Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 112 (27.5.1894)
- Date
- 1894-05-27
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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5eit* 4. Freier Blatt. jdl'c nicht angcnomincn habe, enthebe dies die Partei durchaus nicht der Verpflichtung, einer so großen Oppofit »n ein weiteres Mandat rm Stadlralhe cinzuräumen. Man müsse hiedurch zeigen, daß der Stadlrath eine Eontrole in keiner Weise zu scheuen habe. Sclbstver sländtich mußte dann daS Augenmerk darau! gerichtet sein, daß ein ruhigeres Mitglied der Opposition gewählt!«rde, und cS wäre Auf gäbe des ParlcivorftandcS, sich dicSfaUs mit der Opposition ins Einvernehmen zu setzen, Gemeinderaih Kaiser trat dem mit der Motivirung entgegen, die Opposition würde sich proinig gewiß nicht besänftigen lassen, während daraus hinwies, daß der vom Bürgcrmeist mit einer Lumme Majorität gefaßt worden angehe, sich ans denselben zu berufen. Die vcrmcinillchcu Beipflichtung durch die Ablehnung seitens der Anti gar nicht verstehen, wenn durch einen solchen Com Gemcindcralh Dr Stern r erwähnte Beschluß nur sei und cS daher nicht Partei sei übrigens jeder leuiileii enthoben. Die Bevölkerung würde es die O.iialiial als Antisemit ausschlaggeben l> für die Wahl in den Slaüiraih wäre. Schließlich wurde der Bo schlag dcS Bürgermeisters um - > gcgen 7 Stimmen abgeleh scheint sonach ui diesem Falle wenigstens ciff durch die Haltung der Viberalen bedingter Sieg der Antisemiten abgcwcndet. Gin VicUlmbcr Der Ictfcrt'fdicu Predigten.) Zur Zeit, als der Pfarrer -Zerf eit in der Wcinhauscr siirchc seine vieldcsprocheiicn Hctzprediglen gegen die Juden hielt, gab cö eiiwS AbendS beim Berlasfen der Kirche einen Zwischenfall. Ein lunges lllkädchcn, die siebzehnjährige Theresia st a m »i c r l ä n d c r, verfolgte einen kleinen, buckligen Mann lind ließ ihn arrelirenf da sic i» seinen Händen ihre Börse erblickt haue. Ter Berhaslcle, der 44>ährige Buchbihdergehilfe Franz K o;ma, haue sich daher am l'ck. d. M. vor dem Straffichicr dcS BezirksgerichicS Watillng wegen Diebstahls zu verantworten.! Cr gab an, er hätte eben die leere Börse l>ei,ii Poriale der Wciiidausev Kirche gesunden, als ibn die Berlustlrägeri» beanstandete. Dscr wirkliche Dieb müsse sic Bor'e ihres Inhaltes beraubt und dann weggeworfen haben, ivraniel» Kammerländcr, die als Zeugin ciiivernoinmcn wurde, gab icdocti an, daß ihr die Börse rn der Gcrsthofcr Kirche entwendet worden war. Sie habe sich von 'dorl in hie Weinhauser Kirche de geben lind hier ihre Börse in der Hand Kosma s, der ebenfalls vorgab, kur; vorher in der Gernhofer Kirche ejewefen zu icin, erblickt. Ter Richier benagle den Angeklagten, wie! es komme, daß er von eurer Kirche in die andere gehe, was ja auffällig fei. Darauf erklärte der , Angcklaglc, er sei ein Tiedhabir der Dcckeri'schen Predigten, babe >edoch gemeint, Dr. Deckert predige in der teerst hoter Kirche: hier habe er sich erst von scincin Irrthuin überzeugt und sei nun in die Wcinhauscr Kirche gegai^gen, wo er die Deckerl'fchc Predigt Horen konnte. Da aus der Polizcii^oic nicht ersichtlich war, ob »ian bei der Festnehmung des Angeklagten in seiner Börse oder in icluen .Kleidern Geld fand, wurde die Bcichandluug zur Erhebung dieses Umitandes vertagt. Sonderbar sehen! aber die Liebhaber der Teckerlichen Predigten aus.!.,ZuDenlirot.") Mit Bezug, auf die ^in tlcr. 111 des „Freien Blaues" gebrachte Roü; „Juden brol" kheilt uns Herr Bäckerinufier M ilaüek mir, daß er die ihm zugefchricbeuc Acußerung schon deshalb nicht gemacht haben kann, da er letzter Zeit'überhaupt kein Gailhaus fregucntirre und aus dem weiteren Grunde, weil eine, solche Acngernng fernen Anschauungen nicht entspricht, da cr k c i n A n lisemil in u iiü im Gcgenlhe11c mit zahlreichen Jude» freundlich verkehrt Wir geben dieser Berichtigung mit Bergnüge» Raum und bedauern, Herrn Milavek eine seinen Gesinnungen nicht entsprechende Aeiißcrnng zugeschricbcn zu haben. IlllifeillllseitD.i Aus Krakau wird un^ geschrieben: Die „Gazcla -Ko^oielna", zu Deutsch die „Kirchcnzeitting^", findet die neulich er ivabntc Abbitte dcS Geistlichen Stojalowski ungenügend. Sie verübelt es ihm, daß er in einer Wiener Anliseinitenversammliliig, trotzdem er von Rom die Weisuilg erhalten hatte, zsi widerrufen und Abbitte rn leisten, die .Acußerung wagte: „Galiziichc Bischöfe gaben den -lalschen Anklägern soweit Gehör, daß übers einige meiner Schriften ^vegen loeialisti'chcr Stellen der Bann ausgesprochen wurde. Damit ivar das Priesterihnm in mir angegrisfen, und ich ging dircet nach st'o.n. UNI mich zu verlheidigcn. Und inciiit Gang halte den besten -o:'o..| und endete mit nieincr voUständigstcil Rechifcrligiliig." Ferner!'>-etil ihm das kirchliche Organ zum Bopivurfe, daß er in Wien, uovdem er n ckicin:!- suspendirt ist, nicht davor zurückschrak, in der ''cochus Küche die Messe zu lesen. -Gin schmachvoller Rückzug.) Tudwig Schweinhagcn'. früher geiianni Scknvennhagen, der Macher des berüchtigten „Talmud Aus znges". veioitentlichk in der „SlaalSbürgcr-Zcitung" vom 1-. v. l'i. folgendes Schreibe»: An die verehrliche Schriflleilung der „LtaatSbüiger-Zcitung", Berlin. In Rücksicht auf die Thatsache, daß durch Ihr Zeitung öffemlich Geld beitrüge z» de» Koste» eines gegen den rabbinistischell Echiiflstcller Tr. Hirsch HitdeSheimer eingeleitelen Taliiiud-BeleidiglingSpiocesser gesammelt worden sind, bitte ich Sie Nachstehendes glttigst z» veröffentlichen: Ich hatte diese Klage gegen Tr. Hirsch Hildesheimer aus Be ron lass«ng de» Herrn Professors Tr. Förster als damaligen Borsitzenden der Teulsch socialen BcreineS Berlin.Westen eingeleitet, mit llebernahme der Berpflichtnng. die sür den Proceß ersordcrlichen schrifistellerischen und ivissenichasilichen Arbeilen durchzusühre», während von parleiwegen die Kostl n sür daS Gericht, den Rechlsbeistand und die wiffenichasllichen Gutachter geiragcn iverden sollte». In» zwischen aber. Hai sich der damalige deutsch sociale 1 arleiverband Berlin» ausgelöst, be;iebung»ivkise umgestaliei, wodurch die fei Here Abmachung bezüglich der Koslenausbringung gegenstandslos geworden ist. Ta ich nun gegenwärlig nicht in der t'age bin, au» eigenen Mitteln die r»m Gericht zu sorderude ziemlich bedeutende Geldsumme sür die ineinerseilS >orgeschlagenen wissenschasl lieben Gutachier zu hinlerlegcn, so war ich geiiöiiigt, den Antrag auf Nr. 112 strafrechtliche Berfolgung dcS Tr. Hirsch :?ild eSk ei me r zurück .. liziehe». Dhue llnierstüpung dcr meinen Stand! uiikl in der Talmudsrage verireieiideii Guiachler eine gerichtliche Bcrbandlung der Streitfrage herbeizusübre», erichien mir zwecklos, da von jüdischer Seile sieben 0 uiachler. zumeist iiamhasie Hochschullehrer geladen werden solllen. Bezüglich de» sr! ider zu diesem Zwecke ge jammelien Geldes bemcike ich »ocki, daß ich an beste i Berwendung keinen An lheil gcnoiiiincn habe, sondern daß dasselbe von dem! socialen Parieioorslandc zur Gewinnniig eines Recht iainvalte» sür den Proceß verwandt worden ist Ackiinngsvoll Ü ii d iv ,'rüder ge i g S ch w c i ii d a g e» lanni: S-hwennhageni. i in c r bemerkt hiezu : S vor Jahresfrist beim haben und nach den ndagcn seitdem durch DaS Organ des Herrn Dr. Hildcsh „So ist denn die Befürchtung, dcr wir derer Empfang dcr Klageschrift Ausdruck gegeben maunigfachcn Fährnifscn, welche dcr Schwc! gemacht Hai, um so crnstcrc Berechtigung zu; cstchcn mußleii, leider Wahrheit geworden: die Bcrübcr und Berbrntcr desSchandblatteS .Talinnd Auszug ^Schulchan Arnch)' weichen dcr gerichtlichen B e r h a n d l u n g feige ans, trotzdem wir ihr Machwerk als eine .» i c dc r i r a ch r, g schamlose Fälschung, sie selbst als .Ehrabschneider und Ber leumder' bffeiuli 1) gekennzeichnet haben und cs an erneiitcn, gleich kräftigen Hcrausjorderungen nicht schlcn ließen, trotzdem sic über die .ungeheuer gül stigc Gelegenheit, daS Gericht zu einer Eonstatirniig der Richtigkeit >er Ilcbcrsetziiiigen dcS Taluiud-Auszuges zu zwingen', Iubclhmnncn angcstimint und zur Führung des .so ungeheuer wichtigen Pro csteS recht erkleckliche Summen gcsammelr haben! Daß dieser s e sm ä h l i ch c Rückzug einer S c l b st v c r u r l h c i l u n g g l e i ch k o m in t, daß darin das Zu g cst ä n d n iß liegt, die so selbstbewußt begonnene Eainpagne nicht zu Ende führen zu können, weil die R i e d c r I a g c unausbleiblich wäre, b r i u ch l nicht gesagt zu werden. Würde sich bei den sittlichen S-nalitäten eines Schwein- Hagen diese Eharaktcrisirung nicht von selbst verbieten, dürfte man von cincnl moralischen Selbstmorde reden: aber dieser gcrichlsnotorischc Berlcunider kann in der öffentlichen Beuriheilrng nichts mehr ein büßen, und aus seiner Bloßstellung irgendwclizcil Eindruck aus die breiten Masten erbosten, wäre Selbsttäuschung, heit nicht Schweinhagen dcr Kläger: hinter conventikel, daS die Hcransgabc des schäm besorgt hat und mit dcr Mastcncolporiirung di fortfährl. Diese Sold- und Auftraggeber T einen mir nunmehr den RcichstagSabgeord» kennen lernen, sollen so leichten Kaufes nicht der eine Handlanger im Stich, dann mögen sorgen, zumindest wird unsererseits nichts unvc sucht bleiben, um ihnen daS Todlschwcigcu dcr Angelegenheit zu crslsivcren, um dcr Bcr unglimpfung unseres Rcligionsgcsctzcs und seiner O.ucllcn an Gerichts stelle, vor dcr breitesten Oestcntlichkcil entgegen Indestcn ist in Wahr ihm steht jenes Hetz osen DruckcrzcugnistcS i-selben bis zur Slunbe chvcinhagcn's, als deren ten Profcstor Förster »avonkommcit: läßt sic sie für einen anderen denen, welche noch einen Funken von Unwille t und Empörung über Z'üge und Fälschung sich bewahrt haben, >auernd ein Ende zu machen." (Das „Vaterunser in der Zudennoth" linker Anklage.) Gegen den Rcdaetcur der socialiftischcn Zeitung „B o l wurde daS Untcrsuchungsvcrfahrcn eingeleitet, Dcckert'sche „Batcrunser in dcr Judcnnoth", Stöcker'scheu „Bolk" nachdrucktc, um ein Be spiel dcr antisemitischen BerhctzungSwcise zn gebe». ES ist dies um so ticrkwürdigcr, als weder Stöcker'S „Bolk" von dem gleichen Schicksale Iictrostcn, noch auch der Berfaster des famosen „BaterunscrS in dcr Jrdcnnoth" " «treten und bei allen sw acht" in Breslau weil die Zeitung daS not» bene aus dem in Oesterreich