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Freies Blatt · 1894-07-01 · 117 (1.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
117 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Nr. 117. reite 10. .freies B l a t t. „Willst du mir die Hand reichen, Lord Selsey?" beeilte sich Harold zu fragen, um den drohenden Sturm;u beseitigend „Ich bin dein Vetter, mein 9fame ist Alleyne. Wenn ich etwa behilflich sein kann beim Einrichten deines Besitzthumes —“ „Er muß nun wohl ei» Besiythnm haben," sagte der Vater ärgerlich. „Nun, da eS nicht länger möglich ist, etwas zu leugnen -oder zu verbergen, so will ich morgen Früh meine Anwälte besuchen und ihnen Anweisungen geben.' Ja, du sollst ein Besitzthum haben, deiner neue» Stellung würdig. ES ist etwas Schreckliches für euch Beide, wenn ihr es nur wüßtet. Ich für meinen Theil —" In diesem Augenblicke börte man oben ein Klirren, wie wenn Schalen und Taffe» aus den Boden geworfen würden, und ein Stoßen wie von einem Stuhl oder von mehreren. Ter Graf von Hayling deutete mir dem Finger nach oben. „Horchet!" sagte er, als der Lärm aufgehört hatte. „Ich ersuche euch Alle inständigst, einer unglücklichen und höchst kranken Frau die Kenntniß ilstes Ramens und ihrer Siellnug zu ersparen." Ta begann das Weib über ihnen ihre Stimme zu erheben und ihren Gatte» zn schmähen. Kein Fischweib von Billingsgate bediente sich je einer gemeineren Redeweise. Mrs. Hanling hatte ja einen ge meinen Matrosen vor dem Maste geheiratet, der ängstlich bemüht war, das allgemeine Los in allen seinen Theilen a» sich zn erfahren. Tie Mädchen faßten einander bei den Händen und erbebten. Tie Männer betrachteten, mitleidsroll den Gatten. Er stand stille da, geduldig. Endlich erstarb das Ungewitter, nun war es vorüber. „Es ist ungewöhnlich bei ihr," sagte Mr. Hanling, „mitten in einem trunkenen Schlafe atffzuwachen. Tas ist eine Wiederholung der 3eene vom Rachmiirag. Ich hatte das nicht erwartet. Meine Herren, Tie haben nun die Stimme der .Gräfin von Hayling vernommen. TieS ist die Redeweise, deren sich Ihre Lordschafk täglich bedient, wenn sie voll des Alkohols ist. Sie sehen es ja. Sie muß bleiben — mit mir — hier unten — sie gehört da — unten hin. Sie muß bleiben, wo sie ist, und weil sie mein Weib ist, muß ich bei ihr bleiben. Es ist das allgemeine Los — Emannel " Mr. Angela zog seine Richte mit sich ans dem Zimmer hinaus. „Relln," sagte er, „wir müffen dich nun Preeiada nennen. Rell», welche daS Banjo unterrichtete, ist nicht mehr. Preeiada, Lady Selsey sitzt in Seide und Sammi gehüllt. Elara wird dir beistehen, bis du. gelernt hast, dich standesgemäß zu benehmen. Komm, mein Kind, hier ist noch Jemand, der dir vergeben will. Es konnte dir nicht vergeben werden um eines kleinen Schreibers willen, aber um eines Vicomte willen — natürlich." Und Relln befand sich Angesicht zu Angesicht mit ihrem gerechterweife beleidigten Vater. „S!" rief sie. „Kannst du mir je vergeben, Vater?" „Ich könnt' es nicht," sagte Mr. Sydney Bernard freimüihig, „erst bei dem gegenwärtigen Wechsel der Tinge. Tu kannst mir eineiig Kuß'geben, mein Kindl" Er küßte sie innig. „Ach, meine Liebe, ich habe eine entsetzliche Z it durchgemachk. Ich war ruinirt, und dann ' ranntest du davon, und Alles. Aber dein Snkel fand das heraus, und ich habe Alles gezahlt: nun ist mein Rame wieder so gut wie je, und wenn deine.Heirat bekanntgegeben wird, was morgen in jeder Zeitung aus dem ganzen Platze der Fall sein wird, dann wird mein Rame noch besier sein als je — Schwiegervater eines edlen Lords — küsse mich, Relln. und — ich sage —“ Seine Stimme sank. „Tein Mann ist ein Rarr Testo bester für dich. Befriedige seine Launen und beherrsche ihn. Ich werde Acht geben aus ihn am Turf. S! du wirst ein glückliches Weib sein, Relln!" Ihr Gatte kam heraus und versuchte wie ein Lord auszusehen. „Anron!" ries sein Weib, „hier ist mein Vater! Er hat uns verziehen!" „Verziehen? Run, natürlich." Anton junior, Sohn und Erbe, Vicomte Selsey, lachte verächtlich. „Wer würde nicht einem edlen Vicomte verzeihen? Toch, ich trage Ihnen nichts nach — Sie sind Rclins Vater — laßt uns alle Freunde sein — hier ist meine Hand, ich vergebe Ihnen, frei und wahrhaft — nichts mehr soll über die Veigangenheil gesprochen werden, und zwischen uns wird es keine Schiricrigkeiten geben über ein wenig Baargeld, nicht wahr? X(r hoch-- g>l'o:.'ne edle Lord, der Vicomte Selsey, und Seiner Lordschaft edle l^emablin haben nichts in der Welt einander mitzubringen gehabt als adm'liii P'ening.' und ein paar Banjos." XXXV „Ich habe Ihnen hier," sagte Emannel, ein fertiges Schniywerk aiiswickelnd, „das letzte Stück Arbeit gebracht, das ich für Sie ge- „Warum'?" Es war in der Mortimer Strpet, im Geschäftslocale, wo der Eigenthümer seine Kunden empfing. Sind Sie unzufrieden mit der Bezahlung? Keiner von unserem Ge- „Warum, Emanuel? Mann, der Sie Wenn Sie mir nichts Manuel. Ein Mann, werden." iahlung. Der Mann, er zieht sich jedoch selbst schäfte wird Ihnen mehr geben. Finden Sie bester zahlt, so will ich einenl Besseren weichen, arbeiten, so wird man Sie übervortheilen, wie Sie ist wie geschaffen, um übervortheilt zu „Ich bin nie unbefriedigt über eine Bh welcher mich betrügt, thut mir wenig Leids an, Strafe zu bis in die dritte und vierte Generasion. Ihre Bezahlung ist ebenso gut wie die eines jeden Anderen, d. l. gut genug. .„Bester, Emanuel, denn es gibt keinen Zwe ten, welcher sich ebenso gut auf die Arbeit verstünde wie ich. Ich sage Ihnen aufrichtig, daß man heutzutage nirgends eine feinere Holzschliff erei bekommen könnte, als die Ihrige ist. Sie sind ein Künstler, ein echter Künstler." „Vielleicht. Aber ich gehe fort." „Unrecht, Emanuel — unrecht. Wenn Sie Sie ist, dann würden Sie Ihre Wanderungen nufgeben. Sie würden sich niederlaffen und da arbeiten, wo es Geld g bt. Würden Sie beständig arbeiten, so könnte ich Ihnen den PieiS um das Vierfache erhöhen in ebensovielen Monaten. Bedenken Sie mehr jung, Emanuel Die schönsten Jahre Jhrek Bald werden Ihnen die Geschicklichkeit und das sagen. Bedenken Sie. Etwas Geld erspart für Ihre alten Tage —" „Rein! nein! Geld? Ich brauche kein Gelt wüßten, was gut für das! Sie sind nicht Lebens fliehen dahin. Auge den Dienst ver- Jch muß fort. Ich chnitzten Eichenstuhl, will zurück in die Wüste. Hier fühle ich mich nie gefesselt. Gäbe es nicht zwei oder drei Wesen hier, von welchen ich ungern scheide, wäre ich schon längst fortgezogen." „Wer sind diese zwei oder drei Wesen?" Mr. Adalbert Angela saß auf einem geh während Emanuel vor ihm stand, eine Schnitzarl eit in der Hand, wie ein Schuljunge vor seinem Lehrer. . „Einer derselben ist jener Mann, dessen Geh« imniß Sie zum Verderben seines Sohnes enthüllten —" „Meines Reffen," unterbrach ihn Mr. Ange o. „Mein Reffe, der Vicomte Selsey —“ „Mein Freund ist ein weiser Mann, weil er weiß, daß Geld und Stellung nichts mit dem Leben zu thun haben. Sonderbar, daß etwas so Einfaches von so Wenigen begriffen wird. Ec warf seinen Reich thnm von sich und ging dahin, das allgemeine Lls zu theilen. Er ist Matrose gewesen. Run ist er ein Prediger. E ■ predigt durch seine Zeitung. Ich bin betrübt, fortzugehen und diesen Mann verlassen zu müffen. Wenn ich wiederkehre, ist er vielleicht scho t todt." „Hm! Ein Armer — ein Narr von einem Bettler, der eine Adelskrone für Lumpen vertauschte. Run, Emanuel, wer ist der Zweite?" „Sein Neffe Harold. Ich reiste einmal mit ijnt. Wir wunderten zusammen das Euphratthal hinauf. Es ist ein junger Mann, welcher aufnimmt und begreift. Eines Tages wird vielleicht auch er die Bürde seines Geldes von sich werfen." „Er hat nur eintausend oder so jährlich. Has ist nicht zu diel;um Tragen," sagte-der bric ü brno-Händler, sich Bürde bewußt. „Ist noch Jemand?" t „Ta ist ejn Mädchen." „Ah!" sagte Mr. Angela. „Ein Mädchen, Ramens Franziska. Harold liibt sie und wird sie heiraten. Ich liebe daS Mädchen ebensosehr." „Wie heißt sie mit dem Zunamen?" „Ich weiß es nicht. Für mich hat ein Mensch Sie gehört der Abstammung nach unserem Volke Juden, wie Sie." „Richtig, wie ich. Und so lieben Sie dieses Mädchen. Sehr gut. Es war darauf hingearbeitet worden, daß Sie sie liebgewinnen sollen nner'viel schwereren nur einen Namen, den spanischen an daß ich Sie diesen haben nicht einmal Run, es war nicht wegen der Holzschnitzereien, Morgen zu mir bat. Sehen Sie, Emanuel, Sie um meinen Namen gefragt. Kam es Ihnen denk nicht merkwürdig vor, daß ich plötzlich ein solches Jntereste an Jhner nahm? Warum beauftragte ich Sie, für mich zu arbeiten? Ich bedurfte nicht gerade der Holzschnitzereien — nicht daß ich dabei mein Geld zu verlieren denke — und mein Bruder hatte es nicht nöthig, einen Miether zu nehmen, er hat nicht nöthig, Wohnungen zu vermiethen^ l nd doch sandte ich Sie zu seiner Tochter. Warum?" „Ich weiß es nicht. Ich vermuthete, daß er etusa er mich meinen £ aS profitirt, indem bei sich hat. Ich vermuthete. Sie habeH etwas Prosit bei Schnitzereien. Wozu fragen Sie mich dann macht habe " (,rortirtiing folgt.)

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