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Freies Blatt · 1894-07-08 · 118 (8.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
118 (8.7.1894)
Date
1894-07-08
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. II«_._ Freies juge, gehalten wird. Ich weiß, daß es Böswillige gibt, welche es Herr» Bergani zum Vorwurfe machen, daß er, bevor es »och zum gänzlichen Abbruche der inoderuen Raubburgen kommt, de» verhaßten Raubrittern wenigstens auf dein nicht mehr ungewöhnliche»Wege von sogenannten In seit, onen u» d Pan schalie » schon jetzt »ach Kräslen Abbruch thur. Aber eine solche Schwächung der Feinde der Volkssache ist an und für sich verdienstlich, u»d dieses Verdienst kann dadurch nicht verkleinert werden, daß der einzige wirkliche Vorlämpser deS deutschen Volkes in Oesterreich die einzelnen Steine, die er solchergestalt a»S den Raubburgen bricht, zu seinem eigenen Besten und zur Besestigung seines gemeinnützigen Unternehmens verwendet" Tie verschämten und nnverjchäinteil Antisemiten kennen ihre, sagen wir: Schwäche» — gegenieitig sehr gut, und in Momenten, wo die Einen den Andere» unbequem sind, vcrraihen sie dies auch der Oefientlichkeit. TaS „Vaterland", welches heute Herr» Lueger wegen seiner „bekannten Ständhasligkeit", seiner „echt christlichen Verjähnlichkeit" rc. srozzelt, hat sich seiner im GerichtSsaale zu einer Zeit bedient, in welcher diese Charakter, ziige schon längst kein Geheimniß inehr waren. Wir aber werden uns die (stlosien des „Vaterland'' zui» Feste in der Wachau merken nnd au dieselben erinnern, wen» das genannte Blatt eS seinerseits wieder einmal opportun »»teil sollte, sich den Radau-Brüdern zu unlerwersen, und eben'» „großmüthig" zu vcigesse», wie jetzt Herr Lueger vergißt. (Aue der Bergaiigcnbcil einer antisemitische» BrrcillsmeierS.) TaS . Reue'Wiener Tagblatt" brächte neulich folgende Zuschrift: „AIS ich heute einen Aufruf zu einer antiseinilischcn Versaininlung in Baden laS, in welchem auch eine Rede deS Er. Geßmann in Aussicht gestellt ist, fand ich zu meinem nicht geringen Erstaunen unter den Einbernfeen der Lersammlinig den Rainen eines Mannes, Herr» B, nnterzeichnct, der vor 22 Lahre» bei mir Bedienter war und in Folge eines Verhältnisses mit einem Mädchen dasselbe zur Müller machte. Um diesem Diener die Möglichkeit zu gebe», das Mädchen zu heiraten und sich eine Ernten; zu gründe», schenkte ihm nieine selige Frau RiO fl. Mil diesem Geld« elablirle er sich in Baden, prosperirte und gehört n,i» zu den cisrigslc» Antiiemiien, obwohl er einer jiidiiche» Lame.seinen Wohlstand danlt oder vielmehr danken sollte. Mein Name bürgt Ihnen für die Richtigkeit dieser Angaben." (Gesunder, bcfoaticncr Antisemitismus.) In einer Versammlung zu All bösen empsahl der gewesene Reichsralhsabgeortuele Veit Prell »er eine» „gesunden, besonnene» AnlisemitiSNzus" und schlug sür das erledigte Reichsraihsmandat der Landgcmcintr» WahlbezilkeS Wolfsberg—St. Paul den Bezirks richter Eisele in, Gurk a>S Eandidalen vor. Ter Herr Bezirks richler versprach, im Falle seiner Wabl sich Denen um Sleimvender anzu schließen. Bravo! („Bund der Dcutschen i» Böhmen.") Ei» von Bareulher, .'linderniann, Prade, Schlicker, dein „Futharker" Kießlich rc. gczeichnelcr Ausruf fordert zur Gründung eines „Bundes der Tculjche» in Böhme»" auf, welcher „nalionalc" Albeit verrichte» soll. Was darumer zu verstehen sei, ■ ist nur zu sehr bekannt, »nd für ein bessere« Berständniß der Tciidcn; sorgt auch die ami semilische Presse, welche über den Ausschluß von Luden ans dem Zukunslsbundc eillzülkl ist. Die deutsch-liberale Partei in Böhmen, ivelche vor eriugen Lahre» mit der zu ihrer Schwächung unter degi Beifall Baschattz'S und Lueger'S unter noiilmenen Acrion der Heinrich und Schneider fertig w>>ide. wird voraussichtlich im Geiste Schmcylal'S follarbeiien und auch diesen neueste» Versuch, sie aus filtern Umwege zu bekämpfen, mit Erfolg abwehren. (Nichl unschuldig gkstorbkil.) .In Berlin hielt dieser Tage der aiili seinliischc Abgeordnete Oberlehrer Förster in einer Beriamnilung des „Deulschcn Anliseinitenbllttdes" einen Vorlrag über die Ermordung des Präsidenten Earnöl »nd deren Ursachen. Förster faßte 'kiiic Ansichten in einer Resolution zusammeil, die von der Maloriläl der Versammlung angkiiommen wurde. Darin erklärte die Versammlung, daß sie dcu Meuchelmord deS Präsi dcnlen Earnot zwar aus dar Schärfste verurihcilt und von den Regierungen er-, wartet, daß sic den Anarchisten energisch entgegentrelen, aber auch bemüht sein würden, die wirthschastliche» Mißstände zu heben, da sonst die Anarchie von oben eine solche von nnte» herbeisührc» müsse. Ln seinem Vortrage haue Förster behauptet, unter Earnot hätte sich m Frankreich eine Plutokratic heransgcbildct, die als „AiiarchiSnul» von oben" bezeichnet werden müsse. Earlioi wäre daher „nach einer Richtung" nicht unschuldig gestorben,' „weil er nicht richtig regiert hatte". — Förster s Auslastungen bestätige» neuerdings, daß thatsächlich Antijeiniie» und Anarchisten an Einem Strang« ziehen. (Obdachlos.) Mus Nienburg i» der Provinz Hannover konlinl sür die Racenhetzer die Trauer Nachricht, daß der „Mann der Ehrenschcine", der vielgenannte Lieb ermann - v. Sonnend erg, dort iin Juni keine» Saal zu einem Bortrage finden konnte, worüber ei» Hetzblatt die tragi-lomische Klage anstimmt: „In Nienburg war sür eine antisemitische Versammlung kein Saal zu erlangen. Ein trauriger Beweis, wie weit die Judenherrschaft dort gediehen ist." In Fölge seiner Obdachlosigkeit wollte Lieberman» seinen Vortrag : „Die Jude» di« Könige unserer Zeit" ans dem Nienburger Schloßplatze abhaspeln. Allein der dortige Magistrat gab nicht die Erlaubniß, aus einem der Stadt zugehörigen sreien Platze Zudenhetze treiben zu lasten. So hat denn dieser Häupt- 8 l a t t. Leite 7. ling der Antisemiten sür diesinal seinen Plan, in die siiedliedende Bürgerschaft Nienburg» Haß und Feindschaft einzuschlcpven, ansgcben miissen. ■ lGilik Gbrcngabc für Leust.» Ter berühmte Ppilosovb de» weiblichen ' Seelenlebens, Herr Leuß, welcher neulieb unter die Mitarbeiter de» „Semite»" Mariniilian Harden gegangen ist, soll, wie veclamct. auch als Wanderredner aus der von ihm seil der Afiaire mit Dr. S ch nn tz beobachtete» erstanlilichen Reserve „»nmchr herauStrele» und folgende' Vorträge ballen: l Die Heiligkeit deS EideS bei den Jude»! 2. TaS sechste Gebot oder die vrakiische Sittlichkeit der Beniner Börsianer! ci. Die FreundeSliene ein >eu»lischeS Laster! Diese Vorträge verspreche» bei der Herrn Leus; eigenen Kenntnis; menschlicher Schwächen besonders liessinnig zu werden, und in der Gewißheit des zu erwaricude» außergewöhnlichen Genilstes sollen die Anli'emttci: deS Wablkrciics Eichwege- Schmalkalden, welche, in unbegreiflicher Verblendung und anscheinend von' lüdijchem Geld« bestochen, schon beabsichiiglen, ihren „nieistgeprügelien" Abge oidnclcn zu ersuchen,, sein Mandat in ihre Hände zurüctzulege», nunmehr ernstlich sich mit dein Plaue tragen, ihm ans de» Eiuiritlsgelteru dcr"anti>'eniilische» Volksversammlunge» tiesgerühri eine Ehrengabe zu sti-leu. Ln Aussicht genonimcn wurde angeblich ein prachtvolle». Edanrpagner>ervice aus gelriedenein Silber, in Rcliesbilder» die wichtigste» Episode»- aus dem Leben de» urtenischen ManucS darstellend:.Leuß eine Nädinakchine verhandelnd: Leus; vor' Gcriäu den S sse»baLiiugSeid lkistcnd: Leuß nach „gcschäsilichcn D ii'erciizen" lies enrrilslet den Stand der Redacnon des „Volk" von seinen Füße» schüttelnd. Leus; im Tbeaicrcasü zu Hannover durch das Elosclsensier setzend: Le>iß >m Eominenlal-.Holet.zil Halte a» der Saale mit Fra» Dr. Schnutz übezuachlend: Leuß mit Frau Dr. Schnutz aus „dunklen Wegen" in Herrsiihamen unter de» Hieben de» Dr. Schnutz eine bittere Schinerzenssliindc leidend. — Das in -ebr schon. aber dem Ehreninaunc Lens; ivare wohl eine Ehrengabe in lliugcnker Münze ivill komniener. - ' - antisemitischen blättern. ilvin „iiiicrrcidiijrtitt Rllsje' Anläßlich des StudeiitenruinmelS an der Wiener Nnivi^rsilät vcrösscnllicht das „Deutsche Bo l ksblait" in seiner Abendausgabe vom I d. M. die ^iiichrifl eine» „österreichischen Rnficn" zu Gunsten der Slöreiriede. Man wird cs allenfalls, verzeihlich sinde», daß Pan Bergani in derselben '.llunnner den berüchliglen ämerikauiichen Gckdmailn La» töould, der nicht etwa der Sohn eines gali'zischcn Hansirers, sondern der eines armen Farmers' zu Rorbur» ist, als Luden bezeichnet. ES gebt aber nicht an. daß in 'einem Blatte von „österreichischen Rüsten" die Rele sei, während cs ledeui Galisianer, auch einem ungebildeien, besannt sei» muß, das; iolche nicht vorbande» siui. und das; diejenigen Rnlhenc», welche ßch >'ür Russen auSgebcn, nur rubellüsteriie Verrälhec an ihrer Nalion und Kirche sind. — i. (Xcr vergeßliche Spitzer Weiliiar.) Der Herausgeber der „Rcichsvosi". Spitzer-Weimar, vergißt Alle», was ihm in seinen >ctzigen .'iram nichl vaßl. Seine eigene -Äbsiainniung, 'eine Allvordere» auS'dem Ge'chlechle der von Declert »nd Opitz io verbaßlen „Nomaden" sind seinem Gedüchmissd-völlig enlschwnnde». Zum Lobredncr gcwiner Ebaraklere iß er durch die»' Gedächlnißschwäche vorzüglich geeignet. So >agt er zur Verherrlichung de» HosralhcS Maaßcn, der nun in den wohlvcrdienlen Ruließaiid tritt, daß derselbe seit seinem llebertritte zum KatkoliciSniuS sin Jahre!>.">! ein „energischer Vorkämpfer der katholischen Rechte geiveien" sei. Spitzer Weimar nergißl ganz dir Periode, in welcher Hosralh Maaßen einer der Wori'üKrcr der alikazholischc» Beweguiig war, denn e» ist doch , nichl aiizuüelii.ien. daß ein .nälkSburgcr Jntentivncn enlsprechendes Blältchen den Kamps wider die päpstliche Unt'elllbarkeit alS ein Einlrelen für die lalbolische» rllechtc ane.lkenuen sollte Vergeßlichkeit zur richligen Zeit und am richtigen C ne scheint sür antisemitisch reaclionäre Scribenlen auch ezue ganz gute Erwerbsanelle zu 'ein. Sie beschweren ihr und ihrer Leser Gedächlniß nicht dnrch die Eriniierniig alt nnbeaueine Thaisachen, und „Kork schwimml" — >agie einmal Prosenor Eduard Sueß' iin' niederosterrcichischc» Landtage. lZur Orgllilisakioil drr Bckkklci.i Ein in der „Osttcnlsche» Rundschau" veröficnllichter Ausruf an die a»liseniitt>'chen Studenten fordert dieselben aus: „Wirket und werbet, wohin immer ihr kommt, im Krene eurer Familie, eurer-Bekannten, in fLuchtsr üblicher Runde, wie am srober Wanderfahrt unablässig sür unser einziger deutsche« Tagblatt, die .Ostdeutsche Rundschau'! Leder von euch ist ohne viele Mühe imstande, ihr während eurer nationalen Ferienarbeit mindestens zwei neue Abnehmer zn^usühren." Für Studenten, die ihre meiste Zeit in feuchtfröhlicher Runde verbriizgen, ist dar wahrlich eine ihrer würdigt Beschästigung. Bei der von der „Ostdeutsche» Rundschau" so sehr beklagte» „Kargheit" reicher „Rergler" werden sic freilich oft solche Antworten einstecken müsten, wie sie Schönerer Verehrern seines GelbsackeS zuthcil werden läßt. Ln der letzten, am 1. Heuinoiiat erschienenen Nummer der „Unverfälschten Deutschen Worte" ist folgende Briefkasten - Notiz zu lesen: „A. Fr. u. Andere: Belästige» Sie Herrn Schönerer doch nicht mit solch unsinnigen Ansuchen. Glauben S'»- Schönerer ist ein GrüniS? Schweigen- Sie einfach, wenn Sie sich in abhängiger Stellung befinden. WirthSbausicandale fördern unsere Bewegung nicht. Deutsch-national sei», heißt nicht flegelhaft seikkT" l

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