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Freies Blatt · 1894-07-29 · 121 (29.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
121 (29.7.1894)
Date
1894-07-29
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 121 Freier nicht geschädigt, weil unter den Bedingungen, die er für Ucberlassung seiner Arbeitskraft stellte, daS Mäntelconfectionsgeschäft überhaupt nicht aufkommen konnte. Nur durch die Einwanderer ist eS ermöglicht. Nun aber erhebt sich die Frage, ob durch den Beginn einer Berdrängung des bisher gütigen aristokratischen ArbcitsprincipS: „Thcuer, aber preiSwerth" durch daS demokratische: „Billig, aber schlecht" nicht die Gesammtproduction Englands uyd ihre Geltung auf dem Weltmarkt eine Beeinträchtigung erleidet. DicS ist der Gesichtspunkt, unter welchem die „Einwandererfrage" jetzt vornehmlich in der Oeffentlichkeit dcbaltirt wird, deshalb dürfte SaliSbury's Bill, welche für den vorliegenden Fall kaum eine Anwendung fände, nicht als dringlich erachtet werden." (Ein Heine-Denkmal in New-?)ork.) Karl Blind schreibt in der „Neuen Freien Presie" : Düsseldorf und das goldene Main; mögen sich freuen! Jenseits des „großen Teiches", auf der anderen Leite des atlantischen Ufers, wird für Heinrich Heine das Denkmal erstehen, daS von seiner GeburtSstadl zurückgcwiefc»^ wurde und über dessen Ekrichtung man sich in der Nähe dcS Felsens, auf dem die schönste Jungfrau sitzet, noch immer nicht schlüssig machen kann. In llicw- .'lorf hat sich ein Ausschuß.von Deutschen gebildet,;u denen Mitgliedern die im Baterlandc nicht ganz unbekannten Herren Karl Schurz und HannS K üblich zählen. „Mehr als die irgend eines anderen deutschen Dichters leben Heinrich Heine'S Lieder," sagt der von dem Ausschüsse erlassene Ausruf, „im Herze» und im Munde dcS deutschen BolkcS. Wo immer die deutsche Zunge klingt, da klinge» auch sie in den herrlichsten und mannigfaltigsten Touweisen; ja in allen civilisirtcn Sprachen werden sie gelesen und gesungen. Sie haben sich die Welt erobert. In Heinrich Heine'S eigener Vaterstadt hat ein eng herziges Borurthcil seinem Denkmal eine Stätte verweigert. Soll nicht dieses Denkmal, ein Kunstwerk von seltener Schönheit, ans den, freien Bode» AnicrikaS, unserer neuen Heimat, einen Ehrenplatz finden?" ES wird dann mitgcthcilt, - baß cs dem Ausschüsse gelungen ist, mit dem Bildhauer Emil Herker in Berlin einen Beitrag abznschließcn, welcher der Stadt New Llork das Original des ursprünglich für Düsseldorf bestimmten Lorclcy-BruiinenS sichert. Tie.Gcsammlkostcn dcS Ankaufes und der Errichtung werden siel, auf Üü.OOO Dollars belaufen. DaS 'Ausbringen der- Summe wird als eine Ehrensache für daS gcsammtc Dcutichthum Amerikas betrachtet; „was in den Bereinigten Staaten deutsch denkt und fühlt, soll Anthcil nehmen an dem Werk". E6 folgt in dem Aufrufe eine Scisildernng des Denkmals, i» welches daS roloffale Hochbild Heine'S, von Fichtcnzwcig und Palme umgeben, cingcfügt ist, während auf dem Soetcl die Loreley, die volköthümlichstc seiner poetischen Gcstalliingcii, sich erhebt. AnS dem Brunncnbceken tauchen zwei Nircn empor, deren eine, eine zarte Müdchengestalt, die dem Dichter huldigend eine Blume darrcicht, daS Liebeslied versinnbildlicht, wahrend die andere, eine in kecker Haltnug dasitzcndc, stachclschwänzige, von allerlei unheimlichem Lcegclhicr um gcbcnc Meerfrau, die satirische Kritik darstcllt. Auf den anderen Seiten des Brunnens ist der Humor in einem auf einem Schwan reitenden, zur Leier singenden Amor mit einer Schellenkappe verkörpert, während dcö Dichters "Neigung zur Romantik, durch eine Psyche angcdcutct ist, die, an eine Sphinx geschmiegt, den Räthscln derselben lauscht. „DaS ist," bemerkt der Aufruf, „ein gemeißeltes Gedicht, bei dem uns allerlei Märchen auö alten Zeiten, der ruhig dahinflicßcnde, Rhein, die im Abcndsonnenschcine funkelnden Gipfel seiner Berge, der Schiffer im kleinen Kahne und tausend andere Gestalten' seiner Muse lebendig vor Augen trete»,, die der Dichter gebildet »nd die der Künstler ihm nachgcdichtet mit feinem Berständnine, mit poetische», Eiupsindcn und mit mächtiger Gestaltungskraft." Schließlich wird betont, daß jeder gebildete Deutsch Amerikaner die . Erwerbung detz viclnmstrittcncn Lorclcy-Brunncnö als eine selbstverständliche Würdigung der Bcrdicnstc Heine'S um die deutsche Dichtung aufsaßt. Man geht drüben "in gewohnter Weise gleich frisch ans Werk. Wenn also daS diesseitige Volk der Denker sich »och ei» Bischen mehr Zeit nimmt, als cS schon grthan hat, so wird der Ruhm, einem unserer größten neueren Dichter zuerst ein Denkmal errichtet zu haben, den auS dem Baterlandc über den Dccan AriSgewanderten, zum Dhcilc dalsi» Ber triebenen verbleiben. Da ist cs wohl schwer, keine Satire über daS Zopfwesrn zu schreiben. Die stachelschwänzige Rirc am Lorelcy-Blunnen wird ihr Dintcnfaß auf dem Kopfe nun doppelt ltolz tragen'. Aus antisemitischen Vereinen und Ver sammlungen. (Aus der Schneidrrgeiiosskilschast.) Tic Zustände in der unter aniiicmiti . icher Leitung stehenden Schiieibergenosseiischast kamen dieser Tage in einer Bersainmlung zur Sprache, an welcher eine große Anzahl von Schneidermeistern 8 l a t t. ^Scite ."> lheilgenonnne» Halle. Ter Borfitzende, Schneidermeister .stiidcriia, iagle: Wir wollen »ur Einigkeit und keine» Streit in unserer l^enosienschast. und iimer Äeld dürfe nicht verschleudert weiden. Hie>an> svrach der tTbmann des Re vistonScomitöS Herr Fura E? handle sich ihm nur, erklärte er, »in die Wahr, heit und die Znieresfei, der Genonenschasl. Zeder Meister niüye beim jdumiti >» die Genosienschast 20 fl. zahlen. Ta sie es nicht an' einmal zn lcisten im stände sind, bekominen sie >ogt»a»nlc Einirilisbüchel und zahlen raieinvei'e. TaS RcvisioiiScomile bade -llXX) solcher Büchel gevrün und eine» Abgang von 5»XX> st. cvnstalirt. Bon de» noch übrigbleidende» »"> Büchel» sind dem Revisiondeomitö nur 53 zur Berfügung gestellt ivorden. bei welchen sich ebensallS ein Tesiril von fl. beranSgestelll habe. Tie übrigen EimriiiSbiichel seien den Revisoren verweigert worden. Zn den Eastabücher» fehlen Blätter, lim dieser Wirthscha!t ein Ende;» machen. habe er in der läeneralveesainnilung ei» Mißtrauensvoll»» ''ür die Boistehung beaniragi,'' und.als die Annakine dieses AniragrS dmch die Au'löiu'ng der Bersttininlnng veihindert worden ivar, bei. der Siaalcanwallfchail die Anzeige erstattet. Revisor S watet bemerkte iftiTer Andercin: Tie „ Schlaivveicl" niüiie bewiirgl werden, und dazu gehöre Einigkeit. TaS Geld iverdc hinanSgeschlciidert.^ Tie Telegirien znni vorjährigen Gcwerbktage in l«raz haben ic I«! IT :,n tr. T iälen belomnien.' Et» Herr Siorb. der nicht einmal Schneidkrmeisler ist. habe >o>zar .'s>.,'l. bcloinme», nur deshalb, weil er Antisemit ist. Tagege» werden arme» Mitgliedern Unter' stülningeu vcrweigerr. Zm weitere» Bcrlan'e der Ber'ammMi'g tagte stlcvisor Stäub w a s s er, daß. es bj? Keule v.och nicht '.estgrsiellt rverde» teunie. nue viel der frühere Sevreiär Zeliiuek desraubirl bal T.e Herren ve.'chlendern das Geld, da es nicht auS ihrer Tusche gehe. Ani Antrag de? :l>cvii'ors Maianesr wurde der Wun'ch aiiSge'vrvchen. daß knn'ngbi» die iWi'Mui'tf olme stlüctsichi auf PaeleisteUnng und Eont'eisio» genchn iveidln 'u'llen. .ln der Schneidcrgenoyeilichafl zeitig! die „christliche" Sovialrestn,,, fschrstie Früchte. ' «Gin Futharkcr au der Spille von »iauflcutc».> Beuge Woche hat sich hier ein »euer politischer Berci» jnr staiislenke eanstituiri Al? ^lmian» wurde Baut v. Pacher gewählt, der in seiner Antrittsrede beionte, daß er den Berein im...deutsch nationalen" Sinne führen werde. Wie toinmt Saul unicr die Propheten, ber Fntkarkee u»ler die Xanflenre? jacher ist. wir zur Recht ferttgung des yenen Bereine? angriülirt wird, auch „gelernter stansinan»" »nd derzeitiger. ..Wollwaareniabrikanl". Herr ,tro als eheiiiatiger 'irap'cn'gbrilank dürste cbensatt? zu den Zierden des »engegriinScten >ail'i»äiim''chen Bereine? gehören, welcher wohl auch der „C»beuRrmd'chau" drei Svcnderhesie ' abnehinc» wird. - , - «Schneider »nd Eonsorten iu Lemberg.) ‘"i dK.mu-i Sä>»^-> kündigte in eine:» 'Wiener Anliscinitenvereiiie an, daß er mit zahlreichen "lenr'sena» de,» l'lcweibetage. der am I-' August i» v'cnibe.g z.,iaiii»leu:^il. ibeü-' nchinen iverde. Schneider jubelte 'darüber, daß iliin in der gatrziuben Lande? Hauptstadt ein „glänzender Einmalig ieiienS der breileren Bolksschjchlen" b?r>orstelle, ignorirle cS aber vollständig, daß die votm'che Breüe die Wiener Aniifeniileu eindringlich warnt, sich aller Ansäieeiinngeil;» enlb.alieii nnd an? krürklich betont, daß dieselben keineswegs geduldet ivürden.; ,(«cfyrnint. Eine vom Ehrkstlich U'eialen Berel,l in Floiidsdort ZN Beginn der Woche clnbcrnsene Ber''amullnng wurde, nue die Tageeblliiier berichleil. von sreiat-deinokraiischen Arbeilern gewrengi. tlSin Eliristlich-Socialcr gegen Schönerer, .du einer Werst„»i»>u,ig de: Ehrisilich foeialen Bereine? von La'a tu ist a nbii t >v gab »eiNich ein Wirib schaitsbesiver BUchinger ans Sirene:er' gd./'n Schönerer, der 'dort einige Wochen vorher gei'vrochen haue, die Elk.ärnng ab, dast. die Bevollernng dieses Theile? von Rieteiösterrcich sich nie und mniiner vom Ebristenihnnie abbiingen laste, daß sie aber ebenso entschieden dagegen pro: stste. sich in ihre» pairioti schen «lleiiiblen rceicveir'zn lassen, daß d>c <>!,!>"-„ sich rueest als 'Testetreicher fühlen und nie einer Pailei läesrll'chast leisten ivulde», die tlir Schivergeivichi außerhalb der Staatsgrenzen l» veilegen bemüh' Rach einem Berichte de? Spitzer Weimar'-chen Blättche»?!älli-Pi'.tuvg-: auch :as,Ber'abrcn Bergan >'-? als„vorikeilban > .-» dem Treiben de,'Teui'ch Raiiei'.aien Schönerei'schw Richlling abncchend" belobl. Letztere? g-'lllali ivabl nnl. nin Schönere' zu ärgern. lHrilsbcrg's 'Nachfolger ,1m Wäblbezirke Bruä Leoben caiididir.en die vereinigten Ai,li>emite» üi-. das durch den"Tod 'de? Te'. Heilsberg erledigte ReichSralbsinandai einen tl-uisbesitzer Amon Walz i» 'Wanbeeg. Wenn die liberalen Wähler fi.li leiile lahrlässigkeil zu Schulden komineir lassen, dann fällt dee aniikeiniii'che Eai.didai durch. E? wäre wahrlich eine Schande für den Wahlbczüt, trenn der Rachiolger Heilsberg'? einer a»li!cl»ilischen Fraelion «ngeboren würde. - ' ' lAhlwardl und Förster.> Bon alle» aniisei»ili!ch>'» 'Wanderrednern in Teulschland mache» gegenwärtig Aktivardl und Förster am meisten von sich reden. In Hage» erschien der Errecior in einer Berianmimiig, in ivclch.er der freisinnige 'Schriftsteller Earl Weigl an? Hannover euren Bornag über die politischen und socialen Irrlehren ber Anliirinite» .hielt, imd bc'cheitnzic sich an ber Ti?cnfsio». welche sich an die A»silch«»igr>i des Bornagenden knüpfte. Ter Schriftsteller S chach aus Möln brachte den Ahlwardt'ichen. Bries vom Jahre 1885, der eine entschiedene Berurtheilung des Antiieiniiirmn? entdätl. zur Sprache. Ahtwardl gab eine Aufklärung, die an Tnmmhcil nnd Unver-

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