Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 112 (27.5.1894)
- Date
- 1894-05-27
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/4886575-5439163-5441523--1293-4887757- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ttr. 112 Freie» Blatt. ~rttf!' fufcjecti'o verfolgt wurde. Man darf dein Processe datier mit einigem Iniercsse cntgcgcnschen. «Bon zwei ltcbclll das kleinere.) Um;u Verbindern, dag der Radan-Anliscmit v. M o s ch bei der letzthin in Sch 1 ochau ,v 1 a l o w vorgcnoinincncn RcichStagSwahl in die Stichwahl komme, iahen sich die Juden bemüssigt, für den Kandidaten des „Bundes der Land winke". Rittergutsbesitzer Hilgendorff. zu stimme», der übrigens die Bcrsichcrnng gab, er hätte der Ausschließung der Inden auf der Sivolivcrsainmlung nicht zugestimmt und stehe in der „Iikdenfrage" ani dem Boden der Perfaffung. Lie werden wohl die Eonservaliven dielen Parteigenossen begrüßen? hRichtjudischt iVioral.) Bor der Strafkammer Saar brüten stand Anfangs dieses Monates der 4«'<jäbrige katholische Biarrer Io'es Skölbcn ans Bölllingcn.a» der Saar unter der Anklage, im Frühjahr dieses Jahres in;wöi Fällen gegen die Sittlich teil sich vergangen und durch eine Eingabe an die Staats aiiivaltschait verschiedene Personen, die den Angeklagten der iraglichcn Handlungen bezichtigt batten, wider besseres B.-jnen egehnng einer itraibaren Handlung Iwschuldigt zn habe».Das Bericht ver urtbcilte den Angeklagte» nach achtstündiger tun er Ansichlnß der Senenilichkeil durchgcsükrtcn Berhandlung zu drei fahren nnd eine in M o n a l e Z u ch l b a n S. sPolilisch VicD, stürsllst VicD.1 Man schreibt »NS: Bollsbildung ist ein schönes Sing! In. dein „wöchentlichen Berzeichniß" der Buch handlungssirma <1. E. HinrichS in Leipzig vom 17. April ls‘.'-l leien wir unter der Rubrik „B o 1 k s i ch r i i t e n" augekündigt: „Liederbuch: i>t der beliebtesten nieder vakrroti'chen nnd antisemitischen Inhaltes ^i-S' gv. . 1<» ‘ S.- V e ipii g, H. Bencr." Beiv gratnliren der Berlagssttina Bener z>r die'er von O'cidimatf und O'aiuitl) redenden Zusammenstellung zweier sich volllomme» deckender Begrinc. Lirklich, ein io tieies Berstandniß für die Regungen der edlen BolkSieele kann nur mit freuten begrüßt werden! Sie originelle Ausfassung der Baierlandslicbe, welche sich ja immer nur danü beibätigt bar — wir iebeu das aus der beschichte — sobald cs galt, Brüder und schuldlose Mitbürger zn u n t c r drücken, macht dem deutsche» Büchermärkte alle Elite. Seui'che Jünglinge, „Söhne Armin's"! Kaufet recht viele Ereuiplare dieser patriotischen und zugleich antisemitischen Lieder^ *»4 an der Zahl. Sie sind der Ausdruck eueres Hochsinnes, den» — wie die stc'achfrage, so daS Angebot! Alter Vehrsah! Siehe Roscher! I>—t. (Tic Zuvcilv^rsolilllllg tll Rlllllällitll.st Sas Erevnliveomii - des „Iiidisch ruulä» ischen S chu bvere in'eS" erließ nachstehenden, inr die Judenverfolgung in Rumänien charakteristischen Anirns: „An' unsere GlaubenSgenosseii! Snrch das im vorigen (fahre erlassene Gesetz, belrenend de» Elemenlarunierricht, werden die Kinder der rumänischen (Israeliten thatsäcksiich von den össenilichen Schulen ansgeschlossen. Wohl bcstinimt jenes Gest-tz, daß dieie Kinder gegen Eni richtung eines Schulgeldes, nach Maßgabe der verfügbaren Plätze, Ansnahme sinden können: allein da laut amtlicher Keslstellung gegen 4lX*.ÜOO schulpslichtige Kinder griechisch orthodorer Rumänen wegen Mangels an Schulgebäuden und geeigneten Lehrkrät'tön dis jetzt keinen Schulunterricht genießen konnten nnd '°°i Sinne des neuen Gesetzes der Staat in erster Reihe für diese Sorge tragen soll, so ist eS einleuchtend, 'daß für die Kinder der rumänischen (Israeliten in absehbarer Zeit kein Raum in den össcntlichcn Schulen vorhanden sein wird. SaS Gefcy spricht allerdings nur von Kremden', doch werden bekanntlich sämmtliche rumänische Israeliten, mir Ausnahme ivcniger maturalisirtcr Personen, alS Fremde, oder besser alS Heimatlose be trachtet, dagegen hinsichtlich der Pflichten den christlichen Bollbürgern gleichgcstcUk. Lie sie im Rationalheere ohne Recht auf Beförderung nnd ohne dadurch ihre S.ualität alS Fremde zu verlieren, dienen müsien, so werden ihnen die staatlichen Schulen verschlossen, zu deren Erhaltung sic als Steuerzahler gleich den christlichen Rumänen bei tragen. Mehr als zehntausend Kinder werden auf diest Leise von den Schulen fcrngehaltcn nnd der geistigen und sittlichen Berwildertmg prciSgegcben. Israel würde seine glorreiche Tradition verleugnen, wollte cS gestatten, daß dieses Gesetz sein Ziel erreiche! Rein. waS der Staat .uns versagt, die Mittel für den Unterricht nnd die Bildung der Kinder, daS müssen wir auS eigenen Mitteln, das soll die private Lohlthätigkeit aufbringcn! Wir haben deshalb den .Jüdisch-rumänischen Schulderem' ins Leben gerufen, der sich zur Aufgabe stellt, überall im Lande Schulen zu errichten, in welchen die jüdisch-rumänischen Kinder zu sittlichen Menschen ausgebildet, zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden sollen. Seitens unserer rumänischen Glaubensgenossen findet der ,Schulverein' die lebhafteste Sympathie und aufopferndste Unterstützung. Doch reichen die eigenen Hilfsquellen bei weitem nicht aus, um der großen Ausgabe-gerecht zu werde»! nnd mimen'wir deshalb die Hst'e unserer Glanbrnsbrnder aller Länder anrnsen. Glanbensgenoneh! Es rü. nir rau'ende von Kindern zumeist armer Ellern die Segpnngen des Unterrichtes zu sicher», sie der geistige» Rächt zu entreißen nnd vor sittlichem Be-strll zu schützen, tsin diesesgroße moralische Rettungswerl, an dem mit zuarbeiten der Edelsten und Beste» werib ist, erbitten und" erwarten wir Eure hochherzige Hilfe. Bon Euren edlen Spenden nn-.erstnpt ncid von Eurer Snnip >lh>e getragen, wird die'es herrliebe L'er!, dem uuv uni'ere besten Kräfte weihen wollen, znm Löhle nn'eres Bai-erländeS und zur Ehre Israels gedeihe»! Sas E r e e u t.i v e o'm : i--. Mit Iheilnizgen und Beiträge find zu richtenair den Schrttttübret H.-bi» I. S. Bai ln, Straka Ii'raelika Rr. I?>. Bnkarest " iZwilll der GrilIIIillllC. Ser „Allgeaneinen Zeitung" wird aas - oiiew ein besonders grelles Eremvel ka'nr berichtet, wie'die genug''.,,» j durch taii'erliäie lltai'e versolgien und gedrüstien Inden in Rußland auch »och durch die Lillkür ii»d^ Rohheit der Sistrieis und ("r;1 vernemenlsinranneii gepeinigt nnd drangialirr werden L>n»:.a, eine nächst Kiew. gelegene Stadt, beherberg:-eine größere Garnist'n. welche der Sberst des Generalstabes, E.zetvrkin. eonimandiri, de"eu, Lillkiir, Hochmuth nnd t''ran'ai»leil selbst in Rußland nicht ibreegleichen hat Bor einiger Zen kam Ezenirkiii im Lagen ange'abren und fand das Einsabrisibor .ge'äilost'en. c-st-rade jsing ein indischer Bürger vorbei. Es war dies der reiche oiaitsinann :>i; Ez.-nnkui schrie ihn an, er tolle ihm das Sbor öst'nen-. aber stk ging, olntc;u antworieij. seines Leges weiter. Ezetnrkin 'prang nun vom 'L-.rgen ab, ergrist' den- Kaufmann, w.n>' ibn zn Böden, schlug und lra: -.!»> -mit Ilißctt 1 -o lange, bis dieser beivnßilos wurde. . Ser Arme WNidv nach Han''e gebrach! und liegr »och benie Iräiik da» ieder E:n:'a Zi: daraus ivied.e rliolte 'ich di s' nämliche Svene . Siesin.il war es-einer, der angesehenste» Bürger der Siadt, .L <".. weichet i i::; den (!>„• orten: „Jude, itffn«! das Shor!" ange'chriee» lv:i rde a-e borehie dem - Lilien des rabiaten Obersten, aber er >.vnrd.- de :air vor S chäni traut. Sekt jener. Zeit stiehl, Jedermann vor S brr st Ezeinrtin. Len», er durch, did" - Straßen Linmeas geilt oder i'äln:, iverden die Shore .abgesperrt, ti;;0 Jeder slüchlei, -woInn er kann. Ezeinrlin-' oder Iwan der i^aui'aiiie, > wie ihn seine Eöltegen, d-.e S i'ieiere, nennen, ist der kvahrhasiige s Schrecken der Stadt, lind wehe dem, welcher es wagen wurde, bec! Gericht oher bei den Borgesetzten des Mannes Satisstretion Zii 'nch.ii:! er wird entweder im ordentlichen Gerichtswege ivege'n „Ebrenbeleidi! gnng" verurrheilt oder im administrativeu" Lege als ..Auswie^ter" . nach den enifernten Gonvernemenis vecichnkt. . - -'Ans DCIIX heiligen Rußlüllv. Betannllich bemäntelt sich auch in Rußland-der ofsierelle Anli'einitismnS mit dem prunken Borwande, er diene bloß znm „Schutz der-wirthschasilich Schwääreren". Leun dies nicht bloßer Borwand wäre, wie müßte es dann in Baiercliens streich den hochgeborenen, orthodoren Junkern ergeben? Sa bestkiast-ii sich just die russische Presse lebhaft mit einem '''rast-n llwarow ans dem Gouvcrnemenl Ssaratow, der noch, im Jahre I>t'i? aut d.r Ssaralowcr -Vandschastsvcrsammlung die Rolle e - n .-. großen B o lksbcgi ü ck e rs spielte und die Ausgabe:, ,'kkr dt-.udstkiasriiche Statistik und die BolkSschnlbildung ,'ür unnütz crkla.t.-. da der.Bauerdadurch nur mit übcrsküssigen Steaern belastet wer de I. tv t at dieser „Bolköbeglücker" sich folgendes Stück geleistet.. Als in, Herbst eine Partie Bauern bei ihm arbeitete und diestn die Vebensiiuiiel "ans gegangen waren, sandten die Bauern einen Sepuiirien in die gräflichen Gemächer, um den Graten zn bitten, ihnen einen Tbeil des Lohnes voranszuzablen, während, sie ''etbsi vor dem Schlosse warteten., Ser Gras prügefte den Bittsteller durch, eilte dann ans den Schloßhos nnd feuerte ans die dort stehenden Bauern ein paar stsevolverschüsse ab. AlS die Bauern, greßtenibeils stJordwinen, sich entsetzt zur si-lucht wandten, rief der Gras ihnen nach, die Bauern sollten ihm einen anderen Sepntirten schicken, der ordentlich russisch sprechen könne, dann wolle er ihre Bitte anhörcn. Sie armen mordwinischen Bauern gingen . »och einmal ans den Leim nnd sandten eine russische Banernfran, dem Herrn Grasen die Sache vorzntragcn. Kaum befand sich jedoch letztere im Bereich des gräflichen Apnzes, so begann Uwapow sic glcieli falls zn schlagen und schließlich mit Küßen zu treten. SaS Resultat war. daß daS Bauernweib nach einigen Sagen eine Krühgcburt hatte, stcun nahm sich der Untersuchungsrichter der Sache an, die sich jedoch lange hinschlepptc und endlich auf irgend eine Leise der Compcttnz des Landeshauptmannes übergeben wurde. Letzterer vernrthcilte den - Grafen für „thätliHe Beleidigung" der Banernfran zu einem Arrcstvon sieben Tagen, während die Schießübungen dem Grafen ganz . , ungcsühnt hingingen, da der Vertreter der Polizei auf eine Anklage^ ' dieserhalb verzichtete. Der Bcrthcidigcr der Baucrninteresicn ist übrigens auch über den Arrest von sieben Tagen so aufgebracht, daß -er werter