Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 119 (15.7.1894)
- Date
- 1894-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 119-, freies mandrite» vom Schlage Zurkan's aus der Bukowina, sowie die Herren Ratiu und Lncaci» aus Siebenbürgen iheilnehmen würden. <Drri volkliche Attlisemitenrrdrn) Anläßlich des ErvberungSzuge«, den Schönexir , nach. Jiudenburg uineniahn^ machte sich auch einer seiner dienstbaren Geister, Kernrcuter, durch eine kriegerische Ansprache bemerkbare Gr wendele sich gegen die „semitischen" Social-Demokraten und pries als Gc- ,'cllschaflSresormer BiSmarrl, Kaiser Wilhelm X. und — hört! hört! — Herr» schönerer. Kernreuter wiederholte die schon so oft widerlegte Lüge, wonach die bilden arbeitsscheu wäre», und ■ obwohl er da denselben Ton anschlug, in welchem sich in Kärnten fast gleichzeitig Herr Peit Prettner gefalle» hatte, zog er gegen die „Schlaumeiereien" Derer um Stcinwender los. Wenn Jemand daraus Anspruch hat, als „Schlaumeier" bezeichnet zu werden, so ist er ein anderer dienstbarer Geist Schönerer'«, der ewige Kandidat Pach er, "der sich abmuht, da» durch den Tod des Dr. Prix erledigte Landtagsmandat auf der Wieden zu erlangen. Sonst thut diese Sorte Antisemiten sehr protzig und dankt täglich Wodan dafür, daß sie nicht so ist, wie andere, angeblich niedriger orgauisirle antisemitische Erealure». Jetzt aber braucht Pacher, um auch nur anständig durchznsalle», die Stimme» der Christlich-sociale», tichechischcr Rück ichrittlcr rc. und so proclamirlc er denn in einer Äntiscinilenversammlung eine Coalilwn aller „Arier" gegen den „von Tag zu Tag unausstchlichkr werdenden Druck des Hcbrücrihums"^ Herr Pacher war auch so vorsichtig, sich gegen etwaige Vorwürfe Bergani's von vornchkrei» dadurch sicherznstelle», daß er tagte, cr könne nicht verspreche», daß, wenn er in den Landtag käme, sich dieses oder lenes ändern irrsirde. Wie bescheiden und — schlau! (Tic Hilfe Beelzebubs-) Man schreibt uns: In Hai »bürg, wohin Wiener Antisemiten letzten Sonntag eine» Ausflug machten, zögen sie gegen tic „furchtbare Schädlichkeit" fremder Elemente und „verjudeter" Social Dcmolrateu los- Wir hätten von dieser SonniagSarbeit, die in einer sonst zu Thealerzivecken verwendeten Räumlichkeit verrichlet wurde, gar keine Notiz genommen, wen» nicht von antisemilischcr Seile die Behauptung aufgesteüt tvorden wäre, daß die Wiener Gäste angesichts der „iininer höher steigenden social demokratische» Brandung" auch den Hainbnrger Liberalen willkominen gewesen wäre». Wir glaube» nicht, daß irgend »in-Liberaler sich der Social- Tetnokralen durch die Hilfe von Antisemiten erwehren will, auf deren geistige Wahlverwandtschaft mit den Anarchisten viele Anzeichen Hinweisen; den Teufel durch Beelzebub auStreiben zu lassen — wäre ja ein lächerliches Beginnen, dessen wir die Hainbnrger Liberalen nicht für fähig halle»- —u. (lSine neue Gründung Böckel s.) Im „Rcichihcrold" gibt Böckel bekannt, daß anläßlich feiner jüngsten Anwesenheit in Berlin ii» engeren Kreise von Genoffc» beschlossen wurde, einen „Deutschen Trutz- und Schutzbund" ins Leben z» rufe», der wesentlich wir Ihschasl liehen Interesse» dienen loll- Böckel braucht Geld und ist ein unermüdlicher Projectemachcr. (Dik Antisciniten »nd das allgeineink dcutschc Tnrnscsl) Die Ami stmite» vlanen, das in der zweiten Hälfte des Juli in BrcSlau staiiiindende allgemeine deutsche Turnfest für ihre RadauJntercsse» nutzbar zn ntachen. Ans einem vertraulichen Rundschreiben an alle-anliiemiiischen Vereine Deutschlands ergibt sich, daß an etnein geeigneten -restlage eine große Versammlung aller Turner einberufen werden soll, in welcher Abgeordneter Zi in in c rin an n darauf hinweisen.wird, daß die Turnerfchast nicht »nr die körperliche Ausbildung ihxer Mitglieder zn pflegen, sondern auch vor Allem die Verpflichtung habe, ein Hort echt deutsch nationale» Empfinde»«, ein -Hort deutscher Art und dem scher Sitte (Vorbilder: Lcnß, Böckel, Ahlwardt, Plack Podgorsli, Schweinhagen, Breilwijch, Gelder rc.) zn sein. Ta daS geplante Untcrnehinen große Kosten verursacht, so werden gleichzeitig die anliscmitischcn Vereine um entsprechende „geldliche Unterstützung" ersucht- <Gill Auditorium von siebe» Jüiigliiigcn i- -Koch Hiils <Regierungs bezirk Tüsselbors) kam neulich ein anlisemilischer 'Wandelredner, allein en fand, imc die „Creselder Zeitung" indiScret miltheilt, ein Andiiorinm von sieben jungen Leute», die nur ans Neugierde erschiene» waren- Ter Wanderrcdiier hielt eS für das Ralhsamste, dem „verjndeicn" Städtchen sofort de» Rücken;» tehren. lTrinkcr-lroiupagilicii.) Wie ans T reSden dcrichikl wird, haben dortige Antisemilensührer zur'Bekämpfung des von social-demokratischer Seite veranstalteten BierboycoitS die Radaubrüder und die urtenl'cheste Jugend, die sich in den JüiiglingSvereine» zusaminenfindet, in besonderen Trinker-Compagnien militärisch organisirt. Tieic rücke» namentlich an Lonutagen aus, »m in diversen Wirthsdäuser» den Bancolt crlolgreich zu bekjiinvsen- Tic Heranziehung der Jugend zu dieser Action ist geradezu gewissenlos, echt antisemitisch. 2lus antisemitischen Blättern. <Gin GestönIXliiß.) Tie „Christlich-Socialen" fahren fort, die kirchenpolitische Reform in Ungarn als ein „Jndenwerk" auszuschreien, und sie „verreißen" L l a t t. ütxtt 7 sogar den Zürst-PriinaS wegen seiner angebliel/gern,gen Widerftandslratt. Inzwischen legt aber -Herr>Panl Pacher ein bea^hleusiveelhe» Geständniß abg der Eandidat der vereinigte», Anttsemnen für die Landlagswahl auf der Wieden sagt i» der „Ostdeutschen Rundschau": „Nur entweder eer ivirllich Bornirte oder aber, wer sich bernjen suhlt, auch daheim dem Hochadet und den Römlingen Znlreiberdienste zu leisten, wer, nur sich neben der Votksgunsl auch die Gewogenheit der Taasie-Schönborn zu beivahren, unter der Tribuiiemoga absichtlich d'ie Pfaffenkntte hervorgncken läßt, kail» die Ausickn venechlen. daß für die Einbringung und Gesevivertung der kirchenprlilnchci> Vorlagen das Inden inleresje das Treibende und Entscheidende gewest» sei. -Jintn mehr und nicht weniger ist sitzt. >» Ungarn Gesetz geivorden, als >vas teil dein Jahre ILlK her ununterbrochen m dein Programine der zu allen Zeilen chstrattcrsesl nnerbiil licheir Opposition entliallen war. Eine Abreckinimg »rar es seitens des BolkSwillens gegenüber den pfäffilch fendalcir Gelüste», die sich zuae m Ungarn während der letzte^ fünfundzivanzig Jahre niemals ernsttich a» die Oberfläche heransgewag«, aber im Stillen doch forlbestande» haben. Klar ist es geworden, daß ein Tutzend hochadeliger Familien,' arrch weint ne sich init den Reprä'enlanle» de« Pgpstihnin« noch so zuverlässig verbinden, .nie,»als die Herren im ränte sein dürfen- Dieszeststellung dieses iiiv die Halichrrkchi jedweden Slaalsw.fenS un ecläßlichen tärundprincips bat das Kampsobject gebildet, ari-br aber, was bei derselbe» ltzelegenbeit auch an Wahrung der -p-ciell judr-chen Jmerenen mit unierlausen ist-" Pacher'S Chancen als Candidar müssen-ieii der Aniiiemiien versanimlnug, in welcher er eine Coatiliou aller „Arier" vroclainirte, negesunken >ein, sonst hätte er sicherlich nicht eii, solches Geständnis; abgelrgi. >Zu den Bkictzungcn dcr Sdniltcitcrficllcii. i Die „Reichspost" 'chre,h>: „Präsentirt inurde vom löblichen Slgdtrathe »nier Anderen auch Martin B a rar. Terfelbe ist nach verläßlichen Mittheilungen gebürtig aus Galizien, erst Jude, daiiu coilfeisionslos, jetzt Katholik. Besitzt das Lelucheiähignngszeugniß iür de» jüdi-' scheu Neligiousniuerrlcht voii früher her nitd stit etwas mehr alt, einem Jahr auch für den katholischen Rcligivilsiiiueirichl. Sollten das euva die Gründe sein, die den löblichen Skadlraih bewogen haben, von st-iuer gewöhnlichcn Maxime, bei gleicher O-ualisiealioir den Tiensläirereu zu 'vrüienirre», abzugehen, eine Anzahl Dienstälterer bei Seite zu'schieben rnrd diesem den Vorzug zu gebe»,'" Herrn Spitzer-Weimar ist hier vielleicht ei» ähnlich,« Malbenr paisirt, ivie dem anlisemilischeit Geiueinderatbe Tomola. der. neulich den Siadtralh wegen der Bewrdeinng des Lehrers S e u i t zuiu Oberlehrer und Zurücksetzung eines anderen; Lehrers angereinveli Hane. Die Beiptderung Sem'-it'« war, ivie Tvinola »achuäglich erfuhr, von niemand Geringerem als' dem Antisemilcnführcr selbst l'cnmviuirt uns durchgest'tzt worden. Wie Herrn Spitzer-Weimar bekannt sein diiiiie, erireueii sich >a mauchinal Christen >üdischer Abslammniig auch des Wobtivolleus iolck>er blniiieiniten, welckje beinnbt sind, ihre confessionelle Eiigherzigkeil durch einen zrrr schau getragenen nioderneu Racenhaß zu verberge». ' iBkll» Paoli) Das Ableben der ausgezdichncien Schri'istelleri» Betin Paoli gab der aiiiistmitiche» Sudelvrrsse Anlaß, über dieselbe sich in hämstcher Weist' zil äußern. Ter Name-der Verblichenen wird iuiiiicr einen ehrenvolle» Platz in der Literaturgeschichte ciniiehmeu, während die vvlklichc» „Jntbarler" bald in Vergessenheit grralben und - höchstens >,- den Prolokolleil eiiier Strafanstalt als M'ärihrer des Iiüchlerneu Gmuliens stgiirire» iverden. «Galizisch-Lculsch > Ii» „Deutschen Vollsblait" w'ird von de» Juden Prags behauptet: - „Deutsch ist sür sie bloß d:e Gest-tstrsissprache, eigentlichgalizisch deutsch " Verwechselt da nicht Pan Bergani die Leinurg seines geschä'tlichcn Unrernebmeus in der Linken Bahiiga>''e nui der Präge? Judenschail? ''Jllltifcmitril llllD ‘.,lmrrrt)iltcn.i Eil! Anlisemilenblaii veru-ahrl 'eine Patrone dagegen, daß sie «»' dcni'elbeu 'ililich.ui Niveau wie die Anarchisten stunden, und beruft ii.1i auf das Zeugnis; Drumonl's, daß Ca'erio ein Inte war' Es wj>d rvabrschciniich nächstens den Mörder Carnot's als Beller Jag tüould's bezeichnen, de» cs io auch zrriii Juden gemacht hatte. Unmittelbar nach dieier Verwahrung gegen jede Geilreiiischast mit den Anarchisten verzeichnet dasselbe Blatt das Ableben des Abgeorducteu Dr. - Hei l Sb er g init dem Wunsche, es woge Aniifemiien gelingen, wieder ei» Mandat zü erhasche». 'Tic Gemülbsrohkeil, welche die Aenßerung dieses Wun'chcs im Anschlüsse au eine iiiierwarlete Todesnachricht verrälh, findet ein ivnrdiges Lcitenstück in einer -Fischho, Notiz eine« anderen AilliscniilcnblaiteS, das an« Muthivillen Xine journalistische illrab'chäudnng verübt. Man kann waluiich dieses aller'Menschlichkeit Hohn sprechende Treiben ebeniogut antisemitisch wie anarchistisch nennen. ,Ttc „Post" gcgklt den „Buildkäiiih".' Der Ahlwardt'sche Anliseinilismns stößt der ..Post", welche seit Jahr und Tag selbst in A»li>ei»ilerei macht, gerade;» Entsetzen ein, und sie gibt demselben in solgenden Worten Ausdruck: „Ansauglich allein gegen daS Jndemhui» gerichtet, eriveilerle er zunächft seine Angrissssronl gegen daS mchbilc Capital überhaupt. Bei der stleustelliuer Wahl im vorigen Jahre war man bereits zu der Parole. .Gegen Juden -und Junker' sortgeichrilien. Tas Organ der Richtung, welches bezeichneuderiveise den Titel