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Freies Blatt · 1894-07-08 · 118 (8.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
118 (8.7.1894)
Date
1894-07-08
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Posten beworben hätte, stellte -er entschieden rVrneralserreiär, worin Geider um Bekanntga >c de» Entschlüsse« der Gesellschaft freies Blatt., in Abrede. Einen Brief an den liiuninne" angebote» habe, fall» nicht bekomme, atidere „geeignete Persönlichkeiten" Antwort Frigyeisi» lanletc: ZWir bedauern, auf können." Adolf Frigyessi, Ge bittet, suchte er dahi» aufzuklären, daß er der Ried den varantcn Posten »ainhasr zu inache». Tie .ihre angcboteue» Dienste nicht restectireu zu neralserreiar der liiunione Ailriatica“ in Triest, deponirte al« Zeuge: Er habe Gelder erst au» dem anonymen Schreiben kenneu gelernt, in dem dieser al» Generalsekretär für Wien in Borschlag gek rächt wurde. Tau» sei ihm jener vielbciprochene Artikel mit der Randglosse rIiiani(me!‘ zugekommeu. Derartige Artikel wurde» der Gesellschaft aber häufig zug rsaudt, ohne Beachtung zu finden. Al» Früiuefsi am IO. März nach Wien kam, sei ihm Geider geradezu nach gelauten und habe sich ihm aasgcdrängt. Al»!er Geider endlich empfing, habe dicier »ach einer umständlichen Einleitung sich ganz direct um de» Posten eine» Generalsecreiär» beworben. Ec habe sich „ lvcitgehcuder Bekauntschasten mit Reiäidralhsabgcordnetcu" gerühmt. Dann have er etwa» vom Belohne» und Bestrafe» gesprochen, ungefähr in dem Zusammenhaug, al» ob die Gesellschaft, ivenn sie ihn anstelle, belohnt, anderseits aber bestraft würde. Daß Gelder Ried iu Borschlag gebracht habe, sei vollständig unwahr. klebrigen« habe die Be Meldung Geider'» um den hohen Posten eines GeneralsccreiärS lebhafte Heiter keil bei der Gesellschaft erregt. Man habe eben die ganze Geschichte nicht ernst genommen. Tobaid aber dann die, Interpellation de» Abgeordneten Maifee im Parlament erfolgte, habe er geivußt, daß'die» auf eine Inspiration de» Stellen Werber» Gelder zurückzuführell sei. — Richter: Herr Geider, wie erklären Tie mir da», daß Zbrc Aussage der deS Zeugen geriide entgegengesetzt ist. Haben Tie Mi ttir Jbre Pcrion um den Posten bewerbe >? - - Geider (erregt): Rei», ich bade mich nie beworben! Ries — Zeuge Tie haben sich doch beworben. Richter'szum Zeugen«: .llönuen Tie Ähre RuSiagebeschwören? — Zeuge: Za, mit rubigei» Gewisse». — E» folgte sode nn die Beeidigung deS Zeugen, der »och anzab, daß der Privatklüger eine, Brief an den Tirector de» ..Pbönli" gerichtet habe, in welchem er deuielb:» bat, er möge bei evenlucUen Anträgen über seine Geider'») Person günstig, ÄuSkunst geben.. Auf Antrag des Bertheidiger» Dr. Brüll-Reuda ivurd1 der Dircctoc de» „Phönix", Dr. James «lang, sofort durch de» Gcrichis^iener zur Bcrhaudlung geladen. — Der folgende Zeuge, der Beamte der Jtiunjunc" ZohannRicd, für welche» sich Geider angeblich eingesetzt haben will, stellte! ganz entschieden iu Abrede, daß er icinal» Geider gebeten Habe7 ihn in seiner Eandidatur zu uuterstützeu. — 'llichtcr >;u Geider»: WaS sagen Tie dazu'?! Dieser Zeuge dcSavouirt Tie vollständig! — Geider: Der Mann lhat mir in seinen vergeblichen Versuchen leid. - Richter: Da» war alio eine Unterstütznug »vider Willen. — Der Zeuge Tigmund Reich. T ccrelär der „I!i»ni>n>.-", gab an, e» habe ihn nicht wenig gewundert, daß ein kleiner Beamter, der wegen Agitationen gegen die eigene Gesellschaft entlasseu worden war, die Hand »ach der höchste» Ehrenstelle .er ..Jümii"»,'" ausstreckle. Dulch das Erscheinen de» inzwischen herbei gehqlik» Zeugeu Dr. Zaine» Klang. DirectorS de» „Phönix", nahm die Ber Handlung plövlich eine ganz unerwartete Wendung. Dr. Klang prodiicirlc näi»!,ch einen Brief, de»,er von Geider erhielt, mtb in ivclchem dieser schreibt .. ,'»t> habe mich heute um den Posten eine» GcncraliecrelärS bei der „Kitini<>nc A'li i.itii-a" beworben und bitte Tie, ineiue Eandidatur zu fördern und zu einp'ehleu. Die Besetzung de» Postens durch mich wird nicht nu^mich, sondern allerscit« befriedigen." Die Frage de» Richter», was Geider zu diesen, Briese sage, ließ dieser unbeaulworlel und sagte schließlich, als der Richter seine Frage mehrmals wiederholte, ÄlleSf wa» in dem Briefe stehe, sei unwahr. Schließlich erklärte der Richter, daß er das ganze Berfabreu sistire, da hier ent lchiedeu von Teile des Kläger», der als Zeuge vernommc» worden war, eine Unwahrheit vorliege, die sich al» Verb rechen de» Betrüge» qualificire. Es werde daher der Act an da» tzandeSgericht geleitet werden. Rach Schluß der Verhandlung rief Pollitzer im Lorridor erregt auS: „Und wegen eines solchen Menschen werde ich vier Monate fitzen!" »„Tic Judenmord Predigten i» der Kirche zu Weiiihans.") Bor einem Erkennlnißscnatc -unter drin Präsidium de» Piccpräsidcnkcn Dr Ritter v. Holzingcr erhob Reichsralhsabgcordncter Dr. Bloch Einspruch gegen da» Erkennrniß der Staatsanwaltschaft vom 27. April 1*'.4, mit welchem die Rümmer 17 der von ihm hcrausgcgcbcnen ..Destcrreichii'chen Wochenschrift" mit Beschlag belegt wurde. Anlaß;u dieser Maßregel gab ein gegen Pfarrer Dr. Decken gerichteter Artikel, welcher den Titel führte: „Die Jndenniord-Predigtcn in der Kirche zu Weinbau». Ein Wort der Abwehr." Staatsanwalts-Substitut Freiherr-v. Distl-r führte au», daß einzelne Stellen diese» Artikel» Angriffe 'aus die karbofti'che Kirchx, die Institution de» Papstthums und ein Dogma der kalhdlischen -Kirche enthalten. Der Bcrtrercr des Einspruchswerber», Dr. Emil Frischancr, meinte, so verlockend c» wäre, darauf cinzugehen, daß Pfarrer Dr. Dcckert in Folge feiner Predigten nicht verfolgt wurde, während die Entgegnung Dr. Bloch's auf diese Angriffe durch Eonfiscalion einfach beseitigt werde, so wolle er hier die Ursachen der doppelten Handhabung des Gesetzes nicht uulcrsuchen. Der Artikel des Dr. Bloch sei eine Antwort auf die Predigten deS Pfarrer Deckcrt. Dieser habe Pflichten vereinbar gefunden, förmliche Helweden gegen die Juden zu Nr. 11«. eS mit seinen priesterlichen >udcn heilig ist, verspottet, 's „DemokritoS" al» solche esen, und dadurch bewußt halten; er habe in diesen Alles, was dem sich nicht gescheut, ganze Capitel aus Webers auS dem Talmud seinen Gläubigen vorzub den Talmud gefälscht. Da die Behörde nun hiegcgen nichts getha» habe, mußten sich die Juden selbst helfen. Was thut nuw Dr. Bloch? Er sage, cs wäre so leicht, aus einzelnen abgerissenen Stellen, au» scholastischen Ausführungen von Kirchenvätern gegen den KatholiciSmuS Angriffe zu erheben, füge aber bei, daß so etwas unstatthaft sei. Warum nun, frage Dr. Bloch in seinem Artikel, ist cs dem Pfarrer Dcckert gestattet, aus einzelnen Borkommnifscn im Judenthum aus daS ganze Judcnthum zu schließen'? Ter Aufsatz sei nichts Anderes als eine Abwehr des Dr. Bloch; es müsse sonach dem Einsprüche stattgegcbcn werden. Hierauf ergriff Dr. Bloch das Wort zu folgenden Ausführungen: Ich sehe mich gegen meine Absicht gcnöthigt, das Wort zu ergreifen, um auf einzelne Bemerkungen deS geehrten Bcrtrctcrs der Staatsbehörde zu antworten. - Bor Allem protestire ich gegen die Zumuthung, als ob der Artikel einen Angriff gegen die katholische Kirche enthielte. Ich gehöre einem parlamentarischen Club an, welcher die Jntercstcn des conscrvativcn Gedankens und der katho lischcn Kirche insbesondere stets wahrte. AljS jüdischer Geistlicher habe ich längst die llcbcrzcugung gewonnen, daß stier gegenseitige Kampf der Eonfcssioncn, mit den Mitteln des HafscS und der Bcrbitterung geführt, bloß der Glaubenslosigkeit Borschub leiste. Richt ein einziges Wort findet sich in dem confiscirtcn Aufsätze, welches die Ehre der katholischcn Kirche antasten würde oder gegen die Institution de» Papstlhum» gerichtet ist. Wenn ein Urthcil des Eardinals Baronin» über die Päpste de» X. Jahrhunderts citirt und wenn gefragt wird, ob Johannes .XII., Gregor V., Johann Xi'l, BonifaciuS VII. und lliban VI. heiliger waren als der Erzvater Jacob, so wird materiell von diesen Päpsten auch nicht Ein nachte iliges Wort gesagt. Wir Inden leiden unter der Thatsachc, daß nn m die Bcrgchcn Einzelner der Gcsammthcit zur Vast legt. Wir vcrwnscn als Antivort -darauf, daß cs selbst unter den Päpsten einzelne Persönlichkeiten gab, deren Vcbcn Anlaß zur Kritik bietet. Der Herr Staatsanwalt hat nicht daö Recht, dies als einen Angriff auf die Jistilution des gcsammtcn Papstthums zu bezeichnen, denn man darf die Gcsanimthcit nie für die Einzelnen verantwortlich machen. Herr Pfarrer Dcckert habe, wie schon erwähnt worden, angeblich aus dem Talmud, thatsüchlich aber au» Weber'» „DemokritoS" einzelne theologische Luriositätcn von der Kanzel herab den Zuhörern vorgeführt. Er erzählt; angebliche Gehässigkeiten der Juden gegen Andersgläubige wörtlich aut „DemokritoS", Band 5, Eapitcl X. Er hat bloß dabei die Worte: ,Was ist alles das gegen den Fanatismus der Christenheit gegen die Juden'?", die im „Demo kriios" bcigcfügt sind, wcggelasscn. Eine bcmerkcnswcrthe Encyklica des jetzt regierenden Papstes beklagt in rühren! cn Worten die zersetzende Kritik, mit welcher die deutsche Wissenschaft, ,as Alte Testament unterzieht. Veo XIII. sagt, daß die Bibel deS Alt-n Testaments die Grundlage der katholischen Kirche bilde. Bei uns n Wie» werden die Erz Väter, die Propheten, der Gesetzgeber Moses, der König David in der Kirche von der Kanzel herab in der unfl ithigsten Weise geschmäht. Ich will davon schweigen, daß die kirchlich Sbcrbehördc den König David — die Kirchenväter nannten Jcsum Christum nicht anders alö den „wahren David" —- den Sänger und Dichter der in der Kirche gebetenen Psalmen, straflos beschimpfen /üßt, allein daß der Staatsanwalt derlei Angriffe auf das Alte Tejramc rt als die Grundlage dcr katholischcn Kirche anstandslos passircn läßt, scheint bloß den Grund zu haben, weil damit auch die Juden getroffen werden. Der Antisemitismus macht immun gegen daS Strafgcs;tz. Einen einzelnen Papst darf man keiner Kritik unterwerfen, aber die Erzväter und König David, welche Säulen der katholischen Kirche sind, darf man beschimpfen, weil damit ein Schlag gegen die Juden geführt wird. Dcr hohc Gerichtshof wird eine solche RcchtSprcxis unmöglich guthcißcn. Rach längerer Bcrathung entschied der Gciichtshof, daß dem Ein spruchc stattgegcbcn werde. Der Gerichtshof and, daß in dem incriminirtcn Artikel wohl Angriffe gegen cinzcli e Päpste enthalten seien, daß jedoch die Institution des Papstthums nie ft angegriffen werde. Es sei ferner nicht das Ansehen der katholischen Kirche herabgesetzt, sondernnur Kritik an scholastischen Ausführungen gerbt worden. (Pfarrer Dcckert und keilt Ende.) Wc bekannt, hat der Herr- Ministerpräsident seinerzeit namens der Regierung die Erklärung abgegeben, dieselbe habe keinen Grund und kein; Bcranlastung gegen den Wejnhauser Pfarrer Dcckert wegen dessen ai tiscmitischer Hctzpredigten irgendwie einzuschreiten. Wahrscheinlich sicher gemacht durch diese Erklärung, hatte Dcckert es in letzter Zeit unternommen, diese acht «■ „Confcrenzrcdcn" eine nach der anderen im Drucke erscheinen zu

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