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Freies Blatt · 1894-07-01 · 117 (1.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
117 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. „Wer ist diese junge Taute?" soll ich erfahren?" „Tas ist daS Weib Ihres Lohnes, Mr. Lie wüßten c$. Lie wurden vor beinahe ein« Liandesamke „Mein Lohn hat geheiratet, wirklich? Gut! Brauch bei jungen Männern seines LtanteS, fragte Mt. Hayling. „Und waS resignirt. „Er hätte mir'S sagen sollen. Lic kennen also die Frau meines Lohnes, Franziska? Mein Fräulein Taufnamen, darf ich Lie bitten, mir weitere Einzelheiten mikzutheilen?" „Lie hieß," erwiderte Franziska, „'Relly vernarb. Es war eine heimliche Trauung, denn ihr Vater. welcher Hude ist, hätte ihr nicht gestaltet, einen Ehristen zu heiraten." „Ah? Merkwürdig, ich habe nie gemerkt. Ehrist mar." „Und so haben sie .ohne ihres Vaters ohne Ihr Wissen." „Gut." sagte der Vater deS Bräutigams ruhig, „was geschehen in, kann.nicht mehr ungeschehen gemacht werdet. Ich bin zum min besten der Verantwortlichkeit enthoben, meine Zi stimmuug zu gewähren. Ich hoffe jedoch, daß es meinem Lohne zur meiner Lchwiegertochter zum Glücke gereiche. meine Vielte." Er stand auf und brannte die GlaSflamme' über dem Tft'che an. „Also, Ihr Name ist Nell»? Gest, kten Lie, daß ich Lie ain'elie." Er nahm ihr die Hände vom Gesich a t, m t Freies Blatt. Hayling. Ich dachte, - Woche getraut beim Es ist vielleicht so sagte der. Vater dqß ich kenne nur Ihren elhei ernc de i daß mein Lohn ein Einwilligung geheiratet, uhig, Besserung diene und fassen Lie sich ansehen, ren Laden, wo noch . ickernden Gaslichte sah h Franziska wunderte, Anblick der anwesenden räusperte sich und einer zuversichtlichen zu scheinen-, „ich habe Andere Löhne ziehen ifjre Väter ins Vertrauen, ts." Er hielt Relly noch imitier bei der Hand. e und betrachtete das- - selbe. „Lie und schön, meine Viebe, und Lie sehen auS, als ob Lie 'ucti gut wären." Er küßte sie. „Wo ist mein Lohn? Wo ist Anton? Er hielt die junge Frau noch bei der Hand. Änkon, der Jüngere, kam auS dem rord abendticher Täinmer'chein herrschte: Bei dein st. er so gemein und so -nnbedetitend ans, daß si wie_ihn 'Jc'clln nur leiden mochte. Aber bei dem Ge'elltchast streckte er sich, nahm den Hur machte einen schwachen Versuch, die Lachq Miene leicht abznibun, aber mit geringem Erfo g. Es war ihm angenscheiniich sehr übel zu Mulhe „'.'inii Vater," sagte cr‘ und versuchte heiter geheiratet, wie du siehst, und das hier ist mhin Weib und ein sehr gutes noch dazu." „Ich hone es aber das ihtil nichts „Ich konnte nicht, denn, wie du siehst, Hütte Rellys Vater nichts von der Lache hören wollen, und so sagten wir, um Einwendungeit hiniauzulialten, weder dir noch ihm davon, gingen einfach zum LtandeSbeamten und wurden in der Ltille getraut. Nun ist'S geschehen, nun .ist's zu spät, Einwendungen zu machen, nicht wahr?" - „Gewiß ist's zu spät. Ich denke nicht daran. Tu hast.^glaube ich, tünntiidzwanzig Lchilling per Woche. Es ist nicht viel, um damit zu heiraten. Ich hone jedoch, daß es bei dir gehen wird." „Ach!" ries Relln, „er hat ja seine Ltelle verloren. Wir haben nichts, gar nichts. O, was sollen -wir thun? Was sollen wir thun?!" Ter junge Mann räusperte sich. „Wir sind unter uns," sagte er. „Es ist so. Letzten Mittwoch war eine Sitzung unseres Localparlamenles. Und ich hielt eine Rede. Nun, du lehrtest mich, daß die freie Nede das größte Privilegium eines freien Landes sei. Tu predigst das immer, das kannst du nicht leugnest. Lo hielt ich eine Rede, und sie war sehr schön und sehr frei, gegen den Besitz und das Oberhaus und die Kirche und gegen alles Heilige. Eine große Nede war es, gewandt sagten sie und kraftvoll. Alle sagten so. Ich glaube, sie ist bereits in Gladstone's Händen, und es sollte mich ivuukcru, wenn er mir nicht irgend einen günstigen Antrag machen würde. Ich habe lange nachgedachk, ob ich die politische Laufbahn betreten soll oder.nicht. Tas bestimmt mich nun. Ich werde diese Lanfoabii "betreten, sobald sich eine Vacan; ergibt." ^Aber wasH's mit deiner Ltelle?" fragte der Vater. „'Run, ich werde es gleich sagen. Ter Wertführer unserer Fabrik sandte nach mir und fragte mich, ob ich diese Rede gehalten habe. Ich tagte ihm, daß ich es gewesen sei und daß ich stolz darauf sei. Lo? tagt .r, .Lie können sich und Ihre unglückseligen Reden wo; anders andringen,' sagt er. .Wir brauchen leiste Feinde des Eigenthuuis. Unter. diesen Prämissen können Lie zusammenpacken,' sagte er. Tas bat er gesagt. 'Nach diesem wirst du wohl in deine Zeitung 'Gen, daß wir ein freies Land haben und daß Jedermann reden kann, ivas ihnl beliebt." „Tu hast deine Ltelle verloren wegen einer thörichten Rede?" „Ter Werkstihrer redete noch mehr über Vernachlässigung der Arbeit, lauter sauleS Geschwätz. Ich sage dir, Barer, es ist nichts als i ht auf doh Eifersucht. Es galt: er oder ich. Er wußte, gehen mußte, um mir Platz zu machen, wenn i> für sich. Ich tadle ihn deshalb nicht. Ich nenne denn eS führt mich zur Entscheidung. Die politif ich, sobald ein Platz frei wird, nämlich bei der Wahl." „Und bis dahin?" „Ich habe nichts zu thun, als regelmäßig in Reden zu halten, um altz guter Redner bekannt ich auch Relly. Es ist Alles in Ordnung, wem wollte." „Und bis dahin?" r „Nun." Er wetzte in unbehaglicher Ltimmui „Hunderte von Leuten sind nur zu froh, wenn sie irgendwo eine Vacanz sich ergibt. Es kommt u Mann von meinen Fähigkeitenbetteln geht." „Und bis dahin?" „Einmal im Hause drinnen, da werdet ihr werde aussitzen lassen. O! Ich weiß es! Frage Rede. Tann werfen wir die Regierung hinaus, LtaatSsecretär oder nichts." „Lehr gut. Und bis dahin?" „O! Bis dahin — ich weiß eS nicht. Bis Namem verändern und ans die Bretter gehen ihizen zeigen, wie man singt." „Er glaubt, daß er gut genug singen und Mnsikhalle," rief'Nelly. „Aber er kann's nicht, einmal soviel üben." „Und bis dahin?" wiederholte der Vater. „Er muß sich anderswo um einen Platz umfeh daß Lie uns dabei vielleicht helfen„ könnten, früher hätten sagen sollen. Und weit» Die uns wollen — und wenn wir. gar keine Freunde dann möchte ich lieber —" Tie Thranen standeh Augen. Franziska legre ihre Hand auf NellyS Schult« r eine Freundin, liebe Nelly," sagte sie. „Wenigst „Lie hat zum wenigsten zwei," fügte Air. .f daS ist eine Frage, welche auf irgend eine Art Bis dahin? Tn hast das Leben zu beginnen ' um eS zu beginnen? Kaum einen Wochenlohn, hatte beiläufig dasselbe. Aber weißt du, ich besaß war ein Matrose — und du, mein Lohn, bist Was kann ich für dich thun? Lilber und Gold das Hans ist da. Zwei oder drei Zimmer könnt sonst. Esist auch eine betrübte Frau oben. Ihre weit, daß sie einmal täglich sich, betrinken muß einer schwierigen Genossin für Jedermann, inSbesHr mit sittsamer Lebensart. Können Lie mit einer so Relly? Wenn ja, so sollen Lie zinsfrei wohnen." „Nein, nein," rief der Lohn schaudernd. „W wohnen." , „Ich muß, siehst du, und ich thu es auch. ES ist die Bürde, die - mir auferlegt morden ist. sehen, was sich sonst noch thun läßt. Und nochni Diese Frage sollte aber unbeantwortet bleibest draußen Schritte vernoiniuen. Franziska, welche war, sah hinaus. Lie erblickte im Laden Mr. ihm im Dunkel — war es möglich — Mr. Was wollten sie nur? Mr. Angela trat ins Bruder draußen. Bist dem Anblicke der versamuiljl er sehr erstaunt drein. „Onkel Angela!" rief 'Relly. „Tu hier, Relly?" erwiderte er. „Ich dacht« tresien, meine Liebe. Doch warum nicht?" Er Händen und küßte sie — thatsächlich küßte er Ehristen geheiratet hatte! „Und daS ist dein Gst Mr. Anton — Anton — sollen wir vorderhc sagen? Ich hoffte seit einigen Tagen Ihre Bekan Anton, mein Neffe — seitdem ich die — die uner erfuhr. Ich wünsche Ihnen Glück — alles Glück Uyd er schüttelte dem jungen Mann voll Wärme „Onkel Angela!" flüsterte die Braut. „Ist eS „Und Relly auch da?" fragteer. „Meine dir alles Gute. Wie du aussiehst, jeder Zoll eine „O!" flüsterte Relly. „Ist's denn möglich? „Mr. Hayling," fuhr dieser wundervolle er binnen Kurzem bliebe. Gut, Jeder eS sogar ein Glück, che Laufbahn wähle nächsten allgemeinen unserem Parlamente zu werden. Lo sagte sie es nur glauben g mit . den Füßen. >iich bekommen, wenn oft vor, daß ein Adcsl y! r Zim!v lieb: Nr. 117. sehen, wie ich sie Frage. Rede aus und dann werde ich in kann ich meinen mit dem Banjo und pielen kann für eine Er muß zuerst noch n. Ilnd wir dacht?n, oywohl wir es Ihnen auch nicht vergeben haben — daun — ihr wieder in den „Lie haben noch ms eine Freundin." Hpyling hinzu. „Aber gelöst werden muß - wie viel hast du. vermnthe ich. Ich ein Handwerk, ich nur ein Schreiber, habe ich wenig, nur hr oben haben um Betrübniß geht so Das macht sie zu adere für ein Weib chen Genossin leben, r können hier nicht i« ls dec as ist mein Kreuz. 'Run, wir werden — bis dahin?" Wieder wurden hür am nächsten bert Angela, hinter rey Bernard selbst, «er und ließ seinen ten Gesellschaft sah sie, nicht, dich hier;» nahm sie bei den obwohl sie einen mahl — der junge nd Anton Hayling ntschaft zu machen, ivarteten Neuigkeiten Neffe Anton!" die Hände, möglich?" Relly, ich wünsche Braut. " Onkel fort, „es ist

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