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Freies Blatt · 1894-07-01 · 117 (1.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
117 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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reite t>. Freies Blatt. rufen. Ein große« Transparent am Ufer vo» Riffsay*): «Rieder mit Bergan»' kii»deie den vielen Tausenden von Wachaubesuchei« mit riesigen Flammenlettern die Schmach de« Hödurs der deutsch-nationalen l Bewegung in der Ostmark." «Zur Landtagswahl auf drr Wirdrn l Dit Landtag«Eandidatur Geß- Iiiann'« wird vorn „Deutschen Volksblatt" al« '„beabsichtigt gewesen" bezeichnet; zugleieh tbeilt e« verdrießlich al« neueste „lleberrnmpelnng" mit, daß ein Geldgeber, der Bergan»'« Loncurrenten unterstützt, Herr Paul Pacher v. Theinbnrg, von einer VertranenSmänner-Veri'amminng, in »velcher auch der „Kakholisch-exiistitukionelle Berein ans der Wiede)»" vertreten war, al« Laudidal „im Prineive" genehmigt ivnrde. Es führt eine ganze Sündenliste diese« Landidaten an und erklärt, daß ei nicht gentigtj fei, sich für denselben einviveei» Gilt diese Erklärung auch für den — Jiiseratentheil? «Der Odmonu rincr alltisrmitischrn TischgffrllsLaft.) Man schreibt uns: Ein christlicher Ligarreii'pivenfabrikant Franz fiinil im VH Bezirk, an noch ziemlich jugendlicher Heißsporn und begeisterter Förderer der Racenhetze, gründete in Ansischer's Restauration (Mariahilf^rstraße 8s eine antisemitische Di'chgeiell'chask, ward einstimmig vo» seinen Gefiitniiiigsgenoffen z>un Obmann gewäblk und ging gegen alle „Juden und Judeilknechte" in schärfster Tonart .» ia. Schneider vor. Die« hält ihn aber nicht ab, seine Fabricate jeden Bkonkag an sech;ig jndische Haus »’ertheilen. Cie aber Sie übernommenen fefforen gebe, die den Antisemitismus mit ihrem lpewiffen und ihren Grundsätzen vereinbarlich finden, haben wir nn« darum Auch der Vorwurf de« Gesinnungswechsel« ist leine Beleidigung, da e« nicht unehrenhaft sei, seiner befferen Ueberzeugung zu noch, daß die Zeugen Foller'S über Winkler Aeußerangen vorbrachten, die ihn damal» mindesten« al« nicht philosemifisch erscheinen kommen überzeugt sein konnte, Winkler sei seinerziit sein GesinnungSgenoffe bin ein baar bezahlen müssen. Labei beflißt er sich gegenüber diesen Herr Dunst ist, nie man armen Teii'eln stet« der größten piebeu'würdigke» stilu, .in — „Zeitgenosse". i Gerichtliches Rach,viel zu rincr Antis irer zum Vertriebe zu Waaren stet« in» Börnuitknvcrsammluug.) Der 'Wiener Eomniniialtebrer Tomola be«chiinv'te, wie seinerzeit gemeldet wurde. am st!>. April l. Z in der die Gemeindevertretung von in, einer Äiitisemiteiiversänimlunz zu Bade,» geineiiisteii Wei>e die Jude». Zn Folge besten hat Baden in der Pleiiaruvung vom 4. Mai au' Ai trag des Erziebung-iiistitnl«^ 2;reetare Herrn Adels Winkler über da« Borgebe» dieses Wiener Fugend bi.duerS ibre Mißbilligung ausgesprochen und regen derartige Berwahrniig enigelegr. Auch hat ein Volksschulle jrer in Bade», Herr Ha»S Wladarz. in einem dortigen Gasthaufe seine stieiiiuug über djp Cualität Tdinola's in denen Gegeuwail zum Ausdrucke erbracht und da« Benehinen dieses Lollegen «chari getadelt. Wege» aller dieie» drei Lbreiibeleidigungsklagen, über welche am 22 Baden verbaiidelk wurde. Die eine Klage, eingebracht von Tomola, richtete sich gegen den Bollsichullebrer Wladarz und behauptet Abend desselben Tage«, an welchem er die oberwii -Betrüger. -Hetl" genannt, ferner einen „Lügner, ter seine Lollegen verralhe", n. ■'. w. Tie zweite Klage -wurde von dem ZnslitntSdirectör Winkler gegen den a:iiistmili«cheii Gemeindeaiis'chuß Baumeister In derselben beißt eS: „In der Sitzung de« Geweindeausschiistes von Baden vom 1 Bkai d. Z. stellte ich ('Winkler solgendei iiisichnst von Baden 'orickn «eine Mißbilligung dar den: Boden die'er Siadt abgebaltepen östeiillichei Seite e:nes Redners gegen die lüdstchen" Bewohi er und Eurgäste eine Pc- 'chiiiipsimg unstätbigster Art er'vlgt ist, und vern ahrt sich gegen verletzende Reden «remder Elemente.' Dieser Antrag wurde . nahm der Geklagte, Foller, das Work und erklärte, 'remdet, daß gerade ich «Winkls dielen Antrag f i acht Fahren noch .Antisemit' gewesen 'fei. Lies dachliguiig' zurück. Zcki erachte mich durch diesen unter Beziehung an' meine Eigenichask als- Tiree verächtlicher Elgen'eba'ieii geziehen. da die» den Borvnls einer feindselige» Ge Ünnung gegen den >emiiischen Volksstamm, zügle lichen Gcüniiling'wechsel« involvirt." Die dritte: llage mar die Gegenklage Zoller «, die er wider Herrn Winkler wegen des Zaru'er . „infame Verdächtigung" eingebrachl batte. Wlata:; endigte mit einein gütlichen Vergleiche. Für irurden zwei Kategorien von Zeugen vernommen, nämlich die von Foller znm Beweise dafür geführten, daß Winkler vor sieben biss acht Zähren Antisemit gweu lei und die von diesem namhaft gemachtzi» Gegenzeugen zum 'Rach mldaß er auch damals die Juden stet« in Sckutz nahm und den Anii- 'emiurmii« bekäiiip'le. Ter Richter erkannte, Tirector Winkler sei der Schmähung - l.'I 'schuldig und wer he zu dreißig Gulden Gedsira'e verurlheill; Foller dagegen wurde freigesprochen. Zn der Begründung wird ausgeführt: „Infame Veldachtigiing" «ei unter allen Umständen eine Beltidigung, zu der Winkler nicht berechtigt gewesen «ei. Selbstverständkich stehe d is Gericht über den Parteien, allein in einem Rechtsstaate, in welchem di freie Meinungsäußerung gewährleistet ist, dürfe man auch die übrigen« in pa gebrachte Aeußerung nicht so unparlameiitarisch zurickweisen. Was den Freispruch Foller « aubelange, so fei der Ausdruck „Alvisemil" keine Beleidigung, 'elbst enkNn Zugendbildner gegenüber nicht: da es, o viele Lehrer und Pro- ", Tort beging Schauerer das Fest der Somnfersonnenwende im streife von noch nicht abge'allenen Genoste». Vorkommnisse kam es zu Juni beim Bezirksgerichte , Letzterer habe Tomola am Hute Rede hielt, „Gauner, Adolf Foller eingebracht. Antrag: .Der Gemeindeiber aus, daß in einer auf Wählerr'ersammlung vo» »»ich angeiiomme». Hieran' er sei verwundert oder beelle, da ich vor sieben bi« wies ich als .infame Ver- Vorwnrs in meiner Ehre or einer Erziehungsanstalt ch aber auch eine« veracht von ibm selbst zngegebenen Die Klage Tomola's gegen die zweite und dritte Klage Nr. 117. nicht weiter zu kümmern. olgen. Hiezu komm« aber ließen, so daß Foller vollreffen Berurtheilung, sowie »ereil Ergebniß man um so Wieden einen Soeialdemogeivese». Ter Rechtsanwalt Winkler'« meldete gegen i gegen den Freispruch Foller « die Berufnng an, auf ( gespannter sein darf, al« neulich das Bezirksgericht j traten mit achttägem Arrest bestrafte, weil er die Poli;ei mit dem Antisemitismus ans eine Stufe gestellt hatte. <Trr Fluch »rs römischen Grsrhrs) Zn Mühlheim a. d. Ruhr hielt Meister Ahlivardt im Zuni eine Versammlui g ab, für welche er de» hohen Eintrittspreis von 50 Pfennigen festgesetzt hatte, lim die Tagesordnung sensationeller zu machen, vereinigte er sich mit dem Führer der Kölner Antisemiten, Breitwisch-, dieser Mann sollte nämlich über seinen Meineidsproceß und seine — Zuchthausstrafe sprechen. Die Versammlung »vurde denn auch vo» Lreilwisch in eigener Person erösnel. Mit Thrönen in den Augen und auf sein antisemitische« Ehrenwort pochend, erklärte der Redner, daß er allerdings z» achtzehn Monaten Zuchthaus »»ege» Meineids verurlheilt worden ist, daß er sich aber desten nicht zu schämen »rauche. Er sei „wie alle Antisemiten durch und durch ehrlich und brav", abe: da« römische Gesetz fei eben „zu schlecht", und so sei er da« Opfer eine« RechtSirrlhiims ge worden. Ahlivardt war so gütig, die Schlechtigleit des Strafgesetzes au« eigener Erfahrung zu bestätige» und Herrn Breitwi ch al« makellosen Ehrenmann zu empfehlen. Al« „Fachmann" habe /r die Ai len geprüft und gesunden, daß die Verurtheilnng zu Unrecht geschehen sei, was e: der Versammlung pflichtgemäß melden zu muffen glaubte. Am Schluß der ISerfammluiig. wurde noch von Ahlivardt eine Resolution verlesen, welche erkläite, daß die Versammlung Herrn Breilwisch al« Opfer eine« Rechlsirrthnms und makellosen Ehrenmann belrachle. Tiefe Resolution wurde von der Hälfte der Ainvesende» angenommen. Run liegt die Sache, »vie da«' Organ des Berliner Abwehrvereine« mittheilt, doch etiva« ander«, als sie Herr Breilwisch darstellte. In dem MeineidSproeeß spielte ein christlicher Handwerkrmeister die Hauptrolle. Zn einem Civilprocesse mit diesem Meister hatte Breilwisch einen Schwur ge eistet, der sich nachher gl« wissentlicher Meineid heransstellte, und Breitwisch wurde zu achtzehn Monaten Zuchthaus verurtheitt. Seine Rcvistl» wurde zurückgewiesene ebenso sein Begnadigungsgesuch. Gewiß kann ein Men ch sich beffern und wieder . ein nützliche« Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft we, de», aber ein, wenn auch auf Grund de« „zu schlecht;,»" römischen Gesetze«, wezen Meineid« mit Zucht hanS Bestrafter eignet sich nicht zum Parteiführer, in den nichtantisemiiischenPar teien wenigstens huldigt man dieser Auffaffung. Li ehe r in a l» n v. So» neu berg scheint aber in Belrefi der Eignung zum Parte f»ihrer die Anschauungen Ahlivardt'« zu iheilen, denn er erklärt öffentlich, daß er mit dem Inhalte der jüngsten Vornäge des Ep-Reotor« im Große» und Ganze» eiuverstanden sei Auch Stöcker dürste die Ahlivardt'fche Auffaffung von der Makellosigkeit politischer Wortführer billigen. Z» Siegen sehen ja die »Hauptstützen seiner Partei einem längeren Marl»>rium de« nüchterne» Gaumens entgegen. Zn dem Bankproceffe, welcher dort seit Jahr und Tag alle« Jnd reffe absorbirte, wurden nämlich verurlheilt: Brüggemann wegen Benachthe ligung de» Bankvereines, Tifferenzbandel«, Verschleierung und Betrug« zu fünf Jahre» Gesängniß, 16.0t»0 Marf Geldstrafe und drei Jahren Ehrverlust, io elsch wegen derselben Straithate», ausgenommen Letr»»g, zu zwei Jahren und sech« Monaten Gesängniß und 9000 Mark Geldstrafe, Schroeder wegen absichtlicher Benachtheiligimg zu einem Jahr Gefängniß u») 30 0 Mark Geldstrafe, und' Franz wegen Beihilfe zur Verschleierung uid Bankerott z» zwei Jahren Gesängniß und 1500 Mark Geldstrafe. , E« ist-nun Aussicht vorhanden, daß man nach verbüßter Haft auch in diesem Falle alle Schuld dem „zu schlechten" römischen Gesetze zuschreibe, da« für antisemitische Notabilitäten ein wahrer Fluch sei, und demgemäß Brüggemann u> d Consorten wieder befähige, an die Spitze der Stöcker Partei in Siegen zu trete». ,au« (Grobe Unwahrheit.) Ter Agitator König Versammlung zu Bochum die Behauptung ausgestellt, barer Bürger jüdischer Consession einem Social-Demokr al boten habe, daß er die Versammlung sprenge. Für König keinen weiteren Beweis erbracht al« eine Postkaisv geblichen Unterhandlungen de» Juden mit dem worden waren; er nannte Nicht einmal den Namen det genügende Bürgschaft für seine Behauptung zu bieten weist nun König'« Erzählung al« eine „grobe Unwat pttichtet sich, demjenigen 1000 Mark zu zahlen, der N i er mit irgend einem Social-Demokraien wegen Spreng unterhandelt habe. Gleichzeitig erklärt er, daß er Behauptung und wegen der daran geknüpften gehässj Gericht zur Rechenschaft ziehen werde. Witten hatte in einer daß ein dortiger achtle» 50 Mark dafür geseine Behauptung hatte e, auf der ihm die anl-Demokrate» gemeldet Manne«, der ihmeine Der Angeschuldigte rheit" zurück und vern Beweis erbringt, daß ung der Versammlung n König wegen seiner gen Bemerkungen vor st h>en

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