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Freies Blatt · 1894-07-01 · 117 (1.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
117 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 117. ,5 r »i e s 'Blatt. immer dos Geschäft der Onkel, die unerwartetsten und natürlich die angenehmsten Dinge im Leben zu verrichten. Mr. Hayling, wie ich Sie für diesen Augenblick noch nennen will, ich kam hieher, um mit Ihnen, mit Ihnen allein eine Besprechung von ein paar Minuten zu haben, betreffend die Zukunft diesejunge- Paares. Ich fand jedoch, wider mein Erwarten, eine Gesellschaft hier versammelt. Ich glaube, mein Herr," er wandte sich zu Harold, „Sie sind Mr. Harold Alleyne, und ich' muß sagen, daß von allen Plätzen der Erde — wie Mr. Hayling begreifen wird — dieser hier der letzte ist, wo ich Sic zu begegnen erwartet hätte — wie Sie selbst in wenigen Minuten anch begreifen werden." Mr. Hayling sprang ans „Halt!" rief er. „Ich verbiete Ihnen, sortzufahren. Wenn Sie meinen, wa- Sie sage», so verbiete ich Ihnen, sortzufahren. Welches Recht haben Sie, mein Herr, meine Pläne zu durchkreuzen?" „Wenn es Sic allein beträfe, Mr. Hayling — uiu Sic für den Augenblick so zu nennen — so würde ich sicherlich gehorchen. Aber da sind noch andere Jnteresicn — ich meine die meiner Richte — welche in Betracht kommen müssen. Ich bcdaurc, Mr. Harold.Alleync, daß Rellys Interesien mit den Ihrigen in Zwiespalt gerathen werden." „Ich ve>stehe nichts von all dem," sagte Harold, „was hier vorgeht, als daß caugenscheinlich nicht für meine Ohren berechnet ist." Er erhob sich und nahm den Hut zur Hand. „Roch nicht, Mr. Aücyne. Warten Sic noch einen Augenblick. Es betrifft Sic höchst nahe, und da wir alle bei dieser ungemein wichtigen Angelegenheit — dieser großen Entdeckung —" (wieder eine große Entdeckung? Franziska hatte das Gefühl, daß sic, wenn Mr. Adalbert Angela eine zweite neucrfundcne Methode zur Umgestaltung der Menschheit verkündigen sollte, ganz den Kops verlieren würde) „da betheiligt sind, so will ich selbe vor Ihnen Allen kundthun. Mein Auftrag ist sehr kurz. Ich habe nur Sic, mein Lord" — er nannte Mr. Hayling „mein Lord", und Alle starrten ihn bestürzt an - „zu benachrichtigen, daß ich heute Ihre früheren Anwälte mit Ihrem gegenivärtigcn Aufenthaltsorte bekannt gemacht habe, und daß gewisse Personen, deren Zengniß weder angezweifclt, noch bestritten werden kann, morgen Vormittags hieher gebracht werden, um Eurer Lordschaft Identität über alle Zweifel zu bestätigen. Edellcute von dem erhabenen Range Eurer Lordschaft dürfen ihre Existenz nicht in Zweifel hüllen. Außerdem gilt cS die Interesien meiner. Richte —“ „Onkel Angela!" rief Rclly aus. „Emanuel!" rief Mr. Hayling,. sich im Stuhle zurückwcrfcnd, gl-ich einem Ucberwundenen. „Du wußtest cS, du warst der Einzige, der cs wußte. Aber du konntest mich nicht betrügen! Rein — du konntest cs nicht. Außerdem fragtest du mich ja nie um meinen Rainen." „Diese Dinge gehen mich nichts an," sagte Emanuel. „Ich erinnere mich derselben nicht mehr, auch nicht einer diesbezüglichen Unterredung." „Welcher Lord," fragte Harold, stch entfärbend. „Er ist doch nicht gewiß —" „Und da sind auch noch die Jnteresicn," unterbrach ihn Mr. Adalbert Angela mit einer Geste, welche ihn zu besonderer Aufmerksamkeit veranlassen sollte, „meines angeheirateten Ressen — Eurer Lordschaft einzigen Sohnes und Erben." „Sohn und Erbe?" rief Anton dir Jüngere aus. „Geduld, mein Reffe. Ein wenig Geduld nur. Ich versichere Sie, daß bezüglich Ihrer Identität kein Zweifel mehr möglich, ist.. Ich habe mir die Mühe genommen, dies zu bewerkstelligen. Gestatten Sie mir, Sic in die Vergangenheit zurückzufahren. Fünfundzwanzig Jahre sind eS her, daß Sie Ihren Anwälten erklärten, fortgehen und niemals wiederkomnitzn zu wollen. Sie stellten eine Urkunde aus, welche Ihren. Bruder Lord Guy ermächtigte, Ihre Renten zu genießen und in Ihrem Hause zu wohnen. Er starh vor zehn Jahren. Seit der Zeit sind die Renten angesammelt worden. Vor circa fünfzehn Jahren hat man Sie in Limchousc gesehen und erkannt. Es ist bis zu diesem Augenblick nicht bestimmt — oder war, bis jetzt — ob Sie noch lebten oder schon gestorben wären. Sic hatten geheiratet. Sie hatten ein Kind, einen Sohn — welcher hier steht und mein angeheirateter Resse ist. Sie hatten bcschloffen, in der Verborgenheit zu leben und unerkannt zu sterben, Sic hatten auch beschlosicn,. daß Ihr Sohn niemals feinen wahren Namen und Rang erfahren sollte. Aber, sehen Sie, andere Jntcreffen sind erwachsen, welche nicht gestatten, daß dieser Vorsatz au-geführt wird. Darum müffen wir, nachdem wir das Gehcimniß entdeckt haben, zufolge dem Rechte meiner Richte, welche beiseite zu schicdcn wir nicht gestatten können, fordern, daß' Ihr Cohn öffentlich seinen wahren Platz in der Welt einnehmen soll, d. h. also der Sohn de-,hochgeborenen Grafen von Hayling fei. Er ist Anton, Vicomte Seite 9. \_ Selsey, und seine Gattin, im vertraulichen Umgänge Relly genannt, ist Preciada, Vicomtesie Selsey." Der lange vermißte Gras saß da und trommelte mit den Fingern am Tische. Wäre er des Betruges überfuhrt worden, er hätte nicht schuldbewußter auSschen können. „Gut," sagte er.^,Sie scheinen die Sache ersaßt zu haben. Wenn Sic mich auch noch identisiciren können, so ist izichtS mehr zu sagen, glaube ich. Ich bin Lord Hayling. Was nun?" „Sie Lord Hayling?" rief Harold aus. „Und ich errieth enie. - Guter Himmel! Run sehe ich erst die Aehnlichkeit, und den Rainen, und den Taufnamen!" „Ich dachte, daß man mich nie herausfinden würde. Rach fünfundzwanzig Jahren! Wo könnte ein Mensch möglicherweise -eine sicherere und geschütztere Zuflucht von dem anderen Ende der Stadt finden als in diesem Rest von Bureau in der Mile End Road? Es wäre nie hcrausgefunden worden ohne diese Heirat. Run?" Er wandte sich zu Mr. Angela. „Run, da Sie die Wahrheit herauZgcsuudcu haben, wozu wird das nun gut sein?" «Ich muß Sie erinnern, mein Lord, daß es Ihren Sohn;um Mindesten zum Erben eines ausgedehnten . Besitzes macht. Wir sind noch nicht so weil, den Besitz zu verachte», das Eigcnthum zu vcr achten." „Sie erheben diesen Jungen über die — die Sphäre, in welche er gehört; Sie geben ihm Reichlhum, sür welchen er ganz unvör bereitet ist, Sie geben ihm eine Stellung, für welche er total un paffend ist." „O, ich sage," rief der Sohn, „ich möchte die Stellung kennen, für welche ich nicht paßte." ’> Sein Vater entgegnele mit ernstem Ausdrucke: „Mein Sohn, du bist ausgewachsen mit den Idee», welche zu dem Lebe» paßten, das du nach meiner Meinung fuhren solltest, weder weiser, noch bester als deine Rachbarn. Tu sollst nun in die Reihen jener eintreten, welche die Welt lenken sollen. Du bist in diesem Augenblicke »och,nicht im stände zu begreife», waS mit dir geschehen ist. Dein Einkommen ist in Shillingen berechnet worden. Run wird cS — nun du wirst ja sehen. Deine Verantwortlichkeiten werden so groß sein, wie—du sie dir gar noch nicht vorstellcn kannst. Du wirst das Haupt sein —• du — von einem alten und ehrcnrcichen Hause, Gib Acht, daß deine plötzliche Erhebung dir nicht zum Fluche werde. Relly, mein Kind, Sie haben /auch noch zu lernen, wie stark die Schultern derjenigen sein müffen, welche die Last des ReichthumeS tragen müffen." Er seufzte' schwer. „Ich legte diese Bürde schon vor langer Zeit ab. Ich konnte sie nicht, wie sich nun zeigt, ganz abschütteln. Harold, mein Reffe, glaube mir, daß ich niemals dachte, daß das Ende solcherart sein werde. Ich heiratete, weil ich das allgemeine Los vollauf thcilen wollte, ein Weib aus meiner neuen Stellung. Ich beabsichtigte, meinem Sohne niemals die Wahrheit zu sagen'. Als ich dich letzthin das erstemal sah, freute ich mich zu denken, daß Alles an dich kommen sollte. Hub ich biü nun wirklich deinethalbcn sehr bekümmert." „Gar nicht nöthig," sagte Harold. „Ich konnte uic Nachfolgen, so lange irgend ein Zweifel obwaltete." „WaS niich betrifft, so bleibe ich hier, und, meine Freunde, ich bitte euch nur um daS Eine: Es ist nicht nothwendig, daß irgend Jeniand außerhalb dieses Zimmers weiß, daß der Herausgeber dieses BlattclS ist — waS er ist " Er sah um sich. Relly halte die Hand auf ihres Mannes Arm gelegt und sah unverwandt voll frauenhafter Freude und Bewunderung in sein nichtssagendes Gesicht. „O!" rief sie, hysterisch lachend und weinend, „Sie sind ganz im Unrecht. Mr. Hay — ich meine, Lord — über Antön. Er ist für jede Stellung geeignet, und er kann nicht zu viel Geld haben! O! Sic wiffen nicht, wie gescheit er ist, nur muß er noch viel mehr üben, bevor er in der Musikhalle auftretcn kann mit dem Banjo, und ich denke, er kann nun keine Reden mehr halten gegen das Herrenhaus und die Königin, nun da er — o! — selber ein -edler Lord ist. Er weiß daS schoni Sic glauben, daß Sie sich seiner je schämen müffen? Rein — nein-! Sie wiffen nicht, wie gescheit er ist." „Wenn es von Ihnen abhängt, Relly," sagte ihr Schwiegervater liebevoll, „so denke ich, werden wir uns nie seiner zu schämen brauchen. Aber wer wird nach seinem Benehmen sehen, ich frage." „Ich will cs thun," sagte Mr. Angela. „Sie mögen ihn mir und meiner Tochter Clara, seiner angeheirateten Cousine, überlasten." „Sie sind ungemein gütig," sagte-Mr. Hayling tyocken. „WaS da- Benehmen betrifft," beeilte sich der neugebackene Lord höflicherweife zu erklären, „so denke ich, ein s»'gutes Benehmen zu haben, wie Sie. Nicht übel. Sehen Sic nach Ihrem eigenen Benehmen, wenn Sie dazu kommen." / ,

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