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Freies Blatt · 1894-08-05 · 122 (5.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
122 (5.8.1894)
Date
1894-08-05
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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reite 10. freies Blatt. Juden noch auch jüdischer Abkunft find, ferner daß die ihr letzthin bereiteten Ovationen mit .jüdi'chea Arrangeuren" und „jüdischer Mache" nichtzu schaffen batte», schade, daß die „Hannoverische Post" i» Wien in keinem öffentliche» locale aufliegt. Hier hätte in den -treuen, in denen man die Familie de» Fräulein» Mark kennt, der ganze Angriff aus da» „Judenmädchcii" Paula, >o ordinär er auch war. dennoch große Heiterkeit erregt Der Pater der au»- ge^ichneien Künstlerin ist ein ilnverfälichler Steierer, die Muner,eiue Urwienerin. (Penk antisemitische Zeitungen.l Die Antisemiten in Deutschland wollen demnächst ein neue» Dagblatt in Berlin begründen. Die geplante Gründung bängt, wie die „Post" mitiheilk. mit der Entwicklung der antisemitischen Bewegung in Preußen und im deutschen Reiche zusammen. Während früher auch von Benin au» die persönlichen und nnanziellen Xräfke vorzüglich nach Hesseu dirigirt wurden, hat sich in den letzten Wahlkämpfen die antisemitische Agitation stark deceutralisiri. Tie unvermeidliche Folge war, daß die Mittel nach Hessen ivärlicher stosien. und da dort der Antisemitismus im Wesentlichen sich aus da» wenig bemittelte aileinbauernthnm stützt, so ist Tr. Böckel zu der lieber zengnng gelaicht, daß bei dem Ausbleiben der Hilfe von auswärt» die von ihm errungene Position nicht zu ballen wäre. Dr. Böckel wählte daher Berlin zum Hu?gang»pnNkkk eine» neuen ÄngrinSplaire». Er will ''eine Dnickerei von Malbnrg nach Berlin verlegen: sic soll bortfefbft ein anrisemitisches Aclienunternebmen sein und außer der Herstellung der neuen Zeitung alle antisemitischen Drucksachen übernehmen. Die Tageszeitung ist gedacht a>« ein zweimal täglich ericheineildeS billige- Blatt. Mit drei bestebeoden antisemitischen Zeitungen, dem ,.F reidenlichland". dem „Bundschuh" und dem „Antlsemitischen Generalanzeiger" denkt man ein Abkommen zu treffen, da» diese Zeitungen in da» neue Unternehmen ausgeben läßt. Ahlwardk har dem Plane zuge> stiinmr und in Rheinland und Westvbalen bereit» Anfänger dafür geworben Der Gedanke fand neulich in einer Porbesvrcchung, an welcher Böckel und Ablirardt tdeivabmen, durchweg» Anklang unter der BorauSsetzung. daß mir den genannten, bestehenden Organen ei» annebmbare» Abkommen getroffen werde. Die Ueber'ührung der Böckel'schen Druckerei scheint auf jeden Fall bewerkstelligt zu werden. Bon den Perhandlnngen mir den übrigen Zeitungen und den Zeichnungen wird e» kann abbä.ngen, ob und wann da» neue Organ in da» i'eben treten wird. Außer diesem Unternehmen, daS auf die Schaffung eine» „ Eemralorgan " abziclt. soll vom I. September an eine „BolkSrundschau" alr für de» „kleinen Mann" bestinimle antisemitische Tageszeitung in Berlin erscheinen, welche Dr. Friedrich tzaNge al» Herausgeber.und Dr. Paul Hem pel al» Geschäftsführer zeichnen werden. Fcnillcran. - Die Sföpfevfdjeibe. Erzäblung von Eduard KulKr. I. Es war iiu Oativc l><i3, unendlicher Jubel erscholl in den Straßen der Kaiscrsladl, der Raiicr war eben von dein Fürslciitage aus Frankfurt zurückgckoinmen, als auf einem der bclcblcslcn Plätze Wiens ein junger Mann von dreiundzwanzig Jahren in eine Buchhandlung cintrat und in äußern schüchterner Weise Littrow's „Wunder des Hiniinels" verlangte. Ein allerer Herr, der zufällig anwcscild war und am Lesetische sitzend in cinein eben angekoiniucnen wissenschaftlichen Fachblattc las, blickt? bei' diesen Worten, welche, wie leise der junge Mann sic auch gesprochen, seinem Obr doch nicht entgangen warenvon der Leitung airr und iah den Ankömmling, dcsicn Pknsiognomie er nicht alltäglich fand, mit einiger Neugierde an. Dieser, als er dcn Blick eines Fremden so scharf auf sich gerichtet fühlte, schlug, als ob er bei einer unerlaubten Handlung ertappt worden wäre, veifchänit daS Auge nieder. Der Zeitungsleser halte ' dies mit seinem Kennerblick bemerkt und sagte, da er den Jüngling aus der peinlichen Verlegenheit befreien! ivvlllc: „Es ist mir eine rechte Freude, einen jungen Mann zu sehen, j der aus diesem Buche Unterhaltung zu schöpfen wünscht". „Unterhaltung?" fragte der junge Mann mit sichtbarer Bcl. o'i:uheit .. <•;u?:! ** sagte der Herr am Llsctiich. „3eil war -ixv Meinung," sagte jetzt mit ganz offenem und freiem > Wesen der früher io schüchterne junge Mann, „ich war der Meinung,; derjenige, der die .Wunder des HnnmelS' geschrieben, habe für etwas Anderes gesorgt, als rür bloße Unterhaltung.!' „Gewiß, junger Mann!" sagte der ältere! Herr mit wohlwollendem und freundlichem lächeln. „Sie werden sich st, dieser Ihrer Meinung von dem Buche auch nickt getäuscht finden. Lind Sie Student?" j „Jurist," antwortete der Gefragte, „aber nicht aus Neigung"! Nr. 122. fügte er unwillkürlich hinzu, als ob er mit der kurzen Auskunft nicht die volle Wahrheit gesagt hätte. Mit einem Tone, der eine wirkliche TÜeilnohme und keineswegs bloße Neugierde verrieth, sagte nun der ältere Herr: „Und darf inan fragen, weshalb Sie dcmungeachtet die jrristischen Studien gewählt haben?" „ES war," gab der junge Mann zur Antwort, „der Wunsch meines BaterS, der ein praktischer Geschäfts»! rnn ist und es am liebsten gesehen hätte, wenn auch ich mich d m Geschäfte gewidmet hätte. Es war," fügte er erläuternd und so den Widerspruch zwischen seiner inneren Abneigung und seiner Handlungsweise gleichsam entschuldigend hinzu, „von meinem Later schon ein großes Zugeständnis welches ihm nur meine Mutter abzuringen veritochte, mich überhaupt studiren zu lassen; billigerweise mußte auch ich ihm wieder so weit entgegenkommen, mich ungeachtet meiner Abneigung, die ich in seiner Gegenwart gar nicht äußern dürfte, für ein Studium zu entscheiden, welches in Betreff eines praktischen Erfolges nach seiner Meinung vcrhältnißmäßig noch die beste,Aussicht eröffnet." „DaS ist ein starkes Opfer," sagte der alte'e Herr und fuhr fort, „vorausgesetzt, daß Sie es nicht als Zudringliche it betrachten, wünschte ich recht sehr, von Ihnen zu erfahren, was Sne eigentlich gegen die juristischen Studien einzumenden haben?" „Einzuwcnden?" erwiderte der junge Mcnn, „im Allgemeinen gar nichts, für meine Person aber so ziemlich Alles." „Damit," warf der ältere Herr ein, „Ha ien Sic eigentlich nur wiederholt, waö Sie früher schon gesagt haben, daß Sic nämlich mit Ihrer Neigung nicht dabei sind." „Ich. bitte um Entschuldigung," entgegnete der junge Mann und gcrietb dabei ein wenig ins Feuer, „ich glaube damit auch gesagt zu haben, daß ich mir der Gründe meiner Abneicung gar wohl bewußt sei; nur wollte ich nicht darauf Anspruch erheb!«, daß meine Gründe auch für jeden Andern Geltung haben sollten." „DaS ist sehr vorsichtig gedacht," sagte der ältere Herr, „am Ende bleibt Neigung und Abneigung immer etwas Persönliches; gleichwohl sind Sic sich der Gründe Ihrer Abneigung bewußt, und wenn cs Sie nicht genirt —" „Ich finde," begann der Jüngling, „für meine geistigen Bcdürfnisie keine Befriedigung in einem Studium! welches, so weit cS sich mit dem historisch Gewordenen beschäftigt,! mir nichts als einen Haufen von Willkürlichkeitcn bietet. Alle diese GesetzeSparagraphe, die unser bürgerliches Lerhaltcn regeln, alle diese Strafbestimmungen, die dem Lcrbrecher innerhalb der Gesellschaft als Androhungen entgegen gehalten werden, sie könnten ebenso gut auch anders beschaffen sein, als sic sind, und in verschiedenen Staaten sind sie <j» auch. Man braucht nur dcn äußersten Osten mit dem äußersten.'Westen unseres Welt theileS zu vergleichen und die Sache bedarf! keiner weiteren Auseinandersetzung. WaS aber diejenigen Fächer betrifft, in denen eine verstandeSmäßige Ableitung aus obersten Principien durchgeführt wird, wie beispielsweise in der Rechtsphilosophie oder in der Nationalökonomie, so fehlt cS absolut an jedeni Fundament; denn gerade diese obersten Principien sind willkürliche Annahmen. WaS dar Eine aufbaut, reißt der Andere nieder; was der Eine vertheidigt, wird von dem Andern verworfen, und die verschiedenen Rcchtstheoricn sind mit einander nicht minder im Streite, als die verschiedenen Systeme per Nationgtpkonomie." - „Betreffs der Principien haben Sie allerdings nicht Unrecht, junger Mann," sagte der ältere Herr in geinüthlich-oelehrendeni Tone, der etwas Rathcderinüßigcs nicht verleugnen konnte, „nichtsdestoweniger stehen diese Dsiciplinen, die Sie da genannt haben, heutzutage achtunggebietend da, und mancher vortreffliche Kopf htt auf diesen Gebieten Hervorragendes geleistet und außerordentlichen Scharfsinn bewährt. Auch jene Gesetzesbestimmungen, welche freilich gar oft den Charakter des Willkürlichen an sich zu tragen scheinen, schließen in Wirklichkeit doch die Resultate tausendjähriger Erfahrungen in sich und sind eine Nothwcndigkeit, ohne welche die bürgerliche Gesellschaft nicht bestehen könnte." „Es fällt mir nicht ein, dies zu bestreiten," jerwiderte der Student, dcsicn freies und unbefangenes Wesen im Laufe!des Gesprächeimmer mehr hcrvorgctrctcu war, „eS ist aber doch H)ohl eine ganz andere Frage, ob irgend eine Disciplin für die staat wendig sei, oder ob ihr die Fähigkeit innewohnt Bcdürfniß irgend ciueS bestiunnten Individuums „Und nach welcher Seite hin richtet sich Ihre Neigung?" fragte der ältere Herr, der den Studenten in solcher Weise examinirte. „Ich muß gestehen," antwortete der unfreiwiliige Jurist, „daß zum Beispiel die gewonnene Einsicht in die Wahrheit goräischen Satzes mein innere- Wesen mit einer erfüllte, als Alles, was mir die juristischen Studien bis jetzt zu bieten vermochten." iche Gesellschaft noth- . das wisienschaftliche zu befriedigen." des bekannten pythagan; anderen Wärme

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