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Freies Blatt · 1894-04-12 · 123 (12.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
123 (12.4.1894)
Date
1894-04-12
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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I* ITr. 123. Freies Blatt. l’I!/ X werden unsere Grafschaften," sagte er, „unter ihre 2timmc verthcilc» nutz unsere Landgüter den Meisldictcudcn verlausen." (Man lacht.) Ein anderes Parlamentsmitglied war der Meinung: „Wenn die Bill durchgeht, würden sich die Juden so schnell vermehre», dag sie sich über den größten Theil Englands verbreiten und dein Bolle sei» >Auifc ebenso wie seine Macht abringen würden." DaS Parlamentsmitglied für London, Sir John Bcrnard. betrachtete den Gegenstand auö einem tieferen theologischen Gesichtspunkte, ciuein Gesichtspunkte, den man gan; wieder findet in der nenlichcn Petition aus Lcieester, deren Unter Zeichner den Katholiken vorwcrfc», sie seien Abtöminlinge Derer, die ihre Borfahren verbrannt habe», und in solcher Art rief er: „Die Jude» sind die Nachkommen Derjenigen, welche den Heiland gekreuzigt haben und deshalb bis ans die spätesten Entel von Gott verflucht werden." Er (Spring-Riee) bringe jene Auszüge zum Borichei», um zu zeigen, daß jenes alte Lärnigcschrci ebenso begründet gewesen sei wie der jetzige neue Lärm in Betreff der Katholiken. (Hört! Hört! i Zur Zeit der Judcnbill ward auch eine scherzhafte „Judcnzcitung" anSgcgcbcn, worin inan die folgende Ankündigung laS: „Seit unterer letzten Nummer ist der Postwagen von Jerusalem angekonimen. Bcr, gangcne Woche wurden im EntbindnngShospital, Brownlow Street, fünfundzwanzig Knaben öffentlich beschnitten. Gestern Abends wurde im Sgnhcdrin durch Skiniincnmehrheik die Narnralisirung der Ehriflen verworfen. Das Gerücht eines Aufruhrs der Ehristen in Nord-Wales .»fand sich als ganz unbegründet. Letzten Freitag wurde die Jabrfeicr der Kreuzigung im ganzen Königreiche sehr vergnüglich begangen." o» dieser Art und zu allen Zeiten, bei der. Judendill sowohl als bei der Bill für die Katholiken, wurde der lächerlichste WidersclzungSlärm durch die geistlosesten Mittel erregt, und wenn wir den Ursache» eines solchen LärmS nachforschcn, so finden wir, daß sic sich immer ähnlich A waren. Wenn wir den Ursachen der Opposition gegen die Judcnbill ' Hin' Jahre. 1753 »achfvrschcn, sinde» wir alS erste Autorität de» Lord , I5halhai», der ini Parlamente aussprach, er sowohl als die meisten anderen Gcntlcincn seien überzeugt, daß die Religion selbst mit dieser Streitfrage-nichts zu schaffen habe und cS nur dein BerfolgungSgciste der alten erhabenen Kirche (tlu> ol>i liijrli elmivli's lu-rsiyutiiisr s|>irit) gelungen sei, dein Bolkc daS Gegentheil weiSzuinachcn. (Hört! Hört! i So ist cS auch in diesem «falle, und cS ist wieder ihre Liebe für aus schließlichc Macht und Berechtigung, , was jeizl die alte erbabene Kirche anircibt, daS Bolk gegen die Kaiholiten zu bearbeiten; er (Svring Ri ec) sei überzeugt, daß Biele, welche solche Künste anwendcn, elchufallS sehr gut wüßte», wie wenig die Religion bei der letzten Katholikenbill in Betrachtung kommen konnte, gewiß ebensowenig wie bei einer Bill sür die Regnlirnng der Maße und Gewichte oder für Bestiininniig der Länge deS Pendels nach der Anzahl seiner Schwingungen. Ebenfalls in Betreff der Judenbill befindet sich in der damalige» ' „Hardwickc Zeitung" ei» Brief deS Dr. Birch an Herrn Pbilipp z'lort, worin Jener sich äußerte, daß all dieser Lärm wegen der Judcnbill 'nur eine» Einfluß auf die nächWhrigcn Wahlen beabsichtige. ^Hön! Man lacht.) ES geschah damals, wie dergleichen auch in unserer Zeit geschieht, daß ein vernünftiger Bischof von Norwich zu Gunsten der Judcnbill ausgetreten. Dr. Birch erzählt, daß dieser hei seiner Zurück fünft in seinen Kirchsprcngcl jener Handlung wegen insnltirl worden: „al» er nach JpSwich ging, um dort einige Knaben zn eoufirinircn, ward er nntcrwcgS verspottet, und man verlangte, von il»n beschnitten;» werden;" auch annoneirtc man, „daß der Herr Bischof nächsten ..Samstag diS' Juden eonsirmircn und Tags.darauf die Ehristen beschneiden würde." fMan lacht.l So war daS Geschrei gegen liberale Maßregeln in allen Zeitalter» gleichartig unvernünftig ' und brutal. zHört ihn! Hört ihn!) Jene Besorgnisse in Hinsicht der Juden vcr gleiche man mit dem Alarm, der in gewissen Srlcn durch die Bill für die Katholiken erregt wurde. Die Gefahr, welche man befürchtete, wenn den Katholiken mehr Macht cingcränint würde, war ebenso absurd; die Macht, llnheil anzurichte», wenn sic dazu geneigt waren, sonnte ihnen durch daS Gesetz in keinem so hohe» Grade verliehen werden, wie sic jetzt solche eben durch ihre Bedrückung selbst erlangt habe». Diese Bedrückung ist cS, wodurch Leute wie Herr S'Eonncll und Herr Shell so einflußreich geworden sind. Die Nennung dieser Herren' geschehe nicht, um sic verdächtig zu machen; im Gegentheil, man »»iß ihnen Achtung zollen, und sic haben sich um das Baterland Bcrdicnftc erworben; dennoch wäre cS bester, wenn die Macht vielmehr in den Gesetzen als in den Händen der Individuen, seien diese auch noch so achtnngSwerth, ruhen machte. Die Zeit wird kommen, wo inan den Widerstand des Parlaments gegen jene RechtScinrännlung nicht bloß mit Berwunderung, sondern auch mir Bcrachtung anschen wird. Die religiöse Weisheit eines früheren ' Zeitalters war oft Gegenstand der Verachtung bei den nachfolgenden Generationen. (Hört! Hört!) Macht die voranstehende Rede nichi häufig den Eindruck, -als ob ne Auszüge aus den antisemitischen Hetzblättern der Gegenwart eul hielte? Wurdendie AittisemilcnversaiumUingeii in Sesterreich wie io viele in Deutschland die strciheil der Meiunngsäußerung respeelire» und Gegner anhöre», so möchten wir einpseblen, zu Nutz und ,v'ro»l»ieu eines christlich socialen Auditoriums die Wörtern eitiren, welche ei» Engländer vor ti!> Jahren gesprochen bat, um die Eniancipalio» der Katholiken zn besürworleu. Der Hinweisans die iild.-ii'eiudliche» Kundgebungen, welche vor 141 Jahre» in England stattg.fliuden batten und denen dort lkein alles Weib mehr eine eruste Bedculnng beigelegt hätte, waren wohl geeignet, auch den „kleinen Mann" zu», Nachdenken zu bewege» irud bei Jenen, die noch Bernüiittgründe» zugänglich sind, die aufreizenden Anslastnnge» gewissenloser BotlS Verführer wirkungslos zu machen. . . Dcr Sniithüllcr über Die mitiicmitifilie 3titDeiucuii1mjt... Einer am 7 d. .M. im Jestiaale s^r Wiyuer llnkverniät starigehabieu Promotion .--»>> :>nsImp. ra!--ri>* wohnie Statthalter t^raf Kiel in anS eg g als Vertreter des Kaisers ^an. Ticke Z^elegenheii ergriff der Laudeschek, um auf dem Boden Wr llnivenuäi ,'elbst ans osficiellem Munde ein vernichtendes Analstem über die an:i>emi:ischc ' Studentenbewegung ergehen zu lasten. Anknüpsend an d:e vorher gegangene» Ansprachen des die Proiusiio» leitenden Rrekor Siett Vertreters nnd des DeeanS der juridische» Jaftilläl, welche n, eine», PaneguricuS dcr BaterlandSliebe auSgetlungen, sagte «Rch K.el nianSegg zp den beiden Proinovirren: „Änszeickinungenw.-iden Männern crlheilt, welche sich Berdiensie - um daS o nein liehe Jineie'st erworben haben, und Sie, meine junge» Herren Toeioren, habe», eine AiiSzeichnuiig erhalten ohne Berdicnste um das lnieuttiche Wob! Darum ist es Ihre Pflicht, sich dicker Auszeichnung würdig z» be zeigen, und möge dieselbe ein Ansporn sein zur Dankbarkeit an nnseren Monarchen, und unser schönes Baterland. Ich hätte qewünschi, ,daß sämmtlichc Studirende der Universität solch herrliche Worte des' PalriokiSiuliS, >vic sie Decan Professor . B r u n n c n in e i st e r ge sprochcn, gehört hätten. ES ist dies eine Nothwendigkeit für die Jugend, welche a»S dieser Aim;i mat. r ihr Wissen schöpki Der Wiener Sludein hat eine Universität, auf die er stolz sein tan». Jene Srndircndcn der Wiener Universität, welche bedauerlicherweise an dem Gefühl des Patriotismus es haben ermangeln lassen, Händeln i» jugendlichem Uebermulbe und aus Mangel an Erfahrung. >Mft erhobener Stimme'' Das ist nicht eigenes Gefühl, sondern sreandes, i» sie lü'ustlich' . hinein getragen e S. Dieser Mangel an PairioliS'uius ist tief zu beklagen, aber wir dürfen uns nicht dadurch irre . machen lasten. Auch mich hat dies nicht irregemacht, der ich in meiner amtlichen Stellung alle Borgäuge an dcr Universität zu veriotgen in dcr Lage war. Die durch fremdes Gekühl Bcrführteu haben den Wenh ihres BatcrlandeS erkannt, sobald sie iuS praktische Leben getreten, und haben dann auch ihren patriotischen (Gefühlen begeistert Ausdruck gegeben. Laste» Sie mich schließen mit de»'Worten: Der Sesterreicher hat ein Baterland nnd licbt'ö und hat auch Ursache, es Zu lieben." 'In antis-unitifchcn Kreisen chcrrschl ob dieser idwvT.-ii Dichiiguug, wie begreiflich, gegen den Stak'thaltcr arge Berstimmnug. (Dcr Z'üll Schcrzcr.) Die Blätter vriugcu eine Julie von Einzel Heiken über den Fall deS Pfarrers Leopold Scher: er. . Leicht nur über seine Gcbahrnng mit StiftungSgelderu, sondern auch über sein sonstiges „ so ei a l - res o r nia t o risch cs" Wirken werden beiuerkenswerlhe Mil . theilungen gemacht. In Schrick war der Herr Pfarrer sehr oft be rauscht, und die Bauern nanuten ihn den „lustigen Poldl". Seinen Aufgaben als RcligiouSlehrer, als Pfarrer :e. konnte er häufig wegen jenes „Unwohlseins", welches die Laieuwclt Katzenjammer nennt, nicht »achkoinmen. Eine Seene. welche die Lebensführung Schcrzcr'S in das grellste Licht stellt, trug sich vor circa Jahresfrist bei der Einweihung dcr neuen Schricker t^emeindeschulc zu. Anläßlich dieser freier wurde auch ein Jestuiahl veranstaltet, dem die gesainnitc Gemeiudeverttreiung beiwohnte. Selbstverständlich saß auch der Pfarrer am Honoratioren tische, und er war ^außerordentlich gut aufgelegt. I» der animinen^ Gesellschaft kam cö zu einem fröhlichen Prosittrinken. Pfarrer Scherze! stieß mir einem der Gesellschaft angchörigcn jungen Mädchen au. Jräulein Marie Kautz, die Wirthschafterin deS MarrcrS, die gleichfalls;» dem Jcstmahlc zngczogen war. ergriff nun angcfichkS des ‘Mit trunkeS deS Pfarrers ein GlaS Wein nnd .schüttete ihm dasselbe ins Gesicht Sic begleitete diese Action mit einigen Bemerkungen, dis sich nicht zur Wiedergabe eignen. Diese Seene bildete einige Zeit das Tagesgespräch im GerichtSbczirke Mistelbach, verfiel aber schließlich der Bcrgcstcnhcit. Marie Kautz hat, wird ferner erzählt, bevor fie

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