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Freies Blatt · 1894-04-12 · 123 (12.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
123 (12.4.1894)
Date
1894-04-12
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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reite 2, Freies Blatt. Wenn der Portrag des 1'. Weiß nicht so offenbar den Stempel saurcr.Muhc aus allen Argumentationen und Schlüssen trüge, man könnte glauben, sein Zusammentreffen mit dem Schriftstücke des Grasen Sylva Taröuca sei kein zufälliges. , Der Eine klagt über die innere Zerklüftung der Katholiken, die 'sich um die clcricalniuisemitische Fahuc schaarcn, der Andere sucht den Leutchen aber nachznweisen, daß sie sich im Grunde in nichts bekriegen, da die Rechtsgleichheit identisch ist mit der Rechlsunglcichheit, weShalb cS sich kein ehemaliger Demokrat vom Gruiide verdrießen lassen dürfe, sich vor den Karren der Aristokraten zu spannen. Daß sich gerade die Geistlichkeit zu dieser Mittlerrolle der beiden hadernden Brüder, zu dieser glicdervcrrenkenden Logik hergibt, könnte ihr fast unser Mitleid einbringen. Wenn sich einmal der Brei wieder in seine Besiandtheile gesondert, dann wird die Geistlichkeit, die jetzt das Bindeglied bildet, böse Erfahrungen machen; blickt nur nach Deutschland, wie es die demokratischen Antisemiten unter Böcke', und Ahlwardl treiben, wie sie nicht nur die Junker, sondern auch die Pfaffen auf die ursprünglich bloß den Juden gewidmete Proseriplionslisle eingetragen haben. Und blickt nach Ungarn und seht wie der Adel auch gegen die Hierarchie „christlich" sein kann, d. h. seine bevorrechtigte oder angemaßle Machtstellung gellend zu machen gesonnen ist. Wenn sich erst die einzelnen Elemente dcS großen breiten Stromes einmal in ihrer nackten Gegensätzlichkeit gegenüberstchcn werden, dann dürfe» auch wir wieder hoffen. In demselben Maße, in dun sich der eine Theil mit cyniscl»er Uiiocrblümtheit zu den Grundsätzen der allen ständischen Gesellschaft bekennt, in demselben Maße wird sich der andere Thcil seiner demokratischen Lergangenhcit erinnern und vielleicht endlich, wenn auch nach einem langen Marsche durch Sumpf und Morast, zu den Idealen der Rechts gicichhcil zurückkeliren. Daran werden' die scholastischen München lener Soeiologen vom Schlage Scheichcir's nichts ändern. Aus einem IPieiier Briefe. .ui) babe Gelegenheit gehabt, i» ein Schreiben, welches ein Herr L., Küi'ckinermeister in Wien, an seinen Brulder, der das gleiche (bewerbe in einer kleinen Stadl Mährens bekrcibs, gerichtet hat, Einsicht zu nehmen nnd erhielt aus meine Bitte auch die Erlaubniß, dasselbe mit Ausnahme der Privatangelegenheitei» betreffenden Stellen zum Abdrucke zn bringen. [ Herr V. beklagt sich sehr über scincij an der Wiener Universität nndnenden Sohn, welcher einer der Theilischmcr an den Seandalseenen ivar, die sich jüngst an der mcdicinischesi Faeultät abgespielt hatten, nnd lremerkt folgende» i „Du weißt, daß ich ein entschiedener Feind jener nationalen und religiösen Hetzereien! bin, die ar>s unserem einst io urgcmüthlichen Wien eine Stadt der! Zwietracht und des Haffes geinacht haben Aber geradezu vcrdammenswerth sin!» ich cs, daß man die nudirendc ottgenb an unseren Hochschulen in oth wüsten Kampf lnneingczogen bat, und insbesondere betrachte ich cs als ein Perbrechen, in den (nagen Leuten bas so heilige Baterlandsgcsühl zu ersticken. Ich bin ein alter Dcsterretchcr, und mit schmerzlicher Betrübniß ist mir klar geworden, daß mein Kind, dessen Lerneifer mir so viele Freude bereitet - bat, nun auch die Pflichten gegen Gott, Kaiser und Batcrland rergenen bat Ebenso wie. ich ein gr tcr Patriot bin, bin ich auch ein guter Ekrist, und in dieser meiner d wpelten Eigenschaft muß ich den '.'lationalitäten und auch den Religienshaß verdammen. Was ist ins meinem Earl geworden, seit er ein Deoßbube des Herrn Schönerer ist! Tabin ist sein Fleiß, statt seinen Sudicn zu obliegen, um einst e:n nützliches Mitglied der staatlichen Gesellschaft zu werden, treibt er Kill des 'A'achts in jenen Bierichenken her um, die speeicll von Leuten besucht werden, welche ihre den Bürgerst!cden gcsährdenden Lehre» in d.-. ra'sinirtestcn Weise der Jugend cinim >scn. Spät Morgens kommt; toll nnd voll be'oisen nach Hause, und Du kannst Dik denken, wie .i.ich euteni solchen Trinkgelage mit dnn Studircn beschälten ist." .bin meisten Kummer bereitet unseren alten Wiener die politische ' iiiiinüg seines Svrößlings. Er schreibt „Ich habe mir den Buben genommen und ihm in hcizlichcn Worten zu Gcmüthc "aß er einen Weg etngejchlagen h >t, den das Kind eines echten >!id lteweu Den i.e eli.rs niemals gehen darf. .Schau,' habe ich gesagt,- unser erhabener .Bionärch stellt im Gre senaltcr. Er hat für sein »'lcrreick. für 'eine Wiener viele Dpser e cbracht. Schwere Schicksalsschlage ‘ haben di.'en so gntigen Kaiser ge! raffen, und wie bitter muß di,>es Kailerherz durch ann österreichische Hetzereien, durch Kornblumenen,o»st:alione» gekränkt werden. Kaizn es etwas Bittereres geben, als di,- Undankbarkeit? Soll unser Lauhcsvater an seinen Kindern, rd stc, Ar f. die er Alle mit gleicher Liebe umschlußi fahrungen machen? Ja, mein Kind, er wo Jugend Männern zujubclt, deren innigster scheint, aus Oesterreich eine Provinz Deutsch! was glaubst Du, was mir auf meine hcrzli eine Antwort gegeben hat: .Wir sind in dann erst Oesterreichcr!' Da ist mir aber ich habe ihn in scharfer Weise angefahre»: von Deutschthum schon austreibcn!' So wir ehrlichen, freiheitsliebenden, mcnschenfre! von zwei Seiten mit Gefahren bedroht. Pfaffenherrschaft, auf der Anderen die S alten Oesterreich — und mitten drinnen bei; die Lockspeise für unser indolentes Polk ist.' Am Schluffe seines Schreibens betont der .„Deutsch-Rationalismus", der mit H österreichische Gegenden eingeschwärzt, wurde, griffen sei. Er schreibt: „Einem Theile des denn doch bereits der Knopf aufgegangim zu Getreuen Schöncrcr'S haben sich erheblich die studircndc Jugend noch Gehör auf natio Schlager. Wohin das führen wird, das wc weiß, ist, daß ich meinem Sohn seinen austreibcn werde." t, solch' schmerzliche Er es, wenn nun auch die Herzenswunsch cS zu sein' lands zu machen.' lind ichen Worte mein Bub für erster Linie Deutsche und der ,Pitzl' gestiegen, und .Ich werde dir diese Art t's, nicin lieber Bruder; ujndlichen Oesterreichcr sind f. der einen sehen wir die zur Prcisgcbung des Judenhaß, der eigentlich rcht der Wiener Bürger, daß;lfc der Antisemitcrei in schon im Schwinden bcirregeleiteten BolkeS scheint sein, denn die Reihen der jclichtct. Leider aber gibt Phrasen nnd zündende' ß Gott. Was ich aber SchöncrianeriSmnS' schon Por (41 3ci(iren. auch w > Die nntcrschicdlichcn Judcnhaffer, mögen fuhren, können ans D riginatilül keinen Ansp weise ist eine uralte, und die Engländer haben gründlich kennen gelernt. Als vor tJahr selbe erinnert wurde, fand sie eine wohlverdi, Haus nahm die Rcminiseenzcii mit schallenden Heine, den die ärinscligen Epigonen , der sehr hassen, widmet in seinen „Englischen F Emancipation ein Eapitcl, in welchem wird, die Spring Riee am Lt>. Mai l S'2.r> nnd worin er die protestantische Angst wcgc i Katholiken auf die ergötzlichste Weise pcrsifl Deecunicn also sagte Spring Rice: Anno l7.ff.st brachte man ins Parlament sirnng der Juden ein — eine Maßregel, Lande nicht einmal irgend ein altes Weib die aber doch zu ihrer Zeit den heftigsten T Menge von Bittschriften aus London und lichcr Art, wie wir sic jetzt bei der Bill für sehen, zur Folge hatte. In der Bittschrift cs: „Sollte die besagte Bill für die Judlv halten, so würde sic die christliche Religion würde die Constitution des Staates und u graben (man lacht) und würde den Jntcraff gemeinen und der Stadt London insbesondere ^Gelächter.' Jndeffen, ungeachtet dieser str der nachfolgende Kanzler dcö Exchcqucr, da lichdn Folgen ausbliebcn, als man die Juden und selbst in Dowitingslrcct aufnahm. (Gest Damals hatte das Journal „Der Kraftwa der unzähligen Unglücke, welche jene Maßrc, in folgenden Worten sich ausgelassen: „Ich die Folgen dieser Bill auseinandcrzusctzcn bei den Juden ist keine Gnade, und sie Züchtigung an uns abzurächen. Wenn dies wir Alle Sclavcn der Juden und ohne,s durch die Güte Gottes. Der Monarch wü werden und der freien Landbewohner nicht unsere britischen Soldaten abschaffcu und lauter Juden errichten, die uns zwingen Familie abzuschwörcn und gleichfalls mitct natnralisiit zu werden. Erwacht daher, testantischcn Brüder. Richt Hannibal ist die Juden, und sic verlangen die Schlüssel anhaltendes Gelächter.) Bei den Debatten, welche über jene fanden, erklärte ein Baron aus dem Westen man die Raturalisirung. der Juden zugef (Gefahr, bald von ihnen im Parlamente mit vor cur Bi übe f Nr. 123 sic welchen Rainen immer nch erheben. Ihre Kampf sic schon vor 141 Jahren n im Parlamente an die esnte Würdigung: daS hohe ' n Gelächter auf. Heinrich 'kenzel und Maßmgun so; agmcntcn" der Katholiken die Rede wicdcrgcgcben im llntcrhansc gehalten etwaiger llebermacht der rt hatte. Bor säst sieben der nscrcr ine Bill für die Ratnrali gegen heutzutage in diesem etwas entwenden würde, iderspruch fand und. eine qjndcrcn Plätzen, von ähn die Katholiken Vorbringen Londoner Bürger heißt >t gesetzliche Sanction er erschrecklich gefährden, sic heiligen Kirche untere en dcS Handels im Allaußerordentlich schaden." chtgen Dcnunciation, fand die bedrohten, crschrcckiu die Eitv von London fehler.) nn" bei der Dcnunciation gcl hcrvorbringcn würde, muß um Erlaubniß bitten, ei Gott ist Gnade, aber haben 1700 Jahre der Bill durchgeht, werden ung irgend einer Rettung ndc den Juden untcrlhan mehr achten. Er würde ine größere Armee von würde, unscrc königliche einem jüdischen König ne christlichen und pro euren Pforten, sondern .er Kirchlhürcn." (LautcS ill im Untcrhausc statt- (man lacht), daß, wenn so gcrathc man in 'timknt zu werden. „Sic ff he >

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