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Freies Blatt · 1894-05-27 · 112 (27.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
112 (27.5.1894)
Date
1894-05-27
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. II-'. “•rite 7. Freie» nur ganz beschränkte Verbreitung in einem ganz beßiinmten, anhänglichen Leserkreise, kommen in Folge kessen kein Gebildeten selten zu Gesicht, wirken aber in ihren »kreisen nmso sicherer.verdummend unk attfklärungSfeiitdlich. Im .Pilger', einem in Wien erscheinenden Mnckerblatte, finket sich eine Be sprechnng de» bekannten steierischen HühlenabenteuerS, in der et beißt: „Von einem Tanke gegen Gott scheint bei den Geretteten kaum eine 2pur jtt sein. Hätten dieselben vor ihrem Eindringen in die Hohle nach Ehristenpsticht die SonntagSmefie gehört, so wäre ihnen übrigens das Unglück gar nicht pai'sirt, denn um diese Zeit war der 'Eingang in die Höhle schon geifern (!) Ein zweites Erbattung»ge>chichtcheii ist betitelt: .Gottes Gerechtigkeit' nnk tautet: .Im Gasthame ,znm Schustersprunge' in Eger saßen am Ebarsreitag mehrere Bürger und BanerSlente. Einer der Anwesenden ließ sich Fleiscki geben, und .weil heute Ebarsreitag ist,' sagte er, .geben sie mir noch eine Fleischspeise.' Viele entsetzten sich ob solcher frevelhaften Rede nnk der zur Schau getragenen Verachtung de» Xirchengebote». .Ihr seid koch rechte Haienfüße! seht, ich habe zweimal Fleisch gegeffen, karüm wird mich der Teufel koch nicht holen.' so ivrach der Mann beim Weggeheiz. und schritt lachend zur Tbüre hinaus, sein 'Weg führte ihn über ein Vächleiü, kaS auf steinen, welche in» Wasser gelegt waren, zu überschreiten war. Hier aus diese» Steinen brach der Muthwillige ziisaiiimeii und erhob sich nicht wieder. Tie Rachsolgende» sanken ihn alS Leiche. Ta» Fleischessen am Ebarsreitag ist ihm halt koch üb.el bekommen.' Wenn die katholische .Hir.iie in solcher Weist auf die UrtlieilSlosigkeit der n» gebildeten Volksschichten speenlirt nnk die Tnminheit sörmlich züchtet, kann bat sie freilich ans FelS gebaut, sie darf sich aber kann nicht wunder», wenn im 'Rainen keS. gelnnken Menschenverstandes gegen eine solche Art von VölkSerziebung Eimprache erhoben und kamit freilich auch ihr Ansehen, als da» der schützerin dieser psäffischen AgitationSweiie, mit nntergrabeii wirk." Wir sink kiesmal ausnahmsweise ga»; einer üKeinung mit der „Ostdentichen Rundschau", können aber nicht uml)in. kiele daran z» erinnern, daß .jene klerikalen Blättchen dieselben sink, welche die eifrigste Propaganda keS AntisemiiiSmn» betreiben. Zn diesem Falle spricht die .Ostdeutsche Rnnkschan" nicht von „Spekulation aus kie UrtlieilSlosigkeit der nngebilketen schichten", vo» „Züchtling der Tniiimheit", protestirt auch nicht im Rainen des gelnnde» MenschenverstankeS gegen diese „pfäsfiiche Agitationsweise". Fm Gegentbeit begrüßt sie kann diest» Ziisammetigehen von Volk und Priestern al»/ ein erfreuliches. Zeichen der Emaiikipation vom Einstusse de! InkentbnntS so z. V. laßt sich kaS Anti iemitenblatt ganz ohne Protest kie Viitarbeiteiicha't keS Herrn P'arrerS Decken und dessen „Sendboten de» heiltge» Joses" gefallen. obwohl derselbe seinen Aboniieiiten ofsenknndig durch überirdische Hilst vennittelie Heilung <vo» .strankheiteii. Befreiung vom Militärdienst, Erlenchtung in der Vrantivabl, Er langnng einer patsenken Rolle u. s. >v. in Aussicht stellt. ^Gedankenloses von Masaidek.) Von seinen lost» Gedanke» verrietli Maiaidek jüngst auch folgenden: „Ter verstorbene liberale Staktrath Earl Vieißl hat testamentarisch eine stiftnng angeorktiet, die ausschließlich christliche» GewerbSlenten zugute kommen ''oll. TieS beweist, daß Herr Meißl wie viele seiner liberalen Eollegen ii» Grunde seiner Seele Antisemit war unk nur mit den Scheinliberalen ging, um mit Hilfe der jüdische» Presse und 'Wähler in den Staktrath zu lommen." TaS z» iage», ist vo» Herr» Maiaidek eine Gekatikenlosigkeit: denn wen» sich kie Sache wirklich so verhielie — was wir zur Ehre des verstorbenen StadtratheS nicht glauben — io würde da» koch nur ein Beweis für die •Gesinnungslosigkeit eines Antiieinite», nicht aber eine» Liberalen sein. (Giu sonderbarer Anlaß zu einem wüsten Geschimpft.) In den „Politischen Fragmienten", einem ebenso albernen al» freche» Anti semitenblättche», wird über die Juden im Allgemeine» und den Baron Raihaniel Rothschild iiiSbeionkere fürchterlich geschimpft. Ten Anlaß dazu bietet eine von den Journalen gebrachte Rotiz solgenden Inhalt».- Baron Rathaniel Rothschild hat seinen ganzen Reichenauer Besitz mit allen dazugehörigen Anlage» und Gründen durch rechtSgiltige, kostenfreie Sche,nkuiig iiir den Todesfall dem bitmanen Zwecke eines OsfieierS-InvalideiiheimS gewidmet. Invalide Oberoffikiere, vom Hauptman», deziebnngSweise Rittmeister abwärrS werden aber schon demnächst in dem neu zu schafienden Heim, kefien Adaptirung aus .tosten keS Spender» erfolgt, Ansnahme finden. Eine beträchtliche Stimme ist dafür anSgeivorfe». daß Gebäulichkeiten und Garten der betrefienden Stiftung für alle Zeiten erhalten bleiben. Vorläufig bat Baron 'Rathaniel Rothschild eine Summe von einer halben Million.tronen keponirt, au» deren Zinienertrag kie Ausnahme einer Anzahl von invaliden Cifieiren bestritten wird Tie ganze Schenkung repräsentirt einen Werrh von weit mehr als zwei Millionen. (Eine Lumperei als Ideal.) Da» hiesige Organ zur. Wahrung anti semitischer ZuchthäuSleehoheir erzählt folgende Geschichte : „In dem Gt,i»nasiui» einer süddeutschen Stadt war althergebracht der Sonnabend zur Fertigung de» lateinischen StYlS bestimmt. Aus die Beschwerde der Juden verlegte die Ober schulbehörde diese Arbeit aus den Mittwoch. Ein Lehrer, der die Semiten deffer zu kennen scheint als die Behörde, gab am Mittwoch eine sehr schwere Aufgabe, die über da» DurchschntNSmaß der Schüler ging; die Roten, auch die der jüdischen Knaben, fielen schlecht aus. Am Sottnabend eröffnete der Lehrer da» ungenügende Ergebniß, erklärte,. er wolle Gelegenheit zur Verbesserung der Blatt. Leistungen geben, und ließ nöchmals eine», tekoch viel leutnere» si»l mache», ter gut ansfiel. Tie indische» Sinaben schrieben zwei Sonnabeiike nicht, n'eil e» gegen ihre religiöe» Vorschriften verstoße. Bei der'Wiederholung am vierte» •. , Sonnabende — arbeiteten sie eifrig mit. Ter Lehrer batte sich in seiner Au »ahme, die Juden würden um de» VottheileS. willen selbst ihre verbohrt.' Orthodorie im Stiche lasse», richtig nicht getäuscht." Tag der besagte Lebrer — wen» die Geschichte nicht erlogen »nk erstunken' ist — nach dem llrlbeile jede» ernstlich kenleudeu Mensche» eine Lniuverei begangen bat, dafür hat die «Ostdeutsche Rundscha»" begreiflicherweise kein Geiikkil. T.v'nr blet^ sie koch der Herold der begnadeten, eihjsch höherstehenken Rare " tIllt Geiste Brezttovskh's.) Män' schreibt uns aus Prägt: Laß sich ,eke Frage unter dem Gesichtswinkel keS AntistinitiSinns beiirilieilen wstt. fo'erize , man nur über ken nöibigeu Bcangel an Logt! verfügt, beweisen wwkerm» einmal kie „Rarodni List»", kas Organ des »ingtschechi'che» Plenko Liberalismus. Anlaß zu de» Anslassnnge». welche wir zu Rity unk Fromme» Jener tiefer hänge» wollen, kie noch a» das Freilreitsbrüllen des zwei geschwänzten Leue» glauben, gab ei» - Artilel de» --Wiener „Fremdenblaties", welches in iroisisirender 'Weist den Prager Fro'chinätiiekrieg, genaimt Straßen tafelfrage, be'vrach. Tas genannte 'Wiener Journal, batte von dem. sich jedem ' veniiinstklaieii Menschen anskrängende» Züedanlen ausgehend., daß Siraßen tafeln zur Orientirtnig für Ortsunlunkige unk nicht zu nationalen Tentott strationen diene», kie Genesis jener vielbelachten Angelegenheit etzabli, weltlie die Juristen in der Prager Stadivertreinng zum Gespötte der ganze» Welt macht, und die zu Tage tu'tenfeu Gegewahe in kie Antitbcst zmaiiime,, gefaßt: Hie Oesterreich, bie kas ,'lonigrej.h der Wenzelskrone! Rervosttät in da» Eliaraktertstikon aller aggressiven Personen, »nk io gerathen aucki die Herren von den „Rarodni List»", welche ihre Gegner >oust nicht - mit Handsttnibe» an Ziirasie» vstege», irr Aufregnng, weil eS Iemank wagt, auch ihnen die Wahrheit ’ zu jagen, Ijnk was antwortet kor jmigtichechiiche Moiittear? „Um es den luden deutschen Ge!i»>tungSgenofien i» Wien gteich zu tbuii, hevt kaS .Fremdeitblatr' gegen ken Fremdenbesii.h von Prag, inkent -e» in nicht gerade feiner 'Weise den Ralb ertlieilt, der bvbnii'äien Lankesbauvlstadt. 'ein / au» dem 'Wege zu geben." ,,'WaS ist," 'ästteßt kaS Blatt der Gebrüder Gregr, . „von ker judeit deutschen W i e »er Preise z» erwarteit, wenn schon das in der offikiö'en Jacke steckenke „Frentdenblatt" sich in >v perfider Weite au »izs, an dem tschechischen Rainen reibt!" "Wir mblen nti-i nicht bermeit. kte Wietzer Presse hege» kte im Geiste Bieznovskh'S erhobenen Angrnie zu vei theidigen, und bemerken nur kurz, daß der derzeitige 'Wiener Berichterstatter der „'Rarodni List»" — Abgeordneter Ei in ist nur mehr dem Ramen nach Eorrefpondent — selbst ein Jude in. 'Wasser predigen und Wem irinlen ist'das' internationale Dogma keS Aittiiemitisutns. Allerlei BilSrrbogrtt.) Bon» den berüchtigten „Po>iti''hen Bilderbogen", welche ihre» Verleger Glöß in Dresden schon zu wiederholten»,alen in . Eollisio» inu den Gerichte» gebracht haben, ist soeben ei» neues Stück: „Tas B l» tgehe i i» ii iß" betitelt, erschienen. In keiiistlbeii lebt sich k.er „.bristli.: germanische" Geist in einer ker vorher erschienen','» Bilkerbggei, würdigen 'Weve an». Män liöre: In einem düsteren Zimmer sitzt ein junger Jude vor einem altem .. Tiefer, anfcheinenk ein Rabbiner, ertbeilt offenbar dem iiinge'.en llntertich: und ■ reicht ihm mit der Rechte» eine volle Flasche mit kein Vermeil „lauten" und mit der Linken ei» riesige» Schäckitinefser. Am Bosen lieg: ent .'iittk mit durchschnittenem Halse, daneben ein Becken znui ÄiGaneeit des Blu'.es, ferner eine „Tepotlake der Fürsten", mu' Geschmeide?::: .'lo>>er, betitelt „Social demokratischer Fond»". Ter Talmud und der Sa.t.cb.ut Aruch liegen in einem Bücherregal, ei»S.Le>'siiig Statue schm::.': ken Ramn, und eine 'Wank trägt eine „Antisemiteiiliste" mit den 'Raute:: A. cv. ark: Bocket. Bismarck (!), Förster, Ziminermann, Pa-vch nnk Stöcker v.v btiietn. T •-•>)•• neben gefüllte Arzneiftaichetk mit dem Vermerk Berlin. Ftar.k'.-.rt, Hanibtirg. Breslau, Tresken niid .stöl». Ter Text zu kieieti-. Wistv beste!» ans zwei Tl,eilen. Ter eine enthält eine Liste von BlUkbe-'ch-.-.ldigüitaeitt vom Jahre >071 bis 1>S) nud wiiiimelt von Ilntichtigletteit 'und kritiklosen "Beh.ittvtttngett. Ter zweite enthalt •eine Art „Philo'ovbie" ke»' BlntrttnälS. Angesichts kieieS Artikels ist eS schwer, den Ernst zu beivadren. Und dock' ist kte Sache tieftraurig. Alter Schutt der ' Iabrbnnkerte mit ikireni ganzen Aberglauben ist hier zuiamntengebäuft, mhstischer Unsinn fehlt nicht, scheinbare Wifiemchaftlichkeit ergibt baarsträubende Folgermige», und al» Schlnß'enerwerk wirk ein ganzer Absatz an» einem Bewer'schen Werke abgebrannt. Ta» gute Geschäft, welche» Glöß nach Abzug der wiekerholten Gerichtskosten antmer noch mit seinen Standard Werken antisemitische» .tunst und Literaturgeichmackes zu machen scheint,' Hai ihm auch bereit» ge " lehrige Schüler erweckt. So bat soeben der antisemitische Verleger Hermann Vetter in Leipzig „Eine Geschichte mit zwölf Bildern an? dem Leben" mit Text veröfientjicht, die an Ausreizung alle Glöß'ichen Bilderbogen übertrifit. Tie Geschichte ist kurz, aber nicht kurzweilig. "EiiO tüdiicher Wucherer und seine Gesellen vertreiben einen grunkbraveii fleißigen Bauer a»S seinem ehrlich erworbenen Gut, versühren seine Tochter, die sich ertränkt und zwingen ihn, mit Weib und Kind auszuwandern. Zum Schluß kommt kie Moral: „So gehen alljährlich dem Paterländ viele tausend steißige und tüchtige Menschen verloren. Durch Zudenwucher, Iudenlist und Iudenbetrug von HauS und Hof .

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