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Freies Blatt · 1894-07-01 · 117 (1.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
117 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 117 Freies Blatt. Leite 7 (Ter „Treschflcgelpaflor".) Eine» stürmischen Verlaus „ahm eine liiiigst in Blankenburg abgehaltenc antisemitische Bersannnlung, in welcher ver berüchtigte Pastor IS kraut als Hauptredner austrat, der, wie er selbst erzählte, in socialistischen Kreisen „Dreschflegelpastor" genannt wird. Herr JSkraui bediente sich einer recht kräftigen Ausdrucksweise, namentlich fielen seine Ant- ' Worten auf Zwischenruse sehr derb au«. So schrie er: „Ich rede, so lange eS mir beliebt, Sie können Ihre Dummheiten hernach noch Vorbringen!" „Halt'« Maul!" „Hallen Sie Ihre Schnauzze, Sie Lümmel." Aber Herr Jskraut must »och kräftigere Worte gebraucht habe», denn die „Harzzeitung" bemertt in ihrem Berichte über die Versammlung: „Ter Redner harte in der Erregung wohl nicht Acht aus seine Ausdrücke, er gebrauchte einige Kraftworte, die ge bildete Männer, am wenigsten Geistliche, nicht zu gebrauche» pstegen und aus deren Wiedergabe wir verzichten müssen." Die Erregung ist übrigens nicht nur auf Seite des Redners groß gewesen, den» die Versammlung sand ein vorzeitige» Ende, weil von der Straße her Fensterscheiben des Locals durch Slcinwürsc zertrümmert wurde». 2lus antisemitischen Blättern. «Höchst bedruNichr Zeugen.) Ein aulisemiiischer Scribenl, der'sich in die Löwenhaut eines. Juristen hüllt, macht im Organe des Soleccr Geschäfts«»»!. >cmite» de» „Vorschlag sür den Eivilproceßausschnß", dar Zeugniß eines Inden gegen einen Ehristen sür höchst bedenklich zu erklären. Im modernen Rechtsstaate können die. Abstammung und die Lonfcisioil eines Zeugen nicht de» Maßslab zur Abschätzung seiner Glaubwürdigkeit bilden. Wohl aber komml cs dabei auf de» persönliche» Charakter und daS Vorleben viel an, und ein Individuum, welches z. V. ein Ehrenwort gebrochen oder Ehrenschulden nicht bezahlt hat, erscheint überall, wo eine geordnete Rechtepflege herrscht, alS ein höchst bedenklicher Zeuge. Kupieoti «ul! (Untere Heyprrffe und die kirchcnpolikischc Reform in Ungarn.) Tie antisemitische Hetzpresse, welche die kirchenpolitische Reform in'Ungarn früher alS eine Gefälligkeit für Jude» und Freimaurer aussch-ie, stellt sic nun, aus das schlechte Gedächtnis; ihrer Leser vertrauend, als einen Anschlag aus die »ichiinaguarischen Völker hin. Ei» besonders freches Blättchen. welches es geivagl hatte, so nebenbei zu bemerke», das Erscheinen von Mitglieder» des kaiserliche» Hauses unter den Magnaten hätte dem ganzen „Reforinipuk" ein Ende bereitet, sä,reibt jetzt unter Anderen»: „Wohl leine» Politiker gibt es in Oesterreich und in Ungarn, der sich der Bedeutung der Nationalitätenfrage in Ungarn verchließt, der nicht weiß, wie sich die Rumäne», Slovake» und Sachstn in Un gar» durch die' magyarische Uebermacht in ihrer nationalen Eristen; bedrückt und nnterdrückl fühlen. Gerade für diele Bölkstheile ist aber die Verstaallichurg der Eheschließung, die Entreißung der Malrikensührung an» den Händen des EleraS und die Uebergabe derselbe» in die Hände von EivUbcaniten ei» Eingriff in dasjenige Gebiet, auf dem säst einzig noch ihre nationale Belhälignng durch de» mit dem Volke in innigster Fühlung stehende» nationale» EleruS eine Stätte fand, in das allein die magharische Staats Omnipoten; bisher noch nicht eingcgrifien hatte. Ta» ist nun vorbei, und es begreift sich, daß darob die Gemnther verbittert sind." Das Blättchen ergeht sich in abfälligen Bemerkungen: über die Qualität der in Folge der Reform anzustellcndcn Beamten und sagt dann: „Man wird begreifen, daß der Eintausch solcher Beamten an Stelle der geliebte», nationalen und volksfreundlich gesinnten, gtivissenhasien^Priester gerade für jene BolkStheilc ei» möglichst unglücklicher und unwillkommener ist." Für vcrnünftige Leser ergibt sich auS den voranstehenden Anslassnttgen daS Geständniß, daß i» Ungarn auch die Umtriebe unterschiedlicher Jrredentisten die kirchenpolitische Reform zu einem Gebote der LtaatSraiso» gemacht haben. (Schrecklich und — heiter.) Eine „Sarah oder Rebekka", welche im deutsche» Seminar an der Wiener Universität einen Vortrag hielt, brachte sich als Zuhörer ihre „beiden Eltern" »nd auch „noch zwei andere Jünglinge desselben Stammes" mit. Einem ostdeutschen Schmock ist diese ,,U»zuköminlichkeit" etwas Schreckliches. „Beide Eltern" und „noch zwei andere Jiuiglinge" — bildeu eine ostdcutzchc Schmöckerei, die wir lcincsivtgS schrecklich, ' wittern im Gclenlheile recht heiter finde». (Rakhan Weimar s „Reichspoft" und die fortschrittliche Ptovinzprcssc.» DaS „Wiener-Neustädter Bezirksblatt" bezeichnet Nathan Weimar's „Reichspost" al« ein- Strachino-Blatt von der Sorte des „Deutschen VolksblatteS" und fügt hinzu: „Diese Strachino-Blütter haben daS Gute, daß sie, beim Gabelfrühstücke gelesen, als Reizmittel für einen gnte» Appetit diene» oder, nach Tisch beim Schwarze» gelesen, zur besseren Verdauung beilragen. Ihr anmaßender, hochtrabender Ton' erregt jedesmal größt Heiterkeit und erschüttert in wohlthuender Weise das Ztverchsell." — Die „Korneuburger Zeitung" schreibt: „Die meisten Unwahrheiten unter allen antisemitischen Blättern .verbreitet die .ReichSpost', die ein Herr Nathan Weimar redigirt. Dieser Urteutone erkühnt sich,.einen Bericht über die Jubiläumsfeier der frei* willigen Feuerwehr in Stockerau zu geben, der von -Unwahrheiten und antiiemilischen Gemeinheiten strotzt." Ta» wackere Fortschrittsblatt constatirt: 1. daß eS unwahr ist, daß das Feuerwehrfest in Stockerau eine christliche oder antijüdische Kundgebung war, denn Gottlob schützen die Feuerwehrmänner in ihrer überwiegende» Mehrheit Hab »nd Gut ihres Milmensche», ob er Katholik, Protestant, Jude, Türke oder Grieche iü: Ü. daß der Prolccior de» Slockerauer Feuerwehrsestcs keineswegs der „Kovenmacher" S ch a » in <r» h, sc »der» der Herr Bürgermeister Julius ^Schauinan», Apotheker in Sleckerau, war: :). daß es wieder unwahr ist, dgß durch die Anwesenheit de» „Kotzcnmachcrs" viele Fcuerwehryiänner veranlaßt worden wären, mit dem MittagSzngc Stockerau zu verlasse», denn thalstjchlich habe diese A>»ve>cnhiit nur i» dem Gehirn Natha» Weimar's gespukt. T ie „Korneuburger Zeitung" bemerkt - schließlich: „Ein Blatt, wie die .Reichsvost' darf man aber, wen» man anständig bleibei) will, nicht berichtige», sonder» muß er ignoriren »nd bei wach'cn'der Frechheit klage» Ten Antisemiten rufen wir Willst dn wisie», iver dn bist, Schau wer 'Nathan Weimar ist." ' : s Gewissenlose Berichierstaitillig.) In Berlin baue i,ä> umgst die In haberin eines Puvgeschäslrs wegen eines gcringi'ügige» Vergehegs gegen die Eoncnrsordnuug vor Gericht zu verantworten. Tie Beschuldigte hatte das Ge a'chäi't von ihrem srüheren Prineipal, einem Herrn Hohenstein, erworben, der bei der Proceßverhandlung als Zeuge au'lrcte» mußte. Ter 'Name diests Zeugen kam dein Reporter der. .(Täglichen Rundschau' „vekdäcknig" vor. Daraufhin legte er ihm ohnewciters' einen alllesiauiciuariicheit Bornamrn bei - — und dichtete ihm allerlei 'Niederlrüchtigkeilcn an, die er nicht nur beim Verkauf seines Geschäftes an die Angeklagte, sondern aicch später begangen baden sollte, um wieder i» den Besitz deS Gestyäflcs zn gelangen. Tieie jo ausgeputzle >'>eschichte brachte die „Tägliche Riliidichan" unter der anmuthigen Spitzinarte: „Wie Herr Samuel Hohenstein sein Geschäft verkauite", und viele anlremilische Zeitungen druckten sie natürlich schleunigst nach. Das Ende vo:n Liede war — eine de und wehmülhige Abbitte, ivelche alle kiest' Blätter leisten mußten, da erstens Herr Hohenstein die ihm porgeworsenen Tinge nicht begangen hat - und — jetzt kommt die Schlußpointe — auä, kein Jude ist. tllnif dariim Räuber niiO Mörder!i Wie sich da- Organ des Einsiedlers von Friedrichsriilic, die „Hamburger 'Nachrichten" schreibe»'läßt, seien sür den AntisemilismuS in Süddeulichland „sehr er'reulichc Aussichten" vor handelt. In Folge Annahme des rwsi'cheii Handelsvertrages, beziehungsweise wegen des Anftretens einiger süddeutscher uaiional liberaler Abgeordneter in dieser Angelegenheit sei die Verbindung der „atieiial liberalen Partei mit dem Bunde der Landwirthe erheblich gelockert ivorden, und mache sich »ainenilich aus dem Lande bereit-; eine cntschlcdene Neigung sür de» AuliseuiilisinüS gellend." Was hat eigentlich das Verhalten von 'National-Liveralen zuin teniich-rusfi'che» Handelsverträge »>ih dein Judenhaß $u 'chaneilHabe» etwa Juden daraus wesentlichen Einfluß genommen und den großen handelspolitischen Erfolg des Reichskanzlers Grafe» Eaprivi berbeigesührt d , ' — (Jet Bilderbogen-Glöß ) Ter Dresdener Verlagsbuchhäüdler l^lciß, der' iin Jänner wegen Beleidigung de» ReichslauzlerS cvrafen Easrivi, begangen in einem Bilderbogen mit der Ueberstyrisl: „Bismarck in Berlin", zu ciirer Geldstrafe vom IG) Mar! veruriheill wotden war, Halle sich wegen derselben Angelegenheit »euerdings vor dem Berliner Landgerichte zu verantworten, da das Reichsgericht der Revision des Siaatsanwaltes flaligegeben baue, «'stoß, der jetzt de» Name» des Verfassers, des sattsam bekannien Aar Beiver, ver rieth, wurde null zu einer Geldstrafe von :'<>"> Marl verurlbeilt, ' ((Sltidjc Briidcr, glrichc Kappen. > Aitarchisten und Antisemiten machen sich durch gleiche Gemüthsroheit bemerlbar, Tie „L.ibrc Parole" äußert bin . Pleiuüng, die Ermordnng des Präsidenten Earnol ie, eine „späte Sühne" für die Greuel, welche auf Befehl seiner Großvaters zur Zeit der ersten Re volueion in Lno» verübt wurden. Anarchisten und Anli'emiten — die Einen wie die Ruderen bilde» eine iniernalionale Plage. Feuillcran. Die Empörerin. Roman nach dem Englischen-de« Walter Besagt von Marie Majer. XXXI: ev. Foristyung. Lom Laden her vernahm man Stimmen und Tritte. Mr. Hayliiig hielt inne, Jemand drückte auf die Thürschnalle und öffnete zögernd die Thürc. ES war ein Mädchen. Im trüben Lichte sah Franziska, daß cs Nelly war. Sie stand in der Thürc und hielt sich das Sacktuch vor die Augen. Sic weinte. Eine unsichtbare Hand schob sie langsam nach vorwärts. Sie wurde thalsächlich hinein getrieben, augenscheinlich gegen ihren Willen. „Wie, Nelly!" ries Franziska aufspringend. „C, Franziska! Sie sind hier? O, wiekamen Sie hichcr?" Nelly erfaßte ihre Hand. „Gehen Sie nicht fort! Verlassen Sie mich nicht! Anton führte znich her, er ist draußen, er brachte mich, damit ich jeinem Later sage —“ „Mr. Hayling sagen? Weiß cr'S denn nicht?"

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