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Freies Blatt · 1894-05-20 · 111 (20.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
111 (20.5.1894)
Date
1894-05-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Seite :s 111._ __ _ $re»e* kann. Am 10. Mai verhandelte der VcrwaltungSgerichtShof über eine Beschwerde,' bei welcher eS sich darum handelte, ob fürs Erste die Juden im Jahre 1813 in Galizien als „Unterthanen" zu betrachten waren, und zweitens, ob man von einer der „leidenden Menschheit" -gewidmeten öffentlichen Humanitätsstiftung , die jüdische» Unterthanen ausschließen dürfe. Der Beschwerde lag folgender Sachverhalt zugrunde : Die Fürstin Anna von Lothringen hatte in ihrem am 1. April 1813 errichteten Testamente ihren Geniahl, Fürste» Earl von Lothringen, zum lebenslänglichen Fruchtnießcr und Grafen Leo Potocki zum Eigenthümcr ihres Gutes Krakowiec bestimmt, mit der Verpflichtung, für ihre armen Unterthanen eine» Arzt zu bestellen. Zugleich verfügte sie, daß der neue Besitzer des GuteS in Krakowiec ein Krankenhaus errichte, welches zur „Linderung der leidenden Menschheit" zu dienen habe, zu welchem Zwecke sie ein StiftungScapital stipulirte. Der neue Gutsbesitzer errichtete auch in der That in Krakowiec ein Krankenhaus, und fein RechtSnach folger, Fürst Adam LubomirSki, schloß gelegentlich der Grundcnllastniig mit der Finanzprocuratur einen Vergleich, durch welchen daS Stiftnngscapital rcalisirt wurde. Im Jahre 18f>7 ging die KxankcnhauSverwaltung an den D'rtSpfarrcr von Krakowiec über, später an die PrzcniiiSler Pfarrei und zuletzt im Einvernehmen mit der Finanzprocuratur und der Slatlhalterci an die Gcnieiildevcrlrctuiig von Krakowiec, wobei jedoch bcstimint wurde, die Stiftung fei aus schließlich nur zu Gunsten von Gcmcindcinitgliedcr» christlicher Eonfcssion zu verwenden. Gegen diese Verfügung ergriff die Repräsentanz der israelitischen EulluSgemcinde von Krakowiec den RecurS an das Ministerium des Inner», welches in Stallgcbung desselben entschied, Faß die fragliche Stiftung s o w o h l n a ch dem Wortlaute als auch n a ch d c in ('' f i st t d er Stiflcrin allen Ürt$b ii r gt r n von Krakowiec obne Unterschied der Eonfcssion-zugute kommen solle. Gegen diese Entscheidung beschwerte sich die Geincindevertreinng von Krako wicc beim VciwaltuiigSgcrichlShofe, welcher demnach das letzte und entscheidende Wort zn sprechen halte. Ter Vertreter der beschwerdc führenden Gemeinde suchte glauben zu machen, den Beschwerdeführern liege jede confessioncllc Gehässigkeit ferne, cS bandle sich ihnen lediglich um eine principiclle Entscheidung in der Sache selbst. Ter StiilnNgS bricf spreche von „Unterthanen", die Juden seien jedoch damals außerhalb des Gesetzes gestanden, cS konnte daher der Ausdruck „Unterthanen" nicht auch auf Inden Anwendung finden Ta serncr die Juden erst jetzt nach Verlauf von vierzig Jahren ihr angebliches' Anrecht auf die Slistnug rcclamircn, sei auchdie Verjährung ein getreten, dieses Recht daher jedenfalls erloschen. Ter Vertreter des Ministeriums erklärte, 'nicht untersuche» zu wollen, ob der Beschwerde Motive antisemitischer Ratnr zugrunde lägen: »laßgcbcnd sei für die Subsuinirung deS BegrisseS „Unterthanen" d.aS so genanntc „Judenpatenl" auS dem Jahre 17>0, daS damals erlassene Hofdecret und die darauf Bezug habenden Eomincntarc. Demnach seien die Juden zur Zeit der Eirichtung der Stiftung zweifellos in Galizien schon gleichberechtigte Staatsbürger gewesen, sie unterstanden der gleichen Jurisdiction wie die Christen — sie seien daher bestininil „Unterthanen" gewesen. Hierauf sei aber kein allzu großes Gewicht zu legen, von ungleich größerer Bedeutung seien die nachfolgenden Worte, wonach die -Stiftung der „leidenden Menschheit" gcwidincl sei. Ter Vertreter der israelitischen EultüSgcnieindc von Krakowiec hob hervor, eS sei historisch, daß die Juden damals in Galizien, rcspective im Königreiche Polen gleichberechtigt waren, daß die edle Stiftcrin, Fürstin Anna von Lothringen, in diesen Traditionen herangewachscn sei und daß sie unter „leidende Menschheit" gewiß alle Menschen ohne coiifkssioncllen Unterschied vor Augen hatte, gerade so wie Kaiser Josef II. den Augarten und daS Allgemeine Krankenhaus den Menschen alö ihr Schützer widmete und nicht einer bcstiinnitcn Eon fcssion. Jede andere Interpretation hieße dem Willen der Stiftcrin Gewalt anthun, er bitte daher um Abweisung der Beschwerde. Ter VcrwaltungSgerichtShof entschied, die Beschwerde der Gemeinde Krakowiec ivcrdc alö unbegründet a bg ew i esen, da die I u de n schon nach 8 43 deS In de »Patents v o in Jahre 1780 zweifellos als „Unterthanen" zu betrachten seien und die Slrs tung d er-„leidenden Menschheit" gewidmet wurde. („Zlldcilbrot.") Ans dem zehnten Bezirke wird uns berichtet: Ter ob seiner anlisemitischen Gesinnuiig sattsam bekannte Bäckermeiller Josef Milaüek (XI. Bezirk, Hauptstraße ül wohnhaft) improvr sine am Psingstmontag in einem Gasthause nächst dem protestantischen Friedhof einen kleinen Scandal, und eS ist nur dem raschen Eingreifen deS GastwirtheS zu danken, daß eS nicht zu einer Schlägerei kam. Milaöek saß nämlich in einer Gesellschaft am sogenannten Stammtische, als ein Herr M-, Brolführcr der Mendl'schcn Brot Statt. fabrik, sich zu demselben Tische setzte und ein GlaS Wein bestellte. Kaum wurde Milaöck des neuen Gastes ansichtig, als er wülbend aufsprang und schrie: „'Ju't ämal am Feiertag hat ina von dö S . . judcn a Ruah. Ddcr gengen S' hem' a .mit Jbner.n von Knofel stinkenden Judenbrok hansiren?" M. blieb ruhig sitzen, worüber Milaöek noch mehr in Zorn gcrieth, so daß 'er sich mit geballten Fäusten auf den ihm so unliebsamen Gast stürzte. Ta legte sich aber der Wirth ins Mittel und beförderte den rabiaten Patio» raich zur Thüre hinaus. (Unbefugte (iolvortaflc.) Unser Salzburger t> - Eorre'pondeni schreibt unS: Bei meliiein letzten Anfenthalle i» Wien nalnii ich an einem Tiner theil, nach welchem ein junger Miiiisterialbeamier ans mich zutrat und mir ein grünes Büchlein mit dem Titel: „Tie Jndenfragc nnd'ihrc Lösung, objecriv dargestellt und einheitlich behandelt von Wilhelm * ** (Truck und Verlag vo» Kreisel und Gröger)", namens deS anliscinilischen VersasierS, dessen Ramen er mir übrigens gar nicht nanulc, znin Kaufe anbor; ich war aniangs ver blufft, denn cS ist gewiß mehr als sonderbar, wenn ein k. t. M'inisterial lcaintcr nach einem Tiner in anständiger GescUschaf: anliscmiti'che Pamphlete — er halte zehn Stück zu vertreiben — gegen t'Mi> cot portirt, und sich so zugleich einer llcberlrctnng des Gesetzes iowie des Wohlanstandcs schuldig macht. 'leichlSdestoiveniger kaufte ich das Buch um den Preis von 00 Kreuzern mit der ausdrücklichen Bcnierlnng: „Ich werde eS lesen und dann im .Freie» Blatte' verreisten".. Ter junge Eolporlenr und Ministerialbeamtc sah mich verdutzt an und wollte nun daS Buch nur jeden Preis zurück haben: er bei arge den Vertrieb nur auS purer Gefälligkeit und sei-selbst gar nicht Llntisemik. I Allein ich behielt' mein Buch und bestand ans meinenl Verivreche», I das ich übrigens nur zur Hälfte gehalten. Ich habe dieses „objeciivc Buch", wie cS der Eolporlenr in der Uniform eines Minislerialbeamtcn nannte, gelesen: verreißen will ich es nicht, denn daS hieße einem derartigen Absud längst anSgerreßter Scheinalgninentc und Phrasen doch zn viel Ehre anlhnn. Aber was sagen Ihre Leier zn jenem, hofsnnngsvolten Ministerialbeamten'? Mtchaiiifor. SlllUtidct i» Rtichkilhcrg. Ten, Bicchaniler Tchncider, der anläßlich eines Gewerbecongrefses, in Reichenberg weilte, ist cö dort schlecht gegangen. Tie Eongrcßtheilnehmer haben ihn zumeist geringschätzig behandelt. Wohl erwarten sie ilfv Heil von Gesetzen lind Einrichtniigen im Sinne der j,christlich socialen" Reform, doch stellen sie in Abrede/ Race». und Eonfeisiousheoe beireil>rn z» wollen Eine sehr energische Abfcrtignng hat Schneider seitens eiiier der angesehensten gewerblichen Vereinigungen Roldböhniens crfaliren In einer während des EongresieS abgehaltene», sehr zahlreich be suchten t^astwirrhcvcrsainmlung, deren Vorsitz der Vorsteher der, stieichcnberger Genossenschaft, Franz Rumlcr, sühne, und an der Wirthe anS Rcichcnberg, Gablonz und Umgebung iheitnahinen, gab der lTbmann des iiordböhniischcn GastwirlhevcrbandeS folgende, auch gegen den Eougreß gerichtete Ertlärnng ab: „Wir kennen den Mechaniker Schneider zur Genüge und werden nie mit eine::: V bände oder mit Genossenschaften pactircn, die mit eine::- v.,:..- Menschen aus gewerblichem Gebiete in - Fühlung treten oder als Volksvertreter anerkennen." / zWidkrruf lllld Abbitte, l Aus Krakau w::d : : . . ..!::ei: Ter hochwürdigc Herr Stanislaus Stojalows!: b.:z ..löblich, unterworfen" und. veröffeiillicht in einem ferner V.eine Er klärnng, in welcher er einer Weisung zn'olg.', d.: ...:: die heilige Jngnisition in Rom crtheille. Alles widerrn'i. was in 'einen A>n sätzcn mit den Lehren der Kirche nicht nbereiiistim:u,' oder für die galizischen Bischöfe verletzend er'cheine. Er hab.e sich der ihm vom Erzbischof von Lemberg anbefohlenen Recolleciion unlerrogen und bitte die beleidigken Kirchenfnrsten öffentlich um Verzeihung. In Zu kniift werde er, belheuerk der Reuige, Artikel,. die mit dem Glauben und der öffentlichen Moral zusammenhänge», vorher der Kirchen behörde zur Approbation vorlege». Tie Wiener Attlifeinilen dürsten den hochwurdigen Herrn nicht mehr alS Zugkraft in ihren Versainni Ilingcn vcrwerrhen können. ' z?ic Gcschäslsvriifis des LUisttürductcn Zurkü».) Wie bekannt, hat der griechisch orientalische Eonsistorialrath Tr. Znrkan auS Ezerno- ' witz bei Gelegenheit. der diesjährigen Debatte über die Volts schulen im Abgcordnctenhause eine Rede gehalten, in welcher er sich gegen die Anstellung jüdischer Lehrkräfte wandte -und aus einem 'Bei spiele, dessen Richtigkeit noch keineswegs erwiesen ist, ableiteie, daß die jüdischen RcligionSgcsctze den jüdischen Lehrern angeblich all das zn thnn gestatten, woraus für sic ein Geschäftchen erwachse» konnte.' Seine Rede hat in der Bukowina begreiflicherweise großes Aufsehen erregt. Tic „Bnkowinger Nachrichten" befassen sich nun sehr ein gehend mit Her»» Znrkan, und ans einer in dem crwähn't>n Blaue

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