Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1894-05-20 · 111 (20.5.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
111 (20.5.1894)
Date
1894-05-20
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/4886575-5439163-5441521--1279-4887744
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

r«it. 4. Frei«» Blatt. Nr. 111. veröffentlichten Zuschrift ist ersichtlich, daß dieser Herr gar keine Ursache hat, sich mit dem Splitter im Auge Anderer zu beschäftigen. Die Zuschrift besagt: .Eineder dankbarsten Geschäfte ist daS Zinsennehmen, welches bekanntlich sowohl in der Bibel als auch im kanonischen Rechte verboten ist. Man sollte nun meinen, daß Herr Dr. Zurkan, der gegen .Geschäftchen" eifert, solch« umsomehr verabscheuen müßte, wenn sie durch die kirchlichen Lorschriften, zu deren Erfüllung er als kirchlicher Dignitär verpflichtet ist, verboten iverden. Dem ist aber nicht so. Ein armer Bauer auS dem Storozynetzer Bezirke (sein Name wie auch die Rauien Anderer können von mir jederzeit genannt werden) Hane beim Consistorialrath vor Kurzem gegen Jntabulirung auf seine Baucrnwirkhschaft ein Darlehen contrahirt, für welches sich der genannte Herr Gcldverleiher 10 Percent anticipativ zahlbare Jahreszinsen, I- Pcrccnt Verzugszinsen bewilligen ließ. Als dann der Darlehensnehmer eine Zinfenrate nicht pünktlich cinzuhalten vermochte, bestand der Herr Abgeordnete Zurkan auf der Zahlung der höheren zwölfperccntigcn Verzugszinsen. DieS ist wohl einer der durchaus nicht vereinzelt dastehenden Fälle auS der .geschäftlichen Thätigkeit' eines ManncS, der das Kleid des Priesters trägt. Aehnliche Fälle in - größerer Anzahl — ich habe bei zufälliger Einsicht in daS hiesige Grundbuch viele gefunden, in denen der Herr Eiferer gegen die jüdischen Geschäftchen niemals weniger als 10 Perccnt an Zinsen von den Darlehensnehmern, welcher Religion sic auch immer angehören mögen, sich auSbedungen — bin ich in der Lage, über Aufruf mit allen Daren anzuführcn." (Gtgkll die Ziqnisken.') Ein scharfes Wort von jüdischer Seile gegen die perversen Bestrebungen einzelner »Nationaljudcn" spricht der »Ungarische Israelit" in seiner letzten Rümmer. DaS ungar ländische Blatt polcmisirt gegen die zionistischen Alfanzereien deS »Jüdischen Volksblattes" und sagt, nachdem eS die EolonisutionSbesircbungtn der Zionisten im heiligen Lande gutgehcißcn, befüglich deS »nationalen" ProgrammeS derselben: . . i5iil!chieteii ab leb neiid inüssc» wir un« zu dem fleißig gepredigten Htlvo-.kebre» der lüdiiäitii Ralionalilät und Richlaujchtuste an die Aulochidonen deS VaiidcS, in dem wir wolme», zu bestell Bürgern wir gehören, verhalle». Wenn un-eie geehrte Collegiu durck, daS ekelhafte Treiben der AniisemitiSnni« die Znkuujl i» vennnist,ich schivarzer Fälbung sieht, so sehen wir, unS auf die Wciigeichiäue d> rufend, nicht so trübe; wir Höften vielmehr, daß die menschliche ovullMiait, im sietige» Forl'chreilen begriffen, »ach vorübergehende» Rückfälle» siä> iininer iviedcr ausraftt, um mit veiiüngler Xraft de» Pfad zur Gerechtigkeit n»t Hiiinaniiäl;n wandeln. Bersehll ist die Wahl de« Budapester tLorrespon . d.inen der geehrten LoUegl», der u»ler der Marke »Row' nod" — waS soviel an .Bagaduiit " bedeutet — sich beruft aus die koschere „Allgemeine Jüdische Zeuuug'. die die lingarl'chen Juden ermähnt, sich Xoffurh zum Muster zu »edinen und sur die Freiheit ihieS lüdi'chen Bolle« ebenso einzutreten, wie er nie die >lligari,che Fieidelt. Ter gute Rath Hille an die eigene Adreffe gerichtet 'ein iolleii. da da« genannte Drgbn der geistig Zurückgebliebene» die Recipirung der iiiti'chen Religion perhorrescine, während die ungarischen Juden im Parlaiiieiite und außerhalb dtSstlbew mit Erfolg für dieselbe eintrat,n. Tie Reeipirnng unserer bislang nur toleriiten Religion bildet doch gewiß^einen Punkt der Freiheit deS jüduchen Bolle«! — Sine vage Behaupt»ug ist e« auch, daß d e hebial'che Sprache hier ganz »nbekanul sei, da gerade au« dem von dem idorrt'voiidknleu ia unmaiiiertich angegrifteuen Rabbinerseminar prachtvolle lleber"evunge».d>« Juda den Halevi rc., de- Hohelied«« und der Psalmen dem liiigaiiichen Publicum übergeben wurden. Ganz außer Rand und Band gerälh Row' nod über die Aeußernng der tlllivkisilälöprofestorS der hebräischen Sprache, daß diese eine lodie sei. Run heiße eine lodle Sprache diejenige, die von keinem Belke ge'vrochen wird/so die aligriechiichc und lateinische, di« in der Schnst und in lebender Srimine hie uud da gebraucht werden, dennoch sür wdle S pracheu gelle». Wenn der kralisirende «Lorrk'pondenl Gelegenhen gehabt harre, eine Rede de« edrivürtigen Senior« un ere« Rabbinerseminar« in klassischem yitta’. d) zu deren, >o würde er auch idn wie die Profefforen Tr. W. Bacher ilild Tr? Xau'inanu al« Zieidc» ter Wisienschaft geiten lasten. Herr» Row' >ied l.udeu wir als hier verem'amtem Zionisten, »ach Jerusalem zu pilgern und . n.u veu ter^iähalukad dorr erhalte» zu lastrn . . . Zum Schluffe nvchicn wir an de» geehrten Herrn R>tae:eur de« »Jüdischen Bolksblartc«" die bescheidene Frage lichte», ob er e« mit deiner gewiß gutgemeinten Propaganda paffend' 'ii.del. gegen da« doch gewiß ebeusall« gutgemeinte, jedenfall» aber polenrere aeiriii'aiiousv.oiol de« edle» Baron Hirsch schonung»la«^L.'ppofirion zu mache»' Tu' Welt wird diese« Borgehen al« Reid e/ne« Toncurrenlen t.trachikii. wa« den Zionisten Freunde zu verschaffen ebens« wenig geeignet ist, .r.s das Beriangeu. die i üd > f che Ral io » a l i Iär » tollt prix hervor-;»ke? re». Bei de» ungarische» Bürgern jüdischer Eonsession uiachen Sie "ich verlorene viebeSinübe, wir halten sest an der r'i a l io»al itat unsere« Barerlaude«o da« un« al« seine vollen Bürger aiierlennl; wir halte» aber auch sest a» unserem b:n. ' *■ (Bismarck und Eimsou.) In der zweiten Auflage von L. von die Parlamentarier" wird Lieblingen deS Kanzlers Poschinger'S Werk »Fürst Bismarck und folgende Reminiscenz mitgetheilt: Zu den gehörte S i m s o n. Schon vom Parlamente i» Erfurt her kannten sich der zukünftige Reichskanzler und der zukünftige Präsident des Reichs tageS und Präsident des ReichSgerichteS. Si nson war, wie männiglich bekannt, gleich Friedberg, einem anderen Matador deS Rechtes, ein getaufter Jude. Anknüpfcnd an diese Thatsachc und an die Tage von Erfurt erging sich nun bei einer parldmentarischen Soiree vom 20. März 1861 dem Reichskanzler gegenübler der Abgeordnete August Reichensperger in folgender Reminisceni: Eben war der frühere KönigSberger Piofestor Eduard Simson zur» Präsidenten des Erfurter VolkShauseS gewählt worden. Der Präsident verlas die Liste der gewählten Sekretäre, und unter ihnen al« Letzten auch den Namen Herr v. B iSmarck-Schö nhauscn. Ta machte der Junker Bismarck, der am Fuße der Tribüne stand, zu scinein "Nachbar Reichensperger die Bemerkung: »Mein seliger Vater würde sich dreimal im Grabe herumdrehcn, wenn er hörte, daß ich der Gelehrten geworden." — »Diesen jüdische» Reichensperger nach den vielen, vielen Iah Durchlaucht zum Präsidenten deS Reichstages gemacht." — »Ja, erwiderte der Kanzler, »waS noch Alles »uS Einem werden kann. Dabei sprach er mit Wärme über Simson Gelehrten als »einen der auSgczcichnclstcn, .-landsliebe getragenen Vertreter deS .nationalen Gedankens, als ein dem stets die tlautersten edles Gefäß, in geströmt seien." (Tcutschkn- und Zudrnhaß.) Schreiber eines jüdischen Gelehrten," sagte nun en zum Kanzler, »haben und rühmte den jüdischen von der reinsten Vater Empfindungen zusammen Der Heß führt fast überall die die den Juden in Deutsch gleiche Sprache. Genau dieselben Vorwürfe, land gemacht werden, werden gegen die Deutschen in Frankreich er hoben. Unsere Berliner Abivehrcollegin snhsrt auS einem Werke deS ProfcsiorS K o s ch w i tz in Greifswald » und Romanliteratur über den Krieg von weise deS DeutfchenhasieS in Frankreich an. süchtig, kennen weder Ritterlichkeit noch ic französische Rovellistik 1870,-71" frappante Be , Die Deutschen sind rach. Takt und Großmuth; der Besiegte ist ihnen nicht, waS er unS ist, svir beklagen ihn, sic ver achten-ihn" — heißt eS in der "Novelle , K» captivit«*“ von Ger vaiS (Seite 4J). Am schlimmsten komn c» aber die Preußen fort. Der "N'anie »1'rus?ivu" ist geradezu zuni Schimpfwort geworden, »Von« öle« nu srile I'russionist heute nohl die schlimmste Beleidi gung, die ein Franzose dem anderen i»S Gesicht schleudern kann. — Einen ganz verworfenen Menschen schildcr F>-val in der Spionen gcschichte »Mallaino Jovonxunter der Fi zur eincS Lothringers; und doch hat dieser Erzhallunke-Anspruch auf mildernde Umstände, denn er ist kein Preuße: »I,orrain, vilain, traitr.* ä sou prochaiu, grediii. vaurieu, eoquiu, pire qu'un cliien -t- — — Mai« pas Prussieu!“ (Seite 21.) In einer anderen Spionen« welle von Assolant läßt der Bcrfasier (Seite 66 und 67) einen fi anzösischcn Officier seinem "Neffen, der ihn über Preußen ausfragt, folgende liebenswürdige Schilderung entwerfen, die auffallend an antisemitische Schilderungen erinnert: »Sie sind häßlicher d nu die Raupen, böser aldie Nattern und so schmutzig, daß man sie nur mit der Zange an* «al im halben Jahre." Da hatte, so machte einfach: »DaS gibt einen ürlich auch die schlimmsten, fasten kann, denw sie waschen sich nur einst der gute Onkel nicht immer eine Zange zrr Hand er lieber keine Gefangenen, sondern tödtctc sehr guten Dung!" Die Preußen sind na unbändigsten Frcster, Fraucnschändcr :c. (Unvrrbestrrlichkr Ehradschnridtr.) Der antisemitische Agitator P l a ck - P o d g o r S k i hat noch nicht gen ig an seiner neulichcn Bcr urlhcilung wegen Ehrabschneiderci. Wie die »Post" meldet, hat er auS dem UntersuchungSgefängniste heraus vor 5 urzrm gegen den preußischen Finanzminister Dr. M iq ur l bet der Be ftncr Staatsanwaltschaft die Einleitung eines Untersuchungsverfahrens wegen Meineides beantragt. Plack-PodgorSki beschuldigt in seinem Anträge den Minister eines wissentlichen Meineides, den dieser bei seiner Vernehmung alS Zeuge in dem Proceste Plack Schweinhagcn gcleis et haben soll. Die Staatsanwaltschaft hat den Antragsteller abschlägig beschieden, da sich aus den angestcllten Ermittelungen nichts ergaben hat, was den Minister belastet. Plack PodgorSki hat sich jedoch tjri diesem Bescheide nicht be ruhigt, sondern gegen ihn Beschwerde bei der Oberstaatsanwaltschaft eingelegt. Doch hat auch diese Behörde itzn abschlägig beschieden, und Plack hat sein Anliegen nunmehr demlKammcrgerichl unterbreitet, besten Bescheid sich ohne Zweifel den Entscheidungen der Vorinstanzen anschließen wird.? , (Eine judeuseiudliche Badtverwaltung.) Die Badevcrwaltung in Heiligenhafrn an der Ostsee hat, wie daS »Oldenburger KreiSblatt" mittheilt, den Beschluß geftßt, »znm Zwecke der Bc-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.