Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 121 (29.7.1894)
- Date
- 1894-07-29
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 121 fcito a hältnisscn patriotisch und dynastentr überhaupt Verwilderung und Verroht! wenn stillschweigend Ausschreitungen gebulbet werden'? Liegt nicht eine friedliche Zusammenleben in der Ge ruhige Entwicklung im staatlichen fertigt ist cS daher, wenn wir nachd sxu'i'-nlni» in mora! tu .freies Blatt. bleiben; aber muß nicht allenthalben um sich greifen, gegen eine Bevölkerungsclasse ernste Gefahr darin für das ellschast, für die gedeihliche, nShalte? Mehr als gerechtrbcklich und vernehmlich rufen: »ig Hi (i—Z. vftno jübifch=ortl?obbrc Stimme.*) 'Ans den heiligen Büchern habt ihi gelernt, habt eS als jüdische Lehre geschöpft, in allen, allen Menscher, ohne Unterschied der Religion und Abstammung, Gottes Binder zu achten, habt es gelernt, wie dieie GotteSkindschaft an keinerlei erst mit ihnen vorzunehmende sacrameutale Handlung, etwa einen Uebertiitt zum Judenthume geknüpft sei, babt . es gelernt, wie die ewige Seligkeit von jedem Menschen, gleichviel ob Jude oder Richtjude, zu erreichen sei, nur daß vom Ariden die Erfüllung einer noch größerer Reihe von Pflichten verlangt wird als vom Richtjuden. Ihr habt somit aus den Quellen die lieber» zeugung gewonnen, daß das Judenthnm nichts von einer Exklusivität weiß, die etwa den Menschen für verda nmt hielte, so lange er nicht zum Jiideiitbnm übergeireten sei, und 1 er gegenüber die Universalität eines anderen Gedankenkreises einen erh> denen Gegensatz bilden könnte. Und da tretet ibr nun binauS und vernehmet die immer wiederbolten Märchen von dem — „StaurneSgotte der Hebräer", dem „Rationalgotle der Juden" und wie die tausendjährigen Erdichtungen alle beißen, die aus einer Höhe mit dcm Märchen von dem Blute Neben, das wir zu unsere» Dsterkucheu brauchen sollen. Lastet euch kann nicht erbinern durch diese Berung impsung des euch Heiligsten, laste: euclr durch dieie Berleugnung offenkundiger Thalsachen nicht irre marlien in euerer Menschenliebe und in euerer Menschenachtang. Bedauert, die aus Unwistenheit, und verachtet, die wider besteres B.'isteu solches sprechen. Jbr habt ferner in den Ouellen gelernt, wie gerade das Indentbum lehrt, die Pflicht n der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe gegen.alle Menschen zu ni» n, wie der Fremdling, auch der nichiiüdische, unter den ganz besonderen Schutz der Gesetze gestellt in. wie der Arme, die Witwe und Waise, kur; jeder mirthschastlich schwache, ganz be'onders vor jeder Rechtskränknng und Ausbeutung geschützt ist, wie Alles, was Menschenaütlitz trägt, in dem Augenblicke, da es den jüdischen Boden betrat! nicht als lästiger Fremder alisgewieien wurde, sondern im modernen Sinne den Unterstützungswolmsttz sofort erworben batte. Ihr wißt! es — das offene Wort sei ausgesprochen, es ist ja ein Wort des Friedens und der Berständigung und nicht-ein Wort des Kampfes und »er Entzweiung — so gewiß es wahr ist, daß, wenn ein von christlichen Eltern geborener und in der christlichen Religion erzogener Knabe später ein Wucherer oder Betrüger oder mit sonst' einem moralischen Tefecte behafteter Mensch wird, er dies nur wird, nicht weil, soildern obgleich er Ehrist und im Ebrisieinbum erzogen ist, gan; ebenso gewiß ist es wahr, daß wenn ein von jüdischen Eltern geborener ' und im Geiste des Juden tbuiils erzogener Knabe später ein Wucherer oder Betrüger oder mit wüst einem moralischen Teseete behafteter wird, nicht iveil, sondern obgleich er Jute und im Judenthume erlogen ist. Ibr babt^rerner aus den Ouellen gelernt, wie sorgsam, wie ängstlich das jüdische Geietz vor der klebetschützniig des Besitzes warnt und ''einer Vergötterung entgegenarbeitet, t'ast lönnte man sagen von der Wiege bis 'teudig jeder Mehrung des Besitzes zu entsagen, sobald er damit gegen ch erinnere nur an das «he, die zu ihrer Aufrecht- . . . tnng keiner polizeilichen Eontrole b darf und die den gesetzesitf hebere P Nicht verstoßen würde, ch'.nde Beispiel der jüdischen Sabbathr indischen Kaufmann aus ein volle,!?.vn,tagsrube fast aus ein Biertel ■V :;iq verzichten läßt. Ihr . :.i! ’.titem Berdienste den A.!!' Agrarier durch eine ekvn ^t„d:.!!n sei Bestellung des Bolens und der Ernte daran wie der jüdische Mensch, zum Grabe, gewöhnt wird, iebentel, ja im Hinblick der Tage gewinnbringender habt es gelernt, wie der Zehnten auSi'cheidet für den 1 Ihr wißt es ferner, wie auch, nachdem n ir den Besitz eigenen Bodens verloren hatten, die Ahnen die große Reihe glorreicher Jahrhunderte hindurch, Geschlecht nach Geschlecht, alle itdischen Güter freudig Preisgaben und ihr Leben heldenmüthig opfertet, um nur ihrem Gotte die Treue nicht zu brechen. Und wenn ihr tun hinaustretet und höret, wie angeblich gerade auf dem Boden deS Judenthums Ueberschätzung deS Besitzes gehegt und Vergötterung des Geldes gepflegt werde, und wie der „Tanz um das goldene Kalb" der eigentlich jüdische National tanz sei, so lastet euch durch diese Schmäl ung nicht erbittern und in euerer Menschenliebe und Menschenachtung nicht irre machen! Bedauert, die aus Unwistenheit, und verachtet, die arglistig wider besseres Misten solches sprechen. Ihr wißt es: sowie die Juden, die einst diesen Tanz aufführten, gerade von jüdischer H tnd, vom strafenden Arme der Leviten vernichtet wurden, so gab es t »d gibt es auf dem Boden des Judenthums keine Stätte für Vergitterung des Besitzes. Der jüdische wie der christliche Anbeter des Mammons ist so tief gesunken, nicht weil, sondern nur obgleich er Jude oder Christ ist. Der Eine wie der Andere, wurzelte er in Wahrheit im Boden des Juden - thums, im Boden deS ChristenthumS, sie wären Beide gegen jegliche Vergötterung des Besitzes gleichmäßig gefeik. Doch genug. Es ist eine ernste Zeit, in die ihr hinaustretet, und offenen Auges und ruhig festen Sinnes sollt ihr de» Gefahren und Versuchungen entgegengehen. Euch dazu zu! befähigen, das betrachteten wir als unsere Aufgabe. Ein Gutes bringt euch der Ernst der Zeit, er erhöht Werth und Bedeutung jedes Eiiitzelnen. Das Gute freilich, auch die glänzendsten Leistungen deS einzelnen Juden werden der Gesammiheit nicht angerechnet. Durch jede! kleinste Abweichung jedoch, die bei Anderen kaum bemerkt würde, jvird die Gesammtheit der Brüder und das hehre Heiligthum, als dessen Träger er gilt, in den Staub gezogen. Seiet bedacht ein Jeder ejuf die Untadeligkeit seiner Handlungen, auf die Lauterkeit seiner Gesinnung! Haltet hoch die heiligen Bücher, die heiligen Gesetze un» die heiligen Sitten der Ahnen, lernet sie und erfüllet sie! Strome Bluts sind vergaffen worden, sie euch zu erhalten. Versenket euch, soweit euch Gelegenheit geboten wird, in den Geist der Schriften »es größten Erforschers des Jndenthums, dessen Züge euch hier entgeaenleuchten. So werdet ihr bewußte Juden, edle, für alles Humane eitipfängliche, zu jedem £|)fer bereite Menschen werden, werdet auch die Pflicht der Vaterlandsliebe, die Pflicht, wie wir sie bezeichnen, der Treue gegen Kaiser und Reich als eine tiefreligiöse begreifen und freudig erfüllen. Dann werdet ihr in treuer Pflichterfüllung euer höchstes Glück finden und werdet glücklich sein in allem Sonnenschein, glück ich auch im Wolkendüster des Lebens, das Gottes Vaterweisheit keinen! Dann bleibt ihr ewig mit uns verbunden. gesegnet, dann wird auch euer AuSgang gesegnet sein und gesegnet bleiben, immerdar! .An unsere 1*. I. provlii; Sterblichen ganz erspart. Dann war euer Eingang Abonnenten! Zur Bequemlichkeit unserer geehrten Provinz - Abonnenten werde» wir vom l. August d. Z. ab dic fälligen Aboniienienis beträge mittelst Postanftrages beheben lasten. Ditz Administration. (Kein Talent, aber auch kein Charrktcr.) Vor etwa einem Jahre überreichte ein Herr Earl Theodor? zur Abwehr des Antisemitismus eine Bitlsch stützung eines von ihm geplanten journalistisc>en Unternehmens ersuchte bei, der die Herausgabe chrift unter dem Titel: Fokt versprach, den Anti .'ulturzivecke der Förderung der Gesittung, wie zanze Reihe von Gesetzen . iuuislt wntte >UE cs durch die That 't v.tcbt Her:, iuitfna nur Verwalter des Aii'vra.t'f Tn c:cre :.cr Neavcbule der Israelitischen ReligionS- :t".tatt m stravt-uri a M.. Tr. M. Hirichs an die Zöglinge dieser Lehr- :>lt iri.riiM! Kechabrigen TchlußKier. zu bekunden halte, daß Bodens sei, den er besaß. Dem Gesuche lag ein gedruckter Prospekt einer ini Wiener Dialekte gehaltenen Zeit „D'harbe Godl" ankündigte. Carl Theodor semitiSmuS, diese häßlichste Erscheinung des XIX. Jahrhunderts, in energischester Weise zu bekämpfen. Der Vorst md des Vereines sah sich jedoch nicht veranlaßt, den Wünschen des Bittstellers;n willfahren, und gegenwärtig zählt Carl Theodor Fokt;ü den „Hauptmitarbeitern" des Berg'schen „Kikeriki". Hoffentlich wird die Witwe Berg bemüht sein, ihn durch Entgegenkommen dem Antisemitismus zu erhalten, der, solcher Stützen würdig erscheint. . j (Gcnltindcwahlen.) Man schreibt uns! Auch in Oberholla brunn ergaben die Wahlen in allen Wahltörpern einen glänzenden Sieg der fortschrittlichen Partei. Antisemiten und sonstige Reactionäre fahren aber fort,'den Liberalismus in Riederösterreich, welcher freilich an manchen Orten sich nicht regt, für „tobtj zu erklären; sie werden oft dem Wiener Verein ist, worin er lim Unter-