Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 115 (17.6.1894)
- Date
- 1894-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Freier Blatt. Itr. 115. Seite *. können cif Zeit nicht erwarte», wo sie daS ausschließliche Privileg der marktschreie röchen Reclame besitzen werden. lbommeitlar;tt einem Bravo.) Wir lesen in der „Korneuburger Zeitung": Dem Herrn Director Zungenfeld widmet die abonnementsdnngerige ciornblumenverebrerin in Krems („Landzettung") ein Bravo für die Beriügung, den zur Waffennbung einbeiufenen Fabriksarbeitern den Lohn während der Zeit der ganzen Waffenübung weüerzuzahlen. Das Bravo für Herrn Znngenscld ist verdient: ob er sich auS dem Kremser Bravo eine Ehre iiiaäieii ivird, ans Ccm Bravo eine« Blattes, das seinerzeit über Actiengefellichasten und GroßindiittrieUe io viel zu schimpfen wußte, wollen wir ununterinän lassen, Tie „Landzeituug" hätte aber auch nicht eine Zeile Raum für ihre aeldtragenCen Annoncen, io' nicht einmal für ihren wemhäuierfprachigen Text, wenn sie alle Humanitätsacte liberaler Fabrikanten registriren wollte. Tie antisemitischen Großgrundbesitzer werden in dieser Beziehung — höchstens wenn . Hungerlöbne registrirt werden sollen — nicht viel Play beanspruchen. iTrodung mit dem Tkrikc. Die „Kreuzzeitung" droht Herrn von Platz, daß sie nicht mebr initspiele,, werde. Die nimmll Anstoß daran, daß der Herausgeber Cer „Zulunst". Maximilian Harden alias WittkowSky, tvie verlautete, die ReCaction oder mindestenr Cie geistige Leiniüg einer vom „Bunde Cer Landwirtde" demnächst berauszugedeilden täglichen Zeitung übernehmen - solle. Unter dieser Boraus>'eviing, tagt die „kreuzzeining", würde sie sich an dem kainpte nicht weiter betbeiligen können. Tie .„Zukunft" des „Zudetiivrößltngs" Maximilian Haiden wird wegen ihrer, hem Grafe» Caprivi feiiidliche» Haltung von den ostelbischen Agrariern eifiiig unterstützt, und der Judenhaß tritt da zeitweise dinier den Haß gegen den „netten Eours" zurück. Daß dixs nicht auch che, der ..kreuzzeitung" der Fall ist, zu deren Mitarbeitern >che>> >v mancher „I»de:iprößti»g" gekörte, dürfte danaus zurückzuführen sein, dag Herr v Hammetstein vor einem geiährlichen Eoncurrenten Angst hat. -D)ic Ttobiing .mit dem Ttrike ist, scheint es, nur ein Äcr journalistischer Zelbsterkenntniß und Borsicht im .stampfe ums Dasein. «Vcrussmäßigc ^bradschneider.) Das Münchens' „Deutsche Volks blatt" baue. >v,e seinerzeit gemeldet wurde, den Kaufmann Ehrenfeld in Frank'iirt am Main angegrinen, weil er einem alslLadncrin sich meldenden Mädchen einen Monaisgebalt von 15 Mark augeboten und auf die Einweudungen des Mädchens über die Geringfügigkeit des ILobneS gesagt hätte, es —könnte ia nach Tchlnß des Geschäftes Rebenerwerb stichen. Der Angriff entbedrte teder tbaisächlichcn Grundlage, und der Redacieuk des AntisemitenblatteS wurde nun rach einem mißglückten, Ver'ckükppiiitgsveriuche wegen Beleidigung zu einer Getdiwafe von Mark verurtheilt To ungeulrt wie in Tachsen, wo die Herren von der „Dent'chen Wacht" stra'loS jüdische Geschästslente deschimvie» und schädigen dürsen, können die antisemitischen Zeitungen in Bauern nicht verfahre» Dem Münchener ..Dcut'chcn Bolksblast", welches neulich auch deq praktischen Arzt nud „Iitden'chüver" Dr. Er dt sin Partenkirchen wegen eines angeblich inhumanen Vorgehens gegen eine» verunglückten Dmcier anremvelie, werden wodl in dieser Beziehung auch weiiere bittere Ersahrungen nicht er pari bleiben. Der ..Iudemchatzer'' bat gegen da^ Münchener Blatt wie gegen ein gleichgesinntes Blättchen in Werdenfels Ehrenbeleidigungsklagen überreicht. , Tendcuzlugk. i Zn reichsdeulschen Antiiemitenblättern war eine christenferndliche Aeußernug zu lesen, welche der Rabbiner Zisaac M. Wise in Eincinnati in der von ihm redigirten Zeitschrift „Teborolb" gemacht hätte, und antisemitische Hetzredner beriefen sich auch aut diet'e angebliche Aeußerung eine? Rabbiners, um den Haß der Inden gegen das Ehristpnthum,zu kennzeichnen. Run liegt aber eine Erklärung Wi>'e's vor, daß er nie jeine solche oder ähnliche Aeußerung gemacht bade und daß sich m den neununsdreißig Jahrgängen der ..Teborab" nichts dergleichen vorfindc. Wir baden e? ptit der Dichtung eines .iiiti'eiilitöchxn vuinveu zu tbun, welcher vielleicht als Anhänger Tühring's das »„Reujudentbiini" begeifern und zugleich das Tbinm auf die Anhänger des Auen Testaments wälzen wollte. Die Empörerin. Rrinan. .ach dem Eu,z:nchen des Walter Betaut ^on Marie Majer a-7. ,>onse?uiig.> XXIX. Aue T'.et erhoben sich. ...isu.kcl!" riet Clara. „wer Hai cs Ihnen geiahtV Haben 2ic schon : :!nitc müßigen Fragen! Ich» habe ger ug gehört,, daß zehn •. dar.'n krank sein könnten." „Hab.'n alic einen Briet bcfommnt?" „Btic'c / Woran d.nkt das Mädchen? Motgen und übermorgen und übetubcriliorgen werden genug Briete kommen. Briefe, ach, und Telegramme und Botschaften, ^xute, welche msin Bureau belagern werden. Tie würden schon Herkommen, wenn sic wüßten tovhin. £! es wird ihrer Biele geben. Wo der Teufel ist '.'iellri?“ und doch etw i Sch ii Ab, für air ihn Alle »Sie sagen. Sie haben gehört wo sie ist?" »'Clara," flüsterte Franziska, »er denkt an Ein schreckliches Unglück muß geschehen sein. S sicht an." »Sydney Bernard," Emanuel legte ihm Schulter, „Sie sind in großer Bedrängniß nach Ich kenne nicht die Größe Ihres Kummers — »Größe? Nun, die ganze Welt wird heute und morgen wird sie's wiffen. Es ist Ruin, Ruin »Ruin? Nun, es gibt BielcS, was man wieder Wenn es sich nur um Geld handelt." »Nur um Geld? Nur um Geld? Narr! Wa! Geld?" Emanuel prallte zurück. „Was geht denn," wi „übers Geld? Mensch — die ganze Welt, Alles Alles, was Sie wünschen, oder Alles, waS Sie Augenblicke noch, noch in diesem selben Augenblicke Anderen überwiesen werden. Kann ein Mensch geschlagen werden?" „Auf keine, die er so empfindlich fühlen Bernard. „Sagen Sie ihm's, Clara," sagte Emanuel. „Hier ist ein Brief an Sic, Lnkel." Und Brief. , Er entriß ihr den Brief, wild umherblickend Thier. „Ruin!" wiederholte er, „und dieser geschlagene es nur Geld ist! Ich bin verloren. Was verstehe t Verlust, Unehrc, Sie — Träumer? Tu weißt's, bedeutet. Geh' hinein zu deinem Vater und .sag' ist. Ich bin schon ein dutzendmal hin gewesen, aber Ich habe viele Schläge überwunden, aber das bedeuj ct deinem Baker». daß es Tausende und Tausende sing, daß ich deshalb zu ihm kommen könnte " Und er von innen heraus, sic waren leer. „Tas ist Ruin! Wo ist Nell»? Sie soll mir alle meine muß noch an diesem Abend übers Wasser. Zuerst vorderhand." „Lesen Sie den Brief," sagte Emanuel. Er nahm den Brief und besah ihn, jedoch zu lesen. Seine Gedanken waren anderswo. Ihn sein eigener Kummer. „Was thut t^r■— ihr mich so an? Es ist doch noch nicht in den Zeit» wollt ihr? Ihr Alle -von mir? Ich habe Niemanden hak schon andere Bankerotteure vor mir gegeben, für mich nicht bester. Ich kann niein Angesicht kann mich nie mehr in der Fleet Street sehen Und am Turf — —" „Lesen Sie den Brief," wiederholte Emanuel. „Wo ist Nelly? Wo ist mein Kind?" fragte blickend. „Lesen Sie den Brief " Emanuel nahm ihm Hand und hielt ihm ihn vors Gesicht. »Lesen werden Sie wisten, wo Nelly ist." Endlich las er. Anfangs war sein Gemüth seinem anderen Kummer erfüllt, daß er las, zu begreifen. Er las den Brief nochmals, aber Er las ihn ein drittesmal und händigte wortlos ein. »Es ist wahr, lenket. Sie verließ das Hau! Uhr'und sagte dem Mädchen, daß sie heiraten wir) ihre Sachen mit, ihre Instrumente und Noten, nu seither ist sie nicht wiedergekommen. Sie hat sich Manne verheiratet, Namens —“ „Lies mir vor," sagte er. »Ich verstehe heute cs ist — wegen des Anderen vcrmuthlich." * Clara las: „Lieber Vater! Wenn Tu diesen Brief erhl verheiratet. Ich werde einen Christen heiraten, s Tu nie Teine Einwilligung gegeben hättest, darum nichts davon gesagt. Wenn Tu einsehen kannst, von dieser Ehe abhängt, so wirst Du mir vielleich Hand fürchte ich, daß du sehr böse sein wirs Religion angchörcn, die ich mir wähle. Ta es wirst Tu mir hostcntlich verzeihen können. Teine fragen Sie .— Hand auf die Hause zurückgekehrt. icijerholte er traurig. Alles. Ist Geld chten? In diesem werden Sie eines keine andere Art w rrde," sagte Mr. stic reichte, ihm den wie ein gehetztes Narr fragt, ob Sie von Ruin, Ilara, was cs br- :, daß Alles aus nie so wie heute, den Tod. Sage , Diel zu viel, als zog seine Taschen s. Ruin! Ruin! achen packen. . Ich nach Boulogne, lastm Sie ohile nun s ganz Anderes, u nur sein Gends herumrathcn, Ruin." gutmachen kann, geht denn überS ol ne nur ein Wort beschäftigte vollauf rei — ihr starrt? Nun? Was umgebracht. Cs dock das macht's nicht mehr zeigen, nie, nie mehr. ngen t, hilflos um sich denselben aus der , sage ich. Tann i in noch so sehr von ein Wort davon voll Bestürzung, endlich Clara heute um zwölf Sie nahm auch das Piano nicht; mit einem jungen nichts. Cö ist — c Itft bin ich schon ch bin gewiß, daß habe ich Dir auch all mein Glück vergeben. Vorder- Jch kann jener Glück ist, so liebende Tochter- Nell»." )aß nein Dich