenloscn Umtriebe von antisemitischer Seite. Eine mit der gegenwärtigen liberalen und fortschrittlichen Gemeindeverwaltung unzufriedene Partei glaubte: ihre Agitation dadurch verstärken zu inüstcn, daß sic, wie bereits gemeldet, einige bekannte antisemitische Wortführer zu Hilfe rief. Auch am Wahltage selbst kamen Zwischenfälle vor, die zeigten, in welcher Weise versucht wurde, namentlich aus die Wäblcr deS dritten WahlkörpcrS cinzuwirken. Die Holzhauer, unter denen sich 04 Wähler befinden, kamen in großer Zabl unter Führung deS WirtheS Josef Blauer von Dürwien und nabuien vor den, Gemeindebanse Aufstellung. Bald darauf erschien der k k Forstmeister Mel;er und richtete {mit kräftiger Stimme an die Holzhauer eine kurze Ansprache, wie sic! zu wählen hoben. Seine Worte erregten das berechtigte Befremden einer Anzahl von Wählern, die in der Niihc standen, und Bürgermeister F r ö f ch c r sah sich veranlaßt, laut Bcrwadrung gegen die An und Weise der Wahlagitation des Forstmeisters zu erheben. Cs kam hierüber zu einer äußerst bewegten Scene, an der sich auch mehrere andere Herren betheiligten, und die wahrscheinlich noch ein Nachspiel haben dürste. Einen sehr befriedigenden Eindruck machte dagegen d,e würdige Haltung deS Herrn Pfarrers, welcher der antisemitisches Agitation vollkommen 'ern geblieben war. Ein Fest freisinniger Stliücnttn.1 Ausl Budweis schreib^man nnS: Die Fcrialverbindung „M arcomanstia" feierte in den Tagen vom 4—(i. August ihr crsicS Stiftungsfest.! bei welchem die Bertretcr zahlreicher dculschforlschrittlicher Verbindungen von Wien, Prag, Brünn, Saaz und anderwärts abwesend waren. DaS Fest nahni! seinen Anfang mit einem FcstcommcrS, der von der deutschen Bcvölkc- > rnng sowie von den deutschen Bcreincn äußerst stark besucht war und »ich alS glänzender Beweis der dcutichliberajen Gesinnung der Stadl i zeigte. Zahlreiche Neben wurden im Erlaufe deS Abends gehalten uitd j landen den wohlverdienten Beifall der anwesenden Bürgerschaft, darunter insbesondere die Festrede deS ^tnsi für. Carl Kneisol sowie die Nedc deS „alten Herrn", LandtagSabgcordncten Josef Taschck. Erst spät am Abende wurde der CommerS »ach dem üblichen Landes valer geschloffen. Besonders glänzeild gestaltete sich die Auffahrt der „Märcoinannia" und ihrer Gaste. Ucbcrall wo sich die Sludcnlc» zeigten wurden sie von einem wahren Blumenrcgen und mit zahlreichen Eichenkianzen begrüßt und auf das Lebhafteste acclamirt. So bewegte »ich dieser glänzende Zug der Eauipagcn, der durch die Studenten, die »äuiiiilliche in voller Wichs fuhren, ein malerisches Gepränge er halten Hane, zum Kaiser Josef Denkmal in den Stadlpark. Hier wurde nach Absingung eines Liedes von der Ferialverbindung ..Marcomannia" ein Eichenkranz mit prachtvoller Schleife niedcrgclcgt. '.velchcur Beispiele sämmtliche Verbindungen folgten. Bon den deutschen Bi,einen, welche in stattlicher Anzahl zu dieser weihevollen Feier cr- 'ch:euen warcn, legte der deutsche Gcsellcnvcrcin einen herrr..i!.>! Xianz mit einer schwarz roth goldenen Schleife nieder. Nachmmag nahmen die Couleurstudenten an dem BöhmccwaldbundcSfcstc th.il Tcn Abschluß nahm die studentische Seiet, wolchc den Beweis erbrachte, caß noch deutsche Studenten daS Banker deS Freisinns vochbalten, mir einem Tanzkrünzchen, daK^-vrln ^den Sternen der 'deutschen Weiblichkeit' unserer Stadt erglänzte. .1. Sch. Zur Wltdl in LeobenZ Der Kampf um das durch den Tod des freisinnigen Abgeordneten Heilsberg erledigte ReichSrathSmandat hat sich bereits bis zu einem lebhaften Borpostengefechte entwickelt. Frcmnniger'eilS ist Pro'cffor Lorber für das Mandat als Candidat b'estimiiit und von dem größten Tbcit der Wählerschaften auch bereits semiten in ihrem Organ einen Wahlaufruf zu Gunsten deS antisemitischen Candidaten Walz. Zu den naiven Anpreisungen deS Wahlbewerbers gehört auch die Betonung seines „weitreichenden Einflusses", mit welchem Appell an die ProtrctiouSlüsternhcit der ländlichen Bevölkerung man diese ganz sicher für die vom sittenstrengen Steinwender geführte AnticorruptionSpartei!zu gewinnen hofft. Die Einmischung der Nationalpartei in die Leokstner Wahlbewegung hat übrigens im Wahlbezirke Verstimmung hervojrgerufen. Ein Mitglied dieser Partei, Herr Posch, dankt sein Mandat nur dem Eifer, mit welchem die Liberalen deS LandgemeindcbczipkcS Bruck-Leoben ihren Einfluß zu seinen Gunsten geltend machten. lDic Liberalen begnügten sich damals, durch fleißige Agitation die Wähl eines clericalcn Candidaten zu verhindern und fragten Herrn lPosch nicht nach seiner Fractionsstcllung. Die Haltung, welche die Nanonalpartci in der jetzigen Wahlbcwcgung für den Stadtbezirk Leoben-Bruck einnimmt, ist ein merkwürdiger Dank für die selbstlose Unterstützung, die ihr Parteigcnoffe bei den Liberalen deS Wahlbezirkes gefunden hat. Dafür muß sich die Nationalpartei auch noch von den antisemitischen Alliirten deS Herrn Walz sehr zweifelhafte Artigkeiten gefallen lassen. Der Verein der Deutsch-Nationalen in Steiermark, deffcn Mitglied Herr Walz ist, hat in einem officiellen Communiquö erklärt, daß er die Wahl dieses Candidaten nach Kräften unterstützen werde, j.da Herr Walz als entschiedener National-Antiscmit den kleinen, wirklich nationalen Thcil der Nationalpanei stärken und hoffentlich eine! Klärung der Bcrhältniffe in derselben hcrbeiführen wird". Derselbe Verein, der sich in dieser sonderbaren Weise für die Candidatur hcS Herrn Walz einsevt, hat seinerzeit in Graz eine Versammlung abg» halten, in welcher zwei Mitglieder der Nationalpartei, die Herren Lrdwig und Scala, auf daS Heftigste angegriffen und in einer scharfe, Resolution mir einem Mißtrauensvotum bedacht wurden. Ganz lächerlich ist es aber, wenn die Antisemiten von Bruck den Candidaten P ofcffor Lorber als einen Fremdling für die Wühler deS Lcobcn-Bruc er Bezirkes bezeichnen, ''weil derselbe gegenwärtig in Prag domicilirt. Der „Professor auS Prag", behaupten sie, kenne die grüne Steicrn ark nicht und sei daher nicht geeignet, die Interessen steirischer Wähler im Abgcordnctenhause zu vertreten. Ober Bergrath Franz Lorber isi in Wien geboren und hat dort seine Studien absolvirt: er war abci vom Jahre 1SG8 bis l!S7U Assistent an der technischen Hochschule in. Graz und von 1870 bis gegen Ende l">03 Profeffor an der k. k. Bergakademie;» Lcobeu. Im Jahre I»- wurde Lorber in den Gemen idcausschuß von Leoben gewählt und wirkte in dieser Eigenschaft bis : Februar 1800. Er gehörte zu den eifrigsten und fleißigsten Mitgliedern dieser Gcmeindc vcrtrctung. Zur Zeit, als die Stadl Leoben roch keinen Ingenieur angcstclll Halle, war er Obmann der Bausecticn, wodurch er mit den verschiedensten gewerblichen Angelegenheiten, inj besondere im Baufachc, zu tdun halte. Lorber. gab die Anregung zur C rrichtung der städtischen Gasanstalt, leitete die Durchführung des bezüglichen BeschluffcS mit uucrmüdlichem Eifer und führte nicht bloß die zu seinem Austritte auS dem GemeindeauSschuffe, sondern auch ft ätcr noch jahrelang in glänzendster und selbstlosester Weise den rechniscken und kaufmännischen Betrieb der Gasanstalt. Lorber war aber auch Mitglied der RcchtS und Schulfeclion im Lcobcncr Gemcindcrath u,d nach diesen Rich tungen in hervorragender Weise thätig. Vom Gl meindeausschuffe wurde Lorber in den OrtS und von diesem in den Bizirksschulrath entsendet, in welchen Körperschaften er besonders erspricß ich wirkte. Erst seit October 1803 ist Lorber Profeffor in Prag. Sein Lebenslauf zeigt daher, daß er durchaus kein „Fremdling" im Leobcner Wahlbezirke ist, wie die Nurnationalen im Jargon des antisemitisch tu StockphilistcrthumS sagen.^ fSchnridkr in Ltmbkrg.) Bor einiger Zeit kündigte Mechaniker Schneider in einem Wiener Antiscinilenvercinc! an, daß er mit zahlreichen Genossen an dein Gewerbe- und Handwer ertagc, der in Lemberg in Berdindung mit der galizischen Landesausstellung gebracht werden sollte, theilnchmcn werde. Schneider sah schon, nie sein Empfang den-- jcnigen, der den dcutschliberalen Abgeordneter in Lemberg zutheil geworden, in den Schatten stellen werde und rechnete dabei besonders auf die „breiteren Bolksschichten". Schneider Halle aber die Rechnung diesmal ohne den Wirth gemacht: denn als die Wiener antisemitische Preffc die Trommel für einen nach sattsam beka mtcn Mustern arran girten MaffcnauSstug;um Besuche der galizis hcn Landesausstellung rührte, wurde sic von Lemberg aus in der unzl »cideutigsten Weise an daS alte Sprichwort erinnert: „Ungeladene Giist' sitzen nicht fest!" Im Lembcrger Gcmcindcrathc wurde die für den Empfang der fremden Gäste beantragte Subvention nur unter der Bctingung bewilligt, daß der Gcwerbctag nicht etwa wie mancher feine: Borgänger in einen Antiscmitcntag auSartc, und Bürgermeister Mochnacki gab auS V

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