Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 121 (29.7.1894)
- Date
- 1894-07-29
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite H Freies Blatt. fchämtbeit auch von aiitisemitiichen „Opfern deS römischen Rechte«" kaum noch üdertroffen werden könnte. Er iagte, 1865 haben einige Jude» i» Berlin für ihn Geld gesammelt, ihm aber nur 105 Mark gegeben, und dahabe ihn zum Racen-Antisemiten gemacht. UeberdieS habe 1885 Stöcker das Heft in Händen gehabt, dessen Agitation sich gegen die jüdische Religion gerichtet habe, gegen welche er lAdlivardts auch heute keine» Kamps führe. Als inan daraus erwidern wollte, erhoben Tie um den Exrector einen Lärm, brachen in Hochrufe aus, sangen :e. und setzten e» durch, daß die Betsammlung geschloffen ivutde. Ahlwardt rühmt sich, daß er aus allen Theilen Teutschlands Einladungen zu Gastspielen erhalte, und kündigt an, daß er versuchen werde/ alle antisemitischen Gruppen unter Einen Hut zu bringen: sollte ihm dies nicht gelingen, so werde er eine „neue BolkSpartei" gründen. Ten Deutsch-Socialen droht Ahlwardt, daß er sie depoffediren und ihnen „die Wäiüermaffe» einfach foriuehme»" werde, wenn sie sich nicht io benehmen, wie er eS wünscht. Mit Böckel, der Lieberinann und Genoffen fürchterlich abkanzelt, weil sie AusnahmSgeseye gegen die Anarchisten begehren, ist Ahlwardt zufrieden, wogegen er Dühring'S religiöse und politische An'chauungen bemängelt. Womöglich noch hochmüihiger und impertinenter alS Ahlwardt tritt Förster auf. In Halberstadt, wo er kürzlich ge-vrocheii, wurde der anwesende Herr Schüler au» Hannover vom Borsitzenden nachgerade geuötbigt, »ach dem Abgeordneten von Ahlwardt's Gnaden das Wort zu verlangen. „Herr Schüler hat wohl den Muth verloren, den Mund wieder auszuthiiii" — provocirte ibu der Borsttzende. Kaum batte aber Herr Ichöler die Tribüne bestiege». da begann man zu lärmen, um ihn am Sprechen zu hindern Herr Schüler wurde sogar insultirt, und die Polizei mußte zu seinem Sä-upe eiuntzrenei:. Füister, dessen Elaque stets aus ähnlichen Radau-Elenieuteu ivie iene dks ExiectorS zu'aminengeseyt ist. nimmt gegen Tühring »och viel scharfer Stellung als Ahlwardt. Ter Tübring'sche „Socialitäre Bund" hielt neulich eine Versammlung ab, in welcher ein Redner sagte: er schäme sich schon, Anti'einit zu sein, denn es sei ein „reiner Unftmi“, wenn gewisse Leine bedanpleu, Nacenkaniv' zu betreiben und doch da« Lhristenthnm hochzuhalteu. Herr Förster laßt nun in seinem Blättchen die Tühringianer für „verjudet" erkläie», ibnen Unwiffenbeil und knechtische« Nachbeten vorwerfen, Herrn Tübriiig selbst aber den ivoblmeinende» Rath ertheilen: „Tühring sollte den Mund ballen!" Auch vor dem Fürsten Bismarck hat Förster nicht den geringsten Rc'pect: anläßlich der Bennigsen-Feier schreibt fein Blättchen über den „Altreichskanzler": „Einen .Staatsmann', der mit Lasker, Bamberger. Bleichröder, Falk, Eamphanjen, Telbrück :c. von einem Zrilhum in den andern tappt und hinterher die Schuld ans seine .unfähige»' ivon ihm gewählten) Mitarbeiter wälzt, deü laffen sich gutgläubige Zeitgenossen alS .groß' gefallen, die Geschichte nicht."! Und wie wirb erst die Geschichte über die Zeit ititbeilen, in welcher Individuen von den geistigen und sittlichen Dualitäten der Herren Förster und Ahlwardt auf ein deutsches Publicum rechnen lönilen, das ihre Exceffe in Wort unh Schrift verbältnißmäßig gut btzaltlfr i i Irin Feind des unlauteren GeschäftSgedabreus) Ter antisemitische Redacteur und frühere Postassistent Wilhelm Georg aus Nordhausen, welcher in antisemitischen Perfammlungen gegen das unlautere Gelchäftsgebahren der Juden mit dem Brustton der Uederzeugung losdounert, sollte dieser Tage vor dem Amtsgericht Nordbau'eu den Offenbarung««» ableistt», war aber nicht erschienen, und es wurden deshalb gleich zwei Hastbefeblt erlaffen. Weitere Processe gegen ihn wegen Berleutndung jüdischer Mitbürger harren ebenfalls ihrer Erledigung Bor gerautner Zeit veröffentlichte der Schriftsteller Weigl über' den Lebenslauf dieses atttifemitiichen Agitator« die nachstehende 'Notiz: „Nachdem Herr Wilhelm Georg seinen Postdieust guinirt, sungirte er al» Ledergehilfe in etnem Mainzer Lederge'ckäff, verkehrte in Mail« fast ausschließlich mit Juden, wurde hier durch einen 'peciellen jüdischen Freund an die jüdische Weinffrma Leopold Strauß in Mainz als Reifender empfohlen und erhielt auch dort Stellung al« Reisender. Zunächst war er nun seine Aufgabe, seinen (ihe* durch fortwährende fingirte Aufträge zu hintergehtn, um sich so in seiner Stellung zu halten und um die fortlaufenden TagtSipesen, pro Tag circa 15 Mark, und einen nionatlichen Gehalt von 150 Mark zu empfangen. Herr L. Siranfi strengte eine Klage gegen W. Georg vor dem großherzoglichen AmlSzu Mainz, Acteuzeichen .!023.!X), an auf HrrauSzablung zu viel ers'iträge auf Spesen :c. in der Höhe von 285 Mark 25 Pfennigen für - >rn:»i:g ffngirter Aufträge an die angegebenen Kunden. Georg ist dem » äst vernrtheilt worden und hat vor dem Lffenbarung-eid ge» einet leyigen Stellung al« J»denhet»r zahlt er dem Strauß, »»'inall uud Fall entlasten wurde,- jinonatlich auch jetzt noch ' Snanü nichts an die OeffentlitÄkeit bringen soll. Seit - t:i. ..C'tc? Gewerbe. Tie Acten l können bei dem Rechtscl: in Mainz, :er die Klage geführt, jedtrzeit eingesehen werben, haarst,.i.ll:»d. was iut Briefe dort von den Leute» liegen, die asri.t! Hann k'..- U .-iia.--. . Ita. he: .. ii. ■ 1" llstarl Vieler Znn h : anwalt T -e r 2» ist wirklich bei Georg nichts bestellt Hai'?» wollen. Tem Einen hat! er 100 Flaschen Eham paguer, dem Auderen 5" Flaschen Wein u. s. w. übeisenden laffen. Und daS ist der Mann, der die Stirn bat. ietne» ziidischen Mitiürgern ohne Ausnahme Unlauterkeit im Geschäftsbetrieb vorzuwerlen." Zn einer antisemitischen Beriammlimg itt Nörten i Sitbliannover, bestritt Georg lie Richtigkeit dieser Angaben, worauf er von Weigt ersucht wurde, Strafanli a gegen ihn zu erheben, da e« ihm eilt Vergnügen bereit et dieser Behauptungen vor Gericht zu betveise». Da» mußt: wegen der Anwesenheit seiner Parteigenoffen verspreä e aber bi» heute noch vergeblich aus die Erlebung der Azik! Aus antisemitischen Blättern. sEonverffon.) -Die „Deutsche Zeitung" ging zu n Antisemitismus über, und da» „Deutsche BolkSblatt" begrüßt sie nun als „ckristliche" Schwester. Die Convertitin selbst nennt sich bescheiden „national", tritt bisher noch nicht vordringlichen Eonvertileneifer. Ob e» Abonnenten meuchlings ein Antisemitenblatt zu versehen, die ihre Pränume rationSgelder in der Erwartung eingesendet hatten. Zeitung erhalten werden, möge dahingestellt bleiben; sch in, anli-corruptionistisch ist ein solcher GeschäftSkniff sicherlich nicht. Mit der „Df nun in derselben Truckerei hergestellt wird wie daS werden wir uns wohl in Zukunft häufig an dieser Stelle zu befassen haben. Tie Linke Bahngaffe ist kein Boden zur Eonservirung das „BolkSblatt" sieht bereit« die Zeit kommen, in we cher die neugewoitnene „'christliche" Schwester „auf jenem Weg eiuschlagen' Nr. 121. g wegen Berlenmdnng it würde, die Wahrheit denn Georg auch schon -». Herr Weigt wartet läge. leise aus und entwickelt :echllich »»anfechtbar ist. saß sie eine freisinnige utjchen Zeitung", welche „Deutsche BolkSblatt", von Bescheidenheit, und wird, „aus d e n" e« DaS Deutsch if fehlerhaft, die Pxophe- Ba» Bergani, der bei t bekanntlich er» Freund tnd. In seiner Eigenselbst seit fünf Jahren .einherschreitet, zeiuug scheint aber richtig zu sei». <L diese Eonsulen!- Man schreibt UNS: Eiil echtes Antisemit mag keinen Juden leide», doch seinen Rheinwein trinkt er gern jeder Gelegenheit da« „praktische Christenthum" predigt, i von lucullischen Genüffen, namentlich wenii sie billig schaff alS Herausgeber de» „Teutschen BolkSblatteS" ni nmt er beim auch mit besonderem Eifer an den.Vergiiiigungsreisen von Corporat oneii theil, wo meistens gratis bankettin und poculirt wird. Bor einige» Jahre» z assirte ihm anläßlich deS Ausfluges de» Wiener Mäiniergesangvereines nach dein Trient daS „Malheur"- bei einem jüdischen Banqnier und Consul in Salonicff a» der Tafel mitzunaschen, und da er seine Racentheorie nicht auch auf die „koscheren Gänse" vererbt, aß und trauk er, wie Augenzeugen berichteten, für Trei. Ru» hatte er wieder, wie er selbst in seinem Blatte in ergötzlicher Weise mittheilt, einen „Zwischensall" erlebt. Während der 'Nordlandsreise der Wiener „Eisenbahner", welche er sich natürlich nicht entgehen ließ, lud ihn vor einigen Tagen — offenbar geblendet durch seine zaubergewallige Erschein» ig — der österreichischungarische Eonsul Leviison in Marstraud z» einem J rühsillck itt seine Billa ein, wobei er nach eigenem Geftändniß köstlichen Rheinwein geschlürft hatte. Zwar stiegen, je mehr die Flaschen zur 'Neige gingen, dun arische» Weinbeißer Bedenken auf, ob nicht auch der feeuudliche Gastgeber eienso ungetanst sei wie das herrliche-Getränke, allein, wie gesagt, der Rheinw in mundete so köstlich, daß er trotz deS „verflixten" Eonsulnamen« auf „son" a le Scrupel verscheuchte. Nachdem sich jedoch Bergani gesättigt uud die letzte Flasä e geleert hatte, tauchten abermals Bedenken auf, und richtig — die eingezogenen Likundigungen machten es zur Gewißheit, daß sein Gastgeber Leviffon ein Jud sei. Nun bäumt sich der ganze Stolz des Urgermanen aus Solec auf; der si tenstrenge Herausgeber wettert jetzt mit Entrüstung in seinen Speise-, pardon Reisebriefen gegen die österreichisch-ungarischen Eonsulen und schwört, nie imhr bei ihnen Wein zu trinken, wenn sie nicht vorher documentarisch ihre ari che Abstammung Nachweisen. Caveaut consules! . . . Daß dem armen Bert ani so oft „Zwischenfälle" paisiren! Ter praklifche Antisemit läßt ja auch ton seiner Verwaltung bei „jüdischen" Fiitanzinstituten Pauschalien eineassiren ind ihnen nachher von der Schristleitung Moral predigen. Zuerst da« Geschäft, dann daS Vergnügen. iReclamellschwilldel und Schmutzcoucurreuz.) Ein tu netten Beitrag zur Charakteristik der antisemitischen Schnorrerpreffe, ihrer natktschreierische» Anpreisungen und ihre« gehässigen ConcurrenzneideS, liefert eine Notiz der „Ostdeutschen Rundschau", i» welcher es heißt: In einer d x letzten Nummern der Steinwenher'schen „Nationalen Blätter" war unle: Anderem auch eine gewaltig ruhmredige Notiz über die „stetigen" Fortschritte der Agitation für die Gründung der „Deutschen Presse" enthalten. Voll 'Stolz wurde in erster Linie ein begeisterte« Telegramm au« Hermannstabt den r'esern der „Nationalen Blätter" aufgetischt, über besten wahre Bedeutung n»S ms Hermannstadt folgende Zuschrift zugeht: Mit gerechtem Erstaunen entna lmen wir dem in den „Nationalen Blättern" unter der Marke „Deutsche Presset'' erschienenen Artikel die aus Hermannstadt stammende Drahtnachricht: „Große Begeisterung überall. Blätter nehmen Aufruf und Agitation auf. Einige Hundert Abonnenten voraussichtlich. Frith" Wir erlauben uns nun im Interest! der Wahrheit die in obiger Drahtnachricht gestellten Behauptungen dahin zu b richtigen: Erstens ist eS vollständig aus der Lnft gegriffen, daß in Hermannstart große Begeisterung für die „Deutsche Preffe" und ihr Zeitungsunternehmen zahlreiche Erkundigungen, die wir diesbezüglich eingeholt laste», daß mit Ausnahme einiger Weniger, welche die i iSleithanischen Partei verhältniffe mit Jntereffe verfolgen. Niemand von der (xistenz eines Vereine« „Deutsche Preffe" und von seiner Absicht, ein Tagblatt zu gründen, irgend welche Keilntniß hat, so daß auch nicht einmal von der gtringsteu Begeisterung herrschen soll. Tenn haben uns erfahren