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Freies Blatt · 1894-07-22 · 120 (22.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
120 (22.7.1894)
Date
1894-07-22
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Nr. IS». Freies 531 a 11. 5cifo Ist Jehova eine Größe, Strenge, Fnrchlbarkeil, Ist Jehova eine Liebe, Freude und Zartheit, Zst Jehova der Anfang, das Ende, die Hoffnung, Allinächtigleitk Dies plötzlich zu erfasse», glück,ekig ivird der Geist, Daß beides er begreifen, leutselig deute» weist. Geboren ivurde Schaminai, der Andere Hillcl heißt! Die Hnrpövevin. Noinan »ach dem Englischen deS Waller Belanl von Marie Major. XXXIV ÖOllHllll.,.; „Einsam, licbclccr, frcnndclos!" Madame Elvcda fas; allein. Es mar im Monat Anglist, wo Alles außerhalb der Stadt ist und die Arbeit stille steht, selbst die Arbeit für die Emaneipation der Franc». Ls gab keine Briefe und leine Besuche, und ihr Vermöge» war dahin. Sic sollte ihr großes Hans mit einem niedrigen vcrtanschcn, und eS schien auch, als ob alle ihre Freunde abgezogen wären. „Einsam, licbclccr, frcundelos!" Wenn man mächtig, reich und emsig ist, da fülstt man die Einsamkeit deS Lebens nicht. Wenn, aber Arbeit und Frcnndc und Reich-- thnm verschwinden, da sängt man a», sic zu fühlen. Madame Elveda saß allein i» dem großen Hause. Sic war allein den ganzen Tag und den ganzen Abend. Tie Stille im Hanse bedrückte sie schwer, und die Worte ihres Gatte» begannen an ihre Thren z» klingen wie eine (»»locke, die für eine scheidende Seele geläutet wird. „Einsam, licbcleer, frcnndclos!" „Meikah," sagte sie, „warum sollte sich Franziska verändern? WaS meintest du damit, da du sagtest, Franziska würde sich öcrändern?“ „Sie lebt unter Weibern, welche lieben. Jene, welche lieben, ge liorchcn ihren Gatten. Man lehrt .sic ein Ting, und sic lernt damit ein anderes. Franziska ist wie ihr Vater." „Ihr Pater wollte befehlen, nicht gehorchen." - Melkah schültcltd denKopf. Sic wußte,..was sic meinte. Eine Abends, als sic diese Tinge wieder besprachen, kehrte Franziska zurück. Sie stand vor ihrer Mutter, und diese iah ihr neugierig und ängstlich ins Gesicht. Ja, das Mädchen war verändert. Ihr Gesicht war perändert, es war erfüllt von »cucn Gedanken, nnd die inttltcpliche Eingebung sagte ihr auch, von welchen. Tic Mutter seufzte und wandte sich ab. „Tu sichst bekümmert aus, Mutter. Ist etwas vorgcfallcn?" „Ja, meine Liebe, viel ist vorgcfallen. Eine sehr wichtige Per ändcrung hat sich an mir vollzogen." „Mutter!" rief Franziska heftig, „eine Peränderung in deinen Meinungen?" „'Nicht in meinen Meinungen, Franziska," erwiderte sic kalt. „Sie bleiben dieselben. Aber die Pcrändcrung wird meine Macht, denselben zu entsprechen, sehr bedeutend abschwächen. Tn wirst sogleich begreife», daß, wenn du mir früher eine Hilfe sein konntest, wo ich jede Art von Beistand hatte, die der Rcichthum verschaffen kann, du mir nun zehnmal so nützlich sein kannst." „Wo dn hattest? Aber, liebe Mutter, hast hi nicht noch, ist irßcnd ein Unglück —" „Höre, waS geschehen ist. Por einem Monat war ich oder glaubte ich, die Besitzerin cincS großen Pcrmögens zn sein. Mein Vermögen von Millionen war hauptsächlich i» französischen Aclien nnd Hypotheken angelegt. Wir konnte» auch nicht, selbst wenn wir cs versuchten, ein Fünftel unseres Einkommens ausgcben. Ter "lieft wurde wieder verzinst, wir ich dachte. Beiläufig scchzigtanscnd Pfund erspartes Geld wurden alljährlich investirt. Ich führte eine sehr sorglose Perrcchnung, denn ich hatte eine» Agenten, welchem ich vollkommen vertraute. Ich wußte, was mit meinem Gcldc geschah, und ich behielt für mich daS alleinige Recht, incinc Papiere zu verkaufen oder umzutauschcn. Nichts konnte ohne incinc Unterschrift gcichchcn. Tas gab mir vollständige Sorglosigkeit. Tnrch diese Eapitalszuschläge und Zinsen wäre mein ursprüngliches Pcrmögcn während dieser zwanzig Jahre um eine weitere Million gewachsen — cs wäre.“ „C!“ Franziska erfaßte ihre Hände. „Wir habe» wirklich unser Pcrmögcn verloren? C, die Porschnng! Ich wollte dir sagen, Mutter, daß ich mein Vermögen hingcbcn oder nies» Erbrecht nnd mich dem Volke anschließcn wollte, daS gar kein Geld hat." „Wie wolltest du leben?" Tic Stimme ihrer Mutter zeigte keine Ucbcrcinstinimung mit diesem Borschlagc. „Ich würde NellyS Mnfiknnlerrichl fortieve». T, es würde sehr gnt gehen." „Warum wolltest dn dein Vermögen anigebc»? Mil Geld, Siind, kannst du die Welt stürmen. 'Thne dasselbe kannst dn niclits thnn." Franziska schüttelte ihre» Bop.f „Tie einzige wahre Macht, die ein Mann oder eine Frau über andere haben tan», ist nur -.durch Beispiel oder Lehre. Eine Fra», welche ein besseres -Leben führt, vermag mehr als hundert Andere, welche ein niedrigeres L>1>cu führen." „Tu sprichst wie — wie hin Paicr, .»lind. Er war ein Träumer, 'aber von de» Träumen kommt nichts 'Gutes." „Nun, da a das Vermögen verloren ist, dürfen wir nicht langer träumen. Wir u-.nmi Handeln. Es war erst vorgcüern, daß Mr. Han ling .— Lord H.r»ling richtiger getagt — feierlich betete, daß-alt iizcine Reichlhümer von mir genommen werden tollten.. Eo ist.wie eine Aut wort a»f sein Gebet. Wir habe» kein OV-lh C,"einen Monat früher wäre mir’s gewesen wie-der Eigalc im’ Winter. M.iii ''Mh Tie - arme, schauernde, nackte Eigale! Und nun bi» id) wie der Pilger-, der scinc Last von sich warf und siineS Weges zog, fröhlich »rra lerchien Herze»-'." „Tn freust dich,. Franziska? T» freust diät, daß :ä> nr.i» Vermöge» cingcbüßt habe nnd damit »reine Srellnng und. »rein: Beacht? Was lndeutet das?" J - „C, Bknllcr, wenn deine Ttcllung nnd deine Beacht nrir von dciiicru Perniögcn abhänge», was find ne dann? -Bein, deine Bracht wird bleiben, wenn>iie würdig rst. zn bleiben. Wa-- wärest du ae-.ö.-ieu, hättest du nie ei» Vermögen berefseri? ' , „Jetzt, ist keine Zeit für Bcirachtnngen Laß mich soriß-tzen. Ich . Hörle von diesenr Urntchlagc vor drei Wochen Hatte, ich gewußt, daß du dich der Armnih srencri würdest, darr» hätte tch d.rr’s geiagl: doch fürchtete ich, dich zu-betrüben. Ich ^wollte, daß du une.estöri sprifabr u . sotltcst, das Problem, das dich beschäftigt)', feiner Pollendring zu zuführen. Nun denke ich auch, ist es das Beste, dir ans eirunal Alles zn sagen, wo dn Über »rein Unglück entzückt zn lern scheinst'." - „'.»rein, Mütter, nicht über d in Unglück Es war arn besten, mir's zu ragen. Mniter. idf begriff bis zu dic'er» Augenblicke nie,’ welch entsetzliches Ting das (»seid für uns alle bislang gewesen'. Brensche» beten um (seid, sie träriineri von Geld,' sie lönnen nie zn viel (selb haben nnd schau, es hat mich. zn dem gemacht, was ich bin — kciy Weib — ein künstliches Geschöpf, ein unwirkliches Geschöpi, wie ein Weib gekleidet," durnnics Zeug redend über »nd '— und — Mutter, ich kann'S nicht sagen." „Wenn dn mir früher hättest helfen, können, Franziska," . fuhr ihre Mutter fort, ihrem eigenen Gcdanlcngang folgend', „»o kannst d» . mir jetzt zehnmal soviel helfe». Wir werden in einer Baracke wohnen, wir müsse» unsere Tiners und Soir-’-en ausgcben, wir miiin-ii Spar tamkeit liden bei kleinen Tinge», thatiächlich, ich kan» nicht mehr die Führerin rein, die ich mar. Es bleibt dir Vorbehalten, eine Führerin in ariderer Form zu sein. Tu -wirst schreiben, dn wirst svrcckicn. C, öliird, du kennst deinen eigenen 'Verstand iiicht. Tn kannst Alles , ihn», was du willst. T» wirst die Sache weiter führe», Franziska"! Zum crstenmalc in ihrem Leben beincrltc Franziska in der Stinnne ,ihrer Mntlcr einen Anslug"von Schwäche,^ eine Mahnung um Hilfe. Franziska war's, als sänke ihr das Herz hinab, aber ach, sie konnte l ihrer Mutter von keinem Nutzen mehr sein. Sie halle mit deren Sache! nichts mehr zn thnn.? „Ich habe die .iiennlnist’e, Franziska. Ich baue den Bieichilinm! nun habe ich kein Geld. mehr ich, die für einen t'o unermeßlichen i Schatz geboren wurde: aber du, meine Liebe,-, mit der Beredsamkeit j von Schönheit nnd Bildung - dn kannst mein Wist'c» gebrauchen; wie einen Brunnen, daraus man schöpft, und du wirst Alle leiten und lenken, Franziska, was’meinst du? Warum siehst du mich so an?"! „Es gibt einen Mem», Mutter, er wohnt in unserer Nähe —!' dort oben -- der auch für. ein großes Vermögen nnd eine hohe s Stellung geboren war. 'Vor Langem, vor mehr .als zwanzig Jahre», j gab er Alles aus und ging fori, ein gemeiner Arbeiter zu..werden, i Er -rvard ein Seemann vor dem Maste. Er wünschte sich das all gemeine Los. Er heiratete ein Mädchen auö seinem rsengewüliltkn Stande — daS muß das Härteste von Allem gewesen sein, er erfreut sich seither des allgemeine» Loses. Sei» Weib ivurde eine Sauseri», sein Sohn ist ein schalhirnigcr Narr,' er hat wenig von dem, was er predigt - ivenn überhaupt etwas - - vorwärts gebracht Genug Menschen - würden sagen, daß sein Lebe» ein verfehltes, war. 'Aber er denkt nicht so. Ihm ward das allgemeine Los zulhcst, er würde nichts ändern, sollte er auch Alles noch einmal erleben, Leiden und hart-, Arbeit und Enttäuschung — aber das allgemeine Los zu kheile», sagte er, ist das Beste, daS einem Brenschen widcr'ahreir-kan»'" „Was ist dieser Mann für uns, Franziska?"! „Ta ist »och ein anderer Mann dorr drüben," wieder deutete

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