Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 120 (22.7.1894)
- Date
- 1894-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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freies V l a t t. reite UV iftan*,itffa in östlicher Richtung, „der sei»! Freunde und seine Laufbahn vor zwanzig Jahren aufgab, »in sein« Freiheit zu bewahren. Er braucht kein Geld, er versucht auch nichl eines zu erwerben — er verachtet den Reichthun», To lange er fre; ist, das Leben auf seine Üi?eifc zu leben, ist er glücklich. Er wanterl auf der Erde umher, et arbeitet mit seinen Händen. Er ist ganz — ganz — frei. Und er ü't ganz - ganz glücklich und raeifer, mit mehr Würde und Selbstachtung als jeder Mann, den ich übe Haupt je gekannt." ..R'ochmalS, Franziska, waS hat dieser! Rann mit unsznthun?" „Es ist das allgemeine Lös, Mutter, dis ich gesehen und kennen gelernt habe Es in die Freiheit vom Reichthum, was ich beneiden gelernt habe. Mutter, wie entstand es, dies unser grosses Vermöge»?" ,.Es ward erworben — was kümmert :ü dich, Kind, wie es erworben wurde? Ein Mann hat es erworben, und zuin mindesten Ulrich." „Fruber pflegte ich zu glauben, daß ruser Reichthum von einer langen Reibe edler Vorfahren, von Maurern stammte: nun weiß ich, daß das. nicht sein konnte. Wie ward unser Vermögen erworben, Mutter?* „Mein Großvater erwarb es, Franzis! a. Er gewann es durch Eoniraeie silr Verköstigung der, britischen Armee im Peninsularkriege. Run weißtdu so viel, als ich. Du kannst auch zugleich erfahren, obwohl diese Keuntniß dich um nichts glückliche machen wird — Kenntnis e tbint das nie, glaube ich — daß er cir st-lf-made man war und mir nichts begann. Es gibt nichts Edlett bei deinen Borfahren, wenigstens von meiner Leite. Bon deines Eaters Teste — ja. Tie waren vor der Revolution spanische Edellcnte welche ihre Titel nieder - legten. als sie keinen weiteren Grund mehr 1 iattcn, ihren Glauben zu verbergen " ' „ .. „Er war also ein Lieferant, dieser reiche .^Ullser-Reichthum aufgebaut aus Teichfleisch wi^ ihn verloren — ja — wir haben ihn Urgroßvater. To ward und Mehl. Run habe» verloren. Kannst du es bedauern, Mutter?“ „Bedauern, Kind? Bist du verrückt? Bedauert man den Berluft von-Macht. Autorität, Achtung?" „Fa, ja: aber ohne Geld wirst du ebensoriel Rücksicht und Achtung iinden. Tein Werk bleibt, du hast das ein: ige große Buch über die gegenwärtige Ttellung der Frau geschrieben, aus diesem Gebiet, was immer auch geschehen hättest dieses Buch ebenso gut auch ohne so vn l Geld schreiben können." „Tn verstehst nichts, Franziska." t, Ich weiß sehr wenig, es ist wahr Aber Tn hättest mich bei dir in deinem Harem bchalten sollen. Aber du ließest mich hinaus, und ich habe viele Tinge e rfnhren. Mutter, warum ließest du mich glauben, daß wir Mauren fern?" „Es hatte einen Grund, meine Liebe. ES war um deinetwillen, Franziska. Fch wollte, daß du ohne den Aberglauben und die' Bor urtheile der Inden anfangest. Fch wollte dich „Fa, ich war frei. Aber wenn Freiheit Alschließung von der Welt bedeutet o Mutter! glaube mir, ich wert greife, warum du eS thatest. Aber ich Hab : die Wahrheit erfahren, jenem großen und unergangenheit gehabt und und ich freue mich darob. Fch bin eine vor sterblichen Ttamm, der eine so wunderbare 2 eine so wunderbare Ankunft haben wird " „sonderbar," sagte ihre Mutter. „Und ich habe mich so sehr beiliüht, zu verhindern, daß du die Wahrheit ei fahrest. Ja, Kind, du bist eine Jüdin. Tein Urgroßvater, der das tanze Bermögen erwarb, war im Ghetto von Benedig geboren, aber er lationen hindurch waren die Elvedas eine edle v.-leim ihren alten Glauben ausübend. Und .-ndin.zu sein Tonderbar! Rach ihrem Gesetz on Baters Teite bist du noch mehr Tpanserin, denn viele Genespanische Familie, insso freust du dich, eine gehorcht die Frau dem und ist ihm unterihan. Und du freiü dich, eine Füdin zu ich freue mich. Fch bin frei, zu arb iten und zu leben, wie nicht länger am Hotel beobachten!" eiten und leben, lind ich werde d-".i vorüberziehenden Tchein VI: m : nt Ei ich lassen, Franzi cka? O Kind!" Ter fiel; mit Thräueu. „!i!u willst deine Mutter ich .1welche sie gelebt Tu bist eine Autorität möge. Fch glaube, du ich habe etwas gelernt. frei haben." dir nichts vor, ich bewar spanischer Abkitnst. hat?" an ivär Rat;. M..:: . ich muß Ich bei fe, daß du und deine nusc U:;-.r,r:t-:n von Anfang an. Tu sagst, die Frau ist dem :uic c!ne:n. nein Tie Ratnr niachte ihn stärker, größer >''eüt und s?er: Er tlntt Manches, was ein Weib nicht imstande T.is Weib uelit unter dein Manne. 2'iein neuer Lehrer sagt, st das liefet? Gottes. -Er ,'oll herrschen üler dich! Fa, es ist ein Nigtt'eiz Tu rerwir'st die Unterwerfung der Frau unter den Nr. 120. Mann, den sie liebt. Doch auf der ganzen (erbe, überall, in jedem Lande und in jedem Zeitalter bringen die Fram n liebevoll und glücklich Unterwerfung und Gehorsam den Männern tntgegeu, die sie lieben. Warum nicht? Es ist ein Theil der Liebe, verstanden, wie ihr Gehorsam Ordnung und bringt. Jetzt habe ich'S gesehen, und ich weiß, die Weiber sind den Männern nicht gleich. Laßt unS aufhören, gegei^ die Gesetze der 'Natur zu kämpfen." „Du gleichst beinern Bater ganz sonderbar Aehnlichkeit noch nie so stark gefunden. Du schaust wie er." DieS, hätte Madame es gern» wahrscheinliches Ergebniß nach einem sechöwoche i ,Als ich in dies Haus zurückkehrte," fuhr Ich habe bis nun nicht Glück -in ihr Leben was eS bedeutet. O! Kind. Ich habe die sprichst wie er und du aßt, war ein nicht un alangen Beisammensein. Franziska fort, nichts verheimlichend, „war mir'S, als träte ich in des» Tempel eines falschen liier gesehen, hier gehört einer Religion, welche nicht wirkliche Frauen, der -Bertheidigung der nichts wußte von der sie waren Marionetten, von welchen ich selbst geändert. Mutter, ich das so voll ist von Gottes. Ich erinnerte mich der Dinge, die ich und hier gesprochen hatte. Es ist der Tempel die Humanität verbannt. Die Prediger sind sie müsien vorerst ihre Natur zerstören, ehe sie diese Tinge predigen und lehren können." „Du bist in der That sehr freimüthig." „Ich möchte, daß du genau verstehst, waS ^ch meine, Mutter. Du wolltest, ich solle michmit dir vereinige» in Unwirklichkeit. Ja, ich wollte auch, weil ich Welt. Männer und Frauen und all ihr Thun, lind ich sollte Marionetten Doctrinen predigen, nicht ein Wort begriff. Aber das hat sich AlleS bin froh, daß du dieses große Haus verläßt, schrecklichen Erinnerungen und falschen Gedanken. Ich könnte me mehr daher znrückkommen. Ter Ort bedrückt mich schwer." „Franziska, du bist freimüthig bis zur Gn usamkeit." „Vergib mir, Mutter. Ich wollte dir nickt wehe thnn, aber ich muß dir die Wahrheit sagen. Und was die Unterwerfung und den Gehorsam betrifft, will ich dir auch zeigen, nie ich mich verändert, habe. Es gibt zwei Männer, zwei, einem vo t ihnen zu gehorchen, beiden, wäre eine unbeschreibliche Freude und Glückseligkeit." Tie Mutter hörte, aber sie fragte nicht, wir die Beiden seien. „Der eine der Beiden ist ein Mann, deffen Tochter ich sein möchte, ein weiser und gutsr Mann, der Mann, der übei sinnt: der andere ist der Mann, den ich aus wies. Aber nun weiß ich's, ich weiß es sehr meines Lebens wäre." „Kind! Tage nichts »veiter. Es ist genug. Alle meiue Lehren sind verscheucht worden.. Vielleicht wäre es gütiger ge vesen, wenn man mir ich mich wenigstens zum Wirf von ist mein Leben. . Du *"■' ich habe dich zu de» früheren Verlust verborgen hätte, bis Theil in den letzteren ergeben hätte —" „Rein, Mutter, nein! Du hast mich nichit verloren dir, mit dem entsetzlichen Gelde, die hoffnungSlcse Tache!" Tie Mutter seufzte. „Tu verstehst das nicht," sagte sie. „Es gibst mich auf, sobald du die Lache aufgibst, meiner 'Nachfolgerin erzogen. Alles, was du lerntest, jedes Buch, das du lasest, Franziska, war von mir ausgewühlt jür diesen Zweck. Ich hielt dich abseits von anderen Mädchen. Ich gej:attctc dir keine Tpiel genossinnen oder Freundinnen, auf daß du keine anderen Ideen ein saugen solltest als jene, die mir Wißten. Du wnrst nahezu achtzehn, ehe ich einwilligte, daß du unter andere Mädhen kämest, nüd du warst damals fest in den Ansichten, die ich bei fest, daß ich mich für dich nicht fürchtete. Doch, nachdem du den Prüfstein von Rewnahm und deffen widerstreitenden Gedanken überstanden hattest, als du schon bei einundzwanzig Alter, wo du schon hättest befestigt sein sollen da läßt du plötzlich Alles das im Ttiche, wa> gehalten, und betest an, was du einst belacht, ich, als wir zuletzt über diese Tinge sprachen: Recht, enttäuscht zu sein'?" „Ja, Mutter, du hast es. Doch, zu gleicher Zeit habe ich nicht ei» Recht auf die ^Freiheit des Gedankens? Es ist änderung. Tie begann, als ich Harold fortschickte, und nachher sann und zu verstehen versuchte, was die Liebe wo>l bedeutet, und ich fand, daß trotz meiner schönen Worte mich nicht i so glücklich gemacht hätte als Unterwerfung, vollständige Uuterwersting, seinen Willen. Was blieb dann noch von der die Lüfte geblasen. Run, Mutter, laß uns sprechen. Was gedenkst du zu thun?" „Ich werde die Arbeit ineinöS Lebens fortsetzen," erwiderte Madame Elveda kalt, „so lange mein Leben währt. Aper wir mehr darüber sprechen. Laß uns unsere Zukunft die Erde wandert und deinen Befehl zurückgut, was das Glück angelangt warst, ein in deinen Ansichten, du einst für heilig' Franziska, was sagte Habe ich nicht ein Mutter, unter Tache. Tie war in >on anderen Dingen können nicht betrachten. Ich weiß