Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 114 (10.6.1894)
- Date
- 1894-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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' Stitt 6 Fr » « e » 3 1 a 11. übt Darum war« es in unserer materialistischen Zeit , rin gesährlicheS Spiel mit der Gewissenhaftigkeit der Menschen, der moralischen Wurzel eines jeden Staatswesens, wenn weite Kreise die Meinung bekämen, daß Gcwiffenhastigkeit ein Ballast ist, ohne den man weiter kommt, als mit ihm. Die Synagoge sei eine Schule der Gewissenhaftigkeit. der Gewissenhaftigkeit gegen spürst und Bolk, gegen Christ und Jude. Wie der Neubau unseres Tempels so geplant ist, daß die Sonnenstrahlen lies in das Innerste fluthcn, so mag auch das Licht der Ocssentlichkcit tief in unsere alte Religion eindringen. Als der allein durch alle Zeilen allgemein anerkannte Kern wird gesunden werde»: der Glaube an Einen Gott, als den Urquell alles Seins, r^nd die alkicstamcntarische Moralvorschrist: „Liede deinen 'Nächsten, liebe den Fremdling wie dich selbst." Und noch, eine Hoffnung wird gefunden werden, die wie eine Ironie auf das neunzehnte Jahrhundert klingt, die Hoffnung, „daß alle Menschen einen Bund machen mögen, Gottes Willen auf Erden zu erfüllen mit aufrichtigem Herzen," doch bekennen wir uns zu dieser Hoffnung im Gebet am Neujahrs und Beriöhnungstage Das sind unscve Gesinnungen, das sind die Gesinnungen des deutschen Judcnthums. Indem wir dein' Kaiser huldigen, yuldigcn wir ihm nicht bloß als dem angestammten Fürsten auS d m Hause der Hohenzollcrn, nicht bloß als dem Sohne seines Bakers, dem Enkel des ruhmgekrönten Wicderherstellers der deutschen Kaiserkrone, sondern mir feiern in ihm auch den wcitschaucnden Monarchen, der das Wort gesprochen: „In Glaubenssachcn gibt cs keine» Zwang, hier entscheidet allein die freie Ueberzcudung des Herzens." Jubelnd rufen wir aus: Se. Majestät der Kaiser und König, unsrer Aller gnädiger Herr, lebe hoch, hoch, hoch! — BeachtcnSwcrth ist auch eine Abfertigung, welche der achtzigjährige Rabbiner Dr. Hcidcnhcim in S onderSha usen Herrn L i >'b e rm a n n p. Sonnenberg zuihcil werden ließ. Tr. Heidenheim hörte einen Bortrag dieses Hetzapostels an und ergriff unmittelbar daraui das Wort, wies die antisemitischen Angriffe auf das Entschiedenste zurück und betonte, daß er (Redner) Zeit seines Lebens stets mannhaft für Deutschthum und Bolkswohl eingetrekcn und lange Jahre hindurch Lehrer und Rector einer deutschen Schule gewesen sei: 'er wolle Den sehen, der ihn irgend einer Schuld verdächtigen könne. Einer seiner n ächsie n B erw a n d ten sei im Freiheitskriege fürs Vaterland gesallen: seine Söhne haben den Krieg gegen Frankreich mitgemacht, und einer derselben sei auf dem Felde der Ehre geblieben. Stets sei er für die Armen und Bedrängten eingetreten, ohne Ansehen des Glaubens derselben, und nun müsse er heute als alter Mann erleben, daß in einer Stadt, deren Einwohner bisher nichts von confcssionellem Hader kannten, eine der schmählichsten Hcyrcdcn gegen die Juden geholten werde. Herr Liebermann glaubte den tiefen Eindruck, welchen die schlichte Erklärung des Greises auf alle Anwesenden machte, dadurch abzuschwächen, daß * er die banale Redensart vorbrachte, er hätte nicht die einzelne Person eines Juden, sondern das Iudcnthum „an sich" treffen wollen. Acußerungen, wie die der Herren Dr. Samuel und Dr. Hcidenheim, treffen sowohl den Antisemitismus „an sich", als auch die einzelnen Personen seiner. Urheber und Handlanger. —r. l Zur Abwchrbcwcgillig iuTcntschland.) Aus Nörten in der Landdrostci Hildcsheim schreibt man uns: Um dem antisemitischen Treiben, welches sich seit Jahresfrist in Nörten ganz besonders breit macht, endlich Einhalt zu lhun, war aufSonntag den 27. Mai, Nachmittags 4 Uhr, im RalhSkellcr eine Versammlung einberufen, welche unter Borsiy des Herrn Architekten Demniing Hannovers tagte. Herr Schriftsteller Weigt i Hannover , als erster Redner, verbreitete sich in fünfvienelstündiger Rede über das Thema: „Der Antisemitismus und seine Ziele". Er wies in großen Zügen die gxgen die Juden erhobenen Beschuldigungen überzeugend als unwahr nach und legte im Beiondereii dar. in wie hohem Maße die antisemitische Bewegung auf »ni:r Bclksll'bcn entsittlichend wirkt. Herr Schöler (Hannover), weläier nach ihm das Wort erhielt, sprach über „die wahren Jntereü'en des Handwerkers- und Bauernstandes". Ter Redner schilderte zunächst die Enlstchnng des Slaatsbürgerrechtes und das Bexhältniß der Staatstürq.-r :um Skaatswesen. Er folgerte daraus die Nothwendigkeii einer entschiedenen Bekämpfung aller auf Staatssubventionen gerichteten Beitrebungen, wie ne namentlich von den Zünftlern und Agrariern verfolgt werden. Diese Ziele wurden dann einer eingehenden Erörterung unterzogen, wobei der Köder, den die Antisemiten als Ltiminungssang benutzen, scharf gegeißelt wurde. In der Tiscussion, zu welcher volle Redefreiheit für Iederniann zugesichert war, sprach zuerst ein . m--rl. Habermann unter heftigen Ausfällen auf die beiden Borredner und alle dem Antisemitismus feindlich gesinnten und deshalb „verjudeten" Parteien. Ter Uebermuth des antisemitischen Jünglings wurde von Herrn Rabbiner Dr. Jacob (Göttingen), der der i rde. ne „d c lick. die aufgetischten Sensationslügen als solche brarrdmg Herrn RechtSanwdlt Steinberg (Güttingen) schvif feine Spott, mit welchem namentlich der letztgenanntverstand, raubte den Antisemiten den letzten Halt, kratischen Standpunkt wurde der Antisemitismus einen Herrn Trilse nachdrücklichst bekämpft« woh Wort des österreichische» ReichSrathSabgeördneten citirt wurde: „Der AntisemitisnmS ist'der SocialiS:! Kerls " Schließlich gelangte auch noch ein Welfe, l WcidehauS (Rbrten),;um Wort, welcher gleichfaÜ Gegner der Antisemiten erklärt«. Mit einem begeisteit! Hoch auf daS StaatSbürgerrccht schloß die Versamiu l einhalbstündiger Dauer. — Derselbe Correfpondent : 8 offen ent: Einberufen von den Herren Weigt u! Hannover, fand Sonntag den 3. Juni, Nachmittags 4 : gildehause eine öffentliche Volksversammlung statt, über 400 Personen besucht; eine große Menschenm^u Play mehr finden und stand in der Saalthür und \ zur Treppe. Bei der vorgenommenen Burcauwahl w l lBockenem) als Leiter der Bersammlung gewählt j Herren lehnten ab. Herr Weigt sprach in einem f i wiederholt von lebhaftem Beifall unterbrochenen Bo politischen und socialen Ziele der Antisemiten", : Gleichberechtigung aller Staatsbürger entschiedend | Schöler verbreitete sich in längerer Rede über ' Hirngcspinnste der Antisemiten", wobei er besonders Antisemiten gegenüber den Militär-, Handwerker-, , und Arbeiterfragen unter großem Beifall kcnnzeichnetc cussion sprachen die Herren Wenlc (Bockenem), ca mann. (Gölliugcnj und Brocke (Braunschweig), griff die beiden Referenten persönlich an, erklärt! „national-liberalen Antisemiten" und versuchte unte Beschuldigungen gegen die Juden die Borträge der Schöler zu entkräften. Seine Ausführungen wurden Schüler treffend zurückgewiesen, worauf Herr Wen!l> Wort ergriff. Als nun Herr Schöler noch ein S wollte, verließen die Antisemiten ostentativ den Saal, ganze Bersammlung aufzulösen beabsichtigten. Die Herrn Schöler verschaffte aber nochmals auf einige und mit großer Begeisterung stimmte die Versammln, Hoch auf die Gleichheit aller Staatsbürger ein. (Riältjiidische Moral.) Kürzlich hat in Fron Congrcß der christlichen Studenten stattgef Anlaffe der Tugend des deutschen „Bruder Studih Denkzettel aufgehefret wurde. Der Thcologieprofesso, Greifswalde sagte in seiner Rede folgendes: „Mit Freiheit hängen die drei Eardinalsünden der deutscher an denen sie und unser ganzes Bolk zugrunde gehen Saufen, Raufen, Unkeuschheit! Alle anderen Bersuck Schuldenmachen, den Eltern etwas vorlügen, hängen Gegen diese Sünden mit aller Macht anzukämpflin. praktische Aufgabe. Gemeinschaft und Arbeit gehören suchungen zu überwinden. Es ist eine Bitte an Ihr eine vitale Forderung für mich, eine Vorbedingung nn i an Ihren Bestrebungen, daß Sie dafür cintrctcn, dc Studentenverbindungen in ihre Statuten die Fordern aufnehmen. Es muß klar werden in dieser Beziehung jeder Hochschule bekannt werden, daß ein Stamm vorhanden ist, die die Keuschheit von ihren Mitgliel e ziehung verlangen. Auf jeder Hochschule kommt es vo des Semesters, oft schon nach wenigen Tagen eine der syphilitischen Station sind. Diesen Füchsen n gewähren. Sie sind mitschuldig an ihrem Untergang : ist die allcrelementarste Forderung jeder christlichen Stull Wer der Forderung nicht genügt, muß ausscheiden. bloß der verführten Mädchen, sondern auch der schreit zum Himmel. Schaffen Sie Klarheit! Haben Wenn Sie den Muth nicht haben, dann pfeife ick christlichen Congrcß." Nach den Ausführungen die' schließen, muß es mit der höheren Sittlichkeit der der — dieser Blüthe des Volkes — eigenthümlich bestell begreiflich ist es, woher in diese judenreiuen Kreise dcrbtheit. kam, da ja die Juden allein das Privileg besitzen. Erkläret mir, Graf Oerindur, diesen Zwiesp, (Tie Affaire Schnuy-Leuß.) Der frühere Leben Stadt Hannover, Dr. Sch nutz, veröffentlicht folge: heim in Holland datirte Erklärung: „Ich, Nr. 1U. rkte» sowie von gegeißelt. Der Herr zu sprechen Vom social-deinollann noch durch ei daS bekannte Dr. Hronawetter muS des dummen Maurermeister s sich als einen aufgenommenen luug nach vierschreibt uns aUS id Schüler aus Uhr, im Brauer- Aieselbe war von ge konnte keinen ins dem Flur bis Herr Schulz mehrere andere itnfviertelstündigeu, :trage über „die Wahrung der fordernd. Herr iwchthschaftlichen die Stellung der LandwirthschaftS- Jn der DiS weck. Haber- Erftgenannter Herr sich als einen r allen möglichen Herren Weigt und jedoch von Herrn e nochmals daS Dußwort sprechen wodurch sic die Stentorstimme des Augenblicke Ruhe, g dreimal in ein furt a. M. ein fanden, bei welchen, " ein gar arger C r c m e r aus der akademischen Studentenschaft, kann, zusammen: ungen: Faulheit, damit zusammen das ist Ihre dazu, diese Ber Erbarmen, cs ist iner Betheiligung ß alle christlichen jg der Sittlichkeit Es muß aus n Vereinigungen rn in jeder Bedaß zu Anfang Keihe Füchse aus izüffen Sie Schutz Die Keuschheit entenvcreinigung. Das Blut nicht verführten Füchse Sie den Muth! auf den ganzen es Profeffors zu sttschen Studenten sein. Rein unsittliche Vecder Unsittlichkeit lt der Natur! shnittelchemiker der nde aus Arnunterzeichncte scslchc di-r