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Freies Blatt · 1894-07-08 · 118 (8.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
118 (8.7.1894)
Date
1894-07-08
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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I Nr. 118 Freier lassen. In der That blieben auch die ersten vier „Conferenzredcst" von der Behörde unbeanständet; allein die fünfte, die vor einigen Tagen int Drucke erschienen, wurde von dem von Herrn Deckert nicht vorhergeschencn Schicksale erreicht und wegen des durch sie begangenen Delikteder Aufreizung gegen eine gesetzlich anerkannte RcligionSgenosicnfchaft nach § 302 St.-G. und wegen des Verbrechens der Religionsstörung, begangen durch Gotteslästerung nach tz 122 a St. G vom Staatöanwalte consiScirl. Das hiesige Vandcsgcricht hat die Beschlagnahme bestätigt, daS Beybot der Wcilcr- Verbreitung ausgesprochen und auf B e r n i ch l u n g der saisirlen Exemplare erkannt. (Tic Eroberung von Jndknbnrg.) Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: „Bor einiger Zeit hielt ich mich einen Tag in Sbcr steiermark auf, wo ich zur Kcnntniß folgenden Vorfalles gelangte: In Judcnburg besteht ein kleiner Bierbrauer, Haberl mit Rainen, ein noch junger Mann, der eene von feinem Vater ererbte Brauerei sammt Hotel und Wirthschaft — vcrwirthschastet. Da er seinen Vcr bindlichkeiten nicht-mehr pünktlich nachzukommen vermag, ist daS früher blühende Unternehmen schon cinigemale in Stockung gerathen, und zwar weil er sich nicht Hopsen und Mat; auf Ercdit verschaffen kann. Da die Hopfen- und Malzhändler meistens Juden sind, deren einer kürzlich ein Sequester auf ihn erwirkte — ist Herr Habcrl Antisemit geworden, und zwar der Wüthendsten Einer. DaS entbehrt nun allerdings mit Rücksicht auf die localen Verhältnisse einer gewissen Lächerlichkeit nicht. Denn es leben im ganzen Industriebezirle Leoben- > sinittelfeld-Judcnburg nicht mehr als etwa zehn jüdische kleine -ttaufleutc, denen cS nichts weniger als glänzend geht und die. nicht sehr viel zu verlieren haben. Immerhin ist das Wenige ihr AllcS, und gelingt es, die antisemitische Bewegung in diese Gegend zu verpflanze», so müssen die Ikeute eben Weggehen. Da Herr Habcrl allein nichts auSrichlcn kann, verfiel er auf die Idee,. Schönerer cinzuladen, in Judcnburg einen Vortrag zu halten, und dieser erklärte sich hiezu bereit. Schönerer ü Eroberung von Judcnburg war für den 27. Juni aiibcranml, mußte aber, vcrmnthlich aus strategischen Gründen, auf den 20. verschoben werden An diesem Tage gewann er die Judcnburgcr. indem er ihnen das Gcheimniß offenbarte, daß die Juden und Socialisten die sociale Revolution und Republik wollen. Ein Schlosscrmcister H a w o r k a war von dem Gehörten entzückt und huldigte dem Eroberer. Herr Habcrl hat somit an dem scquestrirenden Hopfen- und Malzhändlcr sowie an dessen Stammcsgenosicn sein Müthche» gekühlt." (Ein tolcrailkcr ^iirchcnsürsk.) Man schreibt UNS aus Lemberg: Wie, der römisch-katholische Bischof von Tarnow, Herr Ignaz 2 o b o s. ist auch der griechisch-katholische Metropolit, Erzbischof Dr. Snlvcster S c m b r a t o w i cz, ein toleranter Äirchensnrst. Ans Anlaß einer kirchlichen Feier kam neulich der Metropolit in das. Städtchen Gstiniany und wurde dort auch von einer Deputation der israelieschen EultnSgemcindc begrüßt; er äußerte darüber seine lebhafte Befriedigung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Angehörigen verschiedener Eonfcssioncn, die ja Alle Äinder Eines Gottes seien, mit , einander in Frieden und Eintracht leben sollen. Richl nur der jüdischen Deputation gegenüber, sondern auch in der stirchc sprach der Metropolit diesen Wunsch aus. Mögen ihn namentlich jene Rnthcnc» beherzigen, welche ans Sympathie für' das benachbarte Czarenreich auch den Geist russischer Unduldsamkeit verehren uizd sich bei jeder t^clegcnhcit Mühe geben, Judenhaß zn züchten. A. K. (Tic Zlldcir in RllßlüttÜ.) Anläßlich seines Aufenthaltes in Lemberg erklärte der Haudelsm »ister Graf Wurmbrand im tdeipräche mit Mitgliedern des R'inbcrgcr Gemcinderathes und der Handelskammer, die österreichische Regierung sei eifrig bestrebt, bei der russischen Regierung dahin zn wirken, daß iin Sinne dcS österreichisch russischen Handelsvertrages allen österreichischen S l a a l ö a ngc h ör igc n ohne Unterschied in R uß l a n d eine gleich mäßige Behandlung zuthci l werde, und man dürfe erwarten, daß diese Bemühnngen Erfolg haben werden. .Dieser Schritt der österreichischen Regierung soll die österreichischen Staatsbürger jüdischer Eonfession, welche in Rußland leben, vor jenen Vcxationcn schützen, unter welchen bekanntlich die russischen Inden so bitter leide», llcbrigcns scheint sich die russische Regierung, »ach einer neuerliche» Verfügung zu schließen, auch gegen die heimischen Juden einer im Mrglcich mit dem bisherigen Vorgehen immerhin bcincrkcnswerlhen Milde zn befleißen. Personen israelitischer Religio», welche im 'Widerspruch mit den gesetzlichen Bestimmungen in den innere» Gouvernements leben, wird neuerlich nämlich das Recht verliehen,. Handelspatente bis z» den durch daS Ministerium des Innern für die Ucbcrsicdlnng nach dem gesetzlich begrenzten AnsiedlungSrayon bcstiiumtcu Fristen zu lösen. ES ist dies übrigens nicht der erste Schritt, durch den die russische Regierung zugestcht, daß ihr angeblich nur zum „Schutz des wirtlp t Blatt. t ' ' reite f» schaftlich Schwächeren" ersonnenes Judcnvcrfolgungssnstcm just ans wirthschaftlichen Gründen undurchführbarsei. (Zur Schälhksragt.) Die „Deutsche Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege" hielt vorige Woche in Berlin im Hörsaale des hygienischen Instituts ihre letzte Sitzung vor de» Souimerfcrien ab. Zu dieser Sipung halte der bekannte Physiologe Hofrath Dcmbo aus Petersburg einen Vortrag über den physio logischen Werth des nach verschiedenen Methoden geschlachteten Fleisches zugcsagt. Hofrath Dcmbo, der ^ich jetzt in Paris befindet, hatte jedoch' dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Geheimen SbcrregierungSrath Spinola, die.Mitthcilung zugehen lassen, daß cS ihm leider nicht möglich fei, zur Zeit nach Berlin zu kommen An seiner Stelle hielt Tr. Si. rüge r von der chemischen Abthrilnng des Physiologischen Instituts, welcher mit den Forschungen Hofrath Dcinbo'S genau vertraut ist, einen Vortrag über die hygienisch». Bedeutung der verschiedenen Schlachtiiiethodei!. Er verwies zunächst auf-den Vortrag, den Hofrath Denibo 188!» auf dem hygienischen Cougrcß über die verschiedenen Schlachtmethodcn gehalten, in Folge dcsie» vom Eongreß “’ciixe Eonimission eingesetzt wurde, welche die jüdische Schächtinclhodc einer eingehenden Prüfung zu unterziehen hatte. Rach viermouatlicher Thätigkeit erstattete diese Commission ihren Bericht dahin, daß sic keine Ursache gefunden, die jüdische Schächimcthodc für schlecht z» ' halten. Hofrath Dcmbo hielt die Aufgabe, die beste Schlachtmethödc zu erforsche», aber für so wichtig, daß er ganz Europa durchreiste, die verschiedenen Schlachtmethodcn studirte,^ (Gutachten von praktischen und wissenschaftlichen Sachverständigen cntgegcnnahm und selbst Schlacht- Versuche mit nachfolgender Sbdnetion au -ttaninchen nach den verschiedenen Schlachtmcihodcn vornahm Die Versuche und RIultaie Dcmbo's habe» auch zu Versuchen und llnicrsnchnngcn aus dem Berliner städtischen Schlachthoi und im hygienischen Institut geführt, und der Vortragende nnternahm cd, die gewonnene» Resultate wisscnschaftlich zn begründen. Er bczeichnclc diejenige Schlachlmcthodc als die beste,' bei welcher die Todcsstarrc am ehesten ciniritt nnd-'am längsten an-, dauert. Wissenschaftlich ist die „Todesstarrc" diejenige Zeit, innckhalb deren das Fleisch der geschlachteten Dhicrc fest und genießbar und nicht in Fäulniß übergehend bleibt. Je blutreicher geschlachtetes Fleisch ist, umso eher ist es dem Verderben auSgcsctzi, je blutarmer, »mjo länger hält cs. Versuche an tkaninche» haben ergebe», daß bei der TödlungSarl mittelst Stechens die Blutmenge bei gleichartige» >ia»i»chcn 80 Gram»,, bei vorheriger Betäubung durch Ropfi'ch'Iag nur 60 Gramm, beim Schächten dagegen 00 Gramm betrug. Die Todcsstarrc trat beim j Schächten bereits nach l >>> Minuten, beim vorherigen Betäuben durch! äiopsschlag erst nach 2 3f> Minuten ein; sie hielt bei gcschächtctcm j Fleisch 18 Tage, bei dem anderen nur 13 Tage an (d. h. im Winter, im iiellcr des Hygienischen- Instituts bei 3 bis 7 Grad Temperatur,. - Untersuchungen' im Hygienische».-Institut von ans dem Schlachthosc - geschlachtetem Fleisch von Schien und Kaninchen ans die Menge reinen ' Ammoniaks haben ergeben, daß bei geschächteicm Fleisch erst nach fünf ■ Tagen dieselbe Menge Ammoniak zu eonstqrirc» war wie bei dem j nach voraüSgegangener Betäubung geichlachicle» schon nach drei Tagen, l Der Vortragende behandelte hieretus die Frage, welche Schlachtm/thode - für das Thier die qualvollste sei. Unstreitig sei die grausamste Methode ' die durch den piaetcnstich Genickstichj Es sei erwiesen, daß dadurch ' nicht das verlängerte Gehirn verletzt werde, sondern nur das strückcn- - mark. Ties habe eine sofortige VäKmnng der untere» Erircmiläicn zur . Folge, das Tlsier stürzt sofort hin, bleibt ab;r bei Betvußtsciu. Tiefe - grausame Schlachtmethode sei bis auf einzelne i» Rußland noch vori kommende Fälle auch bereits verlanen. Beim Schachten i Durchschneiden der großen Halsader trete die Bewußtlosigkeit sofort, nach , drei bis - fünf Sekunden, ei», während, beim vorherigen Betäuben durch den ■; xiopfschlag mindestens iünszeh» Seeüuden bis zum Eintritt der Bcwußt-! losigkeit vergehe». Wie eonstalirl, seien oft sieben bis acht Schläge - zur Betäubung eines Schsen erforderlich, das Bewußtsein schwinde , aber erst beim Blutausfluß. Die Angriffe der Thierschützlcr und Gegner I des Schächtcns, daß die zivei BerreKralarterien bei dem Halsschnitt i unverletzt blieben und somit noch eine.Blntzusuhr nach dem Gehirn! stattfändr, das Bewußtsein also bliebe, wie airch die Zuckungen dcr i Thicre ergebe», seien vollständig haltlos. Bei dem Durchschneiden der ' großen Halsader werde daS gcsammte Gewebe gleichmäßig in Angriff l gcnomme», - die Arterien können mithin dem Oschirn kein Blut zu ('führen. Die »ach dem Halsschnitt cinlrclendcn Zuckungen des Thicrcs ' finden eben nur nach plötzlich cintrctcnder vollständiger Bewußtlosigkeit! statt. Von diesen Mriskelbewegringcn, welche die Blntentlecriuig-'n ■ äußerst begünstigen, fühle das Thier gar nichts. Dieser Zustand treffe j auch auf die Fälle zu, wenn Hühner, Enken, Gänse »ach vollständigabgeschnittenem At'ovfc sich noch fonbewegen. Der Vortragende verwies - auf 'eine große Anzahl Gutachten ans wissenschaftlichen .Kreisen und

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