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Freies Blatt · 1894-07-08 · 118 (8.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
118 (8.7.1894)
Date
1894-07-08
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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.freies Blatt. JCItC «> von Großschlächterniciskern, welch letztere in der Praxis schonseit vielen wahren die Erfahrungen gemacht haben, welche jetzt wissenschaftlich begründet sind. Darunter befindet sich auch daS Gutachten des Berliner Großschlüchtcruieifters Ho ff in an n. Derselbe hat dem Hofrath Dembo geschrieben, daß er, obwohl Ehrisl. die Schächlmcthode schon seit Jahren , »uwciideke, weil er die Erfahrung gemacht, daß dieselbe die leichteste Todesart für die Tbiere sei. Allerdings verliere dadurch das Thier an Schlachtgewicht, allein dieser augenblickliche Schaden werde doch ausgewogen durch die Güte' und längere Haltbarkeit des Fleisches. Toctor Krüger schloß seinen Bortrag mit der Erklärung, daß ein llrtheil über die bene Schlachtmcthodc nicht den Schlächtermeistern, auch nicht den Thierichützlern, syudcrn allein den -Physiologen .zustehc. Bom lugicmschcn Slaudpunkre aus könne man nur wünschen, daß die jüdische Schächtiiicthodc endlich -die Anerkennung findet, welche sie verdient Tic Staatsbehörden hätten alle Beranlassung, nicht Bcrbotc gegen diese Schlachtnierhode zu erlasse», sondern die allgemeine Einführung derselben zu bewirken. Aus, eine Anfrage des Geheimraths Spinola bciuerklc Tr. sirügcr, daß das gefchächtcie Fleisch auch eine größere Schmackhaftigkeit und leichtere Bcrdaulichkcit besitze. Mit Zufnmiiiuug der Bcrsammlnng erklärte Gehcimrakh Spinola sda die (Gesellschaft keine Refolnkion faßtdas volle Einvcrständniß der Bcrsaniniluiig mit den Ausführungen des Bortragenden und den wisicnschaftlichen Forschungen des Hofraths Tembo.; 3ic wolle» jKirtout arm still.) Tie Berliner „BolkSzeituug" 1;jt sich der Mübc unterzogen, die „Rothlagc" der preußischen Junker t'sfcrmüßig nachzuweisen. Tie Provinz Tslpreußen zählte, wie das genannte Blakt constakirk, am K> Jüirncr 1883 38Z.5>7»5 Pferde, ^24 044 Rinder, lilO052 Schweine,' am l Teccmber 1 423.702 Pferde, i>"' Rinder, 6'0!>.071 Schweine. Es halten ioiiiit an Stückzahl die Pferde «IN 105, die Rinder UNI Kr:?, die Schweine um -7 7 Pcr-.eiir zugeuommen. Ter Berkaufswerth der P'crdc in der Provinz Tüprcußen stieg von IOO,Ki0.70O auf I20,887.000, der Rinder von 110,334.300 auf 147,0*>3.600, der Schweine von 20,714.200 auf 30,404.200 Mark. Danach hatte in T srvreußeii der. Berkaufswerth der Pferde um 20 7, der Berkaufswcrih der Rinder um 23'2 und der Berkaufswerth der Schweine um 472 Perccnk zngcnommen Das Eigcnthümliche daran jsi, daß die osipreußischen Agrarier die Feststellung ihrer wirthschaftlichen Fortschritte und ihres relativen Wohlstandes gewöhnlich mit einem Wuthgehcul beantworten. Sie wollen purt-ait arm sein, um durch Huucherung neuer AuSbcutnngsprivilcgicn inuncr reicher zu werden. In ihr n Trganen werden unterdessen die Juden als die einzigen Ausbeuter ^des christlichen Volkes, die seinen Ruin verschulden, hingcstcllt. Unsere vaterländischen chrisilich-soeialen Eavalierc aber mögen zwar keinen preußischen Junker leiden, doch ihre Methode, nach Prosit zu Haschen und dabei über die Habsucht der Juden entrüstet zu thun, befolgen sie gern. Aus drill aiitisciilikischcil Bcrbrcchcrwiukcl. In Hamburg wurde der Aniisciniicnhänpiling -8aufmaun Behnisch, der bis nun die Agitation in Altona leitete, auf Tennnciation feines bisherigen Freundes, des antisemitischen Agitators Troguisten Fuhrmann, unter der Beschuldigung wiederholter W c ch s e l f ä l s ch u n g r n verhaftet. Fuhrmann dürste damit seinem Eoneurrenkcn nur einen Tiensi erwiesen haben, denn wenn Behnisch wirklich verurthcilt und ei» Tpter des römischen Rechtes wird, so steht ihm eine, glänzende Earri'-re als antisemitischer Parleimann bevor. Borbcftrafung scheint nachgerade die unerläßliche Borstufc zu hohen Ehren in antisemitischen Hiciicn zn 'ein. Letzthin bcnchtetcn wir, daß in Köln ein gcwisicr Breilw-isch, ein Mensch, der wegen Meineids mit 18 Monaten .-Zuchthaus vorbestraft ist. der Hauptführer der dortigen Antisemiten ist, als welcher er denn auch kürzlich Ahlwardt in einer Bersanimlung als Borsitzender zur Seite gestanden hat. Ruiimchr erläßt der .. Teni'ch-socialc antisemitisches Bercin 'Köln" einen Aufruf „an alle 'ninungsgenosien TcuischlandS" zur Bckhciligung an einer am Aied rivald Denkmal stallsindeudcil großen Feier, und,diesen Aufruf bab.-n E Brcitwi'ch und ein Hauprmann a. T. v. Warendorf a.s ..F.si.rmit-" unterzeichnet. Ter Mann macht also bereits Carrv-rc nii? wird demnächst am. Riederwald-Denkmal an Ahlwardt's Seile als i-..::i.iiei Interpret antisemitischen „Teutschthums" fungircn cuuisemilischen Vereinen und Der samnüungen. -Ohnmächtige Wuth., In eine- Anli'cniirenversainmlung in Margai eiben producirre sich Lueger mit einer Teclamarion über sranzösische und ungarische Zusiände. Man kennl die Mache die>es Artisten der Bolksrednerei, welcher, wie e« scheint, seine rhetorischen Stutlie» in dem weiland Musen tempel der Frau Valerie Grev in der Canovaga le absolvirt hat. Was ihm an Sachkenutniß mangelt, erseht er durch Scheins atho«. mächtigen Wuth jener Patrone, als deren Anwalt die saftigsten fk-aft- und Schimpfworte gegen Ju'en und Freimauer Ausdruck, wobei er auch mit dem Galgen drohte. Zwei Stellen in seiner Declamation wurden, als sic ein Radaublatt wiedergab. von ständet. Lucger'S geistliche und weltliche Clienten und llngarn nur dann zufrieden, wenn in PariS Drumont, in Budapest aber Ratiu oder Hnrban da» Heft an die Hand bekämt. (Bkispiellosc Bescheidenheit.) In einer- Versammlung christlich socialer „Arbeiter" tischte neulich ein antisemitischer S hwätzer wieder die Lüge aus, daß den Jude» in Galizien weit mehr als die Nr. HK. Lueger lieh der ohner gegenwärtig auftritt, durch der Staatsanwaltschaft beanwären wohl mit Frankreich , pülflf des gesammten Grundbesives gehöre. Wäre den» wirklich so, dann besäf e» die galizischen Juden auch Reichsraihe, noch im Lemeincs galizischen Großgrunteinc beispiellose Bescheidenheit. Weder im Wiencsc berger Landtage war bisher ein Jude Vertreter besiver- oder Landgemein de»'Wahlbezirkes. (TaS Fest in der Wachau.» Im „Vaierlsuid Wachau aus Grund eines Berichtes, den da» „Der tsche Volksblatt" über dasselbe gebracht hatte, eingehend gewürdigt »ud ein Zug ein Zug von heroischer Lclbstüberwiudiing, der die heidnische Sonnwendfeier anknüpfcndcn Fest zi hast rüdrend und erhebend bervorgehobe». In dep merkt da» ,,Vaterla»d": „War es nicht schön, iniieriingen selbst au» Mühldorf, der ,H eimoll Hälfte der Einwohner nach Spitz gewandert war. bürger und gewesene» Bürgermeister zu huldige»? die in harter Arbeit gewohnt sind, da» Gefühl zukämpfen, fällt ein - Act der Selbstüberwindung echt christlicher Versöhnlichkeit, 1 ici diesem nur äußerlich an Tage getreten sei, als wahr- Form einer „Zuschrift" be dhst trotz aller schlimmen Er- Vergani'S, beinahe die um ihrem wirklichen Ehren- Aber bei sy schlichten Leuten, nttercr Enttäuschung »iederkaum auf. Ganz andere' Wirkung übt es, wenn rin Mann wie der ReichSr ,th»abgeordnete Tr. Lueger. dem seine Feinde einen ungezügelten Ehrgeiz und dichten, durch die Tbat beweist, daß er sich willi > einem Höheren unterordnei und im Interesse der geineiuiameei Sache jede seindung nicht nur verzeiht, sondern großmülhig ve Mameluk. Ter Geboriam. die Selbstuberwindu» , sind ljöhere Tugenden, und diese Tugenden hat Tr. Lueger bekundet in der pri der Jause im Wirlhshause des berühmten Marktes Markte wächst. .Ter Man»,-der von so viele» und verlästert wird,' sagte Tr. Lueger unter Anderem, .kann sich mit dem Spruche trösten: Viel Feind', viel Ehr'! Vergani Huk in den Verlretungskörpern und insbeiondere durch sein von ibm begründete» nur stels seiner Wähler, sondern auch, und zwar ganzen deutschen., de» geiammien Pflicht jede» Christen, jede» 2 eulschcn, jede» Vergani und sei» llnlcrnebnun, da» ,Deutsch! halten!- In gerechter Anerkennung der selbstlose, Haltung Tr. Lueger'S bei die>'er Gelegenheit bebt der Verfasier deS Wachau» r FestberichteS hervor, daß der Bolksmann Lueger nie die Verdienste seiner College» geschmälert und sich neidlos qn den Erfolge» seiner Mitstreiter enrel t.-hak. Aber er deutet das Maß der Selbstailiopserui-.g des Tr. Lueger in die ein Falle nur leite an, um dessen Bescheidenbeit nicht in geschämige Verlegenhe wird das Fest in der eine grausame Rachsucht anerlittene Unbill und Angißt. . . Mnth hat auch der i ästigen Rede, ivelche er nach hielt, wo der Wein auf dem eiten angefeindet, geschmäht .Teut'ches Volksblatt' nicht nit aller Entschiedenheit. de» christliche» Vo^es in Lesterreich gedacht. Antiscmilc» ist e» daher, Volksblatl' in Ehre» zu l zu .die früheren Beziehungen zwischen Verglani kan» die Großherzigkeit Lucger's in Sp Wert he würdige». ES war eine Zeit, Herr v ihm der Adel weder durch das Gericht, noch durch vergani abgeiprochen) weiß da» genauer, es war eine Zeit, wo Herr Bergan den gefährlichsten Schädling für die den! Wien bezeichncre und ihm nur die Wahl ließ den guten Tr. Lueger als ch >» a I i o n a l e Sache in Epischen einer Häutung jin deutsch nationale» Sinne oder dem llnigebrochtir erden. Bei der bekannten inehnie», daß er sich uiiter eine deutsch-nationale Haut Standbaftigkeit des Tr. Lueger kann man nicht a dem gelbendtii Einstuffe des .Teuischen Vvll»blatt' angeschasst hat, sondernmau muß es für gewiß olnseheu, daß er seschält an seiner früher io oft documentirten schwarz-gelben .lebeLzeugring. Um *o verdienstlicher ist es von ihm, daß er trotzdem, in ö fentlicher Beihätigung einer nicht alllüglicheu PeriöhnlichkeU, nicht nur selbst Herrn Vergani und. dessen etwas ihrenverschuldeles Uiilernehincn in Ehren Hi ll, sondern allen Christen überhaupt, jedem Teulschcn insbesondere, ganz spec ell aber allen Anlisemilen die heilige Pflicht auferlegt, dasselbe zu ihnn. Inn rlich >var gewiß das eben hcrvorgehobene Moment des Wachauer Festes das bedeutendste. Aeußerlich wirksamer war vielleicht der Augenblick, wo Herr Bwgani aus den Ruine» der Raubritierburg der jiuenringc seine Getreuen aus orderte, eidlich zn geloben, daß sie nicht eher ruhen wollen, bis nicht die Raub ütter, .die jetzt nicht mehr auf steilen Felsen, soiidern unten im Thale, oft in I errlichen Palästen wohnen', niedergeworfeii und an jeder weiteren AuSbeutuiii hindert sind Man kann nur wünsche», daß der geisterten Gefolgschaft enlblößte» Hauptes und mit bringen. Rur wer und Lueger kennt, »ach-ihrem ganze» : ch ö »c r e r < damals war geleistet wurde, auch so, wie Herr Vergani eS sorder le, biS zum letzten Athemdes armen Volkes ver- Schwur, der von der bescierlich erhobenen Händen

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