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Freies Blatt · 1894-07-01 · 117 (1.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
117 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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reite. 4. Freies Blatt. Nr. 117. rüdesten Weise beschimpft werden, die eine« derartigen Ton anschlägt, daß sich denen ihre eigenen Gesinnungsgenossen schämen? Und wenn so ein Organ noch weiter hetzt, so kann es noch so weit komnien, daß glicht nur die Juden allein beleidigt werdest, sondern Jeder, der für einen Juden gehalten wird." Gymnasial-^irector HaueiS, welcher;»lei<t sprach, ertheilt jenen Antisemiten, welche ein unqualificirbares Benehmen gegen ihre früheren Lehrer beobachten, eine wohlverdiente Zurechtweisung. —Bei "den Gcmeindewahleu drangen im dritten Wahl körper sümmtlichc zel», antisemitischen Cand Wablkörper wurden acht Liberale und zwei idaten durch. Im zweiten Antisemiten gewählt. In Folge besten durfte die Badener Gemeindevirtretung, welche bisher aus 2>> Liberalen und 10 Antisemiten bestand, in Zukunft 18 liberale und 12 antisemitische Mitglieder zählen. ' >Wahlrrgcbnissr.) In Klosterneuburg wurden beim ersten Wablgatige im dritten Wahlkörper fünf antisemitische Candidaten und der bisherige, zwischen den Parteien lavireitde Bürgermeister gewählt. In de,r engeren Wahl drangen dann vier liberale Candidaten durch. Im zweiten Wahlkörper gelang es der tibi raten Partei, sämmtliche Candidaten durchzubringen. In Bruck ar der Leitha sind die Gemeindeausschußwahlen durchwegs im fortschrittlichen Sinne ausgefallen. In Mödling siegten Im dritten Wahlkörper die Antisemiten. Mehrfach wird darüber Klage geführt, daß^ die liberale Partei einer zweckentsprechenden Organisation entbehrt. iSu Sktltiillsi Der Inden in der Cripiinalstatistik.) Profeffor Tr, Alois Zucker veröfientlicht im tschechisch-jüdischen Kalender einen Artikel über die' Stellung der Juden in! der Criminalstatistik, in welchem er ausführtp. Heber die Bedeutupg statistischer Zahlen ist cs nicht nöthig Worte zu verlieren. Jede Rhetorik verliert an Werth und Gewicht gegenüber trockenen Zahlen, die diese oder jene sociale Cr'cheinung erweisen. Aus solche ossteielle Ziffern berufen wir uns zur Abwehr gegen die Borwürfe, als ob die Juden die gütigen Gesetze und Moralvonchristen nicht befolgen würden. Sprechen wir vorerst über Sesterreich: An der Gesainmtzahl der Bevölkerung sind betheiligt: Katholiken mit 01 Percent, Griechen mit 22 Percent, Evangelische mit rs l'enent und Juden mit 4 5 Percent. Diese Glaubenslu'fcniitnific sollten daher mit einer gleichen Ziffer an der Berübung strafwürdiger Handlungen, insbesondere von Berbrcchen participiren. A» Bcrnnheilungen für Berbrechen sind jedoch betheiligt: Katholiken mit!'2 Pcrcent, Griechen mit 2 0 Percent, Evangelische mit 1'5 Percent und Juden mit ."> 5» Percent, daher jum ein ganzes Percent weniger,' als nach der Zahl der Bevölkerung jüdischen Glaubens auf selbe entfallen sollte. Diese Erscheinring ist usti so etsieulicher, als die Begehung von Berbrechen, insoweit es sich mit Juden handelt, nahezu constant abnimint. Blicken wir nämlich auf das Jahr 1881 zurück, so erkennen wir, daß damals die Juden noch mit. 4 2 Percent an der Begebung von Berbrechen betheiligt waren, diese Zahl sank bis zum Jabre >8>!« —'ans diesem Jahre stammen die letzte» ossiciellen Berichte — bis ans 3 Percent, daher nahezu um ein ganzes Percent. Bei den Bekenner» anderer Glaubensbekenntnisse, so namentlich den Katholiken und Protestanten, steigt diese Betheiligung. Detaillirter als die österreichische ist die deutsche Criminalstatistik, die bis ins Jahr l '!'ti reicht: auch hier ist daS Resultat für hie Juden äußerst günstig. Taielbst enlsallen: •.'lut 11nmhhi .Katbolifeit . . .. ltJ.'W Perurlheille I'iiim) Evangetnche . |. 1"3h , Ii*hi<K) ibtiüni anderer Glaubensbekenntnisses. . . 1108 „ ltifiiKn ^nfeii bloß.8*<7 „ i Was die einzelnen strasbaren Handlungen betrisst, so ist die Bell, eiligung der Juden ausfallend schwach bei Körperlicher Beschädigung und bei der in socialer Hinsicht gefährlichsten Handlung, bei dem T iebnalfl: dafür ist die Brthciligung etwas! stärker bei Ehrenbeleidigunqcn', Crprenung,-Betrug und llrkiinderisälschrsng. Diese Erscheinung, es 'ei ur,verbohlen ausgesprochen, ist nicht erfreulich, aber begreiflich, wenn u:t insbesondere bezüglich des Betruges bedenken, daß dieses Ber breche» vorzugsweise in der Handelswelt vorkommt. Aber die Ziffern der Criminalstatistik geben noch nicht das wahre Bild bezüglich des Ber Haltens der Juden. Tie österreichische und deutsche Criminalstatistik rechnet bloß mit Strafurthcilen, während sie sreisprechende llrtheile, nicht angezeigte und uNverratheue Berbrechen der Erwägung entzieht, wenn "auch die Strashandlung begangen wurde. .Wir halten dafür, daß die Juden sich weder der Zuneigung von Geschworenen noch von gelehrten Richtern erfreuen, daß auch Anzeigen ihnen nicht erlassen - werden, wenn sie strafbare Handlungen Ibegehen. Daraus ergibt sich, daß die Statistik strafbarer Berbrechen, j dnrchgeführt nach der wirklichen Zahl, für die Juden noch günstiger! wäre. Dieses günstige Berhältniß berechtigt wohl nicht zu Stolz, ~abir diese unwiderleglichen Facten berechtigen zu entschiedener Abweisung ivn Vorwürfen, die den Juden so oft,ins Antlitz geschleudert werden. (Die Reception der Jude« in Ungarn.» Das ungarische Ab geordnetenhaus hat am 20. Juni die Regie: ungSvorlage, betreffend die Reception der Juden, in der General- und Specialdebatte angenommen. Referent Ge;a Pap entwarf ein interessantes historisches Bild der tausendjährigen Geschichte der Juden in Ungarn, hob die Verdienste hervor, welche sich dieselben um die materielle und nationale Entwicklung des Landes erworben haben, und empfahl unter allgemeiner Zustimmung die Annahme des Gesetzes Alle Fraktionen des Hauses ließen durch kurze Erklärungen ihrer Zustimmung Ausdruck geben, und nachdem der Cultusminister Baro i EötvöS in wenigen Worten seine Befriedigung darüber ausgesprochey. hatte, daß die Vorlage so widerspruchslos ausgenommen wurde, wurde derselbe genehmigt. Mit Ausnahme von drei Geistlichen stimmte d>S ganze Haus für die Vorlage. Pap wurde beim Verlassen der Tribüne mit lebhaften Eljen- Rufen begleitet. — In allen Kreisen der Fi rtschrittsfreunde inner¬ und außerhalb Ungarns erweckt es lebhafte Befriedigung, daß auch die Regierungsvorlage, betreffend die freie Religionsübung, zum Beschluffe erhoben ward. Die gesammte kirchenpolitische Reform wurde von der ungarischen Volksvertretung vollinhaltlich gebil igt, und die Rechtsgleichheit, anderwärts nur vegetirend, blüht seg« »verheißend im Bruder floate jenseits der Leitha. , (Hertwig ehrenrechtlich verurtheilt.) Tel bekannte antisemitische Rechtsanwalt Dr. Herttvig, der Vertheidiger in Ahlwardt'S „Juden flinten"-Proceß, wurde aus seinem Militärverhiltniffe alsReserveofficier entlassen. Das Ehrengericht fälle nämlich das Unheil, daß Hertwig wegen der Angriffe, die er in jenem Proceffe auf Officiere unternommen, aus dem Ofsicierssta tde auszuschließen sei, und der deutsche Kaiser bestätigte dieses Urtheil »Jüdische „Feigheit".) Das Berliner At»v hrorgan theilt folgende Beitrüge zum Capitel von der jüdischen „Feig >eit" mit: 1. Es liegt nachstehende officielle Bekanntmachung vor: „Dem Primaner Curt Fränkel in Neustadt O. S., welcher art 30. December v. I. den auf dem Niedermühlteiche mit dem Eise eit gebrochenen Webersohn Franz Grebel daselbst vom Tode des Ertrinkens gerettet hat, wird in Anerkennung der hiebei bewiesenen Geistesgegenw nt und Hilfsbereitschaft hiemit eine öffentliche Belobung ertheilt. Oppeln, 3. April 1804. Ter Regierungspräsident." 2. Ter Knabe Loel fand in Friedberg (Hessen) den Tod, als er einigen christlichen Mitbürgern das Leben rettete, darunter einem Candidaten der Theologie. 3. Unter den zwölfweiblichen Inhabern der Rettungsmedaille b-findet sich auch eine „Semitin", Fräulein Hirschfeld, jetzt die Gattin des berühmten LandschafiSmalerS Wentscher. — DaS Buch „' preußische Kriegsthate» 4>64", herausgegeben von Theodor v. Pelchi zim (Stettin 1864), enthält zahlreiche" auf amtlichen Berichten beruhende Episoden. Bemerkenswerth ist, daß sich bei einem Regiment! (dent 18.) an einem einzigen Tage drei Juden beim Sturm auf I ie Düppeler Schanzen derart auszeichncten, daß man sie als besonder? tapfer ausführte. »Zur Schächtfrage.) Angesichts der in letzter Zeit mit der sogenannten Schächtfrage wieder betriebenen Juienhetze reproducirt die „Jüdische Presse" einen benierkenswerthen Artikel den die in D r e S d e n erscheinende „Internationale Fleischerzeitung" in Jahre 1882 gebracht hatte. Zn demselben heißt es: Die mosaisch! Gesetzgebung ist auf den Schutz der Thiere aufs Eifrigste bedacht, ja man kann die jüdische Religionsgenoffenschaft einen großen Thierschu ^verein nennen. Die Jagd ist zweifellos die größte Thierquälerei de: Welt, und es macht einen geradezu komischen Eindruck, wenn gewaltige Nimrods sich als Thierschützer aufspielen. Das Judenthum hat die Jagd aufgehoben, indem es seinen Anhängern den Genuß von Wild verboten hat, nebenbei gesagt, auch eine sehr fleischerfreundlich! Einrichtung; sodann epistirt über daö Schlachten der Thiere eine zanze Reihe von Vorschriften, die offenbar den Zweck haben, den Tieren unnütze Ovalen zu ersparen; so muß das Schlachtmeffer haarschi rf und lückenlos sein, mit einem Zuge, ohne Aufschub muß Hals und Kehle zur größeren Hälfte durchschnitten werden, nur ein sachkun nger Mann, der die Gewähr bietet, daß er die Procedur rasch und sicher vollziehen wird, wird zu dem Geschäfte zugelaffen; dies und r och vieles Andere ist angeordnet, um jede unnöthige Grausamkeit zu vermeiden. Es war ein Jude, der weise Salomo war's, der den iluSspruch gethan Hot: „Ter Gerechte erbarmt sich seines Viehes." Al er nun komnien die Thierschützer pur excellenee und wissen dem jüdi chen Schlachten etwas am Zeuge zu flicken. Sie klagen zuerst darüber, daß beim Binden des Großviehes roh und gewaltsam vorgegangen wir ». Jedoch dieser Vorwurf hat herzlich wenig mit der jüdischen Schlachtmethode zu thun; wie daS Thier gebunden werden soll, darüber schreibt der jüdische Ritus nichts vor, oder vielmehr er schreibt ror, daß es möglichst

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