Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 113 (3.6.1894)
- Date
- 1894-06-03
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 113. Freies Also, echte Deutsche, wenn ihr euch achtet, sammelt für ein! Heine-Denkmal in Oesterreich!! 1»—f. (Aus drm Prager «tadtvcrordiletcncollcginm.) Die Prager I Stadtväler beschäftigten sich wieder einmal mit der Frage der Straßen j tafeln, und da bemerkte der Jungtschcche M lim a, daß cS Haupt- | sächlich die Juden seien, welche deutsche Straßcutafeln anbringc», und drohte ihnen mit Repressalien. Demgegenüber sprach Stadtverordneter! Jnwald fein Bedauern darüber aus, daß Klima die Konfession in die Debatte hineingczerrt habe, und machte die Jungrschechcn dafür ' verantwortlich, daß in der Sladlvcrtrctung über die wichtigsten An gclegcnhciten, wie zum Bcisp^l die Kanalisation und die Trinkwc»'scr,! frage, nicht verhandelt, dagegen die Zeit mir solchen l'appalien vcr.- : geudct werde. Die radieale jungtschcchischc Partei säe nur Unfrieden i und vergifte durch ihr Treiben daS ganze öffentliche l'cben in Prag noch mcbr. Sic verschärfe die Gegensätze nach Möglichkeit und balle j dadurch die Fremden von Prag ferne. Die Jungtschechen begleiteten 1 die Ausführungen Jnwald',« mir Pollern und 6ärn>. l'neger und Schneider bade» allen Grund mit dem Peinigenihrer tschechischen Freunde zufrieden zu sein. ' ' (Gin polnischcs Unheil über die uitücnmcrrcidiiidint Ailti semitell ) I» einem Artikel über die ParlamentSparlcicil schreib! der z.'embergcr „Przcglnd": „26aS die Anlifemiken bell im, so ist eS l nicht uröglich, in ibrer Taktik auch nur eine Spur der voliliichen j Raison oder den Schallen eines Programmes, auf Grund dessen ne imReichSralhe eine andere Stellung als die der absoluten Regakion einncbmen könnlen, zu erblicken. Trotzdem die Antiiemilenparlei ausschließlich ans Deutsche» bcstebt, ist sie doch bereit,- die crtreinsten nationale« Anträge der Jnnglschcchcu zu nnierstützeu, um nur der , Regierung und der Parlamcnismajorilät zu opponircn. 26iewohl einzelne anliiemilische Abgeorditelc mil dem EonservatiSmuef kolenircu, sind sic doch bestrcbk, die Posikion der wabren Eonservaliven zu uiner graben und sich mit dem ioeialistiiche» RadiealiSmuS tu liireu. Tiefe 1 Partei leistet der Berbreitnng des SoeialiSmuS Por'chub, indem sie durch die Art ibrer ParlamcnlSwirksämkeit bei de» Planen die Autorität der Bcbördcn schädigt, snstematisch llnziifriedenbeit und Mißtrauen nährt. Eine Jntcressengeineinschast zwischen de» Anti fentit-.it und Jnngischcchen ist durchaus nicht vorbanden Pon den zehn antisemitischen Abgeordneten vertreten sieben bekanntlich 26 jener Bezirke und drei »iedcrösterreichischc l'andgemeindenbesirke. Bon welchem Standpunkte nun immer man die Frage der 26icderherstellung der : Selbstständigkeit des böbmischen Königreiches annassen mag, fo unter .- liegt cS wobt keinem Zweifel, daß 26ic» sowie überhaupt gan; 2ciedev Österreich bei einer solchen Restitution einen kolossalen politischen und materiellen Schade» erleiden müßte und von der Residentstadt eines großen Staates auf das Riveau einer 'solchen Stadt wie Dresden, München oder Stuttgart herabsinke» würde. Es wäre alio ein unergründliches Räthscl, wieso die 26ie»er Abgeordneten die Jung lschcchcn unterstützen können, wenn man nicht wüßte,- daß die Ami scnriten im Allgemeinen eines jeden politischen Gedankens bar sind." > Dic LtislUllg dcs Frcidcrrn v. Hiriäl.) Dem Jahresberichte über die Wirksamkeit der Stiftung des Frciberrn v. Hirsch sind toi gende intcresianle Einzelheiten zu entnebmcn: Zu Beginn des Schul! labrcs 1 wurden vier neue Schulen, und zwar in 26cstgalizlen zu Dombrowa und in Ostgalizie» zu Dclatnn, Snialun und '^oloi; wina errichtet. Der Bericht constatirt mit Befriedigung, daß jene \ feindselige Haltung, welche früher ein gewisser Tbeil der jüdischen Bej völlerung Galiziens bei Schulgründnngen angenommen, und welche! nur aUmälig und nur durch die Entwicklung der Schulen und durch i taktvolles Borgchcn zu bewältigen war, bei Gründung der neuen; Schule» 'im letzten Jahre die früberc Schärfe eingebüßl bat. und daß ' die Stifinng mit ihren Schulgründungcn bereits auf keine besonderen ' Schwierigkeiten stößt. Allerdings ist von einem opserfrendigeu Ent gegenkommcn im Allgemcincn noch lange nichts zu bemerken, es ist jedoch zu honen, daß auch dieses sich allmalig cinstellen iverde, bis die bereits sich babnbrcchend« Schulfreirndlichkeit in weitere Kreise ge drungcn sein wird. Für die dem schulpflichtigen Alter bereits ein wachscnen Analphabeten richtete die Stiftung Abendcurse ein, und zwar in Sniatnn'mit einer Frequenz von 75 Schülern, in Kolomea von ( 163 Schillern, in MonasterznSka von 76, in Sassow von ."»>>, in Miclcc von 30, in Tariiow von 137,' in 26isuicz von «>.">, in Rawa; Ruska von 52, in RzcSzow von -10, in Tarnvbrzeg von in i Zborow von 62 und in Brzesko von 32 Schülern. In einige» ' Sriftung-schulcn, wie in Kolomea, SlaniSlan .-e. wird in den oberen - Elasse» ein für das Handwerk vorbereitender Handferligteirsunterricht! mit gutem Erfolge crtheilt, und das Euratorium ist bestrebt, diesen : die Isiebe zum Handwerk fördernden Unterricht nach und »ach auch i» anderen StiftungSschulen einzuführcn, zu welchem Zwecke alljährlich | Slatr. eite 1. den hicsür sich eignende» Sliftungslekrer» Slipendicu t»m Besuche der entsprechenden—Ferialcurie gewährt werden, '.A'icht nur in iauimi lichen StiftungSschulen, sondern auch in-vielen ändere» Schulen wurden in Berücksichtigung der localen Berbältnisse und zur Förderung' der Schulfrcqnenz je nach drm Bedürfnisse und «oweir diS. Mittel es ge statten, Snbvcniionrn ' für Brkleidring und Be'veisniig der armen Schuljugend bewilligt. Ein Enigegeiikoininen in dieser Richtung wurde bisher nur in den jüdischen Genieinden von Sianisla», Kolomea, Sniatnn und Zabloeie erzielt, wo sich eigene Eomit-'s, betiehungS weise Bereinc zum Zwecke der Saiiimlung von Unierstntzniigen gebildet haben. ES steht jedoch zu erwarte», daß die tniielnuende Viebe zur Schule auch die Opferwilligkeii nach dieicr Richtung erwecken, nnd daß das von den genannte» Gemeinden gegebene Beispiel Rachabinnng sinden wird. Zn den mannigfachen Schrvtetigkeile», mit welche», die Slislirng in 0«alizie» zu .kämpfen bat.-gebörr nicht in letzter Vittie die Beschasinng geeigneter Schnllocalitäten. Abgesehen davon, daß der MietktinS, welchen die Sliflnng zu leisten bar, verballnißmäßig groß ist, sind an nianchen Orten iib'erbänvl auch, nur lialbwegs brauchbare z'oealitäten nicht vorhanden, weshalb in solchen Fallen an das Enra torium die Rolhwendigkejr berantrili. eigene,, den Ansorderiingen. der Schnshngienc entsprechende Ha»>er mtf;n»ülii-en. To wird mit dem nächste» Schuljahre in Bornslaw ein neues, -mit einem Kostenans - wände von '.st>t>0 kl. bergestellieS Schnlhans seiner Bestinnnnng über gcbcn werden. Die Slislniigsschnlen winden nicht nur von dem Schul inspcelor, de» das Enraio-rinin bestellt baue, sondern auch von den Organen der Regicrnng, den Betirts und -Landes Schu'iniveeloren periodisch inkpieiri. Tie Berichte derselben svrechen sich sein lobend über die erzielten Resultate ans Tie Stistnngsichnle in Kolomea lial auch bereits das Ocssentlichkeilsrechi erhalten, und man liorft, daß das selbe allmalig. auch den übrigen Sli'tnngsichüle» eribeili weiden wird. Auf Anregung des galitiichen z'andcsschiilraihes hat daS Enralorium beichloneu. die Sliftungsschnlen an der im Juni zu erökfnenden z'andeSailsstellnng in 'Vemberg lbeilnehiiien; it lauen Tie Za bl der die Slistungsichnlen sowie die von der Siistung iubventionirlen Sämlen besuchenden Schüler betragt 7iUMi fAn den Slislungsschnleiz. wirken 02 Vehrkräste. .26je in den früheren'Jahren war auch i» diesem Jabro das Enralorillin bestrebt, für 'die Heranbildung qualisieirter Vehrer Sorge zu tragen, nnd wurden zu diesem Zwecke an 7^ VchrainiS eandidalen Stivendien crlbeili Z-> 'Beginn des nächsten Schuljahres wird eine Anzahl »euer einelaisiger 'Bvlksichnlen errichtet werden und sind biet'ür Orlichaslen in'Aussicht genommen, in welchen die Frecknenz seitens der israelitischen Knaben in den össentlichen Schulen eine verschwindend geringe ist. Tieie Schulen sollen "die sonst der gänzlichen 'Berwahrloiung anheiinsallende^ Jugend fchulsäbig machen »ud sie für die öffentliche Schule vorbereile». Rach dem von der galt-,lichen Stanhallerei zur Berfügung gestellten' statistische» Ausweise gestaltet fidj in nachstehenden Ctteil der Schulbesuch folgendermaßen: I» 'Bla;oiv besuchen von 122 schnlpflichtigen .Knaben l^ die-Schule, in -Ko marno von 140 nur 2, in Kozlow von' >02 nur 16, in .Kivstiiiovol von 2.55 nur -lls Tieie statistischen Taten teigen uir >u.':iüge. ivie notlnvendig daS Eingreisen der Slislnngen in diesen Oerscheint. 26as die Handwerkerschnle» betrifft, fo ivnrde die Eiiveiiernng der Schlosserwerkstätle in Rzestow und die lleberna! :ne de: Korbstechlerscknlc-i» Mielee in eigener Regie beschlossen. Tie 2A-in1U-.' über die z'eislüugen der Handwerkerschnlen lauten be-r:edigend 2^e:^?a»d>verkern sind in verschiedenem 2llter 257 Vebrliiige nntergebrachr. Tie-Zahl der in 26ien bei Meistern uvtergebrach:e:i' Handiverkslehrlingc. beträgt 7>0 Tie 26ohltbalen der Slisinng gemeße» int Ganten, ungerechnet die talilreichen mir Miilagskest nnd Kleidern veriebcnc» Kinder. 755l> Knaben JNlisr'NiillschJU ä.Vrc>in?n und rVr fammliiiUson. ' ( Jcitlirtirr 2'OUeiitrcill. i Ter Täionerel'sibe „Tenisi-lie BollSvereui" in ncuener Jen nb-rauS rnlnie,: bald ia»än er in AbSdoii än'. bald in Slronsdor'. bald wieder in Raabs Tie demsib liberale» LK-rcine aber lassen sich dadurch i» ibrer eeuieun-lanoe» tzebenSivei-e nichi beirren. l'-ilic Pfisltt-Feiet > Ans dem V.' Betirle schreibl mau UNS: L'ii habe» cs wen gebrach,: ,ctzi iviid iogar Herr 'tznner, dessen Be-eU'chasi , vor Jahren geinicdcn wurde, wegen seiner „öneuilichen Berdienne" i» Bellamiiilnugen ge feiert, allerdings in aiili'emili'cheit. Im ganze» 'Bezirke nnd in ktzie» nberhaupl vsifterl e» leider scbr stark.' ' _ * (Ter Antisemitismus und die tslbechisäie St»dkntkilsäiafl5 'Ra» schreibt uii» aus Prag: linier eer tschechische» Slud,ei»e»ich.iti beneben dermalen drei Parlenchallirungeii. Tie radieal-ioeiannnche ..ForisichrillSvarlei". bekanm änS