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Freies Blatt · 1894-07-08 · 118 (8.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
118 (8.7.1894)
Date
1894-07-08
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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rette 8 Freies Blatt. Sogar die Flegelhaftigkeit verachten manche Antisemitenhäuptlinge, wenn eS sich um die Gewährung .geldlicher Unterstützungen" aus eigenen Mitteln handelt. Nichtsdestoweniger können zudringliche Abonnentensammler doch, im Lause der Ferien zwei, vielleicht sogar drei Spender auftreiben. t Aufgrschüittkll.) In dem Neichenberger Antisemitenblatte gab ein - Futbarker, der auf den Nainen Pfeil hört, anläßlich der Sonnenwende einen Artikel ^im Besten, der sich zu nachstehenden Phrasen verflieg: .Die Sonnenwende ist ein Feiertag deS arbeitenden deutschen Volke«. Ein Brauch auS alter Zeit, an dem wir Deutsche noch immer mit ganzem Hirzen hängen. Brandrauch zieht von den Höhen landeinwärts, die Tbäler hallen wider von deutichen Liedern, und die Becher kreiien. Mit Weinlaub im Haar feiern wir die Sonnenwende, Mühen und Drangsale sind vergessen, al« Deutsche sitzen wir beisammen, al« Glieder einer Volkes, dem bei Leipzig, bei Sedan die Freiheit«- j sacket geleuchtet." Sin Arbeiterblatt ertheilt nun dielein Futharker eine wohl-! verdiente Lection. indem e« schreibt: „Wir sind mobl bei diesem Pfeil an eine ' überschwengliche Sprache gewöhnt, aber daß da die Sonnenwende ein Feiertag der arbeitenden deutichen Volker sei» soll, ist denn doch zu viel ausgeschnitten... i Das arbeitende Volk ist nicht siöhlich, sondern wehmüthig gestimmt, wenn die : Tage ansangeu,- kurzer zu werde», weiß e« doch, daß mit dem Kürzerwerden : der Tage Arbeitsgelegenheit und Lohn ab- und mit diesem die Noch zunimmt.! Die Schrecknisse de« finsteren kalten Winter«, welche dem Arbeiter mit der , Sonnenwende vor seiner Seele aufüeigen, sind nicht geeignet, ihn angenehm zu ' stimmen. Tein Arbeiter kreiien auch an diesem Tage sowie dar ganze Jahr i keine Becher. Er. der sich oft nicht einmal minderwerthige« Bier kaufen kann, j muß mit einem Branntwein in vielen Fällen feine ermattenden Lebenskräfte! anspoinen, dieier kreist aber auch nicht in Bechern. Von dem Weinlaub im ' Haar ist gar nicht zu reden. Uebrigens löst sich ja dar Räthsel, was für Ar i beiter der Artikelichreiber meint, indem er da von Leipzig und Sedan spricht, wo den Teutschen die Freiheitssackel geleuchtet haben soll." E« ist, wie auch au« den voranstebenden Aeußerungen dervorgehr, eine Fälichung der Sachverhalte-, wenn anti-eminsche Schreiber oder Sprecher, Freiwillige oder Söldlinge, üch >o geberden, als ob sie die Wort'übrer de« arbeitenden Volker wären. Nein, rnfen ihnen wirkliche Arbeiter zu, ihr leid nur Vertreter habsüchtiger Neidbammel und Müßiggänger. i^in antisrmitisches llrtbtil über die „christliche" Soeialreform.) „Ter Moderne Völkergeisi", Trgan des Berliner „Socialiläre.l Bunde«", ent Kält in der uns vorliegenden Nummer 7 so heftige Auslasiungen gegen Ehristenlbiini und Caiarismus. daß wir von de»>elben aus preßgejetzlichen Gründen nicht weiter Notiz nehmen könneii. Jenen geistlichen Herren, welche in Anti iemitismu? machen, wäre die Lectüre des int Tühring'schen Geiste redigirte» Blatte« dringend zu empfehlen: sie könnten daraus erfahren, weisen Geschäfte ne unbewußt fördern. Interessant ist das Unheil de» „Modernen Völkergeistes" über die von Aniiieniiten al« „christlich" angeprieiene Socialreform. Er schreibt: ..Wahrend ein Zeder, der das Volkswohl wirklich vertritt, ein nnbedingier Gegner des agrariichen Fentalismus sein muß, sehen wir den ossicielleu Partei - ontiieniitisinur, der doch auch eine Volks-Partei vorsteUen will. Arm in An» . mit dieum Tod'etndde» Volke« iür Anerbfnrecht, Getreidemonopo!. Toppet wabrung, Gstreidezölle, 'ür reactionäre VolkSichulgefetze und ähnliche Ausgeburten der feukalisti>ch.'n Uuverfrore »beit und Begehrlichkeit {impfen. Hiemit bat dieser Parteiaiitiiemitismus einfür allemal de» Stab über sich gebrochen uud sich iu Bezug au' vorgebliche VolkSanivaltschafteii für immer bloßgestellt." An dieie ganz vernünftigen Bemerkungni reiht sich indessen eine sehr dumme, ivelche de» politischen '''eichäftsmachern und EitelkeitSsirebern, die den Parteianii'emttirinu« vertreten. Ablwardt als „riibmliche Ausnahme" gegenüderstellt. Tie „chnstliche" Srcialreform wird dann, abgesehen von eiiizelnen kleinere» Verwer'uiigs'palteu, im tH:cfj-’tt und Ganzen zutreffend gtoisirt und gegenüber der '.il-chenden und irre'ührenden Nom antik antisemitischer Reformer festgestellt: „Tie hier i.blichen Redensarten geben dabin, daß der Bauern- und Handwerker sian: die geuutdesien. kia'tlgsieii, sittlichsieu und tugendhastesteu Elemente de« Volkes iiiniassei, i.-u, das: es at>o am besten iväre. dieie» beiden Stänken den Vorzug nach t-deo Richtung bi» zu geben. Was dieie flache Rederei auf sich rat. werden etutge kurze lleberlegungrn zeigen. Tübring bät der dritten Auflage 'Tekonciiii durius eir.eu Abschnitt einge-ngt, der von der sittlichen Beva" iil .-it und Beanlagung der Ma^en bandclt. Hier wird dargetban, daß in allrii Sdk.iä Bauern, die Fabriksarbeiter, Ingenieure »nd Fatstechniker keine Handarbeiter in dem üblichen Sinne. Kleinwirthschast mit unzit Standpunkt der modernen Technik und der vin betriebe« unhaltbar ist, und damit verbunden ei» sowie Rohheit »nd Unentwickeltheit von Verstand, dar wirklich Kennzeichnende am sogenannten Banen länglichen Mitteln, die vom dieser gesorderteu Großgroßer Mangel an Bildung Kemüth und Gefühl, da» ist und Handwerkerstand. Sinne der rückständige» gemacht werde» könnte — Stellen wir nur einen Augenblick die unmügliä e Voraussetzung al« möglich hin, daß der Bauern- und Handwerkerstand in Schwärmer dauernd zum vorherrschenden im Volke war würden sich da für Verhältniffe ergeben? E »e Minderzahl Bauern und Haiidmerksiiliiungsmeister würden die herrschende SesellschaftSschicht bilden, zu denen ein Vielfache« ihrer Anzahl von halbhörigen und Lehrlinge» hinziikäme. Hier hätten wir also da« alte ausbeuterische Vergewaltigungssystem ivieder vor u»S, wie es auch Zuden, Junker und Pfaffen nicht aiider» ausüben. Zwar gehen aus den Gesellen die späteren Zunftmeister hervor, aber der Stainm der letzteren bestimint darüber, wen er in seinen mit Vorrechten zur Ausbeutung ausgestatteten Kreis! ineinlaffcn will. Daß auf diesem Wege immer die tüchtigsten, gescheitesten ui d charaktervollsten Elemente in die herrschende Schicht gelangen, ist — bei de: Beschaffenheit der mensch lichen Individuen, die gerade in diese» Kreisen mi: gegen alle Neuerungen, auch gegen gute, sowie mit füllt sind — mehr al« unwahrscheinlich. Auch wie Mittel ein Bauer werde» soll, ist nicht einzusehen. GesellschaftSverfasiung ist also nur um den Pre i politischen Versklavung de« weitaus größten Theile« I Aber noch viele andere Nachtheile führt diese« Syst, in mit sich. Durch die Einführung deS ZniiftineisterdespotiSmu« kann . die Ai «Nutzung neuer technischer Ersinduiigeii, die dem Gemeinwohl zugute kämen, i n Keim erstickt werden Die mit Bauern- und Handwerkebthum — abgesehen t» n Vereinigungen zu socialitären Gruppen — unauslöSlich verbundene Klein» irthschast schließt den tech- Jhre Producti nischen Großbetrieb unbedingt auS. beschränktem Umfange, entsprechend vermehren Auswanderung ebenfalls. Tie politische Abhängigkeit Eultiirformen aufgestiegenen Großstaaten bleibt au« kraftmeckianischen Gründen unvermeidlich. Tie angeblich gesunde wirthschastliche deS politffche» und geistigen tsverfassung eine Unzahl von die herrichenden Elemente. Was Tühring von der sagt, läßt sich aber auch Cultus de« RaceubasseS Ordnung und Gliederung ist nichts als die Starrheit Todes, indem durch eine gänzlich verkehrte Gesellscha I Proletariatsexistenzen verbraucht werden, ohne das ei» so besonder« luxuriöse« Dasein führen können/ sittlichen Beschaffenheit und Beanlagung der Massei auf die Räceu anwende» und führt seinen ganze l ebenio ml alisiinlum wie die von anderen Antisemit tu gepredigte Socialreform. lZur Affairr Vogkl-LPklckkr.) Wie wir vor emiger Zeit mittheilten, hat der praktische Arzt Vogel in seiner Eigenschaft a s Vorsitzender der deutschsocialen Partei Badens und Württemberg« vor den Agitator Welcker aus Stuttgart, den er als Schwindler und Betrüger brau »markte, öffentlich gewarnt. Ta der Abgeordnete Z im in ermann trotzdem diese t Mann nach wie vor al« Redacteur der Dresdener „Teutschen Wacht' erließ Herr Vogel am 21. Juni eine Erklärung, nachdrücklich ausiorderte, sich darüber öffentlich habe, mit Welcker weitere Parteibeziehunge» zu unterhalten oder nicht. Er sei in solchen Tinge» nicht gewöhnt, Spaß zu mache», weitere Schritte zu ergreifen. Tn Erklärung Zinn lerutann's sehe er binnen acht Tagen entgegen. Herr Zimmernianii schweigt Rechtsanwalt Tr. Häckl das Wort. Es liege nicht vor, Welcker fallen zu lassen und den niedrigste» Aiickrisfcu preiszugebe». Weiter bezeichnet er die Auslassungen Vogel s als „Niederträt jtigkeiten", aus welche eine gehörige Antwort nicht ausbleiben werde. Herr Zit imermann mit der ganzen Angelegenheit nichts zu thuti, da eite cigenS Mission sich damit befasse. Man wird wohl nicht fehl, ehe», wen» inan bezüglich der EoinmissionsbeichlUsse der Eiwartung Ausdruck al« ein Tpfer röiniicher Rechtsbegriffe der Nachsicht Publicum« empfohlen werden. Ur. 118. Beschränktheit, Abneigung engherzigstem Eigennutz eraus einem Ackerknecht ohne Diese alS Ideal hingestellte der wirthschaftlichen und de« Volkes zu ermöglichen. m bleibt also roh und von An Folge deffen kann auch die Bevölkerung sich nicht DaS Land- und Stadtprolet, riat vergrößert sich und die von anderen zu vollendeteren naturgesetzlichen macht- und utid als Redner bSschästigt, wo in er Herrn Ziinmerman» zu äußer», ob er die Absicht und beabsichtige, eventuell Statt seiner ergreift ein die geringste Veranlaffung habe übrigens gewühlte Eom gibt, auch Welcker iverde chnes l'. T. aiilisemitischen u Mi:.-; tem B 1.1--■; T.:s .»••ruie:.lmeR-N> der.liimuitf, daß „Nklic Brauuschwcigkr ZcitUllg". Nach zw^rjährigem Bestebeix hat die antisemitische „'Neue Braunschiveiger Zeitung" zu erscheiae» aufgehört. In Biauuichweig und Hannover haben die Freunde der Abwejrbeweouug in letzter. Zeit' eine äußerst rührige Thätigkeit entwickelt. Sie suchten sa l verseuchten Trtschaste» aus, um dort eitte Sanirungt -Actio» einzuleiten. Das Eingehen der „'Neuen Braunschweiger Zeitung" läßt parauf schließe», daß ihre des Volles rou unten bis oben die schlechten und die gut ividuen in rcni'e.L'eu Verbältuiß vorbanden find. Nur die äußeren ' Verb.u::::"-' laf'en die -. g:> lckimäßig vertheilten Anlagen sich in U:h; .i .h und in verschiedener Art äußern. Betrinken sich Bauer»!■•-. -.;.i;:iitt in Wein und Ebamvagner, >'o doch' in Fniel und --I Auch ge chtechtliche Ausschweifung, Siebt- und Verleumduiigs . . .-tnr die-en Schichten .beni° anzutrtnen wie in den -bereu ...'..! ^".ühungeu von Er,°lg gekrönt waren. Möge man sich anderwärts, namentlich chichten ebenw anzuirtnen wie in i iu dem Bsgim Bauer' und Händwerker' iü nicht etwa Vitr sich mit der Erzeugung von Robvroducten, und in Testerreich, daran ein Beispiel nehme»! i 'Bestrafte Ebrabschiteiberei.) Eine von dem beri chtigten Schweinhagen znar .'crwleg.'itd von Aa! rtmasmitteln, der anvere mit der weiteren Be- .iebeitu!!.: rie'er Rol'r.r^u.'e zu Fabrie.uen befaßt, sondern die Art und W-'i'.', e-. 'i's ur. Partner und sti.dirte Guteökonomen sind keine herrührende Brieskasten-Noti; des Berliner „Anti an Zeigers" hat Anlaß zu einer Privatklage gegesi Blattes, Sedlazek, gegeben. In dem genannten Blate erschien im April d. emitischen Geueralden Herausgeber jenes

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