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Freies Blatt · 1894-06-24 · 116 (24.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
116 (24.6.1894)
Date
1894-06-24
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 116. freies mir sagen: So gefallen wie diese hat uns keine andere. Der Verein, der heute hier tagt, gibt in einer an den Lehrkörper gerichteten Zuschrift, womit er uns rinlud, als seinen Zweck an, unter Wahrung der Parteilosigkeit zur Tugend anzuleiten. Fürwahr, ein schöneres Ziel kann ein anderer Verein kaum »och verfolgen als der ,Allgemeine .niederösterreichische VolkSbildungSvercin', dcsien Hauptleitung zu be grüßen wir die Ehre hatten. Mir siel diese Aufgabe seitens meiner Eollcgen zu. Als ich die Ziele und Leistungen des Vereines vor meinen Augen vorübcrzirhen ließ, siel mir Pestalozzi ein,/ der vor beiläufig 130 Jahren als Reformator der Volkserziehung einen neuen Weg cinschlug. Er kaufte damals eine Strecke HaidelandcS, um praktisch zu zeigen, wie in der Verbindung ehrlicher Arbeit mit häuslicher Er-, ziehung das Volk kulturell und sittlich zu heben sei. TaS, was damals geschah, um dem Elende abzuhelfen, war von dem richtigen Gedanken geleitet: Arbeit und Erziehung! Und diese Idee Pcstalozzi's liegt wohl auch dem Entstehen deS VolkSbildungSvercineS zugrunde. Soll dem sittlichen Elende gesteuert werden, so muß ganz richtig auf Gcmüth und Herz des Volkes gewirkt werde», damit sich in ihm eine moralische Kraft entwickle, die Widerstand leistet den tausendfachen Versuchungen. Die Volksbildung ist ein sicheres und verläßliches Mittel gegen die (Gefahren des Pauperismus, aber auch zur Rettung aus mannigfacher anderer Roth, denn Bildung macht frei, und sie ist daher das höchste Gut, das wir besitzen. Aber auch von einem anderen nur zu nahe liegenden Standpunkte scheint mir das Wirken des Vereines ein äußerst zeitgemäßes und heilsames zu sein. Wenn etwas die Schrecke» der, socialen Umbildung cinschränken und fernhaltcn kann, so ist es einzig die' in die Tiefe des Volkes hinabreichcnde Bildung, der Sinn für Srdnung und Gesetz, daS ist der religiös-moralische Sinn de- Volkes. In dieser Richtung, von dieser Tendenz getragen, arbeitet der VolkSbildungsrcrein, und cs ist eine weit edlere, würdigere Aufgabe als die zersetzende Arbeit gewisser Agitatoren und Phrasenhelden, die den Arbeiter gegen die Arbeitgeber, die Elasten gegen Elasten aufbringcn und so, statt Gutes zu schaffe», nur Unzufriedenheit großzichen und nähren. Der Volksbildungsvcrein arbeitet im Geiste und setzt die Arbeit der Schule fort. Er verfolgt mit der Schule ein gemeinsames Ziel, sie beide arbeiten zum Wohlc deS Vaterlandes. Tie freundliche Zuschrift, mit der wir für heute eingeladen wurden, hat mir und meine» Eollcgen große Freude bereitet, und mit ebensolcher sind wir der Einladung gefolgt, und in unser aller Raine» begrüße ich Sie wiederholt und versichere Sie unserer Sümpathicn, denn die Bestrebungen Ihres Vereines müstcn jeden Gutgesinnten und Patrioten mit dankbarer Anerkennung erfüllen. Wir sehen in den Bestrebungen Ihres Vereines wahrhaft volksbcglückende Ziele und sind Ihnen dankbar, daß Sie auch Melk in den Bereich Ihrer Thätigkcit ziehen. Sie werden hier einen dankbaren Boden sindcn. In Melk gibt es leider auch von den Schlagern des TagcS Verführte, aber werde» diese Ihre Ziele keiinen lernen, so werden sie dann den Werth der Bildung als ein höheres Gut zu würdigen wisten und bald wieder aus den rechten Weg zurückgebracht werden. Mögen Ihre Versammlungen gerade von de» Unzufriedenen recht zahlreich besucht werden, denn diese bedürfen wahrer Belehrung' am meisten. Hier ist der Boden, wo Sie Ihre schönsten Erfolge erzielen können. Wenn ich die VereinslcitUiig deS VolkSbildungSvercine» begrüße, so geschieht cs mit dem Wunsche, es mögen die Bemühungen dieses humanitären Vereines allezeit und überall von den schönsten Erfolgen gekrönt sein, eS möge der gnte Samen, den Tic überall ausstreuen, allezeit und überall gute Früchte tragen." Die Stimme eines Staatsanwaltes. Eine interestantc Gerichtsverhandlung fand am 14. d. M. vor dem Geschwornengerichte in Budapest statt, besten Vorgeschichte in die Zeit des diesjährigen Katholikentages in Budapest zurückgreift. Damals hatte sich daS Gerücht verbreitet, daß „die rolhc Fahne" deS SocialismuS gegen „die schwarze Fahne" der Katholitcnvcrsaiiimlung dcmonstriren werde. Auf Grund 'dieses Gerüchtes vergönnte sich der Redacteur deS klerikalen „Magyar Allam", Emil Szc in nccs, in seinem Blatte unter dein Titel: „Tic rothc und die schwarze Fahne" einen heftigen Ausfall auf die Regierung, welche den kirchenpolitischcn Kampf angeblich auf die Straße tragen wolle, und fuhr fort: „Auch hierauf haben wir eine Antwort. Für welche Demonstration immer machen wir die Israeliten verantwortlich, da sic die Socialisten führen; sie führen den Zcituugskrieg gegen die Katholiken, weshalb den» auch, wenn sie unS angreifen, dies als Zeichen dafür dienen werde, daß am Vorabende deS St. Vincenz-Tages, d. i. am 21. Jänner, in jedem Torfe deS Landes auf einmal die Demonstrationen gegen die alleinigen Statt. ' Seit» 3. Urheber des heutigen ReligionSkric^cs, die Juden, beginnen, und zwar nicht sporadisch, sondern auf einmal. Das ungarische Volk hat die .1883er Melodie noch nicht vergessen, und cs wird die Art und Weise finden, wie statt der Kirchenpolitik die Judensrage aus dje Tagesordnung gelange. In dieser Frage werden alle Ehrisien übcreinstimnicn." In Folge dieser Arußcrnngen erhob die königliche Sbcrstaatsanwaltschaft gegen Emil TzcmnecS die Anklage wegen Vergehens der Auf- . rcizung gegen eine Rcligionsgenostenschaft, worüber, wie erwähntam 14. d. M. verhandelt wurde. ~ ' In seinen Ausführungen sagte der Vice Staatsanwalt Tr. Kiii'zta, der Antisemitismus müsse a l s c i n c der bedauerlich st e » V c r i r r u n g c n d es m cnschliche u G c i st c s a » g e s c 1, e n werde u Er st e h e i m Gegensätze z u den richtunggebe »ch c u I d e c n unserer Zeit, die Tendenz desselben s c i c i »c z e r st v r c u d e und aufwühlende, weshalb denn auch die untersten Schichte» unseres V o l k e s' a u f g e k l q r t werde» müssen. ES fei müßig, die Irrlehre» des A »stijemilismus vor hauptstädtischen Bürgern widerlege» wolle n, vor jenen Bürgern, die ja in ^der Rechtsgleichheit auf gewachsen. „In Frankreich," sagte der Klagcvertrcicr, „hat diese Verirrung vor Jahrhunderten die Schrecke» der Bartholomäusnacht zur Folge gehabt. Hier bezweckt sic die Zerstörung des großen und hehren Werkes, welches ciir Szöchenyi und Denk im Interesse der Sicherung der Eivilisation errichtet haben. Es gehr nicht an, die Anfachung , der religiösen Unduldsamkeit im letzten Dcccnnium des XIX. Jahrhunderts ruhig zu dulden. Dev Angeklagte machte nicht die Socialistc», sondern die Juden für die Demonstration.verantwortlich und kündigte an, daß am 111. Jänner die Demonstration, gegen die Juden losgchen werde. Seit Bestand des Schwnrgrrichtshofcs ist nicht so deutlich gehetzt und aufgereizt worden, wie dies ' der t'bugcklagkc gcthan. Er wollte seinen Lesern die Meinung bcibringcn, daß-die Juden den ReligionSkricg hcrvorgerufen. habe»; er stellte diese Eonsession, eine Hanovoll Mensche», in gehässiger Weise den anderen gegenüber, um auf die Gcinüihcr der unteren Volksschichten in vcr dcrblicher Weise cinzuwirkcn. Wäre cS ein Wunder, wen» das Bauernvolk, in welchem das Gift des Judenhasses noch vorhanden ist t und nun hört, daß die .Handvoll Inden feint Religion angrcise, die Krawalle und Grausamkeiten vom Jahre 18*3 wiederholt L Ter An geklagte wollte die Gcmüthcr ausreizen, wiewohl er ganz gut wußte, daß seine Verdächtigungen grundlos seien, und daß die Jude» weit davon entfernt sind, die Socialistc» zu führen. Er wollte die Wieder ~ holung der beschämenden Vorgänge, die sich bei den blutigen Juden krawallen im Jahre 1883 in den Eomitatcn Zala und Somog»> abgespielt haben." Schließlich gab der Staatsanwalt der Hoffnung Ausdruck, die Geschworene» würde» nicht zugeben, daß der innere Friede der Bürger dieses Staates ungestraft gestört werde, sondern eine» solchen Versuch mit einem Schuldspruche gebührend belohnen. Der Angeklagte vertheidigtc sich selbst. Er bchauvtctc, die Regie rung habe mit ihren kirchenpolitischcn Vorlagen die' Gcmülher der zehn Millionen Katholiken in der brutalste» Weise verletzt, Gegen diese Angriffe werden er und seine Freunde jederzeit mir der .Feder und wenn nöthig, auch mit dem Schwerte kämpfe». Die jüdische Religion sei vom Staate n i ckn anerkannt, ni i t h i n k ö n n c g e g e» die Juden gar n i ch l ein in ä l d a S Vergehen der Aufhetzung begangen werden. Die Ge schwornen verneinten die Schüldfrage der Ausreizung lnit 0 Rein gegen (> Ja, worauf Tzciunecs frcigesprochcn wurde. ■ Alt nufere P. T. pruuiii;-Abonnenten! Zur Bequemlichkeit nuferer flcclirtcii Provinz Aboimclitcll werden wir vom 1. Z»li d. Z. ob die fälligen Abonnements betröge mittelst Posta »st ragt? beheben lassen. Die Administration. (Freiwillige RcttuugsgcseUschaft.) Tie zur Prüfung der Vor güngc in der „Freiwilligen RetlungSgesellschaf," eingesetzte JIntcr suchungScommission hat im Laufe dieser Woche wiederholt »nter dem Vorsitze des HofrathcS Professor Tr. Rothnagel getagt und das Vorgehen deS EhefarzteS Drv Vragasi» einer gründlichen und objektiven Prüfung unterzogen. SamSlag den 23. d. M. findet die letzte Sitzung statt, worauf das Ergcbniß publikirt werden wird. Den Verhandlungen wohnten zeitweilig auch die Mitglieder des Präsidiums des Abwehr- Vereines, die Herren Baron Suttner und General v. Mingazzi,

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