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Freies Blatt · 1894-07-29 · 121 (29.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
121 (29.7.1894)
Date
1894-07-29
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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ZI r. 121. .«freies gesprochen werde» kan». Zweitens steht die Behaupiiing, daß hiesige Blätter Ausruf und Agitation ausnehmen, auf sehr schwache» Beinen. Denn der Schriftleiter de» „Siebenbürgisch-deutschen Tagblatle«", de» einzige» in Hermannstadt erscheinenden deutschen Blakte«, bei welchem an eine Agitation für antisemitische Tendenzen gedacht werdeit kann, hat in seiner Zeitung der „Deutschen Presse" bisher mit keinem Worte gedacht. Auf unser Besrage», ob er die« überhaupt zu thun gedenke, theilte er un« init, daß ein „Agent" bei ihni gewesen mit dein dringenden Ersuchen, den Ausruf sür die „Deutsche Presse" in sei» Blatt aus. zunehmen, daß er jedoch diesem „Agenten" auch nicht die geringste Zusage gemacht habe, vielinehr nach genauer Durchsicht de« Ausrufe« an eine Ausnahme derselbe» gar nicht denken könne. Soviel un« ferner bekannt ist, hohe» auch die in den Schwesterstädlen erscheinende» deutschen Blätter von einer „Deutschen Presse" bisher »och keine Notiz genommen. Sollte vielleicht Herr Früh bei Abfassung seiner Trahtnachrildt an magyarische oder rumänische Blätter gedacht habe» V Wa« endlich den dritten und letzte» Freudenrus der Drahtnachricht, womit Herr Früh seinem OplimiSmu« die Krone ansjetzt, anbelangl, glauben wir nicht näher daraus eingehe» zu müsse». Teun bei der von un« i» Obigem den Thatiachen entsprechend geschilderten Sachlage ivird wohl kein normaler Men'ch im Ernst an „einige Hundert Abonuenle»" denken könne». Wir hofie» '»ermit, die in echtem, schwungvollem Reporlerstyl gehaltene Drahtnachricht genügend gelennzeichnet zu haben, und wilnschen nur, daß die „Deutsche Presse" .wrrall so schöne Ersolge erzielen möge, wie bei »»>«. — Besonder« schön ist : .„»entlich der Schlußsatz, der rührende Erguß einer biederen Antisemitenseele. iir; da« nennt sich deutsch und von Zeit zu Zeit auch christlich! (Der allgemeinen Berachtnag überliefert.) Tie beide» Ortsgruppen de« Deutschen Schulvereine» in Salzburg veranstalielc» in Gkuieinichast mit der doikigen Albeiterkraiikencasse ein großes Kinder- und Volksfest in der Brodläuslau, welches einen schönen Verlaus »ahm und eben deshalb Zornausbrüche reit Elrricalen und Anlüeniiten hervorrief. In ihre» verschiedene» Organen ver- -üuilichlen sie über da« Fest Berichte, die von de» gemeinsten Angriff,» strotzten. Am allerordinärsten ist dabei der Salzburger Eorreipondent de« Wiener „Vaterland" vorgegangen, der sich nicht entblödet hat, die Wohlanstär.digketk er bei dem Feste milwiilenden Damen in Zweifel zu ziehe». „Ein derartige» Vorgehen," bemerkt da» Organ der Salzburger liberale», „richlet sich in den '.'lugen aller ehrenhaslen Leute von selbst. Solcher Insulte gegenüber wäre es in der Thal übel angebracht, zu einer Abwehr zu greise», weil leicht der Schein ezwecki werden könnte, al« ob man sich rechtfertigen wollte, n»d wer sich ent schuldigt, klagt sich bekanntlich an. Wir überliefern daher den .Vaterland' Korrespondenten dem Schicksal, da» ihm einzig und allein gebührt, der all- .gemeinen Verachtung." (Antisemitische Beeleumdungen, Verhetzungen und Dalmudsludie».» Man schreibt un« au« Prag: Tie Anlisemilenblälier sind in der Reproduction von allen mögliche» Verleumdungen wirklich groß! Tie Ouelle» de« Geisel», mit dem sie Alles zu besudeln trachten, werde» gemeiniglich nicht angegeben. Die llriache dessen ist leicht zu erratbe»; es gibt in der Ziegel gar keine oder nur sehr unlautere Ouellen, e» sind eben nur Verleumdungen. Ein altes schlesisches Blümlein-ist die „0 wiazdka Cieszy liska“. Ta» Srernlein, welches früher nur am eleriealen Horizonte leuchtete, wirst heute auch antisemitische Strahlen — die Cultur schreitet ja fort. . . Diese« Teschener Blättchen verösfentlichle eine» Artikel über da« Grubenunglück in Karwi»,- in dem e« sagte: Als iin Jahre 1881 während de» Ringihealerbrande« in Wie» lllX) Personen umkamen, beivilligte das Abgeordnetenhau« KO.lXlO fl, zur Unterstützung der Hinter bliebenen. Dabei war auch die Wiener Presse so-rührig, daß in kurzer Zeit zwei Millionen zusammengebracht wurde». Jetzt, da in Karwi» 2ll5 Leute »in kamen, ist die Wiener (d. i. jüdischk) Presse ganz still. Und der Grund diese» Verhaltens, meint da« Sternlein, ist, daß beim Ringkheaterbrande meisten» vermögende Leute den Tod fanden, in Karwi» aber lauter Arme und kein einziger — Jude! Diesen Artikel reproducirle sofort ein obscureS antisemitisches Blatt, der „Öech“, und die ebensallS wenig bekannte „Öeska Straz". E» muß doch um jede» Preis gegen Jude» gehetzt werden. Manchmal entgehen die Hetzer allerdings nicht der wohlverdienten Strafe. Ter Redaeleur beriesle,' 7.ajwy“, Jaromir Huöek, welcher eben eine einmonatliche Hast wegen Beleidigung der jüdischen NeligionSgenoffenschaft abbüßt, wurde nun wegen ahn licher Telicle zu weit« re» zwei Monaten strenge» Arrests - verurtheilt. Wir würde» ihm empfehle», in der Einsamkeit Talmudstudien;» treiben; vielleicht bringt er es dann zu einer solche» „wissenschaftlichen Gründlichkeit", wie der gegen Juden so ose schwurlüsterne Canonicu» Rohling. Derartige Studie» sind gewiß lohnend. Anlisemitische Verdächtigungen und Hetzereien, mit einigen hebräischen Brocken garnirl, finden — stärkere» Absatz. Ilr. A. (Wohin soll dies führen?) Ein Leser des „Vaterland" schreibt diesem Blatte': „Die inTroppau jeden Mittwoch und SamStag erscheinende .Deutsche Wehr' bringt in Nr. 57 vom 18. Juli folgende Notiz: .Spende. Der Fürsterzbischof Dr. Kohn hat zur Anschassung der Kreuze für Schulzimmer der Lehrer- und Lehrerinnen-BildungSanstalt in Troppau 95 fl. gespendet. Die arme Staatsverwaltung hat dieses Geschenk natürlich angenommen. Ob die religiöse Erbauung unserer deutsche» Lehramtszöglinge durch, die Erinnerung 8 l a t«. ‘jene T. an den ezechifch-jüdischen Spender besonder» gefördert werden wird, lanen wir dahingestellt sei».' Man traut seinen Angen kaum, wenn inan die« liest. Ab gesehen von der ganz unqualisicirbaren Verunglimpsiing de« eigenen Ober- Hirte», der gelegentlich seiner zweimalige» Anwesenheit in Tropvau der deutschnationalen Geineindeverrrelung hnuderle von Gulden iur die Arme» der Stadt zur Bersügung gestellt und andere namhasle Spende» sür Sehnlzwecke rc. gewidmet hat, fällt ganz besonder« schmerzlich d:e indireeie Aus sorderung zur Nichtachtung der Kreuze« aus. Wohin soll die« lübren'r Der angeblich bloS wirthschaflliche Anlisemitismu« der .Teulichen Wehrsäugt au sonderbare Früchte zu zeitigen." Wohin der Antisemitismus solgerichlig sübri — hat da« „Vaterland" früher gar nicht erwogen, und es zieht au.1i ievt häusig genug die^ Eoiu'equenzen eine« Liebäugeln« mit de» A»lisi»liieu nicht in Betracht. , iBeschinipsnng der jüdische» ReligionSgeseUschast.» Ztu' Versügnug der BreSlauer OberftaaiSanwalischast wurde gegen die doiiiae „Ostdeutsche Wacht" und gegen Theodor Fritsche, welcher ein iliuiäblrlies Fnigblatt einer Rümmer dieser antisemitische» Zeitung beigelegt batte, ivigen Vergehen« gegen lll«. St. G. B. da» strasrechiliche Verfahren ei»gele»>-r. Ter angezogen Paragraph lautet: „Wer dadurch, daß er össenilich in belchiiuvteudeu Aeußerungeu Gott lästert, ein Aergerniß gibt, oder wer ö'iem.ut) e ne der 1,r-ill>cheu stulieu oder eine andere mit Eorporatiousrechleu innerhalb de» Bu»lesg>hi,'i> « - be stehende ReligioiiSgefeU'chafVoder ibre Einrichtunggzi oder >8rb,äuche de u-invil-, ingleichen wer in einer Kirche oder i» einem anderen zu religwie» Ve!'.:u»n. lungeii bestimmten Ort beichimpkende» Unfug verübt, wird - mit Gee.mg„,i. h,<;» drei Jahre» bestraft " (Eine. Rothschild Partei am Verliner Hose.i Gm D uiseldorse-rAnnsemiienblati ist darüber aufgebracht, daß der Gereniotziennieister v. Kode ui- Berlin beschuldigt wird, Schmähbrieie an hohe Periönlichletten geiluiebe» zu habe», »»d führt Aller aus Jniriguen von „Untergebene» der Roili'childthumS oder — der ..AIlian<-o Isiailite I nivt-iselli-" zurück. Al» Vertreter der Roth Ichild-Parlei am Berliner Hofe werde» vom Diisseldorser Blatte^ die'Französin Hintzveter, die „VoUbluljüdinnen" Friedläuder, MeirdelSsoiiu Barlhol du und v. Ko>eielska sowie «tzras Douglas dennncrrl So albern diese „EnihliUt^lg" auch ist, wird sie vom Vergani-Blatte doch zur Au»- süllling säst einer ganzen Golumne benützt. llwuiu tencre -MjuiO' — iageu bekanntlich, die Solecer Lateiner. (Nene Glöß'sche Bilderbogen.' Herr -Glöß, einer zener deut'chen Verleger, deren Wesen der Berliner Obe(staa:saiiu.ili mit einem richtigen,Worte bezeichnet bat, gib! eine neue Steil,e von Bilderbogen beraüS. Dieselben sind so geschmacklos und ordinär, daß selbst die aiili'einüi'che „Lei pzi g er Zeit» n g" , deren Erscheine» bebauen und Herrn Glöß zu Griuntlie führt: „Wenn wir unS eirreu Rath erlaube» dürste», so ist e« der, weitere solche Vollsboge» nicht herauszugebe». Ter Verlag hat un» wiederholt versichert, daß er* mit 'einen Veröffentlichungen ei» hohes Ziel verfolge und nur das Veste'wolle, rtzlanbt er im Ernste, daß er mit diesen' Vogen dem deutschen Geiste nützt und de», Judenihuine schadet e Wir sind vom Gegemheile überzeugt." — Fcnilicrau. Die Hnrpörerin.'. Roman nach dem Englische» deS Walter Bei'anl von Marie Maier.' xxxv. Sic wurden noch einmal einander zugesührr - es sollte das letztemal fein — in dein l leinen Garten hinter dem kleinen Hause mit dem reich besetzten Todlenselde aus der einen und der dicht gedrängte» Straße der Lebenden auf der anderen Seite.' Franziska faß auf der Gartenbank, die Härzde gefaltet, den Ropf Herr bgebengt in tiefster Riederschlagenheit. Sie halte mit Emanuel gekämpft, daß er bleiben solle, doch vergeblich. Harold und Mr. Hayling — Lord Hayling — Anton standen oder lehnten an..der Mauer. Emanuel schritt auf und ab am kurzen Gartenpfade oder er blieb stehen, um zu sprechen. Es war zu jener Stunde, welche er am liebsten hatte. Im Däinmerscheine nach Sonnenuntergang, wo sich in densanften Schatten der Begräbnißplatz mehr und mehr ausdehnte und zur weiten Ebene würde, während die Häuser zurückzuweichen schienen. An diesem Abende war er sehr erregt. Sein stets ernstes Gesicht war heute so sorgenvoll. Wenn er sprach, so war's in raschem, nervösem Tone, ganz gegen seine sonstige Redeweise. Der Philosoph hatte seine Ruhe verloren. Weil eS aber ihr letztes Beisamiuensei» war nud er am nächsten Morgen schon fort wollte, so versuchte er zu sprechen wie

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