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Freies Blatt · 1894-04-12 · 123 (12.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
123 (12.4.1894)
Date
1894-04-12
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Nr. 123. reite > Freies Reikuiigsgeiellicha'l angebört, und daß die Gesellschaft mit der ganzen Affaire in keinem Zusammenhänge stellt, find dieselben entschlossen, sich, für die ihnen ziigeftigte Beleidigung vor Gericht Genugthuung zu verschossen. >Eine üderstüssigr Berwlbrung.s Tie „Reich«post" schreibt: „Taß wir de» iiaiionalc». den Racenanlisemiii'mus a»s das Entschiedenste zurückiveisen, draullie» wir nicht erst zu betonen, die Kirche GotteS gehört allen Menschen und wer in reiner Absicht au« lleberzeugung in sie eintrelen will, hat das Recht;» verlange», daß sich ihre Tdore ibm össnen, gleichviel ob er Arier oder Semit ist" Es ist wodl Niemandem beigesüllen anzunehmen, ein Spitzer-Weimar ater Paulu« Melier wäre ein Raceiiankisemil. Auch glauben wir nicht, daß katholische Geistliche ein Blatt mir Geldipenden unlersliitzkn würden, welches »ach de: Bor'chriii Tiibring'« den Kamps gegen da« Jndenlkum ans den „Neubebraisn»,«" alisdeblien wurde. > Ter alte Spaß.) Ta« deutsch geschriebene Altlichechenblatt widmet in seiner lei-len Honulagsiiummer wieder einmal den Juden eine jener wobl- „»eiiieiidku "Warnungen vor dem bösen AnlisemiliSmus, die einer Trobniig aliiielii wie eui Auge dem anderen. Marlin Lutber, Friv Reuter und Gustav ,vn't't.y iiijineu berkalte», um zu beweneii, daß die „liebliche Blume de« Anli- »ubedingl aus dem Acker der suveriole» deutschen Culiur gewachsen"' lind laß die Zurückwei'ung. welche den Juden in Böhmen deulicherieiiS wider- 'adren, „nicht unverdienr" >ei. „Oder konnten und durften die deutschsreunduaieu Juai-nten Andere? und Bessere« erwarten?" „Es fällt u»« durchaus nicht b,u," -abrt die „Politik' fort, „unter denselben Proielyten mache» zu ii allen B.-er st.ch i:u« nicht mir gainem Herzen und inniger Begeisterung für >it blue Hache, uti'err« Bolke« an'chließl. der mag bleiben, wo er ist. Aber Ein,'« mrchten nur den Juden in ibrem eigenen Julerefir zu bedenken geben," Hie nun, „, daß der Aiiiueniilismu» eine deutsche Luliurerrungenscha'k ist; sie ini'icn auch, daß er in »nierem Volke, von vercinzellen mißlungenen Copien r-r van durch wirtb'chasiliche Auswüchse begründete,, Einzelcr'chciniiiigcn ab geü-Ken, keine Wurzeln zu säffeu vennochte " Und nun kommt der Vierdesuß. r en Jude» wird vorgeworien, daß sie immer und überall »n Vorderlreffe» d u> laiuv'e? gegen jede'lichechistch nationale Bestrebung stehen. „Muß sich da;u I un'-reni Bolle nicht mit logücher "Nolbwendigkeit eine Berbiiteiung gegen Jene 'euiiisten, die gegen dasselbe >o unduldsam sind, Irovdem sie selber in hohem inrade der Tuldiamkeii bedürft»? Man sollte nach den gemachte» Erfahrungen . me gewiüe Reserve, bei den Hilden um des wohlversiandenen eigenen Jnler- >->>-» bäibei ftir selbstverständlich baltc». Wenn dem aber trotz alledem nicht io 'ein ollie, dann mögen-sich Jene, welche rechtzeitig gewarnt-waren, aber nicht hören wollle», iclbü *ie linausbleiblichcn -folgen zuichreiben." Tiese von dem genannten Blatte >cw>: dervorgehobenc „logische" Nälvwcudlgkeit ist — echt altlutiechnch ix-ir wollen keine Proftktuen machen, durchaus nicht — doch folgst;u nicht willig, >o brauch" ich Gewalt. Und dabei io leicht hingeworsen da« iK.-standniß. daß, von tinzelnen mißlungenen Eopien abgesehen, der Aiiiiieiiiiiisniu« im Tichechenvolke keine Wurzeln fassen konnte. Mit Verlaub, liebe lanic, d,e Eovie wird ebenso saisirt wie das geh vwidrige Original, auch wen» sie — b'schäiuend genug iür den Eopisten -rmißlungen ist Und n>a« ist es mit den wiribschaftlichtii Au-ivüchsen? Soll daS die Motjviiung des antiieniilischen Jru^ je sr> mn '"ein"? Und was ist eS endlich mit der Bemerkung, daß die .luden in io hohem Grade der Luldiamkeil bedürfen? Ist da« vielleicht . eine Hchuvwcbr pro domo, für die eigene Wiege, die ja dem Judentbum ziemlich nabe gestanden? Wohin übrigens die von der „Politik" patronisirlen AunäKeruiKzsver'uche der .luden an da« T'chechenrhum führe», hat die Heuer im Frübiihr cr'olgle Auflösung des tschechisch-jüdischen Eentralvereines in Prag .Ulll allen seinen Provinzstlialen bewiesen. Wenn der altischechische Löwe nicht beiße,! kann, io brülll er ""doch. — Eine Zurechtweisung ganz eigentbümlicher Art erhielt d>c ..Polin!" aber durch den hiesigen Antiieinitenmoniteur. Ta« Organ des edemalig deutsch nalionalen Bergani guilkirl keineswegs namens der deutsche» Nation, die es >'o gerne vertritt, mit Tank die Zumutbung, daß die Deutschen den Antisemilisiinis ersnnten hätten, sondern wirft dieses Ansinnen wie einen schmab)ichcn Vorwurf aus die Hlaven zurück, indem es schreibt: „Wie man sieht, ist die geschichtliche Kenniniß der .Politik" auf einem Acker ganz eigenartiger Euliur ausgewachsen und so mißrathen, daß sie von dem Anldeile der Liaven am Anliiemilismus auch nicht eine blaffe Idee hat. Augenscheinlich ist •::: -a»z unbekanni, daß noch vor dem Geburtslage der tschechischen Cullur vom l'"JU '"ehr eindringliche und ausgebreiiete Judenverfolgungen bei den ch."» gang und gäbe waren, daß man nicht weniger als 12 große Juden-! eu lal lt, die aUeineuesle von Kolin ausgenommen, die zu einer Zeit staitfand, - . . u: che Antisemitismus schon längst aus da« Gebiet des geistigen und Ui. che.": .--.ainpft« übersiedelt war. Bielleicht findet die .Politikauch v- -ui 2 v .<!.! >.dt:<!T; -t Hajek'ichen, wahrheitsgetreuen Chronik Manches, waS -vre di.»»!,!','." >n rieier Hinsicht bereichern könnte. Aber auch für die Gegenuari bai die .Politikeinen sehr kurzsichtigen Blick: sie müßte sonst bemerkt haben. :aß zu ierftlben Zeit, wo der Antisemitismus in Oesterreich auf unmittelbare Erfolge ,n der legislative verzichten muß, der Kaiser von Rußland, der Beherrscher aller Reußen, zu denen der alle Rieger im lieberschwang leine« allilaoiichen Ge'ühleS wandeile und denen Freund Basalv die kranke» Mähren abkauien'bilsi^. >e,ne .treuen, jüdischen Unleribanen" völlig schmerzlos über die Blatt. Grenze schafft, wahrscheinlich, um der .Politik' Bev leise für die deutsche Unter jochungssucht in die Hände zu spielen. Wenn wir iber gar in die Bergangenheit der .Polink' selbst greisen, von antisemitischer Leilattikeln herab bis zu judenfeindlichen Notizen im .Oekonom', würden wjir mit orm Cftiren freilich nicht so schnell fertig werden, wie die , Politik' mit Thatsachen." Eine Zurechtweisung von dieser Seitä und in diesem Tone hätte die „Politik" kaum erwartet oder gar gewünscht. We S werden jetzt die böhmischen Juden sagen? <Jungtschechische Alltiskmiterei.j Aus Prag sälreibtman uns: Der neulich in Brünn abgehaliene Katholilentag ist nicht »ach dem Geschmacke der jungtschechischen Antisemiten. Tie . straf* meint, die sogenannte clericole Bewegung sei deutlich von dem christliche» LocialiSmi S und dem wirlbschaftlichen AnliicmiliSmu« zu unlerscheidkn, welch letztere als 3 egungen erscheinen, die dem Volke nur beilbringend wären. In Böhmen komm n' diese Regungen erst zum Turchbiuch. In Wien stehe heule der ganze hole Cleru« aus der Seite de« jüdischen Eapilalismus und Liberalismus; in Ungar i habe die höhere Hierarchie und ihre Partei von der Abwehr gegen die kirchlich politische» Reformen bereit» abgeiaffen, da sie gefunden hak, daß der jüdische GroßcapitalismuS und der Staat darunter zu leiden hätten. Es müffe also übi roll dahin gebracht werden, daß die christlich-sociale Partei und der damit zusa nmenhängende demokratische AnlisemiliSmus zum Durchbruch kamen. „Es ist unsere vollste lleberzeugung," schreibt weiter die „Öeska straf“, „daß eben diele demokralisch-anlisemitische Regung berufen wäre, das dödmiiche Volk au« den Klauen de« jüdischen Eapi-, talismus und des conservativen Großgrundbesitze« he causzureißen. Der Brüniier Katholikentag war nicht auf dem richtigen Wege. E« wurden daselbst der Temokrakismus, SocialismuS, Antisemili«muS und andere schönen Künste auf .uS" gänzlich vernachlässigt." I),-. A. < Wol&cnc Worte.> Ter Statlbalter von Salzburg fand es für angemeffen, die dort versammelte Leo-Gesellschaft mit einer Anipro che zu begrüße», in welcher der Satz voi kam: „"Nur jener Staat, welcher aus di n Principien de« Cbrislenlhume« ausgebaul ist, vermag den Stürmen derGecenwart erfolgreichen Widerstand zu leisten und de» Ansprüchen der Einzelne» wie der Gcsammtbeit auf Erreichung eines gedeihlichen Lebensziele« zu entipr "chen." Ein Wiener Antilemilenblalt preist diese „goldenen L^orte", in denen ei eine officielle Kundgebung zu Gunsten der christlich-socialen Reform erblickt: auch da« Linzer BischofSorgau meint frohlockend, daß dergleichen unter Taaffe nicht inöglich gewesen wäre. lRacenanilsc.mitischeS.j Nachgerade werden auch die Clericalen,- welche den autkeimende» AnliieinitiSmuS mit allen Mittel» sc vorisiren, erkenueii, daß »S nicht gut ist, mit dem Feuer z» spielen. Vor einiger Zeit hat der Fürsterzbischof Kob» zur Anichaffung der Kreuze für Schulzimmer d r Lehrer- und Ledrerinnenbildungsanstalt ui Troppau f*5 ft. gespendet. Die »akional<antisemitische „Deutsche Wehr" war entrüstet darüber, daß die Staarsoenvaltung dieses Geschenk angenommen und warf die Frage aus. „ob sie religiöse Erbauung der deutsche» LehramtSzöglinge durch die Erinnerung an den tschechisch-jüdischen Spender besonders gesördert nftrden wird. Dazu nacht nun da« „Vaterland", al« ob e« nie mit Antisemiten geliebäugelt hätte, dil Bemerkung: „Man traut seinen Auge» kaum, wenn man das liest. Abgesehen von der ganz uiiqualificirbaren Verunglimpfung des eigenen Oberhirten, der gelegentlich seiner zweimaligen Anwesenheit in Troppau der deutsch-naticnalen Gemeindevertretung hunderle von Gulden für die Armen der Stadl zi r Berfüqung gestellt und andere namhafte Spenden für Schulzwecke u. s. w. gewidmet bat, lallt ganz besonders schmerzlich die indirecte Aufforderung zui Nichtachtung des Kreuze« auf. Wobin soll dies führen? Der angeblich bloß wirthschaft- 11die Antisemitismus der .Deutschen Wehr' fängt an, sonderbare Fruchte zu zeitigen." Wenn die Patrone de« „? alerlandeS" sich, bevor sie bras (iessiis." bras dessous mit allen Antisemitenhiiu Illingen gingen, die Mühe genommen hätten, ein wenig in Dühring nachzublän:rn, würde ihnen jetzt die lächerliche Entläuschung erspart geblieben sein. Aber der Baum, den sie großgezogen, wird »och ganz andere Früchte zeitigen. (Saussäckt) In einer Berliner Anlisemitenknepe zog sich der Wirth in den Ruhestand zurück und übergab das Geschäft einenj Nachfolger. Der „Antisemitische Generalanzeiger" widmet dienm Ereigniffe eine längere Besprechung und constatin dann mit großem Behaget, daß der neue Wirth in <8egenwan des alten sich als dessen würdiger Zechge rosse erwiesen und ebenso schnell wie derselbe seine Schoppen bi« zur Nagelprol e geleert hat, so daß die edlen Gäste jubelnd auSrufen konnten: „Hurrah! Jetzt haben wir zwei Sanffäcke!" — Ein Hamburger Antisemitenblatl aber bek agt bitter die Trunksucht seiner Parteifreunde. „Me oft," ruft eS schinerzlich i;u«, in ihrem Ansehen dadurch geschädigt, daß sie von empfohlen oder vertheidigt wird!" Ter Hamburger C d säcke so unebrerbietig behandelt, dürfte — verjudet fei t. lBöckel's ankisemitische Ceutralzeikuug.) Ueder gründung«plan bringt die deutsch-sociale „Hannover! che Post" einen längeren Bericht, der im Gegensatz zu den Mittheilungen anbei er antisemitischer Blätter den Begründungsplan vorläufig al« nicht« weniger all gesichert darsteltk. die Rentabilität einer antisemitischen Centralzeitung im l die Ansichten auseinander. Auch von dem Redacieur wird unsere Partei angetrunkenen Personen chriftleiter, der die Saufi. den Böckel'schen Zeitungs- Ueber Böckel'schen Sinne gingen! «s Förster'schen Organe«

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