Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 120 (22.7.1894)
- Date
- 1894-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4886575-5439163-5441539--1405-4887861- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 120. freies Blatt. 5cito Jl. nicht, waS du wirklich beabsichtigst. In.dem Häuschen, daS ich beziehen! will, wird ein Zimmer für dich sein, Franziska, wenn im es benützen > willst. Vielleicht ziehst du das allgemeine LoS mit deinen neuen Freunden vor. Wenn jene Juden kein Geld brauchen, so muß eine höchst bemcrkenSwerthe Veränderung mit unserem Volke vorgegangcn sein. Vielleicht wirst du bei Zeiten entdecken, daß daS allgemeine Los nicht ganz so beneidenswcrth ist als daS Los, welches weniger allgemein ist, von Neichthnm und Bildung und guten Sitten und Selbstachtung. Vis dahin wollen wir nicht mehr darüber sprechen. Bis dahin werden unsere Lebensläufe, die bisher vereinigt mit einander geflossen, getrennt sein. Lebe wohl, Franziska." Sic gab ihrer Tochter den kältesten aller Küste und wandte sich zu ihrem Sludirtischc und den Schriften. Lange saß sie nachdenklich dort. Tann nahm sie ein Papier und schriet einen' Brief, er lautete wie folgt: „Lieber Harold! Sie werden sehr betrübt sein, außer Sie haben auch die neuen Ideen aufgenomnien, welche Franziska nun besitzt, zu erfahren, daß ich beinahe um mein ganzes Vermögen beraubt worden bin. Es bleibt mir gerade genug, um noch.mit einem gewistcn Maße von Wohlbehagen leben zu können. Franziska, nun weit entfernt, eine große Erbin zu sein, wird von mir eine sehr kleine Summe Geldes erben. Als Sic vor zwei Monaten zu mir kamen, da sagte ich Ihnen, daß die Antwort in Franziskas Händen liege DaS war bestimmt wahr. Ich hatte sic schdn so weit beeinflußt, daß ich im Vorhistti» wußte, wie die Antwort lauten würde. Ich fragte damals nicht wie weit sie ihr Her; befragt hatte. Es war genug für mich, daß meine Tachter frei blieb, um mir bei meiner Sache zu helfen. Sic wird mir nie bei dieser Arbeit helfen. Sie hatte die. Sache verleugnet, sie hat, ich weiß nicht wie, Meinungen aufgenomnien, gerade entgegengesetzt den mcinigen. Es ' ist. eine neue Franziska. Sollten Sie sich bewogen fühlen, ihre Frage dieser neuen Franziska wieder zu stellen, so würden Sic vielleicht, ich weiß nicht, eine andere Antwort erhalten. Ich hoffte, daß sich Franziska als er haben über die Schwäche ihres Geschlechtes erweisen und niemals heiraten würde. Ta -aber diese Hoffnung augenscheinlich zertrümmert ist, so würde ich sie keinem Anderen lieber geben, ob reich oder arm, als Ihnen. Ich muß Ihnen erklären, daß ich mich vor zwanzig Jahre», als ich mich von meinem Volke lossagte, dafür entschied, daß mein Kind nie, sofern ich cS verhindern konnte, misten sollte, daß fix von jüdischer Äbstanimnng sei, darum sagte ich ihr, daß wir spanische Mauren seien. Tiefe Täuschung ward ohne Harm beabsichtigt. Sie mag sich als unglücklich erwiesen haben, wenn Franziska der Kcnntniß der Täuschung oder der Wahrheit verdächtigt. wird. Ihre zugethane Freundin Nicht jede Fra» kann ihre höhere Statur entfalten ohne Liebe. Später wird sic die Dinge sehen, ivie sie wirklich sind." Mclkah schüttelte ihren Kopf. „TaS Mädchen sollte Eva heiße», >>e i|t ganz Weib und Mnltcr. Sie denkt incht »rehr an Ihr? Sache. Sie ist'ein Weib, daö sich zu den Weibe»» gesellt hat. Sie ist bereit zu gehorche» wie alle Ucbrigen, sie ist eine von uns. ich sehe ihr'» am Gesichte an. Sie hat aus irgend eine.An das «besetz iLottes hcrauSgcsnnden." Madame Elveda wandte, shr (Besicht ab, gleichsäm als Antwort, cs war ein hohles, verstörtes (Besicht. Mclkah fanl zurück auf de» Kamiiiteppich und duckte sich stille. So that sie's jede» Nachmittag, eines Spruches ihrer Herrin und der Shceiane harrend. Tiefen Pack,' mittag ward nichts weiter gesprochen. Mellah schlief ein," ivic'ü > ei! alten Leute» häufig vorkömmt. Als sie zwei Stunde» später erwachte, [ saß ihre Herrin.noch immer.da, ins Leere starrend, blaß, mit hohle» Augen. Ter Thcc war unberührt geblieben. Mclkah setzte sich rasch; auf, plötzlich kam ihr die Ahnung großen Unglückes, i. „Was macht Sic so bekümmert V" fragte sie.! „Mclkah, du bist bei mir, seit ich ein Bad» gewesen,' zweinnd I vierzig Jahre lang hast du in ch nicht verlassen Willst du mid, »n» Verlusten'?" „Warum sollte ich Sie verlassen'? Ich bin ei», altes Weib, meine'' Brüder sind tobt, Sic werden mir die Angeu schließen und mich unter incincm Volke begraben. Warum sprechen Sic vom Verlassen?" „Ich habe mcin Geld verloren, Mclkah. Es ist so viel übrig geblieben, daß ich und du leben können. Aber ich bin nun eine arme Frau und war'einst so reich, so sehr, sehr reich, daß mich alle Welt beneidete. Ich war so reich, daß ich cS mit" gewähren konnle, »reine Liebe und den Mann, de» ich lielnx, von mir zu werfen und das Geld gering zu achten, das mich reich gemacht hatte, nun stt dies dahin und — und meine Tachter, die hat mid, auch verlaßen. ist mir nichts übrig als du, Mclkah. Was sagte Emanncl'? Einsam, freundeloS, licbcleer! Tn allein bist -mir »och geblieben von all incincul Bcsitzthuin. -Mclkah." „Nein, daS Kind hat Sie nur für einige Zeit verlassen. Sie wird zurückkehren." „Vielleicht. Ich' bin heute schwächer, als ich cs noch jemals in meinem ganzen Leben gewesen. Vielleicht, Mclkah, hat Franzista Reckt. Bester das allgcineine Los leiden mit den Uebrigen, als abseits stehe» und gegen daS allgemeine Los Mkäinpfen. Doch »ein, nein, nein!" Sic sprang auf und stand da iiiit geballten Händen und hartem Blick. „Rein! Wenn ich Alles -noch 'einmal dnrchniarhcn müßte, ich würde doch wieder geradeso handeln. Ich will teincin Manne gehorchen!" . iScklns: folgt.r. Jsabclla Elveda." Sic faltetctc den Brief und steckte denselben in ein Eonvett. Tann verfiel sie wieder in Nachdenken. Ihre Tochter dahin, ihr Vcr mögen dahin, die Freunde des ReichthumS fort. „Einsam, freundeloS, licbcleer!" Um fünf Uhr brachte ihr^Melkah in gewohnter Weise "eine Taste Thce. „Sahst du sic, Mclkah'? Sprachst du mit ihr?" „Sie ist verändert. Ich sagte, sie würde verändert sein. Ich sah ihr die Veränderung schon am Gesichte und an den Augen an. Sie liegt auch in ihrer Stimme. Sie hat ihre Träumereien von sich geworfen, sic ist ein anderes Mädchen geworden." „Ich denke, eS wäre ihr bester, wenn sic heiraten würde, Mclkah. Briefkasten. A R, III.: 'Jüitiirlidi. Er . ist eine Impertinenz. wenn sich io. ein )■ Seriblcr beranSiummt, Josef Hiirtlats 0>e'in„>liigsgc,wssr„ zu udamuni. „(?IU Tallllltdjnür": Sie baden nur zn >ehr Kechi. „Tobrao bat >,Inner gesündigt, und Sigud, der Anzeiger, ivnrde barl bcstran " ,ln M.-unt Sinne habe» wir auch die Sache erörtert. Ungar, Piihinamisdors. Am d. M.hone« wir: an Set und Stelle Näheres besprechen zu könne». G. L., Saaz. War die Gilipve llnternebiniibgSliistiger. an deren Spitze nominell der Adminisl-alionrbeanile Fo'es S n-e I i. Bender der Aiitinr. lri;) Friedrich Sneli, stet», eigentlicki beabsichtigt, diirtle sich bald zeigen. Aull, dar von Ihnen citirte Antiieinitenblatt icheuü da,im Fui'lercn hcrninzniapven. S. u., Klagenfnrt. Steter Aufsatz war ickr» in eineiii Wiener Nadanblalte enthalten und wir haben eine bezeichnende Stelle deelltben beivoigelwdeii. UnlründigunlN'n des „Freien Blattes". , Inserate »verden angenommen, sowohl i» »nicrer Adniiniltration, alr auch im Aniionee» Bu>-.>:> 211. Jluhee. * SIEGEL*" IGN AZHIcH MV lEN S5.?i'3tsl'stck'ssss 2 b.' A>» Uriiucll. -HZF- Wortctii'tlivtft füv llJorUUuitde -k^- dciaueaeqcben von * Dr. Friedrich H. Srauk. Tirsr geitichrifi dri»i,I in jedem Bande dei «NU i7r>aiualdkr>chte Uder Lille». Brauche, tylaude». «ageii, Btarchcu, «vrllchr. Räldsrl. BoNamcdiriu u. j. w. der verichiedeiislen BiNkcr der Wett. Mehr al» achljia Bolkiorschrr ardene» au dieirr geilschriil mit. t—r DczugprciK ganziährig 5 Hronen. ■ ■ - — TporTafl r>ott <6. ftromrr i*t Hamburg. - „Anfklärnng". Herein;ur ller.brcitumji geschichtlicher Üilduug. Jahresbeitrag ü. Ul. fl. 1.—. Beitritts - (Erkliral}» limmt mlizege g. D. Zenker I. ICrugeratrasBe IT*. Sm\] l’itfdjßurr i'iimffciuctor. cmvficblt mit. »uc AdhaNuu, van lau» Ilud seurer! Muut. Adren'e >>I dr ciduliniilraliou.