Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 116 (24.6.1894)
- Date
- 1894-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 4. =f= Freie» Statt: bei. In der am 21. d. M. stattgefundenen Sitzung hat Dr. Jaromir Freiherr v. Mundy nach seiner Einvernahme in seiner Eigenschaft! als Ehrenmitglied des Actionscomites der Rettungsgesellschaft bei dem Präsidenten der Gesellschaft seinen Austritt angemeldet. Die Ursache des Austrittes, ist der Borwurf, der gegen den Baron Mundy erhoben wurde, daß er sich an die Spitze der gegenwärtigen Action gegen die RctlungSgesellichast gestellt und dieselbe gefördert hätte. 'Alle dem Gemcinderathe.) »Doppelt reißt nicht-, dachte sich Herr Grcgorig, der Bfaidler, und wiederholte in der Gcmeinderarhssttzung vom 15. d. M. eine bereits einmal gestellte Interpellation, welche bloß durch die geistreiche Frsige vermehrt wurde, »ob der Bürgermeister der Ansicht sei, die Staatsgewalt muffe aufgefordert werden, die antisemitische Partei zu zwingen, die Angehörigen eines eiugcwandenen Bolkes als höhere Wesen zu betrachten"? Bürgermeister Dr. Grübl fertigte den Interpellanten mtt dankenswerther Entschiedenheit ab und schloß seine Aussührungen mit der treffenden Bemerkung: „Ich weiß nicht, welches höhere Wesen der Interpellant meint: ich weiß nur, daß es in Oesterreichs Bürgerschaft I e i n e E l a s se n gibt, weil nach dem Gesetze Alle gleichberechtigt sind. Ich kenne also keine höheren und niedere» Wesen." > Tic wirtbschaftlichcn Segnungen des Antisemitismus.) De» Mcldi^igcn ungarischer Blätter zufolge drüht eine sehr bedeutende Geschäftsbräuche wegen des Verhaltens der österreichischen Regierung den Antisemiten gegenüber Wien den Rücken zst kehren. Die Exporteure der Eonfeclionsbranche säst lauter Juden sollen bereits mit dem ungarischen Handelsministcr in Unterhandlung getreten sein, um nach Ungarn zu übcrsicdeln. Wir hakten Gelegenheit, mit einem großen Herrentlcidcr Erportcur hierüber Rücksprache zu pstegenl und erfuhren von ihm, daß allerdings die Unzufriedenheit unter den lstrportcurcn in der österreichischen Reichshauplstadt 'in Folge des Berhaltens der Regierung gegenüber den Ausschreitungen des Antisemitismus einen bedenklichen Grad erreicht habe, und daß einzelne Firmelt, die mit dem Oriente im regen Berkehre stehen, bereits Umschau und Rachfrage in Budapest gehalten Raben. Es scheint die Situation dort für den Exporthandel weitaus günstiger zu sein wie hier in Wien, schon darum, weil das ungarische Handelsministerium unausgesetzt bckrcbt ist, die Exporteure inländischer Erzcugniffe in ihren Handelsvertindungcn mit dem Auslände aus das Kräftigste zu unterstützen. Wcpn nun derartige Uebersicdlungen einzelner Wiener Exporteure nach Budapest thatsächlich stattsinden sollten und es durch diese hier bckan rt würde, welch günstige Bcrbältniffc sie in der ungarischen Hauptstadt wrgcfunden haben, dann könnte cö allerdings geschehen, baß der Auszug aus der Kaiserstadt sich derart lebhaft gestalten würde, daß . die dadurch geschaffene Vage stür unsere kleinen Handwerksmeister sehr bebe iklich werde» müßte. Es ist doch kein Geheimniß, daß — ziehen ra r nur die Confectionsbranche in Betracht — viele Hunderte klein« r Meister ausschließlich >'ür Erporinrmen arbeiten, und viele von piesen zehn bis fünfzehn Arbeiter beschäftigen. Es ist nicht zu hoch! gegriffen, wenn wir die Zakl der für die Erportcure der Eonkectionsbnanche arbeitenden Meister und 'Gesellen aus löHÜÜ bis 14.000 veranschlagen Was dann, wenn wirklich die in den ungarischen Blättern enthaltene Rachricht zur Thatsachc, werden sollte? Biele lausende Arbeiter würden brotlos, vielen Hunderten kleinen HaudwerkSincistern würde ihre Eriren; vernichtet werden. Angesichts dieser drohenden Gefahr darf man wohl den berufenen Kreisen zurusen: >mvr-unt! Unsere akademische fugend.) I» d:r Kanzlei des hiesigen Advc.aren Dr. David Frankl sprach eines Tages ein fremder junger Mann vor, sich um einen Srenographcnposten bewerbend. Dr. Frankl d.R'utctc dem Petenten, der sich als oanä. .jur. Gustav Böhm von >i ct'ini a nn Sdori vorstellte, cs sei möglick, daß dieser Posten nach f. M zur Besetzung gelange, und erbat sich dessen Adresse, pagc nach dem Ersten erhielt Dr. Frssnkl zu seinem Erstaunen § respondenzkarie nachfolgenden Inhalts: „An den Advoraten \ .ankl in Wien! Sie haben trotz Ihres Bcrsprechens, mir Be- - : Ren, das nicht gethan. Das ist eine echt jüdische Frechheit! r: neu:! «Gustav Böhm Edler v. Kctrmaunsdors, vui»I. s»r." j 'c;;i < 1 N'ge : E f ■ . A.;:ia aus diese Karte folgte die Ehrenbeleidigungsklagc, | .«man, oio he» die tietz^Dag>: verhandelt wurde. Ter-Richter konnte nicht;:» Angeklagten zu erklären, daß sein Borgehen denn doch ein stark" und stellte an ihn die Frage.: »Bor Allem, was veranlagte Sic. selbst aus der Adresse dieser Eorrcspondenzkartc die eiusachstcn Höslichkeiisformen zu unterlassen? l Warum vermieden Sie dem Adressaten das Wort „Herr" und ddn ihm gebührenden Titel „D >'lor" zu gönnen? Womit wollen Sie dass rechtfertigen?" Hierauf aiuif tu der Angeklagte: „Ich war in größer Aufregung, weil ich keinen Bescheid erhielt, ich befand mich damals in großer Rothlage,. . ." Richter: Es liegt ein ziemlich starker antisemitischer Zug in Ihrer Handlungsweise. So gar nicht rechtfertigen. Angeklagtei nicht schön, aber in Studentenkreisen Ar. 118. etwas läßt sich Ich gebe zu, es ist ist es gang und dlungsweisc dcsang gegen eine :cnd annahm, zu ell vier Tagen er die juridische Fa- und Tischlermeisters Zum Schluffe seiner gäbe, so zu sprechen. Richter: Das möchte ich doch bezweifeln. Wären Sie geneigt, dem Herrn Doctor Abbitte zu leisten? Der Angeklagte war bereit, sein Bedauern auszusprechen. Da Dr. Frankl aber erklärte, daß ihm das nicht genüge, verurteilte der Richter den Angeklagten, indem er die in der Han selben zu Tage getretene Veracht Religi onsgcnosscnschaft als erschwc einer Geldstrafe von 20 fl., event Arrests. Gleichzeitig erklärte der »Richter, das cultät von dem Urtheile vorschriftsmäßig verstänsigcn werde (Ein beleidigender Vergleich.) Am 4. M «i l. I, wurde in die »Drei Engel"-Säle eine allgemeine Bersamiilung Tischlergehilfen einberufen, in welcher einer der R dncr, Alois Krejczi, Redaoteur einer tschechischen Arbeiterzeitung, in s« surfen Redewendungen das Vorgehen' deS antisemitischen GemeinderatheS Jedliöka einer abfälligen Kritik unterzog. Ausführungen sagte er, die Arbeiter wären, wenn sie sich Herrn Jedliöka und seinem antisemitischen Heerbann!in die Arme würfen, gerade so verloren, als wenn sie Hilfe bei der Bolizei suchen möchten, wo sie gewiß nie etwas Ersprießliches zu hoffen haben. Wegen dieser Parallele zwischen Antisemitismus und Polizei n urdc nun Krejczi vom Strafrichter des Bezirksgerichtes Wieden der B lcidigung der Polizei behörde schuldig erkannt und zu acht Tagen verurtheilt. (Ter Gewährsmann des Abgeordneten Zeichnung jenes Herrn Hermann Edgar Geide sich der Abgeordnete Kaiser bei seinen gegen die „Rinnioiu* Adriatica .fi Sieurtäerhobenen Beschuldigungen stützte, veröffentlicht die „Oefterreichische Revue" iiiehrcrc Briefe, die in cssant sind. Scho» im Deccmbcr 189o erhiel Gencraldircctor der „lii'unioiio Adriatiea“, »acljfolgenden Brief: Sie«, cm 7. Tecember 139.">. Euer Hochwohlgeboren! Tic hohe Wichiigkeil, welche in der richtigen Wahl des ersten Keainlen Ihrer Wiener Vertretung liegt, veranlaßt mich, Sitz eine Persönlichkeit aufmerksam zu machen, welche für Richtung hin vollkommen qualificirt erscheint. Es st r e n g e n A r r c st S Kaiser.) Zur Äenne, auf dessen Angaben ihrer Art sehr intcv - Herr 9? c u m ann. hochgeehrter Herr, ans diesen Posten »ach jeder iss dies der Hochbau- und Maschineningenieur Herr Hermann Edgar Geider, we! her auch schon eine achi- Imercssen in ausschlag ist, dag das Geschäft der n vollendeter Genilema» ge» der Bolkswirthschast jährige rühinliche Affecuranzlhätigkeit hinter sich hat, e i ist und eine überaus gewandte Feder in alle» Zwc und der Politik führt und sonach wie nicht bald ein fr capable erscheint, eine solche hervorragende Versicherungsgesellschaft nach In, en und nach Außen in eminent würdiger Weise zu vertreten und so deren gcbentster Weise zu hüte» und zu verfolge», Gewiß „liiunione" in Wie» schon »ach wenigen Jahren sine namhafte Steigerung erfahren würde! Tie Adresic des Herrn (beider ist VI .. Lindengassc 13. Hoch achtungsvoll Ein Freund der »IHuuioii« Adriatiea di SuMirta". Geider persönlich mit rrigycssi auf und an Herr» Im Mär; lanfcndcii Jahres trat Herr seiner Bewerbung bei Herr« Geueralsccrctär urgirte daun schriftlich die Erledigung durch nachstehenden, Frigycssi gerichtete», sehr vorsichtig geschriebenen Brief: Eiv. Hochwohlgeboren!j Unter Bezugnahmc auf die am 13. d. M. mit Ew. Hochwohlgebore» geführte Unterredung' erbitte eine schriftliche Bekanntgabe. Hochachtend Wien, 21. Mär; 1694. E. Geider, Ingenieur, VI.. Amerlinggasse 17. Auf diesen Brief erwiderte Herr Gcncralsccrctär Frigycssi wie folgt: Triest, 21». März 1894. j Geehrter Herr! Im Besitze Ihrer werlhen Zeilen vom 21. d. M. bcdaure ich, Ihnen mit theilen zu müssen, daß die Gesellschaft auf die ihr Ihrerseits angebotene» Tienste nicht resteclirt. Ich zeichne mit besonderer Hochachtung ergebenst A. Frigyessi. Im Mai, also etwa zwei Monate darauf, folgte die Interpellation des Abgeordneten Kaiser, in welcher das gleiche Thema behandelt wurde, welches Herr Geider, allem Anscheine nach in der Absicht, seiner Bewerbung Nachdruck zu verleihest, schon Anfangs März in seinem Blatte besprochen hatte, ohne jedoch dabei den Namen der ..Riuuioue" zu nennen. Die »Lesterrcichische Revue" kündigt an, daß sie »erforderlichen Falles" weitere Mittheilungen, namentlich über