Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 114 (10.6.1894)
- Date
- 1894-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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reit* Freie» Blatt. Ut. 114. zweite» Fall baue Weiß 50 Mark von einem Gastwnkh erhallen, um dieielbrn an cie aiiriifmttt'dwii Kronzeugen im „Juveiistinttii"-Proceß, Brettschneider uns Xtäban, die damals au» der Loewe'schen Fabcil zu verweilen Weiß gab den beiden Lrbeikslose» n ti.hcn 30 Mark steckte er in seine Tasche. Gegen die ruiung eingelegt, worüber vorige Woche vor dem ~ü< bandelt wurde. Er suchte durch neue Zeugen zu brn» Forderungen an die antiscinitische Partei halte uni baltcii kounie, 'o vorzugeheu, wie er cs gelhan. T Beweis racki jeder Richtung hin für völlig verfehlt, pnd da» "ivnike dobcr beslätigr. enllasse» worden waren, je 10 Mark, die restruitheilniig halte er Beliner Landgericht I verseil, daß er verschiedene sich wohl für. berechtigt Gerichtshof hielt diesen erste Erkenmniß Clus antisemitischen Blättern. Wird cr da auch klagen?) Bergani, der sich ^sofort seines Rechtsweges besinn:. wenn er sich von einem, wie er ooranSsetzt, der Snmpalhie der Ge- 'chwoicnen tin Porhinein etwas verleideten jüdisches Landsmann an seiner .Ebre" gelivell suhlt, läßt sich pon seinem arischen,! ehemaligen RrdaciionSgenosse» H. H. Wols nach wie vor mit .sinürtel» prügeln, ohne zum Richter zu lausen, Ja, kürzlich knüpsle der Deutsch-Rationale an die Kerabreichnng einer lüchligen und nioraljschen Prügelsuppe sogar die eindringliche Bitte, Bergani möchte doch hingchcii und klagen. Bergani aber bleiht stoisch und uudetvegl; nun koinml 8. H. Woli faustdick. Er nennt Bergani di» „Speculalionsgenie" der vom Äniang an bei der Gründung des „Teulschsn BolksblaiteS" nur die Ausbeulung des ÄntiiemilismuS für seine Tasche im Auge Harle, und entwirft dann folgendes Minialurporlräl seines ehemaligen Brotherrn: „In seinem _ Ebaialler war der Keim desselben UebelS, das bekämpft werden sollte, inS anliseinlinche, cöcr eigentlich, da die Deutsch Rationalen ihn^bald hiuauSwarfen, ins christlich ioeiale Lager verpflanzt. Anfangs war'» nur «i» kleines, zartes, niedliches Eorrupliöiicheii, das sich beim Pauschalien,lehmen i so läppisch und tolpatschig anstellie, wie ein junger, »och b.inder Xöter beim Fressen r aber daS liebe Tingeicheu ivuchs und gedieh. weil'S von echter Race war, guckte es den Judenblalkein getreulich ab und wurde täglich feister und fchlivammiger — und jetzt sitzt im „Trutsche» Bolksblatle" eine große, dicke, ausgewachsene Eorruption und kaut NM Wollust und Behagen, wie Meister Petz in Schönbrun» Hühnerknöchelcheii, schmatzend Pauschalien und vorsichtig in Insebatenscheine eingewickelie Schweiggelder und Bestechungen^ Raiürlich Alles nur „für das Volk"!" Wir ii olliien doch gerne winen, warum Bergani, der ja Juden gegenüber so emvnudlich ist, den mit vollem Ramcn gezeichneten Änrfmpeluiigen eine» guten Arier» gegenüber just auf dem Slandpunkle /er duldsamen Verachtung beharrl? Sollie der Grund darin liegen, daß sich die Juden nicht b:S zur Höhe seiner - Berachiung erbeben, oder fürchtet der Besitzer der Hose mit den zwei Säcke», viiicn „Teulschcr Bolksb:ait" genannr, daß der ebemalige RetaciionScoUege und muibmaßlichc Mitwisier mancher Geschichte jener | beiden Hosensäcke vor dem Richter allzu gechrächig werden könnteTer lieble» Gerechtigkeit halber 'ei aber ovnstalirl. daß auch Wolf von Bergani im BriefkaKen des „Bolksblanes" in der ekrenrübrigsten und linzweideuligsteii Weise belchimp'l wurde und lischt geklagt bat. >iniili> simili nuu.Wr. Bielleicht klagt unS aber Hkrr ji. H. Wolf ank Ebienbeleitignng, weil wir ihn mir Bergani vergleichen. > Galerie der Gewesenen. I In den „Unverfälschten Deutschen Worten" rem I. „Brawmonal" macht sich Earl M. Iro über schönerer lustig Iin Hinterbause des „Brieskasteus" wird der Mann des BolterhauieS, denen »,chi besoldete Anbänqer nach und »ach ans rin kleines Häuflein;nlammenge'chrump'k sind, aüo gehänielt: „Schönerer könnte sich eine recht anziehende i-lalerie der .Geivesenen' anlegen." «Auch eine „Jux-Zeitung".> Tie T roppauer Aiiliieiiilten veranstalteten neulich ein „deutsches Bürgerfesi" und gaben auch eine „Jur Zeitung" heraus, 'aber auf Änliag der Llaatsauwallschafr consiScirr wurde. Anlaß zur Be 'chlagiiabme gaben nicht weniger als fünf Artikel, gegen welche die Anklage auf Berg,!:,» gegen die öffenlliche Ruhe und Ordnung, auf Perbrechen der Störung : i ,'s nilichcn Ruhe :o. erhoben und bestätigt worden ist. <(rin «nrsläiiülliß.i Tie „Kreuzzeilung" schreibt: „Tie antisemitische Bewegung o-deuiei, richtig verstanden, die Rolhwehr des MirletstandeS gegen : i g durch das bewegliche Großcapital, und in diesem Sinne kann ig:.ab.ne der Eoiiiervaciveii zu der Lache lediglich durch »incrc Bed-stimm: werden., nicht durch irgend welche Erscheinungen äußerer .rn.uii i unS diele au sich auch oft berühre» mögen. Wenn die ii eg.ich.-n .Ausschreitungen', wie wir die Liberalen und im Bunde Ciftdb'cii lUKui’teiUcti predige» hören, für die Behandlung der a!ls'chlagg.'beud -n» soll, dann würde überhaupt kein Fortschritt der Enurickiung möglich >ein, den» .Ausschreitungen' können umsoweniger ausbleibeu, ,e tiefer die Umgestaltung der herrschenden Ideen und Boistellungen greift, ,e unwiderstehlicher sich der Uebergang von der formal politischen Anschauung, ivie sie der Liberalismus vertritt, zu der socialen, vollzieht, die eben den >>tern und das We>en der antisemitische» Bewegung bildet." Tie „iireuzzenung". bemerkt treffend unsere Berliner Abwehrcollegin, gibt zu, daß es sich ii -!>edeu w.-giilii.' Art. -e i> i. F.iechk rer NM innen IabkN'iaa, o wi dum Bölck „Eh e Sc im AnlisemitismuS um. einen-socialen Kamps handelt, den nächsten logischen Schritt und folgert, e» sei gleichgilt g, de» beweglichen Großkapital» Hanimerstei», Schulye Antisemitismus ist also wirklich der SocialiSmns der die „Kreuzzrilung" eingeftande». (Eine mißglöckie Gründung.) Der Marburger schäfrsunlernehmen, de» „Reichsherold", in eine Actiejig> und forderte seine Anhänger eindringlich auf, eine und wenigsten« eine oder nach Möglichkeit mehrere zeichne». Namentlich hatte »S Böckel auf die oberhe,'suche allein diese sind trotz der Belheuerung, daß die „Zinsen „für die Sicherheit der Actien das ganze Vermögen der A nicht auf den Leim gegangen. (Tie Bauerorevolkcn in Rnmänirn.) Einige Amife mit gewohnter Frechheit die Behau piung auf, die Bauei ^r, platz neulich der Districr Bacau war wären durch hervorgerufen worden. Demgegenüber wird der Bcrlinir ans Bukarest Folgende» mitgerheilt: Als ein an Ort uni > gelendeter SiaatSanwalt den Bauer» zurief: „WaS, jetzt wir gerade damit beschäftigt sind, die Inden auszutreibeji zu befreien?", wurde er mit den Worte» abgeseriigt: unserem Elend! Auch die Jude» wollt ihr u»S verjagen, und unsere Retter in der Roth sind!" Eine gleiche seinen Benreter der altconi'eroative Leader Calargi Brusturoasa. Tie Bauern erwiderten, daß sie c« auSIreibunge» im Jahre 1885 gebilligt zu haben; sie haben, und würden keine Austreibungen mehr dulden. Bauernrevolten nächst der niederträchtigen Verwaltung bei präfecten, welche den Bauer auSfaugen darin ihren Gri letzten Jahren auS den Dörfer» und Städtchen vertriebet t wirkhe durch Griechen und Rumänen - der schlimmsten welche, um.die hohen Steuern auf spirituole Getränke zu gegen die!« neuen Steuern aushetzien. r Darum thut sie nicht , ob der Eigenthllm er r Levq heißt?'Der men Kerle. Dar hat Anliv bid sehi n el wollte sein Geei'ellschast ninwandeln »Pflicht" zu erfüllen lien ü 20Y Black zu n Bauern abgesehen, gesichert" sind, und daß ' liengesellschaft Haftel", milenblättche» stelllen evolten, deren Schaujüdische Ausbeutung" Jüdischen Prefle" Stelle der Rebellion empört ihr euch, wo und euch von ihnen „Auch das »och zu die uns Arbeit geben ort holte sich durch i» der Commune aueitkn, die Judenein, daß sie gefehlt s^baiiachlich haben die Primären und Sub nd, daß die in den n jüdischen Schankorte ersetzt wurden, imgehen, die Bauern Die Ernpör-er-ir^. Roman nach dem Englischen des Walt/r Besaut von Marie Majer. XXVIII. , (i'i. Fortsetzung.) Es war schon lange nach Mitternacht, als Fra i;iska, unfähig zu schlafen, sich erhob, das Fenster ihres Zimmers öfi nete, sich an dasselbe setzte und die hängenden Zweige der virginische i Waldrebe beiseite schob. Ter Mond schien nicht, aber dennoch wnr die Jlacht nicht finster, der Himmel war klar, das Zwielicht des iLiommers lag über den Gräbern und den weißen Grabsteinen des weite» Ruheplatzes der Tobten: die Luft war ruhig: kein Geräusch stört! die tiefe Stille; alle Leute im Hause-, alle Leute in all den Straßen ringsumher lagen im Schlafe. Zm Zimmer unter ihr war Relly lange wach geblieben, nachsinncnd, was sie am künftigen Tage thu» sollte, en >lich hatte sie sich in Schlaf geweint. Selbst der große Entdecker, welcher sie, Franziska, zur Mitverschworenen gegen die Herrschaft des Kriezes gemacht hatte schlief den Schlaf des Gerechten. Franziska allein wa: noch wach. Um diese Zeit, in der Todlenstille der 'Rächt schlaflos ii einem Hause zu weilen, ist gleichbedeutend mit dem Alleinsein aus der ganzen Welt. Sie saß am offenen Fenster und starrte in die friedl che Nacht hinaus, voll verwirrender Gedanken. Wäre es möglich gcwcse», sie hätte willig ihr Her; Gedanken hingegebe», welche für die Jugend bester gepaßt hätten. Ihr Geliebter war zu -ihr gekommen, dieser beharrliche Liebende, der kein Nein als Antwort entgegennehmen wollte, f Er war zurückgekommen, dieser ungestüme junge Mann, immer mit derselben Frage, als ob er an gar nichts Anderes dächte; er war zuvückgekommen und sie hatte ihm, noch ehe die Frage gestellt werden kopnte, noch bevor, er Zeit gefunden, diese Frage auszusprcchen, mit «jinem Bekenntniß geantwortet. Und dann, eben als der beflügelte Liebes ihnen schwebte, mit seinem Wurfgeschoste nach ihren erschien dieser Prophet und fegte mit rauher Hand hinweg und sprach von erhabenen Zwecken, von der Seele, von dem Preise der Menschheit und der AuStilg Wie konnte ein unbedeutendes Mädchen nach einen nach einer solchen Unterredung, an Liebe und an ihr eigenes Glück denken? Wie konnte sie überhaupt an sich denken? Alle die Dinge, welche sie diesen Abend gehört hatte, lagen ihr im Sinne und tauchten eines nach dem anderen in ihrem Bewußtsein miede: auf. Sie sah Emanuel, den Entdecker, an seiner Arbeit, und nach Z rauenart begann zott sichtbar über Kerzen zielend, da die arme Liebe Unsterblichkeit der »ng des Krieges, solchen Abend,