Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 119 (15.7.1894)
- Date
- 1894-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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reite li Nr. II!». freies UntcrstützungSgcscllschaft, die sich etwa in ihrem Genre mit dein Deutschen Schulverein vergleichen läßt. Daß sic in manchen Dingen znsaniuicnhalten, wo sic sich als verbundene M crheit unter feind seligen Elementen finden, ist ebenso natürlich wie daS Zusammenhalten der Europäer in China oder überhaupt der verschiedenen Nationalitäten, wo sic sich im Auslände begegnen. Man kann hier ans sic die bekannte Fabel von dem Wanderer anwcndcn, dem der Nordwind und die Sonne de» Mantel entreißen wollt». Was dein rauhen Ansturm des Erstcrcn nicht gelang, der nur erreichte, daß der Frierende den Mantel fester um sich zog, das gelang spielend den schmcichclndcn Sonnenstrahlen. Der Wanderer warf den isolircnden, Mantel ab. Haß und Druck verschärften die Jsolirung, in welche sich Israel hüllte, gleiches Recht und liebevolles Entgegenkommen sprengte» überall die Hülle, wo sic dem armen Verstoßenen begegneten. Ziehen wir von unseren Juden die auö dem Osten zngeströmtcn ab, rvclchc in Folge deS eben erst abgeworfenc» Druckes »och in starrer Orthodoxie stehen, und inan wird überrascht sein, wie rasch die geistige und religiöse Assiiniluung. vor sich geht, letztere natürlich weniger i» der Richtung der ossicicllen Religion deS WirthvolkcS, sonder» in der der thatsüchlich nnter dem gebildetsten Thcil desselben vorherrschende» RcligionSbcgrissc. Wen» nicht der gleiche Anschluß in socialer Beziehung zu finde» ist, so liegt die Ursache hievon nicht bei den Inden, sondern bei den sic znrückwciscndcn Wirthen, wenn wir diesen Ausdruck mit dem des GastvolkeS den Antiscmitc» abnchmcn wolle», ohne ans das Unpassende desselben cinzugchcn, besonders seitens solcher, die in den seltensten Fällen Nachweisen könnten, ob sic nicht in ihrem Blnlc ganz gehörige Bcstandthcilc anderer Nationalitäten finden mögen, welche seinerzeit unter de» Deutschen daS Gastrccht fanden: Slave», Hugenotten?c. Der Angehörige einer Minderheit hat immer einen schweren Standpunkt. Sucht er sich anznschlicßcn, nennt man ihn zudringlich, schließt er sich ab, so wirft man ihm feindliche Jsolirnng vor, und so geht cS ihm auch in allen anderen Dingen. Nkßt er B. sein Geld freigebig unter die teilte kommen, so ist er ein Protz, spart er, so ist er ein wuchernder (Geizhals. Nimmt er die Religio» der Anderen an, so ist er ein verächtlicher Renegat, thut er cs nicht, so wirft man -*ih»i verstockten Fanatismus vor. Zeigt er Patriotismus, so macht man ihn lächerlich, thut er cS nicht, so wirst man ihm seine Vatcrtandslosigkeit vor u. s. w. Sehen wir, waS die wenigen Jahrzehnte .in Bezug auf Assiinilirnng bereits erreicht haben, in denen wenigstens nominell den Juden die Gleichberechtigung gewährt wurde, um uns cm Bild dcsicn zu inächcn, waö erfolgen muß, wenn die Glcichbercchtignng. durchgeführt sei» wird, besonders auf socialem Gebiete. Thatsache ist, daß hcntc schon nur noch eine verschwindende Minderheit der gebildeten Juden mehr vom Talmud weiß als irgend ei» Gebildeter anderer Race, und wenn sich in ethischer Beziehung noch ein Unterschied findet, so ist cS fraglich, zu wessen Rachthcil dies der Fall ist. Doch halt, hier nähern wir uns dem inneren Forp dcS Antisemitismus, an dem wir nicht so schnell vorüberhnscHen bi'tifcn Tic Juden sind ja, wie uns gesagt wird, Wucherer, Betrüger, Feinde der Arbeit, Ausbeuter. Und in socialer Beziehung sind ihre Sitten und (V wohnheiten solche, daß ein angenehmer Umgang stick ihnen unmöglich ist. Untersuchen wir diese-schweren Borwürfe etwas näher, indem wir zuerst den leichteren, zuletzt vorgeführtc» ins Auge fasien. Ja, die Sitten und Gewohnheiten sind verschieden^ Man wird sehr wenig Jn"cn beim zeit- und appetitraubcnden Frühschoppen sindcn, und statt Abend snr Abend im WirthShansc zu verbringt», sitzen die schlechten Menschen lieber bei Weib und Kind, bethätigcn überhaupt eine ganz lächerliche Vorliebe für daS innigste Familienleben. Würde cS viel schaden, wenn unsere wackeren, arischen Germanen, die so stolz auf daS Bechern ihrer immer noch „Einen" trinkenden Vorfahren sind, die zum socialen Einklang führende Vcrschicbnug der Sitten hier in der Richtung der verachteten, nichts vertragen. könnenden Minderheit suchten, als zu erwarten, daß diese daS gcrmani'chc Nationallastcr annclunen sollen? Würde cS ihnen etwas schaden, wenn sie, wie der Jude, ihre Hauptvergnügungcn im Theater und sonstiger geistiger Anregung suchten statt im WirthshauS? Man frage doch die Theater - directoren, wer ihre besten Kunden - sind und wie viele von ihnen sich halten könnten, wenn die Juden nicht wätcn! Und nun kommen wir zur Hauptsache, zu der verderblichen Rolle, welche die Juden ans wirthschaftlichcm Gebiete spielen sollen. Sündcnbockabschlachtnngen sind sehr bequeme Operationen. Der eigenen Sünde nachgchcn und Bcsierung anstrcbcn ist weit schwieriger. Ehe wir den Inden die Schuld an unserer wirthschafllichc» Calamität geben, sollten wir doch nachzuforschen suchen, welches die objektive Ursache derselben sein könnte. Es würde zu weit führen, wenn ich dies hier versuchen wollte. Bedeutende Forscher auf diesem Gebiete haben diese Arbeit geleistet, deren Resultat die O.uelle der Roth in den großen Concentrationcn nn-; Blatt. productiven Schuldcapitals findet, dessen Erträgnisse keine ekkectiven sind, sondern imaginäre, ans weiteren ähnlichen Anhäufnngen bestehende, die keine Arbeitsgelegenheit gewähren, jond.rn nur die Kanffähigkcit der VoltSinassen immer mehr hinter der daneben ständig steigenden Produclivität der Arbeit znrückbleibcn lauen. Tas; sich viele Inden unter den Besitzern solcher Eapiialicn bcsinden, ist wahr. Taß jene aber bei weitem nicht die Hanptrollc ans diesem spielen, daö zeigt nnS ein Blick auf die Länder, iir welchen die betreiiendc» Erscheinungen weit schliniincr austrcicn als bei »ns, nämlich in England und Amerika. Unter sammilichen Miklardcnren dicker und aller Länder bcsiudct sich anßer Rothschild lein einziger Jude. Ter :>» hcilvollen Rolle gegenüber, welche ist der Volkswirthkchast Vcnte wie Gocild, Baudcrbilt, Astor, Westniinster ec. spielen, ist die unserer jüdischen Wucherer, waS das Nage» der Blaus am Gebälke gegenüber dem dasselbe zerstörenden Schwamme bedeutet. Tas hindert nicht, das; auch die Katze eine werthvolle Rolle bei, der Eon'ervirnug unserer Hänscr spielt, aber was ist ste gegenüber dein Dienste, den ein'Mittel gegen den Hansschwainiu bieten würde! I TaS strecht des privaten Bodencigentlunns mit Mm» Folgen der Hhpothckenwirlhschast, der Staatsschulden und des Zinswuchers ist das liebet, bei dem allein eine wirkliche Reform ansez-ei» kann, '.stack, keiner' stceforin werden wirthkchaktliche Auswüchse, wie wir sie heute cn allen .. Cullurländcrn beklagen, verschwinden, und die Menkchen, welche daran betheiligt sind, einerlei ob arikchen oder semitische» Bjolksstainuies, werden entsprechend bessere Rdllen spielen, denn'die Zustände sind es, die »'nr den Charakter der Menschen verantwortlich sind, weit mehr, als das Umgekehrte der Fall ist. Auf eiueni Floß -ein Verhungern ansgrseist, looscn brave Männer, - wer von ihnen den Andere» ^nr -Nghrung dienen soll, morden niid essen ihren Mitmenschen, dieselben Männer, welche daheim zärtliche Gatten und Vater, wackere Mitbürger sind. Ter sociale Kamps darf sich daher übe»Haupt nicht gegen Personen richte». Er muß nur den Zuständenzn b'eibe rücken. Freilich ist es menschlich, das Böse in seinem Träger anzngrciken, nnd cö ist -ein edles Gefühl, daS den Antisemiten begeistert, wenn er dem- Wucher zn stcibe rücken will, indem er die Juden bekämpst: aber-die Richtung des Kampfes ist deswegen nicht minder verwerflich, umsomehr als gerade die jüdische» Wucherer die Entschuldigung habe», das; " inan ihnen jahrhundertelang kein anderes Gewerbe, okken ließ' und cs ihnen nicht übel nehmen darst, wenn in einer Cstneralion der Freiheit nicht Alle auf eine» Schlag die Fähigkeit erwerben, an» ändere» tR- . bicttn -ausreichendes Brot zn-finden, und veranlaßt werden, dasjenige, zn verlasse,», ijr dem ihnen die lange Uebung eine geivi'se Meist,>rkchaki verlieh, eine Mcisterschast, die sich aber rneistens znnr im Kleisten.be ivahrt, denn zu dem Ricsenwncher der Astor, t^oulö und Eonsorlen haben sic cS nur in den seltensten Fällen' bringen töiinen. Aber die kleinen Diebe hängt man von jeher,/nnd die Antisemiten sind hierin .nicht besser als Andere, die über ihre Nebeunienschen. zn <kkericht sitzen. Sich an die Großen wagen, ist ein wenig zn gefährlich. Schon in alter Zeit hat man es so gemacht. Wenn ii» Mittelalter die unteren Stände zu gewichtig den Druck der . oberen spürten, dann war cs ko ein an genehmes und bequemes Ting, unter sich noch einen niedrigeren Stand zu sindcn, an dem man seine Wnth anslancn konnte. Es ist dies menschlich. Ter Stallknecht, der von seinem Herrn einen Peitschenhieb erhält, hat nichts Eiligeres zn thnn, als keinerseits den .Statljnngen zn piisren, nnd dicker gibt sofort dem Hunde einen Fußtritte Das hossnnngsvolle Zeichen in der Bewegung ist, daß neben dem Schrei gegen die Inden in ncneftcr Zeit von den Änlikeiniien der gegen die Junker anfgcnoinincu worden ist. Honen wir, daß die Zeit' nicht fern ist, in der sich der Kamps nicht mehr hegen Perkonen nnd Stände, sondern gegen die Anöbentnng selbst, -d h gegen die Snstemc, welche sic ermöglichen, richten wird. Man wird, daun erstaunt sein, ivie schnell der jüdische Wucherer mit dem Anshören der den Wucher schassenden Verhältnisse verschwinden wird Die Duden in In der londoner „Gesellschaft'der Künste" hielt Capitän st» olle, st onc einen Vortrag über Marokko nnd seine Volksstämme, in welchem er sich über die dort ansässigen Inden wie folgt äußerte: Die eingeborenen Israeliten von Marokko, ungefähr OOO Seelen au Zahl, bilde» einen beträchtlichen Thcil der Bevölkerung. Sic theilen sich in drei besondere Classe», die spanischen, die maurischen und die AllaS-Judcn. J^dc dieser Classen kam zn einer verschiedenen Zeitpcriodc nach der Berberci, spricht eine von den anderen Clanen verschiedene Sprache und lebt, in gesonderten Theilen deS Reiches wohnend, »ach ihren besonderen Verhältnissen, ist sehr geringem Verkehr mit einander. Als im Jahre durch das AustroebniigSedict