Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 124 (19.8.1894)
- Date
- 1894-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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/ Nr. 124. Freie» Blatt. eite k> einen noch heute eristirenden Grabhügel errichtete und im BolkSliede BerekS lKedächtniß überliefert. Bon dieser für einen Soldaten liebsten Belohnung unabhängig, unterbreitete der Ministerrath am 23. Juni 1810 dem Könige Friedrich August, dem Souverän de- FürstenthumS Warschau ein Projekt dahin gehend,' der nach Berel Josielowic; Hinterbliebenen Familie eine lebenslängliche Pension zu ertheilen. Dieser lobenSwerthe Act der königlichen Anerkennung und dSr Dankbarkeit der BolkSvertretcr, erwiesen dem Andenken Josielvwicz' für seine „zahlreichen in der Bertheidigung des Landes erwiesenen Dienste", bat in deutscher Uebersetzung folgenden Wortlaut: F r i e d r i ch A u g u st von GottcS Gnaden König von Sachsen, Fürst von Warschau. Da uns unser Ministcrrath am 23. v. M. die unglückliche Lage der Witwe und Sohnes des im verflosicncn Feldzüge gefallenen SchwadronSchef Bcrek geschildert hat, und da wir auch seine in der Bertheidigung dcS .Landes, dargcbrachtcn Dienste belohnen wollen, bestimmen wir für seine Witwe Rifka und seinen Soli» Josef eine jährliche Pension von achtzehnhundert polnischen Gulden auS dem Staatsschätze unseres FürstenthumS Warschau. Mit der Bollzichung dieses unseres Willens betrauen wir den Finanzministcr unseres FürstcntksumS Warschau. Friedrich August. Der ÄiiiisierSiaaiS'eeretär: Stanislaus Breza. Mil dein Driginale übereinsliiilinend: Der Fiiianzminisier: Wenglenski. In der Campagne 1800 diente bereits BeretS Sohn Josef im Heere, und in den später initgeinachtcn Feldzüge» crbielt er sechzehn Wunden. Rach RapoleonS Sturz qnittirte er den Militärdienst. Die ibm und seiner Mutter auSgescyte Pension Wurde bis zum Jahre 1812 regelmäßig auSgezablt. Dann wurde sie sisrirl und Joses Josielowic; znm Ilntcrförstcr dcS SlaatssorsteS ernannt. I» Folge seiner Reela mation vcrordnete die Finairzcominissiou unterm 2. Jänner I *20, daß der Mutter und dem Sohn die rückständige Pension anszuzahlen sei. Der Rovemberaussland im Jahre 1830 rief Joses Joiiclowicz. wieder unter die Fahne. Den Forstdicnst aufgebcnd. begann er. im st ca» ge eines HauptmanncS, jüdische Freiwillige anzuwerbc», und am 21. Deccmber 18.30 erließ er, dem Beispiele seines Bakers folgend, ei» Manifest a» die Inden, welches in -den damaligen Wa> schauer Blättern veröffentlicht 'wurde und die jüdische Jugend zu den Waisen ries: „Brüder!" lautete der Ausruf, „Als die übrigen Länder Europas, taub gegen die Stimme des durch.langes Leiden gedrückten Bolkes, euch ans ihrer Mitte verjagten, als alle Monarchen Europas euch eine hilfreiche Hand versagte», da war cS nur das einzige Polenland, welches gleich edel durch Gastfreundschaft, wie unerschrockenen MnlhcS den anderen Mrtioncn de» Borrang abläuft, die Unglücklichen unter seinen Schntz nahm und euch rum Schirme gegen die Geschosse der Bcrlcnmdung wurde. Seit acht Jahrhunderten genießt jhr aus polnischem Boden eine »och anderwärts verweigerte Zultnchrsstälte. Mit Recht darf cS also jetzt an eure Dankbarkeit appcllircn, da all seine treuen Söhne, aus der Lethargie erwachend, der Selavcrci Fesseln sprengend, mit dem Schwerte in der Hand ihre mit Füßen getretenen Rechte und Freiheiten fordern, die Unabhängigkeit und das Glück des lange unter drückten BakerlandxS verlangen, entschlossen, dasselbe entweder zu be freien oder unter seinen Trüniiucrn begrabe» zu iverdcn. Während alio Alle nur von dem Wunsche beseelt werden, dem Batcrlande zu diciicn, iverdel ihr glcichgiltig bleiben'? slhr habt im Gegenrhcil Goit > zu danken, daß euch Gelegenheit geboten wird, eure patriotischen Gefühle bctunden zu können. Eilet also, Brüder! zum Schutze des Baler' landcs herbei: möge der Ruf „zu den Waffen", bei dessen Erschallen- | alle treuen Kinder ihrer geiileinschaitlichen Mutter zu Hilfe eilen, bis auf' den Grund eures Herzen dringen und. dort den Funken der heiligen BaterlandSbegeisternng anfachcn. Bringt all eure Rcbengefühle | und Borurtheile zum Dpfcr, schaari euch um daS heilige vaterländische j Banner, zeigt der ganzen. -Well, daß, wenn auch durch langes Unglück : niedergedrückt, ihr in eurem Busen edler Menschen würdige Gefühle noch hegt. Erfreut die Man:» der unsterblichen Makkabäerhcldc» durch eine ihnen gleiche Aufopferung fürö Baterlaud. Möge euch daS Beispiel meines BaterS Berek, der im Jahre 171*4 als D brrst^ für die Integrität dcS BaterlandcS kämpfte, aneifern. Ich selbst, Frau und Kinher verlassend, trete mit meinem 17jährigen Sohne in die vaterländischen Reihen, trotz der im Jahre 1812 erhaltenen sechzehn Wunden, für die ich zwei Medaillen empfing. Mögen euch die Bei spiele so vieler anderer Israeliten, die fürs Fürstenthum .Warschau ge . kämpft haben, als Sporn zur Nachahmung dienen. Und wenn Gort, der über Polen wacht, die edlen Anstrengungen der Polen, ihre Freiheit wieder zu gewinnen, mit einem günstigen Erfolge kröne» wird, wenn der siegreiche weiße Adler Polens seine Fittiche anSdrciten wird, dann harrt auch euerer die lächelnde Hossnung, dann wird die edle polnische Ration, eure Aufopferung würdigend, euch brüderlich umarmen, üud ihr werdet dann Thcilnehmer aller Rechte und Freiheiten, zu deren Dheil nahme ihr euch auch bis jetzt durch eine moralische Entwicklung eurer Erziehung, durch ein humanes Bestreben, euch all denen würdig zu machen, bemühtet. Es lebe Polen, unser Baterlaud! I d s e f B e r k o w i e z > Josiclowitzst. Die durch diesen Aufruf hervorgcrufene Begeisterung, fand nutet Josielowiez'S Glaubensgenossen einen lauten Widerhall, lieber Joses S Theilnahme an den kriegerischen Ereignjssen dcS Jahres 1 >32 liegen keine näheren Details vor. Rach der unglücklichen Beendigung des Feldzuges emigririe er mit seiner Familie nach Frankreich und über siedelle später »ach England, wo er in de» Bierzigerjahre» starb. Indem wir diese» ans polnischen C. »eilen basirenden Ansiatz schließen, bemerken wir noch, daß der Krakauer Magistrat ein. neueröünele Gaue mit dem stcaiucu uisfercs Helden Berck Josielvwiez benaun.e / -Der HCltC Eurs.st Es ist noch der üble Eindruck nicht rer wischt, den die amicale Form gemacht, in welcher der „Deutsche Schul v e r c i n" einem eigens zur Betäinpsnng der deutsch sreisinnigen ", Sache errichteten Bunde entgegenkommen zu müssen glaubte, und schon wieder haben, wir einen Fehltritt dieses vorwiegend von der—- ‘ Munisteenz freisinniger Männer cristierenden BereineS in der Form einer höchst verunglückten Entschuldigung jenes Antwortschreiben.» zu .! verzeichn^i. Bei dem am >2. August in Leiimeritz staligefundencn Drksgruvpeniage des 'Deutschen Schnlvcrciiies für das östliche Böhmen schickte Dr. Weit los seinem Berichte, über die Bereinsthäiigkeil folgende Bemerkungen voran»: Der Schulverein sei mit der Tendenz gegründet worden, daß er sich aller politischen Thäljgkeit, allen Partei »Uterschiede» und Fraelionen fern zu Hallen habe: Seine einzige Aus gäbe sei, aus dem Gebiete deS deutschen Schulwesens für da» bedrängte deutsche Bolk einznireten. .. Darair Hallen wir fest," kagle Dr. Weirlds, „wenn mir auch dadurch in ein Kreuzsener von rechts nnd links kommen Es darf keine Eonressib», keine Rare, teilte Partei von der Dhäligkeil im Schulvereinc ausgeschlossen werden. Es tönuen weder die Inden aus dem Bereine ausgeschlossen werde», noch die Aniiseiniien. Jeder kann für sich und außerhalb de» Bereines Anlistulil fein, wie er ivill, in den Berein aber lassen wir de» AnlisemiliSinns nicht hineinlragen! Aber daß wir die Aniiseniiien wie Aussätzige behandeln sollen,' da» geht auch Nicht." Redner suchte sodann die ans das Begrüßungsschreiben des Bundes der Denl'chcn in Böhmen gegebene Antwort dei Eentral Leitung des Schulvcrcines zu rechtfertigen In der nationalen 'Arbeit dürfe znan leine Unterschiede machen. Uns in die redliche, ganz unserer Sache zngelhane Gesinnung des Herrn Dr Weiiloi;i i j. zu wohl betanut, als daß wir in der zu Leill.reriv .ibgegebenen Erklär ling mehr suche» wollten, als fig thaiiächlich nnd bezweckt: wir können aber auch die Bemeötnng nicht i:n:.idrücken, daß sic auch . als daS,' was sie offenbar sein soll, höchsi r n.:gl.:.!: in ihrer Fornt und vielleicht auch in ihrer Wirkung ist. W.nn der hochverehrte und hochverdiente 'Baler de» Deutschen Schul. '. - glaubte, diese» zu stärke» und ihm vor Allem auch wiel e, dr d-'.:ln!> nationale akademische. Jugend zuzui,ihren, so irrte er. Ei» Z'nicnleb'n von Inden nnd Anlisemiken i» einem..Bereine gibt -' '''» bentigeil LErhällniisen begreiflicherweise nicht, Z.id.m sind e.- gerade die Aniisemile», welche sich weigern, dem Bereine anzngeliören. nenn ihnen nicht die Bildung von..„ jiidenreinen" . Drlsgr.nppen gellallet würde. Es ikl daher sehr wenig Aussicht vorhanden, das; durch die obige Erllärung de» Hetstn Dr. Weitlof auch ».st ei:: Aniijemit dem Schnlvereine gewonnen werde, dagegen ist sehr zu-befürchten, daß sehr viele Leute mit dem in Lcitmerin ossieiell inängnr.irtcu neue» Eur» des Deutschen Schulvereines nicht einverstanden fein nnd daher ihre Mitgliedschaft erlöschen lassen könnten. (Arliciltr und Allliscmitcu.) Am 12. d. M fand im Pra:er ans der FencrwerkSwicse eine joeialdemokratische Bcrsamuilnng statt, an welcher etwa 10.000 Arbeiter theilnahmen. - In i»eier stal'.Uchen BcrsanutUalng kam cS zu einer entschiedenen Zurückweisung'der so genanillen „Ehristlich-Soeialen". Ein Redner nannte den jüngst ab. gehaltenen socialen Eursus eine Mobilmachung der schwarzen Heere, mit welcher die christlich-sociale Partei eine» scharfen Kampf' gegen