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Freies Blatt · 1894-07-01 · 117 (1.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
117 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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:ir. 117 freies schonend geschehen soll. Jndcß der Angriff gilt auch de», ganzen Bcrfahren des Schlichtens, und cS wird verlangt, daß die neue Methode des Tödtens der Thicrc, wo sofort (?) daS Gehirn getrosten wird und Bewußtlosigkeit cintritt, an seine Stelle treten soll. Es ist nicht zu leugnen, daß daS Thier einige Zeit, nachdcni cS geschachtet wurde, noch lebt. Aber lebt es mit Bewußtsein? Tic Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß durch Schwäche in Folge des Blutverlustes auch das Schmerzgefühl verloren geht; es galt im Alterthui» als eine der angenehmsten Manieren, sich aus der Welt zu schassen, daß sich einer die Adern aufschnitt und sich so langsam i»S Jenseits hincinträumtc; tuauuii sollten wir nun annchmcn, daß beim Thier der Todcskampf in Folge des Blutverlustes ein besonders schmerzlicher ist? Aber die Sache hat eine noch ernstere Bedeutung; bekanntlich schwärmen auch die Fleischer nicht gerade für die neuen Schlachtmcthodcn; warum? Man sagt, daß ein Thier, das stirbt, während das Blut noch in den Adern ist, ungleich rascher in Verwesung übergeht; alle .Kunststücke helfen nichts, sobald daö Thier todt ist, erstarrt das Blut und fließt nur langsam ab. ES gibt aber für die menschliche Gesundheit kaum etwas NachthciligcrcS als den Genuß von verwestem »Fleisch. Wer also eine Schlachtart empfiehlt, die, indem sie das Thier rasch tobtet, beit Blutabfluß hemmt, der ist mild gegen daS Rindvieh und grausam gegen den Menschen, der ist zwar ein Thierschützer, gleichsam aber ein Mcnschenguälcr. (Für Gcschüfksrciscndt.) Aus Ci hcIN u i (; wirder „Frankfurter Heilung" bcrichlct, daß ein dcuisch-amcrikauischcr Großhändler, dcr dort zum Einkäufe verweilte, sich eines TagcS in die Winhschast znui „Tcntschcn Krug" begab, in dcr Hoffnung, daselbst Landsleute und Gcschüstscollcgc» zu finden, aber keinen von ihnen traf Er setzte sich allein an einen Tisch und forderte ein GlaS Bier. Anstatt des Bieres wurde ihm auf einem Teller eine Karte: „Rach Jerusalem bin, aber tiictyt zurück!" nebst einem antisemitischen Gedicht auf einer Postkarte mit dcr Ansschrifl „Tcutschcr Krug" übcrrciclik. Ter Fremde entfernte sich, ohne ein Wort zn sage» und verließ Chemnitz am solgcndcn Morgen. Es ist nothwcndig, solche Borkommnissc in die.Scssentlichkcit zu bringe», damit Kauflcutc, wenn sie cS vermeiden können, Ehcmnitz zie besuchen, sich danach zu richten vermögen. Ginge cö nach dem Wunsche dcr Gregorig und Eonsortcn, so würden auch unsere RcstanrantS solche sächsische Sitten cinsührcn, aber welche Folgen würden . sich daran für die Geschäftswelt knüpfe»? — (Tic VnflC dcr Zndcu in Finnland.» I» feiner letzten Session beschäftigte sich dcr Landtag des Großfürstcnthums Finnland mit der Lage dcr dort wohnenden Juden. Ter Ausschuß, welchem diese Angelegenheit zugcwicsen war, bezcichncte in feinem Berichte die gegcnwäitigen Verhältnisse dcr Juden in Finnland als solche, die mit den Forderungen dcr Gerechtigkeit und Humanität im entschiedenen Widerspruch stehen; er empfahl den Ständen des Landtages, das Erforderliche zn thun, um zu erwirken, daß dem im Jahre 1897 wieder zufammentretcnden Landtage ein GcsctzcSvorschlag unterbreitet werde, wodurch cs den in Finnland geborenen Juden sowie auch denjenigen, welche sich längere Zeit im Großfürstcnthnm aufgchaltcu Hobe», gestattet werden soll, daselbst überall unbehindert zn verweilen und ihren Geschäften nachzugchcn. Auch erklärte cs dcr Ausschuß für wünschcnswcrth, daß den Juden erlaubt werde, religiöse Gcmcurdcn zu bilden. Schließlich sprach er den Wunsch aus, daß bis zur endgiltigcn Erledigung dieser Frage das anderen Ausländern zustchcndc Recht, in Finnland dem Erwerbe nachzugchcn und um Aufnahme in den finnischen Untcrthancnvcrband cinzukommen, auch den Juden crthcilt werde. Tic Vorschläge des AusschusicS sind, da sie von den Ständen des Adels, dcr Geistlichkeit und der Bürger angenommen wurden — nur dcr Bauernstand verhielt sich ablehnend — als Beschlüße des Landtages anznsehen. (Willkürakte rumänischer Bcaiiitcn.) Ter Jasiycr Appcllhof hat die Berufung des Subpräfcctcn C o c c a abgcwiesen, welcher vom Tribunale in Bacau zu 150 Lei Geldstrafe und ZOO Lei Schadenersatz wegen Mißbrauchs dcr Amtsgewalt vcrurthcilt worden war. Eocea hat nämlich den Juden Jaucu Schmil im November 180.'» aus der Dorfgemeinde Lccca ausgewiesen, obgleich Letzterer bereits seil dem Jahre 1891 die Ansiedlungserlaubniß hatte. Ter Berufung des <)t. Bontasch, welcher dazumal Präsident der Jnterimscommission war, gab der Gerichtshof nur theilweise Folge, indem er die ihm von dcr ersten Instanz zugemcssene Strafe von einem Mouat'c Gcfängniß in eine Geldstrafe von 50 Lei umwandeltc. Ter Appcllhof stellte somit im Princip den Grundsatz auf, daß die Ausweisung eines Juden auS dem -Dorfe, in welchem er zu wohnen berechtigt ist, daS Vergehen des < Mißbrauchs der Amtsgewalt bildet. (Tic Jude» in Wkstindicn.) In einem Aufsätze „Kleinigkeiten aus dem dänischen Westindien" schreibt Prcmicrlicutenant E. V. Kolthof Blatt. . feite über die Jude» auf den westindischen Inseln: Hauptsächlich sei cs - mir erlaubt, hier einer Elasse westindischer Mitbürger zu gedenken, ' die keineswegs die Forderung macht, sich durch .Hilfe äußerer, in die Augen fallender Mittel vorzudrängcn, sondern sich vielmehr durch ein bescheidenes, prunkloscs. de» Geschäften geweilstes Leben auszcichnel und den Freude» des Hauses und des Familienlebens sich widmet. ES ist dies die jüdische Bevölkerung aus St. Thomas, au welche ich denke, und welche in so vielen Bczicbungcu von den Juden dabcim verschieden ist. Für'ü Erste gilt cs von den Jude» aus Si. Thomas, daß die meiste« derselben, bis ans einige Ausnahmen, weiche aus - Hamburg herstamincu, von südlicher Abstammuug sind und der so genannten „portngiefischen Eongrcgakion" im Gegensätze zu dcr „Polin scheu", welche hauptsächlich in dem nördlichen Tbeite-Europas heimisch ist, angchörcn. Im Acußcrcu schon zeigt sich dieier Unterschied; denn, während dcr Tnpns dieser Elasse von Mitbürgern hier bei »ns in dcr Regel klein, unansehnlich und von dunkler Gesichtsfarbe ist, zeichnen sich die Jude» i» Westindien durch stolze, hohe 'Gestgttcn, edle Gcsichtszüge und durch cin ..~;iY«iivi\in" aus. wodurch sie tinwillkürlich einem Jede», der mit ihnen in nähere Berübrnng kommt, Sympathie nnd Geneigtheit abzwingcn. Ich habe während meines Ans cnihaltcs in Westindic» (Gelegenheit gehabt, persönlich viele.Erfahrungen in dieser Beziehung zu mache», nnd ich leugne mdy, - daß die Erinnerung an diese Bekannlschasten zn meinen liebsten Lebenserfahrungen daselbst gehört. Tw ältesten,- zuverlässigsten Nachrichten über die An tunst und die Anwesenheit dcr Juden, aui unsren westindiiche» >i-u*elix gehen bis auf das Jahr 1757 znriut, da zu dieier Zeit, wie dies ans einige» Gebnusverzcichnissen, welche. sich im Besitze einer dort .wohnenden jüdischen Familie befinden, hervorgehl, ei» .Kind von Ai, > scher'.Herkunft geboren tvnrde. Man bat . jedenfalls keinen srübereil anthenlischen Beweis für den .Aufenthalt der Inden ans Sr. Thomas. 'Nach der Einnahme nnd Plünderung Rodncvs ' durch St. Eustache - im Jahre 1781 kam der größte Theil der dort -ansässig gewesenen Inden nach St. Thomas und lies; sich hier nieder. Sie bildete» damals »och keine Gemeinde, sondern hielten nach der Anknnst daselbst ihre Betstunde» in ihren Wohnungen, bis cs ihnen sin Jahre 1790 glückte, eine Gemeinde zu bilden nnd eine Synagoge zn crbanc», welche den "Namen „Segen und Frieden" erhielt. Im Jahre lH)l zählte diese Gemsiude im Ganze,; nur neun Familien, im Jahre 1800 aber wurde sie durchfernere Ankunft von Glaubensgenosse», die aus andcrcn Orten einnafen, bis aus zweinndzwanzig. Familien vergrößert; die Synagoge wurde daraus im Jahre 18 > L mit einem anderen kleinen. (Gebäude, zu demselben (Gebrauche bestimmt.' vcrtanscht. Als die (Gemeinde sich später Noch mehr vergrößelte, wurde es »öthig, auch dieses Letzte (Gebäude niederzureißeip, und ein größeres aufznführcn. Jin Jahre 1^?4 zählte die (Gemeinde viernndscchzig Familien. 1*01 brannte das'Gotteshaus nieder, aber durch dieieö Ercigniß itichl cnlmuihigk, führten die Inden die jetzige Sunagogc thcils durch reichliche Beiträge.von der Insel selbst, theils durch Untcrstützuttgen, welche vom Auslände cintrafcn,.auf. Tic jüdische Geniciiidc zählt-zur Zeit wohl üngesähr zwischen - -100 und -17» > Mitglieder. Viele derselben sind im Besitze von Ehrenposten, nnd cs walten nur die freundlichsten Beziehungen zwischen ihnen und der übrigen dortige» Bevölkerung ob. Aus antisemitischen Vereinen und!)ersannnlunaen. (Soiinmciidskicr > Tie Anlisemite» aller Riten begingen Sonntag das Fest der Sonnenwende, zn denen Rubine ei» „Futharker" neulich hervorhob. ' daß die Heidenbekehrer in Germanien sich vergebliche Brühe gaben' e« dem Polte ans dem Sinn zu bringe». An einem Anssiuge der Wiener Antisemiten in die Wachau zur Soniiiveiidsiier beiheiligtc sich auch der Cooperator Schnabl Zn Si. Polte» waid den Wiener Perchrmr des germanischen . LichtgotleS Baldur oder Fr« auch die Ehre zntheil, von dem Professor der lwitigen Theologie, dem „Sociologen" Scheicher, begrüßt zu werden. I» dieier christlich socialen Bctheiligung an dcr Sonnwendseier erblickt ei>r,Hecrn Schönerer dienstbarer Organ eine Art schmutziger Conenrrenz, gegen welche es sich wehrt. Tics geschieht in einem Berichte, welcher snr den Missionär im Dienste BaldnrS, den Bekehrer der Christlich Socialen zur Perehrung aller heidnischer Bräuche, folgende unversälscht germanische Grobheiten enthält: „Pergani, der Mann mit,dcr eisernen Stirne, hatte diesmal wieder znr AbwechSkung seine deutsch-nationale Bergangenheit aus dem Schatzkästlein seiner'Gesiniiuiigen hervorgeholt und sich nicht entblödct, gleichfalls zwei Tanipsschisiladungen seiner christlich-socialen Gesinnnngsgenossen zu einer .Sonnwendseier' nach Spitz zn bcsvrdern und so den berüchtigten . Trenschwur aus Aggslcin (Loiniwendfcier 188b) in lebendigste Erinnerung zn

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