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Freies Blatt · 1894-07-29 · 121 (29.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
121 (29.7.1894)
Date
1894-07-29
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 einer, der nie wieder zurückkehrt, Kr« verhandeln, „>§ie gehen noch nicht, Emanuel? Sie geben uns noch einen Monat zu -- wenigstens noch eine Woche? .Wir haben noch so viel von Ihnen >u lernen, Denken Sie nur! Sie haben mich ans die Schwelle gesetzt, lasten mich hilflose - „Sie sind auf der Schwelle,- wiederholte Emanuel. „Nun, Kind, ist das nicht genug? Wie viele gibt's derer, die überhaupt nur die schwelle erreichen? «Einmal dort, werde^n sich Ihnen, wenn Sie entdeS Tempels öffnen, und Sie — worin die Allgeegenwart welche kein Gebender schauen en Schüler thun, als ihn ind ein Weib, Sie bedürfen stets an meiner statt haben," Lie — Ctmanjuel. Wir Alle brauchen Sie," Mannes ist eine Pilgerfahrt ab und zu eine Zeit für schlossen, und geduldig sind, die Pforten werden Vordringen dis zum Allerheiligstei wohnt," rügte er feierlich hinzu, „auf kann. Was kann man mehr für eistl auf die Schwelle stellen? Doch Sie einer führenden Hand. Sie werden Harold „Ich brauche Sie „Ich must gehen. Das Beben des oder es ist ein Kampf, in welchem ei Waffenstillstand und Ruhe rindet. Dann setzt er sich hin und schaut um sich. Ist er glücklich, wie ich es gewesen, dann findet er »Freunde unter den Männern und Zuneigung bei den Mädchen, Aber, Freunde vder keine, er darf nicht zu lange blei ien. Sehr bald must er sich bleibt ihm nur die Er en tragt er das Bild Jener, l an der Zeit, liebes Kind, erheben und ivieder forlzieben, als Trifft inuerung an seine.Freunde, und im Her mit weitsten er Berkehr gepsiogen'. Es dast ich mich erhebe und von hinnen zieh „Warum mustt du denn gehen, Emanuel?" fragte Harold „Warum incht bei uns bleiben nnd das Wandern infgeben? Hier gibt's genug ausznkänipten unter all diesen Leuten deinen Renten, wenn du willst — ohne dast du in die Wüste zu „ T ie Han'er bedrücken mich wegen der Häu'er, in denen sie Ich karn die Menschen nicht sehen lwthiteii. Ich kann ihre Stimmen luctu luneit wegen des Bärmes, den ihre Arbeiten verursachen. In der des- Mannes lauschen, nnd . Aber hier nicht Ich must Kiiit: ich der Stimme des Mannes beobachtet! Sülle der Wtisie tdi kann die Seele geben," Er war aber doch sehr erregt, erschüttert. Tie sorgenvolle Gestalt Mädchens ergri's ihn, ihre Bilkeu bedrückte'» ihn schwer, er konnte nicht stille sieben, er konnte nicht stille seip, „Ich must gehen," wiederholte er, werden längst vergangene Tinge sind wieder ausgefrischt morden Ich wieder zu begegnen dachte,! veckt worden, ja selbst alte l mit Ihnen sprechen, ohne beständig erinnert zu werdsü an — eine andere Perlon." Er sprach nii: Anstrcttgung, „Ich neust mich irgendwie bemühen — durch tritt» luüe Per'onen geiehen, denen ich nimmei alte t^emriihsbewegungen sind wieder er 'eene Mein Kind, ich f^tu, nicht ciiuitt 'erttnug nnd al sichtliche Bergenenheit — getriniieii. Ich darf nicht leiden, dast »tue Lande der Freundschaft mich 'e's.lln — selbst an euch, meine ,rr werden tntr nur meine testen Tage mit B rrt.:» Va"'t mich gehen, auf dast ich mich an euch erinnere wie an S'aiion meiner streife, gerade so, nie man.'sich des Tages er lassen, Bande an ’U ett. da man dreißig xiabre alt war." „See werden uns nicht vergessen, ' iitten ' ~ tair wollen Ihnen folgen und Freundschaft 'allten Sie stärker trelche Ste beständig denksN7 Einanti-. den Arm,, lassen Sie sich erbitten " Nein, illt ntttst gelten Ich bin schon lange dane::t, bis ich die alte Ruhe Frei«» Blatt, nziska fuhr fort, mit ihm zu sagte sie, noch nicht! wenigstens noc! lernen. Den und nun gehen Sie fort und!7r. 121. iehen brauchtest," Nein Geniurh ist erschüttert meine alte Ruhe wieder zu nnde, meine Kinder, Sie dauern und Sehnsucht ver Einanttel." sagte Franziska, nicht. Aber Sie können bii fc volkreichen Strasten vorbei Ihnen iein. Tie neuen an die Menschheit knüpfen, ," sie legte ihm die Hand allzu lange geblieben. Es wieder gemimte. Ich must ii." Alu "ast di 'eine Stimme drückte aus. dgst er gerne bleiben möchte. Bleib' noch eine Weile nn zu unterstützen und zu auch du," 'agle Bord Hanling nur ist, um einen M!er 'r in Bersiichung konmlt, zu murren, obgleich ihm was er verlangte, ■ Teilte Stimme ist ihni in c'naten wie die eines helfenden Engels erschienen, zu arg ieibst fiir das allgemeine Vos. Wenn ich •''t'-üti dieser Tage vor (Bericht erscheinen »instke rx tr-tdezfvenstigkeit — u '.ranebst keine Hilre," »agle Emanuel. „Tu ., litaust - und N0ih mehr." d.n, Eiiia.iuel," 'agtt Harold, „llfib die graste : ei', in meinen Hand n belasten?"!»'' Eiitd.ckuitg," gab ihm Eman rel zur Antwort, „das ist 'i'rnnd utebr, förtzugehen und! ortzubleiben. Meine Ent- :st A.. Vast' rv.tk-'cknng dich 11■ e Willst deckung, von der ich so viel hielt... ."I Er lachte fröhlich, „Ich glaube, eS war noch nie ein Mensch so fr udig über eine Entdeckung, als ich es war, da ich durch Rußland marschirte, daS Ding im; Kopfe und keine Aussicht, eS zu Papier btingen zu können. Ich sah ' voraus, Ihr Alle wißt, ich sagte es euch All n, was ich voraus sah: den 1 Traum deS kommenden Himmelsreiches — dl S goldenen Zeitalters — des faturnifchen Reiches, der so lange erwartet m Erfüllung der Prophe-; zeiung, der Herrschaft von Frieden und gulem Willen. Durch mich — i sollte der Mensch für/immer den Hauptfluch der Menschheit aufgeben; j durch mich — sollte es keine Kriege mehr geben; nicht weil die! Menschen durch sich selbst gelernt und bl griffen hatten, warum der j Krieg sollte abgeschafft werden, aber we l ich — ich selbst — ein! einfacher Jude, der mit Sck>lägen und Trohungen aus des Ezaren ) Reiche getrieben wurde, ein Mittel erfunden hatte, das den Krieg zur! Unmöglichkeit machte! Wunderbar, nicht? Wunderbar! Nienials war : ein Mensch twch so sehr von Stolz aufgebliht als ich. Ich versuchte,! demüthig zu reden, allein ich, war erfüllt und aufgebläht von Stolz. Tu erinnerst dich meines Uebermuthes uttii meines Stolzes, Harold, - nicht wahr?" „Ich erinnere mich an nichts dieser Art," enlgegnete Harold,! „Ich dachte, dir die Entdeckung zu überlassen, Es sollte deine! : Sache sein, sie anzukündige», die Wege l afür vorzubereiten und sie'! der Welt dann zu offenbaren, WaS wäre dar in gelegen, wer wirklich der! Entdecker war? Ich wußte, daß ich für nein Beben lang den Stolz darüber empfinden, würde. So. dies wa: die Absicht — dies und : nichts Anderes, wie ich jetzt entdecke — von meiner falschen Temuth. Ich wollte wieder weiterziehen, ungesehen ui d ungetannt bleiben, mich mein ganzes Beben hindurch erfreuend an ient Gedanken, daß meine ■ Entdeckung sich ihren Weg bahnte und dcß die Welt sich verändere.! Ich hatte keinen Zweifel — nicht den g tringsten Zweifel, was da; kommen würde," „Und nun, Emanuel?" „Nun entdecke ich, dast es bloß ein netter Traiint war. Ich bin ei» Träumer gewesen mein ganzes Beben lang. Nichts auf Erden! macht die Menschen glücklicher als Träume ton unmöglichen Dingen." „Deine Erfindung," sagte Harold, „is kein Traum, es ist eine Wirklichkeit, eine Wirklichkeit, schrecklicher nnd ehrwürdiger als ich begreifen kann, Ta» ist kein Traum, wohl iber das Größte, was die Ehemie je zustande gebracht," „Und doch ein Traum, T! meine freunde! Bastt mich euch beichten. Ich ckann nie wieder mein Hauch erheben ob der Schande, die mich erfüllt." „C! mein Meister!" Franziska i'pra lg auf nnd ergriff feine Hand. „Sie sprechen von Schande! Sie. dcsten Her; voll ist von Bicbe und Weisheit,' Unser ist die Schandi, so weit, so weit unter Ihnen zu stehen, Schande und Sie?,", „Schande, Kind, weil ich so kurzsichtig var, zn denken, dast dieses Ting, welches, wie ich »nn erkenne, die garze Well mit Teufeln erfüllen würde, ein Geschenk des Herrn war. Und eS war Ihr Werk, Kind, Sie haben mich zuerst daran zweifeln gelelirt. Ein Weib sieht schneller und weiter als ein Mann, Allein iff träumte, ich träumte." TaS Mädchen beugte sich über ihn, lüstte ihm die Hand, nnd ihre Thränen benetzten dieselben. - „Bastt mich beichten," sagte Emannel, .laßt mich beichte». Ich bin ein Träumer, Ich lebe in einer Welt, welche nicht existirt," Er blickte über das Gräberfeld, mit der Recht! n die Augen beschattend, , als sähe er auf der weiten Stätte des Todes die Well feiner^ Träume, „Kein Mensch ist so glücklich wie Einer, der weit ab von der Gegenwart die Zukunft schaut, hie den inst kommen wird. Wir waren eine Nation voir Träumern, denn zneitansend Jahre hindurch konnteu wir's nicht ertragen, an die Gegenwart zu denken. Ja." seine Angen waren die eines richtigen Träuriers, „mein ganzes Beben habe ich getrännit von der unerfüllten c rosten Prophezeiung, der gröstten aller Prophezeiungen, von dem Reiche des Friedens und der Biebe, Alle Hindernisse, Gier nach Gold, Selbstsucht, Streben nach Macht, Krieg, Unwissenheit, kurze BebenSdc uer, all das schien mir fähig, geändert nnd adgeschafft zn werden, wären nur die Menschen einmal dazu gebracht, nach dieser Zeit zu streben. Ich dachte, die Weisen dieser Well würden die Geister und Herzen der Uebrigen erfüllen mit einem brennenden Berlangen nack Beendigung dieser Zeit, der zornige Eifer der Kreuzfahrer wäre ein armseliges und schwaches Gefühl gewesen im Bergleich mit dem gl ihenden Berlangen nach Gerechtigkeit, das. erwecktdurch die Aufmun erungen jener Propheten, die ganze Menschheit erfaffen würde. Diese Bisionen hatte ich stets, sage ich euch: ich habe flehentlich ersehnt und gebetet, etwas, wenn auch nur wenig, thun zn können, um dies,r Zeit behilflich zu sein. Tann erst sing ich an zu begreifen, das, wie die geistige Kraft!i N V

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